Familienglück: "Ich bin mammrig"
Mark Spörrle forscht zum Thema "Kind lehnt Vater ab". Warum will seine Tochter nur nicht mehr von ihm ins Bett gebracht werden?
Ganz ohne Frage: Ich liebe meine Tochter Luise.
Ganz ohne Frage: Sie mich auch.
Dumm nur, dass sie sich das auf einmal nicht mehr anmerken ließ. Von einem Tag auf den anderen.
"Mami soll das machen!", rief Luise, wenn ich mit ihr ins Bad zum Zähneputzen gehen wollte, ihr die Haare waschen, sie morgens aus dem Bettchen holen oder abends ins Bettchen verfrachten wollte. "Mami macht das! Lass mich, Papi! Lass mich!"
"Was ist los?", fragte ich. "Tut dir etwas weh?"
"Papi!", Luise verdrehte die Augen. "Ich bin mammrig!"
"Mammrig?", fragte ich.
"Mammrig!", sagt Luise.
"Und wann bist du wieder – papprig?", fragte ich.
"Nach übermorgen!", sagte Luise.
- Familienglück - die Kolumne
- Mama und Papa gehen arbeiten, die Kleine in den Kindergarten. Das perfekte Familienglück ist nur eine Frage der Organisation, oder? Mark Spörrle schreibt in seiner Kolumne "Familienglück" über die Tücken des Alltags.
© Mark Spörrle
Am nächsten Tag sagte sie dasselbe, am übernächsten auch. Meine Liebste stöhnte auf:
"Warum, Luise? Was hast du mit Papi?"
"Ich bin mammrig", sagte Luise. "Ich möchte Papi gar nicht mehr!"
Und sie blieb dabei. So sehr ich bat, schimpfte, drohte. Und wenn ich sie einfach ins Bad tragen oder aus dem Bett heben wollte, kreischte sie wie im Horrorfilm.
Irgendwann fängt man da selbst als Mann an, sich Gedanken zu machen, was geschehen war. Nämlich nichts. Es hatte keinen Zwischenfall beim Zähneputzen gegeben, keine Probleme beim Kämmen, beim Kuscheln erst recht nicht. "So was habe ich mit meiner Tochter noch nie erlebt", sagte der Vater von Luises Kindergartenfreundin Mia ungläubig. "Sie will immer nur mit mir die Zähne putzen. Und immer nur ich soll ihr den Po abwischen. Aber wir haben halt ein harmonisches Vater-Kind-Verhältnis…"
Liegt es an der Gute-Nacht-Geschichte?
Ich googelte "Kind lehnt Vater ab". Gleich im ersten Baby- und Kleinkindforum schilderte eine Mutter namens Anja einen ähnlichen Fall: Ohne jeden Grund wollte ihre Tochter auf einmal vom Vater nichts mehr wissen. Anja war ratlos. Eine Forumsteilnehmerin vermutete einen Virus. Eine andere schrieb, die clevere Kleine habe früh erkannt, dass die Väter von heute nichts als Schaumschläger seien, die in Wahrheit alle Arbeit den Müttern überließen. Irgendwann fiel Mutter Anja dann ein, dass ihr Mann, statt der Kleinen wie früher immer eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen, in letzter Zeit häufig spät aus dem Büro kam. Angeblich, weil sein neuer kinder- und gnadenloser Chef das verlangte – wie lächerlich! Und wenn sie sich das recht überlege, wolle sie mit so einem verantwortungslosen, karrierefixierten Typen gar nicht mehr zusammen sein.
Glücklicherweise war mein Gute-Nacht-Geschichten-Verhalten in letzter Zeit in etwa gleich geblieben: Immer wieder schaffte ich es gerade noch rechtzeitig nach Hause, bevor Luise ins Bett musste. Manchmal aber auch nicht. Im Gegenzug wurde meine Liebste beim Abendessen und an freien Tagen von Kollegen angerufen, und wenn sie bei der kranken Luise daheim blieb, musste sie vom Home-Office aus arbeiten. Kurz: Der Ist-Zustand verhielt sich zum Idealzustand so, dass unsere Tochter, wenn schon, uns alle zwei hätte ablehnen müssen.
Gummibärchen dafür, dass Papi die Zähne putzt
An diesem Abend erwischte ich meine Liebste, wie sie nach dem Essen mit Luise flüsterte.
