ErziehungFast die Hälfte der Eltern schlägt ihre Kinder

Ein Schlag auf den Po oder eine Ohrfeige: Nach einer Umfrage schlägt fast die Hälfte der Mütter und Väter in Deutschland ihre Kinder. Grund ist meist Hilflosigkeit. von dpa

In Deutschland schlägt fast die Hälfte der Eltern ihre Kinder. In einer repräsentativen Forsa-Umfrage gaben etwa 40 Prozent der Mütter und Väter an, ihre Kinder mit einem Klaps auf den Po zu strafen, 10 Prozent verteilen nach eigenen Angaben Ohrfeigen. Anders als früher schlagen die meisten Mütter oder Väter aber nicht aus Überzeugung zu, sondern aus Hilflosigkeit, so die Studie. Den Großteil der Eltern packe danach ein schlechtes Gewissen. Zudem ist im Vergleich zu den Jahren 2006/07 die Zahl der Körperstrafen zurückgegangen.

In der Umfrage für die Zeitschrift Eltern bekennen sich vier Prozent der Mütter und Väter auch zu harten Körperstrafen wie den Hintern versohlen. Vor fünf Jahren waren es noch sechs Prozent. Strafen wie ein Schlag auf den Po gingen um sechs Prozent, Ohrfeigen um ein Prozent zurück. Eine Rolle bei der Anwendung von Gewalt spielt der Umfrage zufolge das Leben der Eltern: Wer früher selbst geschlagen wurde, haut eher zu.

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Der Forsa-Studie zufolge werden Jungen häufiger geschlagen als Mädchen, was die Forscher als Nachwirkung traditioneller Rollenvorstellungen werten. In großen Familien verteilen Eltern deutlich mehr Ohrfeigen als bei Einzelkindern – was mit mehr Stress in einer kinderreichen Familie zu tun haben könnte.

Recht auf gewaltfreie Erziehung

"Eltern schlagen heute fast immer aus Stress und Hilflosigkeit, aber kaum noch, weil sie glauben, ihrem Kind damit etwas Gutes zu tun", sagte Gewaltforscher Kai Bussmann, Professor für Strafrecht an der Universität Halle. Seit dem Jahr 2000 sind im Bürgerlichen Gesetzbuch deutliche Regeln für den Schutz von Kindern festgeschrieben: "Kinder haben ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung". Nach Angaben des Deutschen Kinderschutzbundes stimmen diesem Grundsatz inzwischen auch über 90 Prozent der Eltern zu.

Doch erst ein gutes Drittel schaffe es, sich auch konsequent daran zu halten. Die Mehrheit greife zu leichten körperlichen Strafen vom spürbaren Klaps bis zur Ohrfeige. Nur eine Minderheit von rund 14 Prozent erzieht nach einer Analyse der Kinderschützer noch mit einer schmerzhaften Tracht Prügel – oder gar mit Stockschlägen.

In Westeuropa liegt Deutschland mit diesen Quoten im Mittelfeld: In Deutschland wird weniger geschlagen als in Frankreich , das Körperstrafen bei Kindern noch nicht mit einem Gesetz ächtet, aber deutlich mehr als in Schweden , das bereits 1979 das Recht auf gewaltfreie Erziehung festschrieb. In ganz Skandinavien führte das mit der Zeit zu einem Gesellschaftswandel. Darauf hoffen auch die deutschen Kinderschützer.

Gewalterfahrung prägt

"Gesetze ändern das Bewusstsein", sagte Oliver Steinbach, Vize-Chefredakteur der Zeitschrift. Besonders positiv sei, dass es Eltern nach dem Schlagen ihrer Kinder nicht besser gehe, sondern eher schlechter. Viele entschuldigten sich inzwischen bei ihren Kindern. Über die Hälfte der Eltern glaubt ohnehin nicht, dass Schläge Wirkung zeigen. Das sagen auch Psychologen: Körperstrafen weckten Trotz und Widerstand. Und Kinder lernten, dass Gewalt als Mittel der Konfliktlösung zulässig sei. Mit dieser Erfahrung gingen sie dann auf den Spielplatz.

