Familienglück: "Bleib weg vom Stall, da sind Tiere"
Früher war der Sommerurlaub auf dem Bauernhof irgendwie entspannter, schreibt Mark Spörrle. Doch jetzt geht seine Tochter auf gefährliche Entdeckungstour.
Im Urlaub fuhren wir mal wieder mit Luise nach Bayern auf den Bauernhof. Das machen wir schon immer, denn es ist wunderschön dort. Diesmal war es anders. Luise ist nicht mehr in dem Alter, in dem Mädchen auf Bauernhöfen brav auf den gepflasterten Wegen bleiben und stets in Sichtweite der Eltern. In dem man ihnen sagen kann: "Bleib weg vom hohen Gras, da sind Zecken! Bleib weg vom Stall, da sind Tiere!" Luise ist in dem Alter, in dem man aus dem Auto springt, auf Nora, die gleichaltrige Enkelin der Bäuerin, zusteuert und dann Hand in Hand mit ihr im Kuhstall verschwindet.
Meine Liebste und ich wechselten überraschte Blicke.
"Keine Sorge!", lachte die Bäuerin. "Nora kennt sich aus!"
Unter dem Vorwand, schnell die Tiere begrüßen zu wollen, ging ich hinterher. Abgesehen von 20 Kühen, 40 Schwalben und 400 Fliegen war der Stall leer. Ich rief Luise. Keine Antwort. Ich sah in die Futtertröge (zwei Mäuse) und unter jede Kuh (gottlob nichts).
Als ich aus der offenen Tür auf der anderen Stallseite stürzte, sah ich unsere Tochter. Sie stand Auge in Auge mit einem Kalb und kraulte es an der Stirn, während Nora neben ihr eine Katze auf den Arm genommen hatte.
- Familienglück - die Kolumne
- Mama und Papa gehen arbeiten, die Kleine in den Kindergarten. Das perfekte Familienglück ist nur eine Frage der Organisation, oder? Mark Spörrle schreibt in seiner Kolumne "Familienglück" über die Tücken des Alltags.
© Mark Spörrle
Entspannt lächelnd schlenderte ich zu meiner Liebsten zurück. "Was ist mit dir?", fragte sie erschrocken.
Wir baten Luise, als sie heil und mit der Katze auf dem Arm wieder auftauchte, sich gründlich die Hände zu waschen. "Gleich!", rief Luise und rannte mit Nora zum Ziegengehege.
"Nimm die Hände nicht in den Mund!", rief ich ihr hinterher.
Als wir unsere Tochter wiedersahen, saß sie mit ihrer neuen besten Freundin vor einem tropfenden Jauchewagen im Gras und stopfte sich mit beiden Händen etwas in den Mund. Glücklicherweise handelte es sich um selbst gebackenen Kuchen der Bäuerin. Luise räumte ein, in der Zwischenzeit nicht nur die Ziegen, sondern auch den nassen Hofhund gestreichelt zu haben. "Aber: Ich habe mir die Hände gewaschen!"
"Wo denn?", fragte die Liebste betont harmlos.
Luise zeigte auf eine algenüberwucherte Badewanne mit trüber Brühe an der Hauswand. "Macht Nora auch immer so!"
Wir entrissen unserer aufbrüllenden Tochter den Kuchenrest und eskortierten sie zum Waschbecken. Danach, sie zeigte keine Vergiftungserscheinungen, durfte sie zurück zu Nora – nachdem sie hoch und heilig versprochen hatte, die Wanne zu meiden, nichts Schmutziges mehr anzufassen und danach zu essen, und ihren Sonnenhut aufzubehalten. Wir baten sie auch eindringlich, die Schuhe anzulassen, wenigstens in der Wiese, in der es vor Bienen wimmelte. Wenige Minuten später war sie barfuß, denn Nora war das auch.





Herr Spörle, "Wir können nicht ständig hinter Luise herhopsen wie die Vollneurotiker." Er wirkt so herrlich ehrlich und harmlos - was er wohl auch ist.
frage ich mich, wann es soweit sein wird, dass jedes Kind, das das schützende Elternhaus verlässt, behelmt und mit Ellbogen- und Knieschonern ausgerüstet ist, denn es könnte ja...........der Ziegel, der Blumentopf, eine Krähe.............jaja, das Leben ist lebensgefährlich. Aber immerhin haben wir dann wieder ein paar schöne Allergien (freut sich Pharma-Industrie) und auch Neurosen gezüchtet, die sich später in exzessivem Gerase, Binge-Trinken und U-Bahn-Surven oder Bungee von der Stauseemauer manifestieren.