"Nein!", rief Luise, "ich will kein Gummibärchen!"
"Zwei!", bot meine Liebste. "Drei!"
Luises Gesicht wurde nachdenklich.
"Wofür sind die Gummibärchen?", fragte ich, einer Ahnung folgend.
"Dafür, dass ich mit Papi die Zähne putze", grinste Luise.
Ich bat meine Liebste auf Englisch, sofort damit aufzuhören, mich in unwürdigster Weise zu verhökern, ich sei schon verletzt genug. Meine Liebste erwiderte, sie habe es doch nur gut gemeint.





kein Internet, weder mit Selbsthilfegruppe noch mit Kinderpsychologinnen oder sonstigen ExpertInnen.
Deshalb fand man eine Lösung auch selbst, im Zweifel sogar schneller und auf jeden Fall mit weniger Trara.
kein Internet, weder mit Selbsthilfegruppe noch mit Kinderpsychologinnen oder sonstigen ExpertInnen.
Deshalb fand man eine Lösung auch selbst, im Zweifel sogar schneller und auf jeden Fall mit weniger Trara.
Das gilt meiner Meinung nach aber nicht in jedem Fall. Gerade bei Krankheiten war mir das Internet oft eine sehr hilfreiche Möglichkeit, mich über Alternativen zu informieren. Zum Beispiel bei einer Labiensynechie, Scheidenverklebung bei Mädchen. Die erste Ärztin sagte aufreißen, die zweite Ärztin sagte aufschneiden, die dritte Ärztin verordnete Hormonpräparate, die vierte sagte, dass alles so bleiben soll wie es ist, solange das Kind keine Beschwerden beim Wasserlassen zeigt. Ohne das Internet hätte ich entweder der ersten Ärztin vertraut oder mich auf mein Gefühl verlassen. Aber ist das eigene Gefühl bei solchen Dingen immer die richtige Entscheidung? Ich habe schließlich keine medizinische Ausbildung.
kein Internet, weder mit Selbsthilfegruppe noch mit Kinderpsychologinnen oder sonstigen ExpertInnen.
Deshalb fand man eine Lösung auch selbst, im Zweifel sogar schneller und auf jeden Fall mit weniger Trara.
Das gilt meiner Meinung nach aber nicht in jedem Fall. Gerade bei Krankheiten war mir das Internet oft eine sehr hilfreiche Möglichkeit, mich über Alternativen zu informieren. Zum Beispiel bei einer Labiensynechie, Scheidenverklebung bei Mädchen. Die erste Ärztin sagte aufreißen, die zweite Ärztin sagte aufschneiden, die dritte Ärztin verordnete Hormonpräparate, die vierte sagte, dass alles so bleiben soll wie es ist, solange das Kind keine Beschwerden beim Wasserlassen zeigt. Ohne das Internet hätte ich entweder der ersten Ärztin vertraut oder mich auf mein Gefühl verlassen. Aber ist das eigene Gefühl bei solchen Dingen immer die richtige Entscheidung? Ich habe schließlich keine medizinische Ausbildung.
was für eine schöne Geschichte mit viel Herz und Wahrheit. Wenn der Verstand des Erwachsenen etwas will, dann sind Kinder oft die besten die das irgenwie heraus bekommen. Die Lösung ist so wunderschön beschrieben. Erste wenn es dem Erwachsenen "egal" ist wer die Tochter/Sohn ins Bett bringt hat der "Elter" gelernt sein Gehirn zu beruhigen! Egal wie politisch korrekt das ist. Egal wie angepisst der andere "Elter" ist...
Danke für den Schlussabsatz! Eigentlich hätte ich von selbst drauf kümmern müssen. Mangel erzeugt Begehrlichkeiten.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/kvk
"stattdessen sollten sie sich zur Gänze mit einer Tätigkeit als Hausmann & Vater"
...immer dieses beleidigte Rumgetue, haben wir Männer das nötig? Der Mittelweg ist das Beste, war er früher auch schon, nur für die Männer schwerer zu realisieren. Und viele merk(t)en gar nicht, dass ihre berufliche Selbst-Aufopferung uU gar nicht gewollt ist. Ich wage sogar zu behaupten, dass manche Männer das nur als Vorwand benutzen, weil sie mit Kindern nicht richtig umgehen können oder wollen und derartigen Unsicherheiten lieber ausweichen.