Für die Umfrage wurden vom 10. bis 24. November 1.003 Eltern in Deutschland mit mindestens einem eigenen Kind bis 14 Jahre interviewt. Die Studie führte die Forsa-Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen durch.

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Leserkommentare
  1. Ich habe auch ab und zu mal eine mitbekommen, aber dann (aus heutiger Sicht) völlig zu Recht! M.E. geraten manche Kinder überhaupt erst in Fahrwasser, in denen Sie unglaublich frech werden, weil Ihnen keine klaren Grenzen gesetzt werden. Ich rede weiß Gott nicht von harten Schlägen! Aber wenn ich zu meiner Mutter im Alter von 11 Jahren sage "Wie dumm bist Du? Du hast ja wohl n Vogel!?" Dann habe ich zu Recht eine auf den Kopf bekommen. Aber die muß auch sofort kommen! Wer da zu lange überlegt demonstriert ebenfalls Hilflosigkeit.

    Wenn man aber aus reiner Verzweiflung handelt, weil man nicht anders mit Kindern umzugehen weiß, hat man wohl vorher schon viel falsch gemacht.

    Ich lehne mich da etwas weit aus dem Fenster, ich weiß... ich habe selbst (noch) keine Kinder.

    Gruß L819

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    Ich finde Schläge für Kinder gehen überhaupt nicht. Man muss seine Kinder so erziehen, dass die gar nicht auf die Idee kommen so respektlos mit den Eltern zu reden, dass die ausflippen und ihnen ein scheuern. Wenn es mal soweit ist, ist doch alles schon zu spät.
    Die Kinder werden nur Respekt vor den Eltern haben, wenn die die Kinder auch respektieren. Und dazu gehört auch, sich mit den Kindern auseinander zu setzten und ihnen klare Regeln vorzugeben, an die man sich auch selbst hält. Nur so werden die Kinder respektvoll auf ihre Eltern blicken können. Eltern die ihre Kinder schlagen sind für mich echt jämmerliche Gestalten.

    P.S.: Ich habe selber einen Sohn, spreche also aus Erfahrung

    • GDH
    • 12. März 2012 19:18 Uhr

    Zu
    "Aber wenn ich zu meiner Mutter im Alter von 11 Jahren sage "Wie dumm bist Du? Du hast ja wohl n Vogel!?" Dann habe ich zu Recht eine auf den Kopf bekommen.":

    Das sehe ich anders. Besonders, wenn sich die Eltern selbst eine vergleichbare Sprache gegenüber ihrem Kind rausnehmen. Man kann wohl spekulieren, dass die Hauptquelle für eine solche Ausdrucksweise das Vorbild der Eltern ist.

    Auf eine Beleidigung mit Gewalt zu reagieren, geht garnicht. Das vor allem sollten Kinder so früh wie möglich lernen.

    Die einzige Ausnahme, die ich beim Gewaltverbot in der Erziehung machen würde, ist, wenn das Kind selbst gegen jemanden Gewalt anwendet (also offenbar absichtlich jemanden verletzt oder das versucht). Dann müssen sofort mit allen nötigen Mitteln Grenzen gesetzt werden.

    mit körperlicher Gewalt (auch nur geringe) erhalten Sie keinen Respekt und bewirken das Gegenteil. Kleine Kinder können Sie noch einschüchtern aber warten Sie mal ab bis die groß werden.

    Grenzen setzen ist enorm wichtig, aber nicht durch die Machtstellung in der sich der Erwachsene befindet. Autorität ohne Gewalt ist der Schlüssel (der enorm schwierige) heutzutage.

    Bin eigentlich ganz d'accord mit Leser 0819 solange es sich um Klaps oder Ohrfeige handelt.

    Die emotionale Abstrafung durch "Enttäuschung der Eltern" (wir dachten, du bist erwachsener, usw oder xy, Ich bin enttäuscht von Dir) oder durch Isolation aus der Gruppe (geh auf Dein Zimmer, Du darfst heute nicht mehr raus) sind doch viel verletzender und zerstörerischer.