Ihre Bezug auf krähen Ziegel und Blumentöpfe ist frech denn hier kann und muss man etwas gegen tun. diese Vernachlässigung von was auch immer ist vermeidbar.sonst sagt man ihnen bald das leben ist nun mal gefährlich in Bezug auf fehlende bremsen beim Auto
Pöh, hier in Berlin gibt es Biomütter, die ihr Kind auch auf dem Spielplatz nur mit Helm lassen.
Ihre Bezug auf krähen Ziegel und Blumentöpfe ist frech denn hier kann und muss man etwas gegen tun. diese Vernachlässigung von was auch immer ist vermeidbar.sonst sagt man ihnen bald das leben ist nun mal gefährlich in Bezug auf fehlende bremsen beim Auto
Pöh, hier in Berlin gibt es Biomütter, die ihr Kind auch auf dem Spielplatz nur mit Helm lassen.
dass diese unsere Gesellschaft degeneriert, ist mir schon lange bewusst, aber dass das so galoppierend abläuft,
war mir bisher nicht klar.
Allein die geschilderten sogenannten "Probleme" und "Sorgen" lassen es mir kalt den Rücken hinauf- und hinunterlaufen.
Nur wenige Generationen vorher hatten die Menschen mit ganz anderen, richtigen Schwierigkeiten zu tun; sie wären auf die beschriebenen merkwürdigen "Ängste" im Leben nicht gekommen... hatten etwas anderes zu erledigen.
Solange bis nicht mehr da ist was man einsetzen kann ganz normal.
Solange bis nicht mehr da ist was man einsetzen kann ganz normal.
Hm, gut beschrieben,
ich muß immer schmunzeln, wenn ich an meine Kindheit und Jugend in den 70/80igeren auf dem Land denke und mit heute vergleiche. Viele Eltern würden es heute für schlichtweg unmöglich halten, wie wir Kinder dort gesund und voller Abenteuer sowie Tatendrang überleben konnten, natürlich mit etlichen kleinen und größeren Unfällen sowie Schrammen. Und auch klar, Händewaschen gab es draußen - trotz vieler Tier- und Schmutzkontakte - nicht (PS Kinder vom Land/LAndwirtschaft haben viel weniger Allergien).
Meine Güte, wieso muss das Kinder-Leben heute nur so gesteuert, gelenkt, überwacht, erlebnisdosiert und lernoptimiert sein? Kinder brauchen auch Freiheit- manchmal auch von den Eltern.
O.k., die größten Gefahren muss man, v.a bei Kleinkindern natürlich vorneweg "wegräumen". Meiner Meinung nach z.B. Teiche, rückwärtsfahrende Großfahrzeuge, nicht gesicherte Gruben, diverse Werkzeuge....
... immer folgender Text ein:
http://www.schwarzmeier.i...
... immer folgender Text ein:
http://www.schwarzmeier.i...
Ich hoffe doch. Andernfalls würde man darüber nachdenken müssen, ob man hier das Jugendamt mal kontaktiert - Horroreltern! Überbehütung zerstört Menschen. Angst essen Seele auf.
.. wird nur müde lächeln und Ihnen einen schönen Tag wünschen.
Die Jugendämter sind angewiesen kosteneffizent zu arbeiten, d.h. die schauen sich nicht mal genauer die Kinder an, wo man sieht unter welchen Bedingungen die leben,(z.B. den Kinderrücken, wo man die Folgen von ausgedrückten Zigaretten sieht).
Das ist für die kein Problem, somit wird das Jugendamt bei überbehüteten Eltern noch viel weniger einschreiten.
... ist leider völlig normal.
Fußgängerzone einer deutschen Kleinstadt. Ein Mädchen hüpft und öffnet dabei eine Saftflasche. Der Schraubdeckel fällt zu Boden. Die Mutter kreischt hysterisch und schimpft, jetzt könne sie die Flasche nicht mehr verschließen sondern müsse sie gleich austrinken. Hebt dann den Deckel auf und wirft ihn in den nächsten Mülleimer.
