Ministerin Kristina Schröder hat sich viel vorgenommen. "Zeitpolitik muss ein eigenständiges Feld der Familienpolitik werden", kündigte sie am Mittwoch an . Das klingt erst mal vielversprechend.

Dass Zeit ein wesentlicher Faktor für Familien ist, liegt auf der Hand. Irgendwie müssen Kinder und Beruf schließlich zusammengebracht werden. Nicht nur, weil Berufstätigkeit für die meisten Menschen heute zu einem erfüllten Leben gehört, sondern auch, weil es immer schwieriger geworden ist, eine Familie mit nur einem Gehalt zu ernähren .

Viele Eltern leben deswegen in einem Dauerkonflikt. Da ist auf der einen Seite der Wunsch, für die Kinder da zu sein, auf der anderen Seite soll auch der Beruf nicht leiden. Alles unter einen Hut zu bringen, verlangt täglich organisatorische Höchstleistungen.

Es ist also in der Tat ein weites Feld, das die Ministerin sich da ausgesucht hat, und ein lohnendes dazu. Doch, was sie nun an konkreten Maßnahmen angekündigt hat, ist lächerlich.

Berufstätige Großeltern sollen eine Auszeit für ihre Enkel nehmen können und so ihre Kinder entlasten, zum Beispiel. Eine finanzielle Kompensation können sie dafür allerdings nicht erwarten.

Geld darf Familienpolitik nämlich in dieser Legislaturperiode bitte nicht mehr kosten. Das hatte der Finanzminister der Familienministerin gleich zu Beginn ihrer Amtszeit klar gemacht. Aus dem gleichen Grund ist das Projekt, familiennahe Dienstleistungen zu fördern, nur eines für die ferne Zukunft. Auch auf den von ihr gewünschten Ausbau der Vätermonate beim Elterngeld musste Schröder bereits verzichten.

Auch in anderer Hinsicht bleiben die nun angekündigten Änderungen schwach. Weder für die Großelternzeit noch für die Teilzeitarbeit während der Elternzeit gibt es nämlich einen Rechtsanspruch. Wenn der Arbeitgeber widerspricht, bleibt dem Antragsteller nur der Weg vors Gericht. Genauso ist es bei der von Schröder eingeführten Pflegezeit.

Kristina Schröder bleibt damit die Ministerin der kostenlosen Freiwilligkeit, die sich den Interessen der Arbeitgeber beugt. Auch bei der von ihr angestrebten Flexiquote, die es nun erst einmal gar nicht geben wird, sollten die Unternehmen ja selbst entscheiden dürfen, wie viele Frauen sie für ihre Aufsichtsräte zuträglich fänden.

Wenn Schröder in ihrem Amt noch Profil gewinnen will, wird sie demnächst damit beginnen müssen, ein bisschen mehr zu kämpfen. Ansonsten kann man nur dankbar sein, dass die für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf relevanten Änderungen, nämlich die Einführung des Elterngeldes und der Ausbau der Kindertagesstätten, schon von ihrer Vorgängerin durchgefochten wurden. Die ließ sich von unwilligen Kabinettskollegen nicht so leicht unterkriegen.