    Ich bin froh, dass ich das nie erleben musste und ziehe die ca 2-4 Ohrfeigen meines Lebens - die ich sehr gerechtfertigterweise erhalten habe - eindeutig vor.

    Gewalt gegen Kinder sollte man wohl nicht bei etwas rupigeren Anfassen ansetzen, aber SChläge sind nun mal schon eine andere sache, auch wenn sie nicht zu blauen fleken führen oder nur Schein-Schläge sind die nur angetäuscht aber nicht ausgeführt werden.

    Aber die Studie zeigt ja das es eher vorkommt das Eltern nicht mehr weiter wissen, aber schon verstehen das sie was tun müssen. SO sollte man villeicht ein zentrales Forum erschaffen bei den Lösungsvorschläge zu konkreten Situationen gesammelt wernde, und bei den sich dann Eltern anregungen hohlen können wie sie weider "Herr" der Lage werden, und so das Schlagen unterlassen können.

    Bei frechen Sprüchen hab ich nie irgenteine Sprche gekommen, kann aber verstehen das Eltern in der Stress Situation schnell Handeln zu müssen um eine Erzihungs Masnahme in Zusammenhang mit der Tat herzustellen, aber ebend nicht zu wissen wie es ohne einen kleine Klaps gehen soll.

    ... Sie da schreiben. Kinder muss man nicht schlagen, auch dann nicht, wenn sie frech werden.

    Richtige Eltern können das auch anders.

    Und die, die ihre Kinder schlagen, sind keine richtigen Eltern.

    Noch schlimmer finde ich allerdings diese Leute, die da rumrennen und jedem, der es nicht wissen will erzählen, dass Schläge ja gar nicht schaden. Die sind besonders schäbig.

    Mein Sohn wird in wenigen neun Jahre alt. Er ist noch nie geschlagen worden. Und wir streiten uns hin und wieder - na klar, das gehört zum Zusammenleben dazu.

    Ach ja: Ich bin als Kind sehr oft und sehr heftig geschlagen worden. Und es war NICHT richtig.

    Warum nicht auch die Freundin - oder den Bruder oder die Mutter? Ich rede natürlich nicht von harten Schlägen.
    Oder glauben Sie es sind nur Kinder über körperliche Züchtigung zum Lernerfolg fähig???

    Merken Sie wie absurd diese Grundannahme ist - und wie tradiert?

    Natürlich ist Gewalt in der Erziehung absolut abzulehnen und schlagende Eltern sind zu verurteilen. Aber wie beurteilt man denn Strafe.

    Eine Ohrfeige tut 5 Minuten weh und man lernt enorm daraus, aber nach 5 Minuten ist der Schmerz auch rum. Wenn ich eine Woche Hausarrest im Sommer habe und meine Freunde draussen spielen, dann sind das psychische Schläge, oder etwa nicht?

    Dürfen wir dort einen Unterschied ziehen zwischen seelischen Schmerzen und körperlichen?

    Natürlich darf es keinesfalls zu Verletzungen kommen und ich lehne so einen Schwachsinn wie Hausarrest genau so ab wie Schläge, aber wir sollten es nicht übertreiben mit der zarten Hand und Eltern die mal eine Ohrfeige geben sind keineswegs schlecht!

    Im Gegenteil, ich bin 24 Jahre alt und habe ein liebevolles Verhältnis zu meiner Super Mutter. Sie ist immer für mich da und hat mich nie im Stich gelassen. Wir respektieren uns, erzählen uns und haben ein schlichtweg perfektes Verhältnis.

    Mit 15 Jahren (voll in der Pubertät!) hab ich aber einmal massiv gelogen und meine Mutter maßlos enttäuscht und dafür hat se mir weinend ordentlich eine geknallt und nichts weiter gesagt.

    Das hat mehr gebracht als jeder Hausarrest, Fernsehverbot oder Taschengeldkürzung.

    Wer deswegen meine Mutter nicht als Mutter bezeichnet und das assozial findet, der ist nach meiner Meinung nicht nur in höchstem Maße unverschämt und anmaßend, sonder ebenfalls nicht in der Lage ein Kind zu erziehen und Grenzen festzulegen.

