OECD-RentenberichtMit 67 soll längst nicht Schluss sein

Alle sieben Jahre wächst die Lebenserwartung in den Industrieländern um ein Jahr. Die OECD fordert deshalb, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln. von dpa und reuters

OECD-Generalsekretär Angel Gurria

OECD-Generalsekretär Angel Gurria  |  © Javier Soriano/AFP/Getty Images

In den Industrieländern sollte nach dem Vorbild von Dänemark und Italien das Renteneintrittsalter formell an die Lebenserwartung gekoppelt werden, schlägt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ( OECD ) vor. Das Rentenalter müsse demnach Schritt für Schritt weiter angehoben werden: "Auch wenn diese Reformen manchmal unpopulär sind und wehtun, können sie in einer Zeit knapper öffentlicher Finanzen und begrenzter Spielräume bei der Fiskal- und Geldpolitik auch dazu dienen, das dringend benötigte Wachstum in alternden Volkswirtschaften voranzutreiben", sagte Generalsekretär Angel Gurria bei der Vorstellung des OECD-Rentenberichts 2012.

Demnach wird das Renteneintrittsalter auf lange Sicht in der Hälfte der Länder bei 65 Jahren liegen, in 14 Ländern zwischen 67 und 69 Jahren.

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In 28 der 34 OECD-Länder sei eine Anhebung bereits beschlossen oder geplant. Dies halte jedoch oft nicht mit dem Altern der Gesellschaft Schritt. In den entwickelten Volkswirtschaften werde in den nächsten 50 Jahren die Lebenserwartung bei der Geburt voraussichtlich um 1,7 Monate pro Jahr steigen – also alle sieben Jahre um ein zusätzliches Jahr. "Ältere Menschen sollten nicht davon abgehalten werden, über das traditionelle Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten", sagte Gurria. "Dann können auch unsere Kinder und Enkelkinder am Ende ihres Arbeitslebens eine angemessene Rente genießen."

Starke Einbußen im Ruhestand

Die Rentenreformen der vergangenen zehn Jahre führten laut OECD in vielen Ländern zu einer Kürzung der staatlichen Rentenzusagen, meist um ein Fünftel bis ein Viertel. Im Durchschnitt der OECD-Staaten können Personen, die heute zu arbeiten beginnen, eine staatliche Nettorente in Höhe von der Hälfte ihres Nettoverdiensts erwarten, wenn sie im Regelrentenalter in Ruhestand gehen. Allerdings können laut OECD Rentner in fast allen 13 Ländern, in denen die private Altersvorsorge obligatorisch ist, Leistungen von rund 60 Prozent ihres Einkommens erwarten.

In Ländern, in denen staatliche Renten relativ niedrig und die private Altersvorsorge nur freiwillig seien, müssten große Teile der Bevölkerung mit starken Einkommenseinbußen im Ruhestand rechnen – wie in Deutschland, Japan und den USA . Dies könne zu einer deutlich stärkeren Altersarmut führen. "Ein späterer Renteneintritt und besserer Zugang zu privaten Renten könnte der Schlüssel sein, um diese Versorgungslücke zu schließen", heißt es im OECD-Rentenbericht.
 

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Leserkommentare
  1. Wenn ich die fitten Rentner sehe, die zurzeit die Frühschwimmbäder besetzen, auf Reisen gehen und sich zum Teil bis in die Depression langweilen, Ärzte mit Nichtigkeiten belagern, weil sie mit ihrer Zeit nicht viel anzufangen wissen... dann könnte ich mir bei vielen vorstellen, dass sie die lang ersehnte und mit difusen Versprechen überfrachtete Rente gegen eine Arbeit, die zu ihnen paßt, tauschen würden.

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    • keibe
    • 11. Juni 2012 19:50 Uhr

    haben Sie Recht. Aber auch hier ein zugegeben klitzekleiner Einwand: Würden Sie sagen, dass Angehörige des nichttechnischen, gehobenen Verwaltungsdienstes fidele Rentner mit den von Ihnen aufgeführten Charakteristika sind, ich würde Ihnen -vorurteilsbehaftet, wie ich bin- ohne Quellenangabe blind vertrauen. Nun wenden wir den Blick doch mal auf körperlich stark belastende Tätigkeiten, wie sie z. B. von Dachdeckern, Bauarbeitern, Krankenpflegern und Altenpflegern (es gilt hier: männliche Berufsbezeichnung = weibliche ist mit gemeint) verrichtet werden. Gilt der fidele, sich langweilende, bis ins "Greisenalter" nach Arbeit gierende und arbeitsfähige Mitmensch auch hier?