.. wird nur müde lächeln und Ihnen einen schönen Tag wünschen.
Die Jugendämter sind angewiesen kosteneffizent zu arbeiten, d.h. die schauen sich nicht mal genauer die Kinder an, wo man sieht unter welchen Bedingungen die leben,(z.B. den Kinderrücken, wo man die Folgen von ausgedrückten Zigaretten sieht).
Das ist für die kein Problem, somit wird das Jugendamt bei überbehüteten Eltern noch viel weniger einschreiten.
... ist leider völlig normal.
Fußgängerzone einer deutschen Kleinstadt. Ein Mädchen hüpft und öffnet dabei eine Saftflasche. Der Schraubdeckel fällt zu Boden. Die Mutter kreischt hysterisch und schimpft, jetzt könne sie die Flasche nicht mehr verschließen sondern müsse sie gleich austrinken. Hebt dann den Deckel auf und wirft ihn in den nächsten Mülleimer.
ist der Artikel ironisch gemeint und ein Seitenhieb auf alle überkorrekten Eltern.
Wenn nicht, schließe ich mich meinem Vorredner an, denn das ist schon Körperverletzung was da passiert.
Die Kinder heutzutage sind sowas von überbetüdelt und dürfen gar kein Kind mehr sein und sind dann sowas von krank (Allergien etc) und die Eltern wundern sich.
Aber es gibt heutzutage wirklich Eltern, die ihren Kindern viel lieber 5 Medikamente am Tag zum schlucken geben als draußen in der Wasserpfütze spielen zu lassen.
Körperverletzung, wirklich? Beschrieben wurde hier nur die Sorgen der Eltern und bis auf den Vorfall mit dem Kuchen hatte das Kind hier nur unter etwas Aufsicht zu "leiden". Die Anordnungen wurden vom Kind nahezu komplett ignoriert und die Eltern haben sich doch damit abgefunden. Letztlich haben sie bis auf den Kuchenschreck alles richtig gemacht. Sie haben ihr Kind zur vorsicht ermahnt und es dann doch mehr oder weniger sein Ding machen lassen.
Keine Ahnung, wo sie hier den Skandal sehen. Lief vielleicht nebenbei RTL?
Körperverletzung, wirklich? Beschrieben wurde hier nur die Sorgen der Eltern und bis auf den Vorfall mit dem Kuchen hatte das Kind hier nur unter etwas Aufsicht zu "leiden". Die Anordnungen wurden vom Kind nahezu komplett ignoriert und die Eltern haben sich doch damit abgefunden. Letztlich haben sie bis auf den Kuchenschreck alles richtig gemacht. Sie haben ihr Kind zur vorsicht ermahnt und es dann doch mehr oder weniger sein Ding machen lassen.
Keine Ahnung, wo sie hier den Skandal sehen. Lief vielleicht nebenbei RTL?
.. wird nur müde lächeln und Ihnen einen schönen Tag wünschen.
Die Jugendämter sind angewiesen kosteneffizent zu arbeiten, d.h. die schauen sich nicht mal genauer die Kinder an, wo man sieht unter welchen Bedingungen die leben,(z.B. den Kinderrücken, wo man die Folgen von ausgedrückten Zigaretten sieht).
Das ist für die kein Problem, somit wird das Jugendamt bei überbehüteten Eltern noch viel weniger einschreiten.
Denke ich an meine Kindheit zurück, auf dem Dorf. Viele meiner Freunde lebten auf Bauernhöfen, und dort spielten wir oft...
Ich muss wahnsinnig gewesen sein mich dieser Lebensgefahr auszusetzen, und erst meine Eltern: Diese totale Vernachlässigung von Aufsichts- oder Sorgfaltspflichten !
Es wurde bereits angesprochen: Wir steuern auf eine degenerierte Vollkaskogesellschaft zu. Kein Risiko eingehen, zuviel Gefahr, immer abgesichert, alle Restrisiken eliminiert, bis auf den letzten Keim in Sagrotan ersäuft.
Kinder haben riesige Antennen, die bekommen das mit. Und: sie werden ängstlich davon, ist meine Meinung.
Herr Spörrle, danke für den Artikel. Und danke fürs Umdenken :-)
Grüße!
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