    • Gast37
    • 13. März 2012 0:28 Uhr

    Wenn ein Kind mit Worten einen Erwachsenen beleidigt, dann hat sich ein anständiger Erwachsener auch mit Worten zu wehren.
    Was Ihre Mutter getan hat war falsch, auch wenn Sie zu ihr frech gewesen sind. Hier wäre längeres Überlegen ein Zeichen von Stärke gewesen und nicht von Hilflosigkeit.

    Wenn man fremde Kinder schlägt, dann kommt gleich die Polizei, aber bei eigenen Kindern wird nichts unternommen. Das zeugt auch von einem moralisch schwachen Staat. Genau so verkommen ist es, Hausarrest zu erteilen. Eine Schande für alle Eltern die das tun, und damit selber beweisen, dass sie menschliche Versager sind. Wenn ein Kind sich "daneben" benimmt, dann muss man den Finger auf sich selber richten.

    • Namine
    • 13. März 2012 9:20 Uhr

    Wofür ein Kind einen Schlag verdient hat, und wofür nicht?
    Mein Vater hat mich damals dafür geohrfeigt, dass ich meine Socken vor dem Haus vergessen hab.
    Meine Schwester hat er dafür geschlagen, weil sie mein Windrat aus Neid zerbrochen hat.
    Ist DAS gerechtfertigt? Haben die Eltern tatsächlich das Recht, darüber zu bestimmen?
    Nein, meiner Meinung nach nicht. ICH werde die Vorfälle zumindest nie vergessen, als Kind prägt sich sowas noch viel stärker ein. Mein Vater hat übrigens damit aufgehört, als ich in ein Alter kam, indem ich begriff dass sowas strafbar ist und es Mittel und Wege gibt, dagegen vorzugehen. Davor ist man als Kind aber absolut hilflos.

    Auf Wunsch des Verfassers entfernt. Die Redaktion/fk.

  2. zum Schlagen. Ich habe es bei meinem überaus autoritär in bösen Zeiten aufgewachsenen Vater erlebt, der sich mit Gewalt auseinander setzte und nie schlug und habe ihm in dieser Hinsicht bis heute gut nacheifern können.

    Ich war einmal in einer Situation, in der mir klar war, wenn ich mich nicht raus ziehe, schlage ich zu, weil ich unglaublich wütend wurde und mir meine körperliche Überlegenheit bewußt war. Ich stieg aus, setzte mich hinter die Badezimmertür, das Kind im ungefährlichen Flur und wartete auf das Ende der Wut.

    Ich will meine Kinder nie schlagen und tat es bis heute auch nicht, weil das ein völliges Unding ist.

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    Meiner Meinung wird das Thema sehr ideologisch und einseitig diskutiert. Es wird außer Acht gelassen, dass sich Kinder charakterlich sehr stark voneinander unterscheiden- dementsprechend müssen auch die pädagogischen Maßnahmen angepasst werden.
    Manche Kinder sind zwar unglaublich süß und liebenswert, aber auch außergewöhnlich stur und dickköpfig. Die brauchen dann manchmal leider auch extrem eindeutige Signale um zu kapieren, wann Schluss ist und sie sich eben mal nicht durchsetzen können. Eine Pädagogik, die nicht nur Ohrfeigen, sondern auch ‚laut werden‘ verurteilt, wird hier auf Granit beißen und dem Kind letztlich keinen Gefallen tun.
    Wihtig ist, dass diese 'eindeutigen Signale' nur selten gesetzt werden und dass das Kind jederzeit spürt, dass man es liebt.

