FamilienglückBesuch von einem Zwölfjährigen

Der pubertierende Max und seine Mutter kommen übers Wochenende zu Besuch. Mark Spörrle befürchtet Schreckliches.

Normalerweise bekommen wir gern Übernachtungsbesuch, vor allem mit Kind. Diesmal war es anders. Meine Liebste freute sich auf ihre alte Freundin Carmen. Sie hatte sie seit Jahren nicht mehr gesehen. Aber das Problem war deren Sohn Max, zwölf, pubertierend. Er war nicht nur ein erklärter Mädchenhasser. Das korrespondierte dummerweise wunderbar damit, dass unsere Luise, viereinhalb, erklärte Jungshasserin war. Max fand auch generell alles langweilig, blöd und nervig, was sich außerhalb seiner zwei Ohrstöpsel abspielte.

"Was soll ich bei den Typen?", fragte er folgerichtig seine Mutter Carmen. "Zwei alte Leute und ein Baby!"

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"Der arme Junge hat recht!", sagte ich, nachdem die Liebste mir davon erzählt hatte. "Diese Qual können wir ihm nicht antun! Das Einfachste ist, er bleibt zu Hause."

Die Liebste stieß ein Ächzen aus. "Das geht nicht. Sie hat Max versprochen, dass er in den Dungeon darf."

Familienglück - die Kolumne

Mama und Papa gehen arbeiten, die Kleine in den Kindergarten. Das perfekte Familienglück ist nur eine Frage der Organisation, oder? Mark Spörrle schreibt in seiner Kolumne "Familienglück" über die Tücken des Alltags.

Der Dungeon ist eine Stätte für Menschen, die gern mit ihrem Leben spielen: eine permanente Geisterbahn mit lebenden Untoten und Wagen, die in freiem Fall herabstürzen. Dass der ansonsten bocklose Max auf nichts als diesen Horror Lust hatte, machte ihn nicht sympathischer. Ich hätte am liebsten behauptet, unsere gesamte Familie habe Masern und Keuchhusten und könne leider keinen Besuch empfangen. Aber meine Liebste lügt nicht. "Niemals", sagte sie kategorisch. "Diese Enttäuschung können wir dem Kind nicht zumuten! Und was soll Carmen von uns denken?"

"Okay", sagte ich, "es kann übrigens sein, dass ich, gerade wenn sie kommen, auf eine Recherchereise muss."

"Tu mir das bitte nicht an!" 

Unsere Tochter gab sich fast noch begeisterter als Max. "Oh nö", nölte sie etwa dreimal am Tag, "oh nö, da mache ich nicht mit. Wenn der kommt, möchte ich bei einer Freundin übernachten!"

Ich hielt das erstmal für keine schlechte Idee. Die Polizei denkt sich schließlich auch etwas dabei, wenn sie einander feindlich gesonnene Demonstranten auf Abstand hält. Meine Liebste sagte, sie wolle nicht, dass unsere Tochter lerne, vor Besuch davonzulaufen.

Leserkommentare
  1. 6 Leserempfehlungen
  2. Wir sind alle eine grosse Familie.

    Netter Artikel.

    2 Leserempfehlungen
  3. die vorgeben zu denken.

    Man erwischt sie dann lediglich beim Sortieren von Vorurteilen.

    2 Leserempfehlungen
  4. wenn´s die eigenen Kinder sind.

    6 Leserempfehlungen
  5. diesmal mussten wir aber lange warten, auf eine neue Geschichte, zu lange, nur nicht faul werden...

    Alles gute und vielen dank fuer ihre geschichten.

    Der Friedliche

    Eine Leserempfehlung
    • MA.PE
    • 11.05.2012 um 9:45 Uhr

    ist wenn die ELTERN komisch werden.

    ;-)

    M.

    2 Leserempfehlungen
  6. 7. Danke

    Neben all den Problemartikeln auch mal ein erheiternder. Vielen Dank! Und weiter so!

    Eine Leserempfehlung

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