FamilienglückDer Wert wahrer Freundschaft

Die beste Freundin von gestern wird heute nicht mehr eingeladen. Mark Spörrle versucht, die Freundschaft zu retten – auch wegen der netten Eltern.

Luise plante ein Fest zum Viereinhalbjährigen. Nein, das ist fast normal, andere Kinder tun das auch, in den USA feiern Familien sogar schon den Viereinvierteljährigen.

Aber das war nicht das Problem. Das Problem war Mia. Mia war Luises allerbeste Freundin. War.

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Von dem war erfuhren wir, als wir mit Luise Einladungskarten für das Fest schrieben. Für Anna, Leonie, Maja, Sophia.

"Nicht für Lilly", sagte Luise, aber damit hatten wir gerechnet. Lilly, anderthalb Wochen lang die allerbeste Freundin, war nach einem Krach um einen Glitzersticker zur Freundin abgestiegen und hatte dieses Rating zwei Tage lang gehalten. Dann stellte sie sich sich im Kindergarten vor Luise und wollte wissen: "Bin ich schön?". Aus Sicht unser Tochter rechtfertigte dies das sofortige Ende der Freundschaft.

Familienglück - die Kolumne

Mama und Papa gehen arbeiten, die Kleine in den Kindergarten. Das perfekte Familienglück ist nur eine Frage der Organisation, oder? Mark Spörrle schreibt in seiner Kolumne "Familienglück" über die Tücken des Alltags.

Unter kleinen Mädchen ist ein solcher Zickenkrieg offenbar üblich: Pädagogen zufolge trainieren sie so ihre sozialen Fähigkeiten für später, zum Beispiel für Facebook. Eltern bleibt da nur, Verständnis zu zeigen. Zumal wir sowieso nie so recht wussten, was wir mit Lillys Eltern reden sollten. Und im Anschluss an das Kinderfest planten wir noch ein kleines Beisammensein mit den Müttern und Vätern. "Gut", sagte meine Liebste eine Spur zu schnell, "dann kommt Lilly eben nicht! Dann schreiben wir noch die Einladung für Mia..."

"Neeeiiin!", rief Luise. "Mia ist nicht mehr meine Freundin!"

Meine Liebste und ich sahen uns verunsichert an.

"Mia, Luise!", sagte ich. "Mia, mit der du seit den ersten Kindergartentagen befreundet bist. Mit der wir gerade erst im Zoo waren!" Mit deren Mutter meine Liebste regelmäßig telefonierte und mit deren Vater ich zum Squash ging.

Luise ließ sich nicht umstimmen. Meine Liebste wollte wissen, warum. Luise schrie, das sei eben so.

Als sie im Bett war rief meine Liebste Mias Mutter an. "Ist es nicht toll, wie gut unsere beiden Mädchen sich verstehen?!", jubilierte die. "Mia freut sich schon so auf Luises Fest. Und wir können uns endlich auch mal wieder alle sehen!"

"Äh, ja, wir freuen uns auch..." stammelte meine Liebste.

An diesem Abend beschlossen wir, die Einladung für Mia zu fälschen. Nicht auszudenken, wenn wir am nächsten Morgen den Eltern der anderen Mädchen die Karten gäben - und ausgerechnet Mias Eltern nicht! Und wenn Mia noch nichts vom Ende der Freundschaft wusste, standen die Chancen gut, dass Luise sie wegen einer geliehenen Hello-Kitty-Haarspange oder einem zusammen aus der Toilette vertriebenen Jungen schon morgen wieder zur Freundin hochstufte. Mindestens.

Am nächsten Abend fragten wir hoffnungsvoll bei unserer Tochter nach. "Mia ist nicht mehr meine Freundin!", beharrte die.

Leserkommentare
  1. Zum Glück habe ich einen Sohn. Ich hoffe, dass ich um sowas herumkomme...

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    dass sich dieses infantile Verhalten mit den Jahren gibt. Aber wenn ich mir die (z.T. schon volljährigen) Schülerinnen meiner Frau und meine eigenen Arbeitskolleginnen anschaue, dann kommen mir doch Zweifel.