    ... das Kind wird die volle Liebe mit jeder Ohrfeige spüren.
    Eltern können auch ohne Gewalt einzusetzen, sehr wohl in vernünftiger Form Grenzen setzen.
    Nur sind wenige Erwachsene bereit, dies auch umzusetzen, sei es, weil ihnen entweder die Intelligenz fehlt, sie ihrem Kind nicht anderes gewachsen sind, oder sie einfach keine Zeit haben. Schlag' das Kind und es ist erst einmal ruhig (nachdem es aufgehört hat, vor Schmerzen zu schreien).
    Ohrfeigen sind unglaublich gefährlich, nicht zuletzt dadurch, dass das Trommelfell leicht perforieren kann.
    Es ist interessant zu sehen, dass da die Eltern aber nie zugeben, dass sie ihrem Kind eine verpasst haben (jedenfalls habe ich das nie erlebt). Da schämen sie sich auf einmal, während sie sonst damit herumprahlen (mein Kind ist wenigstens gut erzogen!) und Ohrfeigen und schlimmeres beführworten.

    Auch Eltern müssen sich den Respekt verdienen und Gewalt sollte immer nur zur Selbstverteidigung dienen, aber wie kann Gewalt gegen die eigenen Kinder zum eigenen Schutze dienen? Erziehung sollte fürsorglich sein und nicht TYRANNISCH und jegliche Gewalt ist ein Zeichen von Hilfslosigkeit oder Unterdrückung, egal wie man es versucht zu rechtfertigen und Kinder mit dem selben Maß wie Erwachsene zu bemessen ist völlig haltlos, denn diese wachsen noch und sind nich immer rational, man sollte lieber aufklärend und mitfühlend sein! Wenn jedoch ein Kind zu extrem wird und nichts mehr hilft (Und jeder weiß, dies kann auch durch Einfluss von außerhalb kommen.), dann sollte man eventuell darüber nachdenken, sich und den Kindern Hilfe zu beschaffen, bevor die Familie daran auf die eine oder andere Weise zerbricht. Doch leider lassen sich nur die wenigstens "reinreden" und Regeln es auf ihre Weise, selbst wenn dann das Geschreie los ist und eventuell sogar "die Fäuste/Fetzen fliegen". Stattdessen werden die Eltern über Generationen agressiv und Kinder zu Opfern der eigenen Erziehungsberechtigten. Später wird dies dann oftmals runtergespielt, denn es sei ja nur ganz selten gewesen und das Kind war ja auch selber schuld und irgendwann glauben die Kinder es auch selber wenn sie vorher nicht daran auf die eine oder andere Weise zerbrechen, aber was passiert dann? Richtig! Sie geben es selber auch weiter an ihre eigenen... Alles weitere wurde schon von meinen Vorrednern kritisiert.

  3. Ein erschütternder Befund! Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn bekannt würde, dass 40 Prozent aller Männer ihre Frauen, 40 Prozent aller Chefs ihre Untergebenen oder 40 Prozent aller Passanten irgendjemanden auf der Straße schlagen, der ihnen zufällig begegnet. Aber ausgerechnet mit den Schwächsten und Schutzbedürftigsten darf man's! Wer Erwachsene verprügelt, wird bei uns bestraft. Wer seine Kinder schlägt, nicht - und das finden viele auch noch richtig. Eine faktisch erlaubte Brutalität aus finsteren Zeiten. Beim "Erziehen" sind wir kein zivilisiertes Land, sondern lassen einer Millionenschar von Barbaren freie, brutale Hand.

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    • Spez
    • 12. März 2012 18:42 Uhr

    Verprügeln, wie Sie suggerieren, wird in diesem Artikel nicht behandelt. Eine Ohrfeige oder ein Klaps auf den Hintern hat nun wirklich nichts mit verprügeln zu tun. Sonst wäre ich auch in meiner Kindheit verprügelt worden und die habe ich eigentlich in sehr guter Erinnerung. Das eine vollkommen gewaltfreie Kindererziehung wünschenswert ist, steht auf einem anderen Blatt, aber für mich lassen sich die diesbezüglichen Fragen nicht so leicht klären. Alle schreien furchtbar, aber mich würde interessieren, da Fehler nun mal menschlich sind, wie die entsprechenden Zahlen im "gewaltfreien" Schweden sind.

