Jahres-Bilanz Ein Bildungspaket, das wenig bildet

Immer mehr arme Kinder profitieren vom Bildungspaket. Trotzdem bleiben schwerwiegende Mängel.

"Bürokratiemonster", "Gesetzesmurks", "krachend gescheitert" – das Urteil von Opposition und Sozialverbänden über das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) für bedürftige Kinder fällt ein Jahr nach seinem Inkrafttreten verheerend aus. Ursula von der Leyen (CDU) sieht das naturgemäß etwas anders.

"Das Bildungspaket ist aus dem Gröbsten raus", verkündete die Arbeitsministerin am Freitag in Berlin zufrieden. Im April 2011 hatte der Bund 1,6 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, um Kindern aus einkommensschwachen Familien Zuschüsse für Bildungs- und Freizeitangebote, Klassenreisen und das tägliche Mittagsessen zu gewähren.

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Die Ministerin hatte damit ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts umgesetzt, das eine Neuberechnung der Kinderregelsätze von Hartz-IV-Empfängern verlangt hatte.

Hälfte der Kinder nicht gefördert

Zwar sei der Start holprig gewesen, räumte von der Leyen in ihrer Jahresbilanz ein. Doch nun sieht sie sich auf der Erfolgsspur. Nach einer Erhebung der kommunalen Spitzenverbände haben bis März 2012 zwischen 53 und 56 Prozent der berechtigten Kinder Anträge auf Unterstützung gestellt. Noch im Juni 2011 waren es nur zwischen 27 und 31 Prozent gewesen.

Dass damit nach wie vor fast die Hälfte aller Kinder nicht gefördert wird, lässt sich zumindest zum Teil dadurch erklären, dass zu den Berechtigten Kinder zwischen 0 und 18 Jahren gehören, ein großer Teil der Leistungen aber nur für Schulkinder relevant ist. Darüber hinaus wird manche Förderung wie etwa der kostenlose Schülertransport in einigen Kommunen ohnehin bereits angeboten.

Note 2,6

Stolz ist von der Leyen auch darauf, dass die Betroffenen das Bildungspaket in einer Befragung mit der Schulnote 2,6 bewerteten. Befürchtungen, dass die Anträge zu kompliziert seien, dass die Inanspruchnahme Kinder stigmatisiere oder Eltern ihre Kinder nicht in Vereine schickten, weil sie Folgekosten fürchteten, hätten sich nicht bestätigt.

Am stärksten gefragt ist allerdings nach wie vor das bezuschusste Mittagessen. Auf Platz zwei folgen Klassenausflüge. Sport- und Musikunterricht oder die Lernförderung spielen dagegen mit 23 beziehungsweise sieben Prozent nur eine untergeordnete Rolle. Streng genommen könnte man also sagen: Bildung steht beim Bildungspaket nicht im Vordergrund.

Leser-Kommentare
  1. gibt es bei allen neuen Maßnahmen, auch und gerade sozialpolitischen.

    Das Problem von zu viel Bürokratie ist insgesamt kaum zu vermeiden, wenn man den Kreis der Förderberechtigten erst einmal eingegrenzt hat.

    Die einzige Alternative dazu wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen oder Bürgergeld.
    Das käme gänzlich ohne Bürokratie und Kontrolle aus.

    kassandra

    10 Leser-Empfehlungen
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    • ribera
    • 30.03.2012 um 20:25 Uhr

    Das kommt auch ohne eigene Arbeit aus.

    • Otto2
    • 31.03.2012 um 14:07 Uhr

    und schwadroniert wie ein überlegener und in diesem Beispiel auch eitler Sieger eines Fußballspiels.
    Das angestrebte Ziel ist meilenweit verfehlt. Tatsächliche Verlierer ist leider die Mehrheit der Kinder, deren Entwicklung gefördert werden sollte.
    Der zweite Verlierer ist die Gesellschaft. Entwicklungspotenzial von den Arbeitenden der nächsten Jahrzehnte bleibt unentwickelt.
    Es gibt natürlich einen Ausweg, der schon seit dem Beginn der Diskussionen um das Bildungspaket in der Debatte war!
    Die Mittel und natürlich geeignetes Personal gehört in Ganztagsschulen, Horte usw., wo Lehrer u. a., weil in (meist) Kenntnis der Familiensituation, gezielt die Kinder fördern könnten.
    Die ideologische Engstirnigkeit von Frau von der Leyen und der ihres Ministeriums schadet vielen Kindern. Traurig!

    • ribera
    • 30.03.2012 um 20:25 Uhr

    Das kommt auch ohne eigene Arbeit aus.

    • Otto2
    • 31.03.2012 um 14:07 Uhr

    und schwadroniert wie ein überlegener und in diesem Beispiel auch eitler Sieger eines Fußballspiels.
    Das angestrebte Ziel ist meilenweit verfehlt. Tatsächliche Verlierer ist leider die Mehrheit der Kinder, deren Entwicklung gefördert werden sollte.
    Der zweite Verlierer ist die Gesellschaft. Entwicklungspotenzial von den Arbeitenden der nächsten Jahrzehnte bleibt unentwickelt.
    Es gibt natürlich einen Ausweg, der schon seit dem Beginn der Diskussionen um das Bildungspaket in der Debatte war!
    Die Mittel und natürlich geeignetes Personal gehört in Ganztagsschulen, Horte usw., wo Lehrer u. a., weil in (meist) Kenntnis der Familiensituation, gezielt die Kinder fördern könnten.
    Die ideologische Engstirnigkeit von Frau von der Leyen und der ihres Ministeriums schadet vielen Kindern. Traurig!