    • sauce
    • 11. Juni 2012 19:27 Uhr

    Könnten Sie mir bitte konkrete Berufe nennen, in denen man Heerscharen von verschlissenen Pflegearbeiterinnen oder Fliesenleger unterbringen kann? Das wäre super.... mir fallen nämlich immer nur Lösungen für Einzelfälle ein! Und natürlich müssen es Berufe sein, die jüngere Menschen nicht ausüben können,wär ja sinnlos, denen die Arbeit wegzunehmen...
    Was den Chirurgen betrifft: Erfahrung kann man nicht weitergeben sondern nur machen - und der alte Chirurg hat ja wahrscheinlich ebenfalls erfahrene Kollegen, die genausogut Neulinge anlernen können und trotzdem 15 Jahre jünger sind...

    2 Leserempfehlungen
    • Newo
    • 11. Juni 2012 19:28 Uhr
    35. Logik?

    Ich finde es noch immer toll, das die Leute meinen nur weil man länger lebt, kann man auch länger arbeiten. Werd ich denn auch jedes Jahr etwas länger jünger bleiben? Nein!!! Die sollten lieber über seriöse Reformen nachdneken, anstatt die Leute zu TOde arbeiten zu lassen. Bereits bis 65 durchzuhalten ist shcon eine Leistung. Jetzt sind wir ja bei 67. Ich bin mal gespannt wann ich in Rente gehen darf...

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    Antwort auf "Märchen"
    • Stroke
    • 11. Juni 2012 19:29 Uhr

    Die Wahrheit ist: Nicht einmal die Hälfte aller 55jährigen Erwerbstätigen sind in Deutschand noch erwerbstätig. Dass man in diesem Alter noch einen neuen Job findet, ist die absolute Ausnahme. Bereits ein Renteneintrittsalter von 65 Jahren bedeutet für immer mehr Ältere, dass sie jahrzehntelang im Elend des Hartz-IV-Bezugs sind und anschließend in der Altersarmut.
    Allerdings gibt es kaum ein zweites OECD-Land außer Deutschland, wo die Chancen von älteren Arbeitnehmern dermaßen schlecht sind.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Märchen"
    • Wombel
    • 11. Juni 2012 19:40 Uhr

    kann, wenn das Eintrittsalter bei 75 oder mehr liegt wird die Rente so weit gekürzt das bei einem Renteneintritt nach über 50Jahren Beitrag zahlen eine Rente von 300€ rauskommt.Das Verfassungsgericht hat geurteilt das den Beiträgen eine angemessene Leistung gegenüber stehen muss nur wann die erbracht wird und wer das noch erlebt steht in den Sternen.Man kann ja schließlich Argumentieren wer das gesetzliche rentenalter von 110 Jahren erreicht bekommt dann auch eine entsprechende Rente

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  2. Blödsinn.

    Nichts ist krisenfester als das umlagenfinanzierte Rentensystem.
    Jedoch sollte unseren Politkern der zweckfremde, diebische Griff in die Sozialkassen verboten werden.

    Ein Freund hat mir hier in den USA als im September/Oktober 2008 die Finanzkrise so richtig im Schwung kam, den Kontoauszug seiner privaten kapitalgedeckten Rentenversicherung gezeigt- innerhalb weniger Wochen war ein viertel aller Einlagen (angespart in mehr als 30 Jahren) futsch!

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    • keibe
    • 11. Juni 2012 19:50 Uhr

    haben Sie Recht. Aber auch hier ein zugegeben klitzekleiner Einwand: Würden Sie sagen, dass Angehörige des nichttechnischen, gehobenen Verwaltungsdienstes fidele Rentner mit den von Ihnen aufgeführten Charakteristika sind, ich würde Ihnen -vorurteilsbehaftet, wie ich bin- ohne Quellenangabe blind vertrauen. Nun wenden wir den Blick doch mal auf körperlich stark belastende Tätigkeiten, wie sie z. B. von Dachdeckern, Bauarbeitern, Krankenpflegern und Altenpflegern (es gilt hier: männliche Berufsbezeichnung = weibliche ist mit gemeint) verrichtet werden. Gilt der fidele, sich langweilende, bis ins "Greisenalter" nach Arbeit gierende und arbeitsfähige Mitmensch auch hier?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wieso hört sich das hier im Forum immer an, als würden alle Menschen in körperlich verschleißenden Berufen in der Pflege oder beim Dachdecker arbeiten?