    Sprüche 23,13-14: Lass nicht ab, den Knaben zu züchtigen; denn wenn du ihn mit der Rute schlägst, so wird er sein Leben behalten; du schlägst ihn mit der Rute, aber du errettest ihn vom Tode.

    ich hoffe ihr kommentar war satirisch gemeint!
    was ist den dann hausarrest, und abwasch machen, einkaufen gehen müssen?
    der ganze artikel ist etwas grotesk... verwunderlicherweise in der "ZEIT"...
    jede art gewalt gegen kinder ist ein verbrechen, keine frage, jeder der seine kinder grün und blau schlägt, oder mit missachtung straft, sich nicht für sie interessiert, sich nicht kümmert ist ein täter...

    • masera
    • 12. März 2012 23:35 Uhr

    Jeder Mensch hat ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Seine Würde ist unantasbar und bedarf keiner Abwägung. Sie sollte immer zu jeder Zeit gewährleistet sein.

    Die Würde, den Körper, die Psyche des anderen, des Kindes, des eigenen Kindes zu achten, und als Eltern auch zu schützen - darum geht es. Darauf hat ein Kind einen Rechtsanspruch. Der Staat, als der Gewaltmonopolist, hat dafür Sorge zu tragen.

    Nicht so aber beim Abbruch. Hier zählt ein willkürlicher nicht nachzuprüfender Grund, um all dies zu brechen.
    Und obwohl es ganz klar als Mord eingestuft wurde, haben Frauen für sich durchgesetzt: 1. Straflosigkeit trotz Mord, 2. keine notwendige Angabe von Gründen/Nachweis einer Notlage, und 3. keine Nachprüfbarkeit dieser Gründe(=Gerichtsbarkeit)

    Wären die Schlägereltern genauso so dreist, würden sie in einer Medeinaktion mit Schildern sich ablichten lassen und "Mein Familie- Ich habe geschlagen" inszenieren, und wir hätten den Fall, dass Eltern straflos Kinder schlagen könnten. Beratungsgespräch, fertig.

    Wenn über Kinderschutz geredet wird, und über die Achtung der Würde, der psychischen und physischen Unversehrtheit, dann sollte man immer wieder dieses Skandalthema, die feministische Urschuld, erwähnen, und nicht unter den Tisch fallen lassen.
    Immerhin geht es auch um die Täter, die selbstherrlich über andere Körper/Leben verfügen möchten, sei es durch strafbare Schläge oder straflose Morde.

    ... im artikel steht etwas von "klapps auf den hintern" und das wird natürlich gleich mal in brutales verprügeln umdefiniert, differenzierung natürlich völlig unnötig. typischer schlagzeilenfetischismus.

    ... verprügeln geht gar nicht, gar kein thema

    ... beim klapps auf den hintern seh ich das anders: nein kinder sind nicht immer nur süss lieb und nett, sie testen gerne ihre grenzen aus und das manchmal mit regelrechter hingabe. da ist auch mal ein gehöriger schuss bösartigkeit dabei. das ist ganz natürlich und gehört einfach bei kindern dazu. das ist leben ausprobieren und daraus lernen. manchmal kommen sie in solchen situationen mit reden, gut zureden, klaren worten keinen deut weiter. das heisst dann für das kind: wunderbar, mit meinem verhalten komme ich durch.

    ... manchmal (aber nur in extremsituationen) kann da ein klapps auf den hintern wunder wirken, ohne dass das kind sich in irgendeiner form mißhandelt fühlt, im gegenteil, es weiss meistens, ok ich habs etwas überzogen ....

    ... wer behauptet, kinder würden nie so an die grenzen gehen, der hat entweder keine, oder hat sich gehorsam dressierte affen als kinder geschaffen. so etwas ist für mich missbrauch.

    ... vom verprügeln und verschlagen redet hier keiner. aber bestimmt schiebt jetzt der eine oder andere heinz dieses post genau in die ecke. geht mir allerdings ehrlich gesagt am allerwertesten vorbei.

  4. ...und fertig ist die Umfrage! Ab in die Zeitung damit.

    Was ist das Ziel der Umfrage?