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/jz

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    Richtig,
    und das Abiturzeugnis gebt jedem gleich zusammen mit der Geburtsurkunde, dann ist endlich mal Ruh von wegen Chancen-Ungleichheits-Geplärre.

    Richtig,
    und das Abiturzeugnis gebt jedem gleich zusammen mit der Geburtsurkunde, dann ist endlich mal Ruh von wegen Chancen-Ungleichheits-Geplärre.

  3. 3. Abitur

    Richtig,
    und das Abiturzeugnis gebt jedem gleich zusammen mit der Geburtsurkunde, dann ist endlich mal Ruh von wegen Chancen-Ungleichheits-Geplärre.

    4 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "[...]"
    • bugme
    • 30.03.2012 um 20:22 Uhr

    Man braucht für eine Anfangchance keinen pauschalen 100.000€ Kredit.
    Klar hätte ich den gern, würde mir evtl. eine Wohnung von kaufen, klassenkameraden evtl. gleich einen sportwagen - was hat das dann noch mit Startchance zu tun?

    Antwort auf
    • ribera
    • 30.03.2012 um 20:25 Uhr

    Das kommt auch ohne eigene Arbeit aus.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Anlaufschwierigkeiten"
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    . . .und? So schlimm ?

    . . .und? So schlimm ?

  4. "Bildung" für Kleinkinder in Form von Spielzeug und Büchern ist gar nicht vorgesehen. Oder gibt es Bildungsgutscheine in Form von Gutscheinen für Spielzeugläden? Dabei ist fehlende frühkindliche Förderung und Anregung kaum wieder auszugleichen.

    Im Hartz4 Satz kann ich nicht einmal die für die "Körperpflege" der Kleinsten notwendigen Windeln entdecken, die sich realistischerweise auf ca.50 Euro monatlich belaufen, aber in dem Körperpflege-Gesamt-Etat mit ein paar Euro unter 10 Euro angegeben werden. Wie soll eine Familie das hinkriegen?

    Für die musikalische Bildung braucht es Instrumente, denn ohne häusliches Üben erlernt man kein Instrument. Ein gebrauchtes funktionsfähiges Klavier kostet ab 4000 Euro, eine Geige 500. Geigen leihen manchmal die Musikschulen gegen eine kleine Gebühr aus.

    Für die sportliche "Bildung" braucht es Ausrüstung, wie angepasste Schlittschuhe, Balettschuhe, Fußballschuhe Tennisschläger.

    Werden die auch bezahlt?

    Dass die "Bildung" in Form von Gutscheinen hauptsächlich "gegessen" wird, zeigt doch die Not der Familien.

    Den Familien alles wegzunehmen und dann in Form von kleinen Almosen den Kindern eine Teilhabe an dieser Gesellschaft vorzugau(c)keln, ist abstoßend und mit Sicherheit nicht "christlich".
    Aber Frau vdL versteht es, viele Euro vom Steuerzahler für die Eigenvermarktung abzuzweigen.

    Und wenn jetzt gleich wieder diese Stimmen kommen, die Hartz4-Kinder könnten doch auch auf einer selbstgebastelten Trommel Rhythmik erlernen, dann ...

    11 Leser-Empfehlungen
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    "Dass die "Bildung" in Form von Gutscheinen hauptsächlich "gegessen" wird, zeigt doch die Not der Familien."

    Das halte ich für blanken Unsinn.
    Vielleicht fällt ihnen einfach nur dieser Verwendungszweck ein.
    Naja, manchmal kanns auch ein Klavier sein.

    . . .das aktuelle Urteil wurde in diesem Gesetz quasi negiert.
    Was denken Sie, werden da weitere Urteile bewirken? Hinter dieser ganzen unsäglichen qualvollen Politik stehen mächtige Interessengruppen.Sozialpolitik hat in deren Augen eine völlig andere Ziele. Nicht unbedingt Soziale, denke ich.

    Wollen Sie ernsthaft das Recht auf ein eigenes Klavier fuer alle Sozialhilfeempfaenger einfordern? Ist das Ihr Ernst? Ich finde die Reform sinnvoll und halbwegs durchdacht, ich finde auch Gutscheine nicht unwuerdig. Hoffentlich kann man die Buerokratie noch etwas abbauen, dann ist das sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.
    P.S. meine Gitarre hat auf dem Flohmarkt 40 Euro gekostet.