    • Anja66
    • 28.02.2012 um 14:28 Uhr

    wird das aber nur bleiben - aber einen Silberstreif am Horizont gibt es:
    spätestens wenn der Sprößling 18 ist, ist das nicht mehr Ihr Problem ;-)
    Dann haben Sie das Problem nur noch mit den Kolleginnen und Kollegen und den Freundinnen und Freunden ....

    dass sich dieses infantile Verhalten mit den Jahren gibt. Aber wenn ich mir die (z.T. schon volljährigen) Schülerinnen meiner Frau und meine eigenen Arbeitskolleginnen anschaue, dann kommen mir doch Zweifel.

    • Anja66
    • 28.02.2012 um 14:28 Uhr

    wird das aber nur bleiben - aber einen Silberstreif am Horizont gibt es:
    spätestens wenn der Sprößling 18 ist, ist das nicht mehr Ihr Problem ;-)
    Dann haben Sie das Problem nur noch mit den Kolleginnen und Kollegen und den Freundinnen und Freunden ....

  2. Einfältiger geht's nicht.

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  3. empfinde ich diese Geschichten schon als eine Gefahr für die deutsche Rentenversicherung...

    2 Leserempfehlungen
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    • bukoca
    • 27.02.2012 um 17:42 Uhr

    Ihren Kommentar verstehe ich gar nicht. Herr S. ha doch etwas für die Rentenversicherung getan und einen zukünftigen Rentenzahler geschaffen ; -). Oder wie meinen Sie das? Die Geschichte ist amüsant wie immer. Das Geschehen ist ebenfalls absolut nachvollziehbar. Schön, dass Luise so eine selbstbewusste kleine Person ist. Irritiert hat mich nur die wortreiche Erklaerung, bzw. fast Entschuldigung zu Beginn, dass ein Fest zum 4,5 jährigen Geburtstag gefeiert werden sollte. Man soll die Feste feiern, wie sie fallen.

    • bukoca
    • 27.02.2012 um 17:42 Uhr

    Ihren Kommentar verstehe ich gar nicht. Herr S. ha doch etwas für die Rentenversicherung getan und einen zukünftigen Rentenzahler geschaffen ; -). Oder wie meinen Sie das? Die Geschichte ist amüsant wie immer. Das Geschehen ist ebenfalls absolut nachvollziehbar. Schön, dass Luise so eine selbstbewusste kleine Person ist. Irritiert hat mich nur die wortreiche Erklaerung, bzw. fast Entschuldigung zu Beginn, dass ein Fest zum 4,5 jährigen Geburtstag gefeiert werden sollte. Man soll die Feste feiern, wie sie fallen.

    • bukoca
    • 27.02.2012 um 17:42 Uhr
    4. Bitte?

    Ihren Kommentar verstehe ich gar nicht. Herr S. ha doch etwas für die Rentenversicherung getan und einen zukünftigen Rentenzahler geschaffen ; -). Oder wie meinen Sie das? Die Geschichte ist amüsant wie immer. Das Geschehen ist ebenfalls absolut nachvollziehbar. Schön, dass Luise so eine selbstbewusste kleine Person ist. Irritiert hat mich nur die wortreiche Erklaerung, bzw. fast Entschuldigung zu Beginn, dass ein Fest zum 4,5 jährigen Geburtstag gefeiert werden sollte. Man soll die Feste feiern, wie sie fallen.

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    Antwort auf "So ein bisschen"
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    und ich missgönne niemandem sein Familienglück. Bei der "Amüsanz" scheinen die Ansichten dann aber doch auseinander zu gehen. Vielleicht denke ich ja, sollte es mal soweit sein, tatsächlich genau so. Momentan treibt's mir die Begeisterung aber eher aus; keine Ahnung, wie es anderen geht.

    • bukoca
    • 27.02.2012 um 20:10 Uhr

    ...sein, auch mit Ihren Aufgaben wachsen. Als Mutter und Großmutter kann ich jedenfalls sehr schmunzeln. Bedenken Sie, dass einen die Liebe zu den Kindern auch eine Menge aushalten lässt. Ähnlich bühnenreife Aktionen, wie die von Luise haben wir mit den Kindern auch erlebt und es trotzdem nie bereut, sie zu haben.

    und ich missgönne niemandem sein Familienglück. Bei der "Amüsanz" scheinen die Ansichten dann aber doch auseinander zu gehen. Vielleicht denke ich ja, sollte es mal soweit sein, tatsächlich genau so. Momentan treibt's mir die Begeisterung aber eher aus; keine Ahnung, wie es anderen geht.

