Selten treibt die Realität die Politik so hübsch vor sich her wie gerade bei der Homo-Ehe. Kaum haben einige Bundestagsabgeordnete der Union, unterstützt von Familienministerin Kristina Schröder , den Vorstoß unternommen, eingetragene Lebenspartnerschaften der Ehe steuerlich gleichzustellen, da wird ein neues Urteil des Verfassungsgerichts bekannt.

Es geht um das eher dröge Thema Grunderwerbssteuer. Von ihr sollen Eheleute und Lebenspartner, die sich untereinander Land verkaufen, künftig befreit werden. Wichtiger als dieser Umstand ist jedoch die Begründung des Urteils. Darin heißt es, die bisherige Privilegierung von Ehen sei verfassungswidrig, weil eingetragene Lebenspartner mit Ehegatten "familien- und erbrechtlich gleichgestellt" sind und ebenso miteinander "in einer auf Dauer angelegten, rechtlich verfestigten Partnerschaft" leben.

So fällt eine weitere Barriere, die manche konservativen Politiker gerne zwischen Homo- und Hetero-Ehe aufgestellt sähen. Langsam gehen den reaktionären Kräften die Argumente aus. Was bleibt noch übrig, mit dem man die Ehe von der Lebenspartnerschaft abheben könnte?

Die Natur!, argumentiert der CSU-Abgeordnete Norbert Geis . Seine Landesgruppensprecherin Gerda Hasselfeldt formuliert es konkreter: "Die Ehe zwischen Mann und Frau steht unter besonderem Schutz, weil sie grundsätzlich auf die Weitergabe von Leben ausgerichtet ist – in homosexuellen Beziehungen ist dies nicht der Fall."

Man muss sich gar nicht auf die Debatte einlassen, warum es Homosexuellen nicht möglich sein sollte, "Leben weiterzugeben", zumal mit den heutzutage zur Verfügung stehenden Mitteln. Vielmehr führt sich die Hasselfeld-Geissche Definition selbst ad absurdum. Denn danach müsste man ja Männern und vor allem Frauen über fünfzig Jahren das Heiraten verbieten. Oder was wäre mit kinderlos gebliebenen Ehen, wenn die Frau die Wechseljahre erreicht: Würden sie dann aufgelöst?

Ja, das Grundgesetz schützt die Ehe. Allerdings geht es in Artikel 6 vor allem darum, einen Schutzraum zu beschreiben, in dem Kinder sicher aufwachsen können. Als das Grundgesetz verfasst wurde, war gelebte Homosexualität strafbar. Die Ehe galt als einzige Konstruktion, aus der dieser Schutzraum erwachsen konnte.

Mehr als sechzig Jahre später hat sich die Definition von Familie vollkommen gewandelt. Allen konservativen Skeptikern sei deshalb angeraten, auf Thomas Strobl zu hören. Der Landesvorsitzende der als konservativ bekannten baden-württembergischen CDU sagte am Mittwoch: "Entscheidend ist, dass zwei Menschen für einander Verantwortung übernehmen: Ob dies ein Mann und eine Frau sind oder zwei Männer oder zwei Frauen, ist zweitrangig." So ist es.