    Die Realität ist doch eine andere und von denen, die in Rente gehen, sind bei uns z.B. viele, die wegen gleitendem Ausstieg mit 65 weiter arbeiten und das obwohl sie das nicht nötig hätten. Diese sind im Gegensatz zu den Rentnern (gleicher Tätigkeitsbereiche), die gingen und ganz ins Nichtstun abtraten, wesentlich fitter und haben sich auch wegen ihrer sozialen Kontakte und ihrer Tätigkeit ihre Gesundheit in mehrerer Hinsicht erhalten.

    Die Rente wird oft verklärt. Man redet jahrelang, dass man dann endlich ....(hier kann man einsetzen, was man mag) und wenn es dann so weit ist, ist die Wohnung irgendwann renoviert, der Garten in Schuss und der Partner reichlich genervt. Nicht umsonst sind die Zahlen der Rentnerscheidungen nicht unerheblich.

    Ich würde mich freuen, wenn ich eines Tages weiter machen könnte.

  3. Wieso hört sich das hier im Forum immer an, als würden alle Menschen in körperlich verschleißenden Berufen in der Pflege oder beim Dachdecker arbeiten?

    Die Realität ist doch eine andere und von denen, die in Rente gehen, sind bei uns z.B. viele, die wegen gleitendem Ausstieg mit 65 weiter arbeiten und das obwohl sie das nicht nötig hätten. Diese sind im Gegensatz zu den Rentnern (gleicher Tätigkeitsbereiche), die gingen und ganz ins Nichtstun abtraten, wesentlich fitter und haben sich auch wegen ihrer sozialen Kontakte und ihrer Tätigkeit ihre Gesundheit in mehrerer Hinsicht erhalten.

    Die Rente wird oft verklärt. Man redet jahrelang, dass man dann endlich ....(hier kann man einsetzen, was man mag) und wenn es dann so weit ist, ist die Wohnung irgendwann renoviert, der Garten in Schuss und der Partner reichlich genervt. Nicht umsonst sind die Zahlen der Rentnerscheidungen nicht unerheblich.

    Ich würde mich freuen, wenn ich eines Tages weiter machen könnte.

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    • keibe
    • 11. Juni 2012 20:03 Uhr

    freue mich auf die Rentnerscheidung. ;-)

    • Wombel
    • 11. Juni 2012 20:50 Uhr

    bekomme und zusätzlich noch Arbeite weil ich das will oder ob mir meine Rente vorenthalten wird damit ich arbeiten muss um nicht zu Hungern und zu frieren.Es darf dabei ja nicht übersehen werden das die Rente kein Steuergeschenk ist sondern der Anspruch durch Beiträge erworben wird.
    Die ständigen kürzungen sind eine Enteignug erworbener Ansprüche.

    • sauce
    • 11. Juni 2012 21:34 Uhr

    Ich bin jetzt 49 Jahre alt und arbeite seit ich 20 Jahre alt bin im Schichtdienst, seit ich 23 Jahre alt bin als fertige Hebamme in der aktiven Geburtshilfe (Vollzeit).
    Ich liebe meine Arbeit und bin glücklicherweise weitgehend gesund.
    Trotzdem kann ich den Verschleiß durch die Belastungen nicht einfach ignorieren und das Beste hoffen. Ich habe leider weder den finanziellen Spielraum die Arbeitszeit zu verringern, noch werde ich so üppig bezahlt, daß ich eine Rentenkürzung verkraften könnte.
    Ich habe 8 annähernd gleichaltrige Kolleginnen (+- 10 Jahre). Für uns gibt es definitiv keine Alternative zu unserer körperlichen Arbeit ... wir können ja nicht alle 8 im Gesundheitsamt Beratungen machen - außerdem: die freiberuflichen Hebammen der Umgebung die nicht im Kreißsaal arbeiten decken den Bedarf auch ohne uns sehr gut ab.

    Geht mit genauso - ich würde liebend gern über die vorgeschriebene Grenze von 65 und ein paar Monaten weiterarbeiten und verstehe die Sehnsucht nach dem Rentendasein nicht wirklich. Ich bin durchaus leistungsfähig, kann locker mit den jüngeren Kollegen mithalten und bin mit Sicherheit kein Schreibtischtäter oder Faulenzer. Aber in diesem Land wird ja alles bis in Kleinste reglementiert und damit werde ich quasi zum Rentenempfang gezwungen! Vielleicht sollte man zumindest einmal über begrenzte Freigaben nachdenken und die Leute, die es können und wollen auch lassen!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte OECD | Bevölkerung | Finanzen | Alter | Altersvorsorge | Einkommen
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