    • Newo
    • 31.03.2012 um 11:54 Uhr

    Ich stimme meinem Vorredner zu. WO kommen wir denn dahin wenn man wirklich jeden Luxus miteinrechnen würde. Dann würde sich normale Arbeit ganz sicher net lohnen. Deutschlands Sozialsystem ist einzigartig, denn verhältnismäßig geht es doch keinem anderen ohne Arbeit so gut wie in Deutschland. Natürlich hat jeder das Recht auf Teilhabe und CHancengleichheit aber gleich alles mitzufinanzieren ist einfach unmöglich!!! Vor allem gibt es auch noch andere Ausgaben abgesehen von den Sozialabgaben.

    "Dass die "Bildung" in Form von Gutscheinen hauptsächlich "gegessen" wird, zeigt doch die Not der Familien."

    Das halte ich für blanken Unsinn.
    Vielleicht fällt ihnen einfach nur dieser Verwendungszweck ein.
    Naja, manchmal kanns auch ein Klavier sein.

    . . .das aktuelle Urteil wurde in diesem Gesetz quasi negiert.
    Was denken Sie, werden da weitere Urteile bewirken? Hinter dieser ganzen unsäglichen qualvollen Politik stehen mächtige Interessengruppen.Sozialpolitik hat in deren Augen eine völlig andere Ziele. Nicht unbedingt Soziale, denke ich.

    Wollen Sie ernsthaft das Recht auf ein eigenes Klavier fuer alle Sozialhilfeempfaenger einfordern? Ist das Ihr Ernst? Ich finde die Reform sinnvoll und halbwegs durchdacht, ich finde auch Gutscheine nicht unwuerdig. Hoffentlich kann man die Buerokratie noch etwas abbauen, dann ist das sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.
    P.S. meine Gitarre hat auf dem Flohmarkt 40 Euro gekostet.

    • Newo
    • 31.03.2012 um 11:54 Uhr

    Ich stimme meinem Vorredner zu. WO kommen wir denn dahin wenn man wirklich jeden Luxus miteinrechnen würde. Dann würde sich normale Arbeit ganz sicher net lohnen. Deutschlands Sozialsystem ist einzigartig, denn verhältnismäßig geht es doch keinem anderen ohne Arbeit so gut wie in Deutschland. Natürlich hat jeder das Recht auf Teilhabe und CHancengleichheit aber gleich alles mitzufinanzieren ist einfach unmöglich!!! Vor allem gibt es auch noch andere Ausgaben abgesehen von den Sozialabgaben.

    • keibe
    • 30.03.2012 um 20:46 Uhr

    "Besonders schlecht stehen einige Ruhrgebietsstädte da. Bis November 2011 hatte der Regionalverband Ruhr von fast 57 zur Verfügung stehenden Millionen nur knapp 14 Millionen ausgegeben."

    Und es zeigt -wie an anderer Stelle hinlänglich dargestellt ( z. B. http://www.zeit.de/politi... )-, dass Ruhrgebietsstädte zu den wohlhabendsten Regionen der Bundesrepublik zählen.

    2 Leser-Empfehlungen
  5. all dieser Gesetze ist die Bürokratie. Warum nicht grundsätzlich freien Zugang zu diversen Bildungsangeboten für ALLE Schüler statt einer Bürokratie, in der Menschen dafür bezahlt werden, die Berechtigung jeder Einzelanschaffung zu überprüfen?

    ALSO:

    Ausbau von Schüler- und Volksbibliotheken und -mediatheken

    Integration bestimmter Bildungsangebote in Schulangebote (OHNE Gebühren o.dgl., aber natürlich mit sanftem Druck an reichere Eltern, sich mit Spenden zu beteiligen)

    Schuleigene Spiel- und Sportsachen zum kostenfreien Ausleihen etc.

    13 Leser-Empfehlungen
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    vielen Städten, zumindest in meiner, Stadtteilbibliotheken, nicht sehr groß, aber durch die Mitarbeiter gut sortiert, eine davon war direkt neben dem Kindergarten meines Sohnes und wurde von mir und ihm fleißig genutzt.
    Diese ist dann allerdings, wie andere Stadtteilbibliotheken auch, geschlossen worden.
    Für uns hatte das kaum Auswirkungen, da meine Wohnung damals in der Nähe der Stadtbibliothek selber war, wir also eine Ausgleichsmöglichkeit hatten; für viele andere Nutzer haben sich dadurch die Wege extrem verlängert und ich würde nicht darauf wetten, daß alle Eltern das Angebot weiter wahrgenommen haben - zum Schaden ihrer selbst und vermutlich auch der Kinder.

    vielen Städten, zumindest in meiner, Stadtteilbibliotheken, nicht sehr groß, aber durch die Mitarbeiter gut sortiert, eine davon war direkt neben dem Kindergarten meines Sohnes und wurde von mir und ihm fleißig genutzt.
    Diese ist dann allerdings, wie andere Stadtteilbibliotheken auch, geschlossen worden.
    Für uns hatte das kaum Auswirkungen, da meine Wohnung damals in der Nähe der Stadtbibliothek selber war, wir also eine Ausgleichsmöglichkeit hatten; für viele andere Nutzer haben sich dadurch die Wege extrem verlängert und ich würde nicht darauf wetten, daß alle Eltern das Angebot weiter wahrgenommen haben - zum Schaden ihrer selbst und vermutlich auch der Kinder.

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