    • bukoca
    • 27.02.2012 um 20:10 Uhr

    ...sein, auch mit Ihren Aufgaben wachsen. Als Mutter und Großmutter kann ich jedenfalls sehr schmunzeln. Bedenken Sie, dass einen die Liebe zu den Kindern auch eine Menge aushalten lässt. Ähnlich bühnenreife Aktionen, wie die von Luise haben wir mit den Kindern auch erlebt und es trotzdem nie bereut, sie zu haben.

  4. Ja, daran erinnere ich mich lebhaft aus meiner eigenen Kindheit (Jungs gehn da auch ganz gern in die vollen, aber Mädchen machen dabei gern mehr Krach)
    Kleiner Tipp von meiner Oma, mit dem ich ganz nebenbei auch noch etwas über Höflichkeit lernte: Bei der Gästeliste war immer die erste Frage: Wer hat Dich im Lauf des letzten Jahres zum Geburtstag eingeladen? Das waren meistens etwa 5 bis 6 Kinder. Und die Anzahl der Gäste war räumlich bedingt auf 7 limitiert, da half alles heulen und "Aber die andern dürfen!" nicht.
    Ansonsten: Viel Spaß auf der After-Kinder-Party :-)

  5. und ich missgönne niemandem sein Familienglück. Bei der "Amüsanz" scheinen die Ansichten dann aber doch auseinander zu gehen. Vielleicht denke ich ja, sollte es mal soweit sein, tatsächlich genau so. Momentan treibt's mir die Begeisterung aber eher aus; keine Ahnung, wie es anderen geht.

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    Antwort auf "Bitte?"
  6. Den Elternstress kann ich nicht nachvollziehen. Da ruft man Mias Eltern an und teilt ihnen mit, dass ihre Töchter wohl gerade eine Streitphase haben und man noch nicht wisse, wie es zum Zeitpunkt des Festes aussehen wird.
    Wenn die nicht damit umgehen können, ist das ärgerlich. Dann verstehen sie nichts von den Dynamiken kleiner Kinder. Ansonsten sollen Mia und Luise das mit sich selbst ausmachen. Klar, es gibt natürlich Grenzen, die, sofern sie überschritten werden, eine Einmischung der Eltern erfordern. Da kann man nur hoffen, dass in der Kommunikation mit dem Kind Offenheit etabliert ist. Der Tochter ein schlechtes Gewissen wegen ihrer Gefühle zu machen, ist völlig daneben. Ihr zu vermitteln, dass sie dadurch nicht ausfällig oder handgreiflich werden darf, berechtigt.

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    • Ortrun
    • 27.02.2012 um 18:26 Uhr

    Ganz meine Meinung. Die meisten Eltern mischen sich viel zu viel ein. "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich" - Kinder können das noch. Wir Erwachsenen sind dafür meistens viel zu nachtragend.

    .... dann wäre der ganz Artikel doch nicht mehr so amüsant. Und er ist es wirklich, denn es steckt soviel Wahres in ihm.

    Und er ist zeitlos, denn auch ich kann mich erinnern (oder bekam es von den Eltern erzählt. Lachend übrigens!) wechselnde "weltbeste Freunde" in Kindergarten und Grundschule gehabt zu haben.

    • Ortrun
    • 27.02.2012 um 18:26 Uhr

    Ganz meine Meinung. Die meisten Eltern mischen sich viel zu viel ein. "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich" - Kinder können das noch. Wir Erwachsenen sind dafür meistens viel zu nachtragend.

    .... dann wäre der ganz Artikel doch nicht mehr so amüsant. Und er ist es wirklich, denn es steckt soviel Wahres in ihm.

    Und er ist zeitlos, denn auch ich kann mich erinnern (oder bekam es von den Eltern erzählt. Lachend übrigens!) wechselnde "weltbeste Freunde" in Kindergarten und Grundschule gehabt zu haben.

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