"bescheiden und die Frauen in den rauen Wind des Arbeitsmarktes schicken. Schon, damit denen klar wird, wie mild und weich das böse "Patriarchat" bislang mit ihnen umggegangen ist"
*lol* und die Männer merken, wie brutal anstrengend es ist, den ganzen Tag ein/mehrere Kind(er) zu versorgen. Und da spreche ich aus eigener Erfahrung, nach zwei Tagen Kind behüten sehne ich mich nach einem Tag im Büro.
Opfer ... augenroll- so'ne liebliche Geschichte und schon grunzt einer gleich wieder über die geldgeilen Frauen, die auch nur deshalb Kinder bekämen.#
Mann oh Mann, ist der Krug Alltagsglück etwa sang- und klanglos vorbeigeschwebt?
"stattdessen sollten sie sich zur Gänze mit einer Tätigkeit als Hausmann & Vater"
...immer dieses beleidigte Rumgetue, haben wir Männer das nötig? Der Mittelweg ist das Beste, war er früher auch schon, nur für die Männer schwerer zu realisieren. Und viele merk(t)en gar nicht, dass ihre berufliche Selbst-Aufopferung uU gar nicht gewollt ist. Ich wage sogar zu behaupten, dass manche Männer das nur als Vorwand benutzen, weil sie mit Kindern nicht richtig umgehen können oder wollen und derartigen Unsicherheiten lieber ausweichen.
"bescheiden und die Frauen in den rauen Wind des Arbeitsmarktes schicken. Schon, damit denen klar wird, wie mild und weich das böse "Patriarchat" bislang mit ihnen umggegangen ist"
*lol* und die Männer merken, wie brutal anstrengend es ist, den ganzen Tag ein/mehrere Kind(er) zu versorgen. Und da spreche ich aus eigener Erfahrung, nach zwei Tagen Kind behüten sehne ich mich nach einem Tag im Büro.
Opfer ... augenroll- so'ne liebliche Geschichte und schon grunzt einer gleich wieder über die geldgeilen Frauen, die auch nur deshalb Kinder bekämen.#
Mann oh Mann, ist der Krug Alltagsglück etwa sang- und klanglos vorbeigeschwebt?
Leider liegt bei den Kleinen keine Bedienungsanleitung dabei wenn sie zur Welt kommen. Wie haben das bloß unsere Eltern gemacht - ohne Internet und ohne PsychologInnen ? OK, auch früher war nicht alles besser.
Aber der letzte Absatz sagt eigentlich alles: erst mal locker bleiben, nicht wieder den Helikopter rausholen. Die Kleinen haben halt ihre Phasen, in denen sie gnadenlos ausprobieren, was geht.
Die gute Nachricht ist, auch die Eltern wachsen mit ihren Kindern. Und das sollten sie auch; denn wie soll es erst während der Pupertät funktionieren, wenn es schon beim ersten Zähneputzen kriselt?
ja, schöner Artikel. Umgekehrte Psychologie hilft oft bei Kindern, manchmal nicht nur bei denen :-)
Bei unserem Sohn wechselt das auch immer mal, oft unvorhersehbar. Was auch noch gut funktioniert (zumindest bei Jungs) ist die Konkurrenzsache, ein "wer ist schneller im Bad" oder "Papa darf aber als erster Zähne putzen" führt nicht selten zu panikartiger Reaktion. Ganz ohne Rumgejammere und zehnmal ermahnen hat man das gewünschte Ziel erreicht. Nur ärgerlich, dass die das alles irgendwann durchschauen ;-)
Meiner Meinung nach sind Sie, Herr Autor, bis jetzt viel zu weich gewesen zu Ihrer Tochter. Das wünscht sich kein Kind von seinem Vater. Gut, dass Sie am Ende bisschen abgelenkt haben. Ich selber habe keine Kinder, bin also kaum befugt, Lektion über Erziehung zu verpassen. Aber ich war auch damals Kind, mit einer weichen Mama und einem harten Papa. Ich habe sie beide gleich geliebt, und die Härte meines Vaters hat mir viiiel gebracht fürs Leben.
Nehmen Sie bitte das als Ratschlag, und nicht als Vorwurf.