    - Sollen Eltern kriminalisiert werden?
    - Sollen junge Erwachsene abgehalten werden, Kinder zu bekommen, weil sie fürchten auch alles falsch zu machen?
    - Gab es schon mal eine Zeit, in der Kinder weniger geschlagen wurden, als unsere?
    - Gab es schon mal eine Zeit, in der weniger Kinder geboren wurden, als unsere?

    Vor kurzem las ich über das 40 jährige Bestehen des Kinderschutzbundes (Ich weiss allerdings nicht mehr, ob das nur unser lokaler Kinderschutzbund war oder der für ganz Deutschland.)

    Wie auch immer: Mir fiel auf, dass die Gründung dieses Vereins mit dem Pillenknick zusammenfiel. Kinder sind schützenswert, seit es sie nicht mehr in genügender Zahl gibt? Klingt doch logisch, oder? Eine bedrohte Art sozusagen.

    Ich bin natürlich auch dagegen, dass Eltern ihre Kinder schlagen. Dennoch halte ich diese Umfrage für "nicht hilfreich".

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    Ob mit dieser Studie nun Eltern kriminalisiert werden sollen, halte ich für zweifelhaft, immerhin kommt die Studie zu dem Schluss, dass die fraglichen Eltern aus Stress oder Hilflosigkeit schlagen und es im Grunde auch nicht richtig finden.
    Ich denke die Studie wäre eine gute Gelegenheit zu fragen, woher der Stress und die Hilfslosigkeit kommt.
    Habe zwar selber keine Kinder, aber ich habe oft den Eindruck, dass Eltern ihre Kinder für kleine Erwachsene halten und dann enttäuscht sind, wenn sich herausstellt, dass sie halt Kinder sind.
    Beispiel: Quengelware im Supermarkt. Heutzutage riesige Kämpfe und Geschrei an der Kasse ohne jegliche Erklärung, warum es die Süßigkeiten nicht gibt.
    Meine Eltern haben mir damals erklärt, dass die Sachen an der Kasse nur für "Doofe" sind, die zu blöd sind einen Einkaufszettel zu schreiben und es verschlafen die "Großpackung" mit der zehnfachen Menge zum halben Preis zu kaufen.
    Und schon war Ruhe!
    Im Übrigen waren die Süßigkeiten in meiner Familie rationiert (einen Schokoriegel am Tag), nicht dass jemand denkt, dass ich jeden Tag eine Großpackung gefuttert habe :-)
    Wer aber meint mit:
    "Lass das!"
    "Nein"
    "Aus"
    ohne weitere Erklärung irgendetwas zu erreichen, der soll sich überlegen, ob Kinder für ihn wirklich eine so gute Idee sind oder waren....

    • Vöbeo
    • 13. März 2012 1:04 Uhr

    Natürlich, und je weniger das sind, umso mehr werden sie gehegt und gepflegt.
    Kindererziehung (im Sinne einer freien Entfaltung, nicht Indoktrinierung) als große Wissenschaft ausgeübt von den Eltern, nicht von Pädagogen, gibt es doch erst seit einiger Zeit.

    Ob das nun gut oder schlecht ist, mag ich nicht zu beurteilen.

    Finde es nicht wirklich schlecht, wenn auf dem Planeten weniger, aber dafür besser erzogene Menschen leben. (ok, das klingt jetzt sehr optimistisch, eigentlich schon utopisch)

    <em>Was ist das Ziel der Umfrage?</em>

    Anhand solcher Umfragen kann die Politik entscheiden, ob zusätzliche Maßnahmen zum Schutz von Kindern erforderlich sind. Solche Umfragen tragen dazu bei, ein Bild über die derzeitige Situation bilden zu können. Man kann schlecht in die Haushalte reinschauen.

  5. Gekürzt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Kommentaren an der Diskussion. Die Redaktion/vn

  6. Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um konstruktive Kommentare. Die Redaktion/vn

  7. Ich finde Schläge für Kinder gehen überhaupt nicht. Man muss seine Kinder so erziehen, dass die gar nicht auf die Idee kommen so respektlos mit den Eltern zu reden, dass die ausflippen und ihnen ein scheuern. Wenn es mal soweit ist, ist doch alles schon zu spät.
    Die Kinder werden nur Respekt vor den Eltern haben, wenn die die Kinder auch respektieren. Und dazu gehört auch, sich mit den Kindern auseinander zu setzten und ihnen klare Regeln vorzugeben, an die man sich auch selbst hält. Nur so werden die Kinder respektvoll auf ihre Eltern blicken können. Eltern die ihre Kinder schlagen sind für mich echt jämmerliche Gestalten.

    P.S.: Ich habe selber einen Sohn, spreche also aus Erfahrung

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Sehr schwierigs Thema"
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    • JD
    • 12. März 2012 18:55 Uhr

    wenns nur jämmerlich is, kann man ja noch damit leben.

    ...ich habe auch einen kleinen Sohn, der gelegentlich sehr wild ist, Phasen hat, in denen er alle Regeln austestet usw. daher weiß ich wie schwer es ist, gewaltfrei zu erziehen. Es benötigt unendlich viel Geduld und Geschick.

    Insbesondere wenn Kinder müde sind und "leer drehen" und rational nicht mehr ansprechbar sind. Schläge nützen dann auch nichts, aber ich gebe zu, dass ich z.B. schon mal am Ohr ziehe oä um beispielsweise das Abendprogramm irgendwie zu Ende zu bringen. Das sind zum Glück immer nur Phasen, die nur alle Wochen mal auftreten und der Kleine nimmt das mit Humor, ein schlechtes Gewissen habe ich trotzdem. Aber ganz ohne Einsatz der körperlichen Überlegenheit und somit eines Minimums an "Gewalt" (nicht Schläge) kommt man manchen Kindern nicht bei, zumindest ich habe noch ncht rausbekommen wie. Von daher habe ich Verständnis für Eltern, die emotional überfordert sind, insbesondere bei vielen Kindern.

    "Das Man ist überall dabei, doch so, daß es sich auch schon immer davongeschlichen hat, wo das Dasein auf Entscheidung drängt. Weil das Man jedoch alles Urteilen und Entscheiden vorgibt, nimmt es dem jeweiligen Dasein die Verantwortlichkeit ab. Das Man kann es sich gleichsam leisten, daß »man« sich ständig auf es beruft. Es kann am leichtesten alles verantworten, weil keiner es ist, der für etwas einzustehen braucht. Das Man »war« es immer und doch kann gesagt werden, »keiner« ist es gewesen. In der Alltäglichkeit des Daseins wird das meiste durch das, von dem wir sagen müssen, keiner war es."
    Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1927, S. 127

    <em>Man muss seine Kinder so erziehen, dass die gar nicht auf die Idee kommen so respektlos mit den Eltern zu reden, dass die ausflippen und ihnen ein scheuern. Wenn es mal soweit ist, ist doch alles schon zu spät.</em>

    Das ist leicht gesagt, aber fern an der Praxis vorbei. Ich bin überzeugter Pazifist und meine Frau ist aufgeklärte Pädagogin. Wir halten beide nichts von Gewaltanwendung und trotzdem sind unsere Kinder mal ausgeflippt, haben gekratzt oder gebissen. Natürlich haben wir sehr eindringlich erklärt, dass das so nicht geht, aber hin und wieder kam es eben doch noch vor. Es sind nämlich nicht nur allein die Eltern verantwortlich, sondern auch der Umgang mit anderen Kindern. Darüberhinaus neigen Kinder von sich aus zu gewaltätigen Maßnahmen, wenn ihnen etwas nicht passt oder wenn es für sie zunächst zweckmäßig erscheint. Kinder spielen anfangs nur, merken dann aber vielleicht, dass es hilfreich ist, oder eben nicht. Wenn es also mal soweit ist, dann ist es nicht zu spät, sondern dann ist es ganz normal. Wie man darauf reagiert, ist entscheidend. Zu spät ist es erst, wenn das Kind Gewalt als adäquates Mittel zur Willensverteidigung gefunden und verinnerlicht hat.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Recht | Eltern | Erziehung | Gewalt | Minderheit | Skandinavien
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