...ich verstehe den Ratschlag. Das Problem ist, dass, wer einmal mit Härte anfängt, das auch bis zum Ende durchhalten muss. Denn freiwillig kommt das Kind dann nicht mehr, was auch für die Eltern nicht schön ist. Härte und Strenge zerstört auf Dauer was in der Beziehung.
Und Kinder reagieren sehr unterschiedlich darauf, wenn ich z.B. versucht habe meinen Sohn zu irgendwas zu zwingen (z.B. früh anziehen für den KiGa oä.), dann endete das durchaus öfter in einer nervenaufreibenden Schrei-und-Heul-Orgie in der dann gar nichts mehr vorwärts ging. Sowas konditioniert auch die Eltern :-) Und den Willen des Kindes mit Gürtelschlägen komplett zu brechen, ist weder zeitgemäß, noch erlaubt und auch menschlich ziemlich mies.
Am Ende kommt man mit Tricks und Einfühlungsvermögen besser weiter, das Kind kann sich besser entfalten und lernen und man selbst hat auch weniger Stress.
Wobei ich nicht meine, dass man sich nicht auch mal mit Nachdruck durchsetzen sollte, aber das muss man sowieso, denn Kinder neigen stets dazu, zu übertreiben.
auch Ratschläge
kommen von vorherigen Schlägen
dieser Virus in unseren Köpfe ist sehr schwer behandelbar
...ich verstehe den Ratschlag. Das Problem ist, dass, wer einmal mit Härte anfängt, das auch bis zum Ende durchhalten muss. Denn freiwillig kommt das Kind dann nicht mehr, was auch für die Eltern nicht schön ist. Härte und Strenge zerstört auf Dauer was in der Beziehung.
Und Kinder reagieren sehr unterschiedlich darauf, wenn ich z.B. versucht habe meinen Sohn zu irgendwas zu zwingen (z.B. früh anziehen für den KiGa oä.), dann endete das durchaus öfter in einer nervenaufreibenden Schrei-und-Heul-Orgie in der dann gar nichts mehr vorwärts ging. Sowas konditioniert auch die Eltern :-) Und den Willen des Kindes mit Gürtelschlägen komplett zu brechen, ist weder zeitgemäß, noch erlaubt und auch menschlich ziemlich mies.
Am Ende kommt man mit Tricks und Einfühlungsvermögen besser weiter, das Kind kann sich besser entfalten und lernen und man selbst hat auch weniger Stress.
Wobei ich nicht meine, dass man sich nicht auch mal mit Nachdruck durchsetzen sollte, aber das muss man sowieso, denn Kinder neigen stets dazu, zu übertreiben.
auch Ratschläge
kommen von vorherigen Schlägen
dieser Virus in unseren Köpfe ist sehr schwer behandelbar
"stattdessen sollten sie sich zur Gänze mit einer Tätigkeit als Hausmann & Vater"
...immer dieses beleidigte Rumgetue, haben wir Männer das nötig? Der Mittelweg ist das Beste, war er früher auch schon, nur für die Männer schwerer zu realisieren. Und viele merk(t)en gar nicht, dass ihre berufliche Selbst-Aufopferung uU gar nicht gewollt ist. Ich wage sogar zu behaupten, dass manche Männer das nur als Vorwand benutzen, weil sie mit Kindern nicht richtig umgehen können oder wollen und derartigen Unsicherheiten lieber ausweichen.
"bescheiden und die Frauen in den rauen Wind des Arbeitsmarktes schicken. Schon, damit denen klar wird, wie mild und weich das böse "Patriarchat" bislang mit ihnen umggegangen ist"
*lol* und die Männer merken, wie brutal anstrengend es ist, den ganzen Tag ein/mehrere Kind(er) zu versorgen. Und da spreche ich aus eigener Erfahrung, nach zwei Tagen Kind behüten sehne ich mich nach einem Tag im Büro.
Wer Kindererziehung als brutal anstrengend empfindet und Sehnsucht nach dem Büro hat, sollte auch dort bleiben und die Finger von Kindern und jeglich anderer Verantwortung lassen...
Wer Kindererziehung als brutal anstrengend empfindet und Sehnsucht nach dem Büro hat, sollte auch dort bleiben und die Finger von Kindern und jeglich anderer Verantwortung lassen...
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