Homo-EheBestraft doch gleich die Kinderlosen

Kann man die Homo-Ehe der Ehe gleichstellen? Nein, sagen konservative Politiker, Homosexuelle bekommen keine Kinder. Ein gefährliches Argument, kommentiert K. Polke-Majewski von 

Selten treibt die Realität die Politik so hübsch vor sich her wie gerade bei der Homo-Ehe. Kaum haben einige Bundestagsabgeordnete der Union, unterstützt von Familienministerin Kristina Schröder , den Vorstoß unternommen, eingetragene Lebenspartnerschaften der Ehe steuerlich gleichzustellen, da wird ein neues Urteil des Verfassungsgerichts bekannt.

Es geht um das eher dröge Thema Grunderwerbssteuer. Von ihr sollen Eheleute und Lebenspartner, die sich untereinander Land verkaufen, künftig befreit werden. Wichtiger als dieser Umstand ist jedoch die Begründung des Urteils. Darin heißt es, die bisherige Privilegierung von Ehen sei verfassungswidrig, weil eingetragene Lebenspartner mit Ehegatten "familien- und erbrechtlich gleichgestellt" sind und ebenso miteinander "in einer auf Dauer angelegten, rechtlich verfestigten Partnerschaft" leben.

Anzeige

So fällt eine weitere Barriere, die manche konservativen Politiker gerne zwischen Homo- und Hetero-Ehe aufgestellt sähen. Langsam gehen den reaktionären Kräften die Argumente aus. Was bleibt noch übrig, mit dem man die Ehe von der Lebenspartnerschaft abheben könnte?

Karsten Polke-Majewski
Karsten Polke-Majewski

Karsten Polke-Majewski ist Leiter Investigativ/Daten von ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Die Natur!, argumentiert der CSU-Abgeordnete Norbert Geis . Seine Landesgruppensprecherin Gerda Hasselfeldt formuliert es konkreter: "Die Ehe zwischen Mann und Frau steht unter besonderem Schutz, weil sie grundsätzlich auf die Weitergabe von Leben ausgerichtet ist – in homosexuellen Beziehungen ist dies nicht der Fall."

Man muss sich gar nicht auf die Debatte einlassen, warum es Homosexuellen nicht möglich sein sollte, "Leben weiterzugeben", zumal mit den heutzutage zur Verfügung stehenden Mitteln. Vielmehr führt sich die Hasselfeld-Geissche Definition selbst ad absurdum. Denn danach müsste man ja Männern und vor allem Frauen über fünfzig Jahren das Heiraten verbieten. Oder was wäre mit kinderlos gebliebenen Ehen, wenn die Frau die Wechseljahre erreicht: Würden sie dann aufgelöst?

Ja, das Grundgesetz schützt die Ehe. Allerdings geht es in Artikel 6 vor allem darum, einen Schutzraum zu beschreiben, in dem Kinder sicher aufwachsen können. Als das Grundgesetz verfasst wurde, war gelebte Homosexualität strafbar. Die Ehe galt als einzige Konstruktion, aus der dieser Schutzraum erwachsen konnte.

Mehr als sechzig Jahre später hat sich die Definition von Familie vollkommen gewandelt. Allen konservativen Skeptikern sei deshalb angeraten, auf Thomas Strobl zu hören. Der Landesvorsitzende der als konservativ bekannten baden-württembergischen CDU sagte am Mittwoch: "Entscheidend ist, dass zwei Menschen für einander Verantwortung übernehmen: Ob dies ein Mann und eine Frau sind oder zwei Männer oder zwei Frauen, ist zweitrangig." So ist es.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. ach so moderne Herr Strobl ("dass 2 Menschen für einander Verantwortung übernehmen") der Realität doch etwas hinterherhinkt.
    Vielleicht sollte man tatsächlich statt einer egal in welcher Form eingegangen Partnerschaft eher die übernommene Verantwortung für Nachwuchs (egal ob leiblich oder adoptiert) privilegieren. Was ja nicht im Sinne der leicht demagogischen Überschrift bedeutet, Kinderlose zu bestrafen - oder "bestraft" man heute etwa Unverheiratete?

    33 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • henry06
    • 08. August 2012 17:51 Uhr

    bestraft man unverheiratete. Sie erhalten kein Ehegattensplitting, und bisher war es auch so, dass sie als unverheirateter Mann ohne die Einwilligung der Kindermutter kein Sorgerecht für ihr eigenes Kind erhielten.

    Letzteres hat sich gewandelt, ersteres besteht nach wie vor.

    mfg henry

    • Gephard
    • 08. August 2012 20:26 Uhr

    Eine Scheidung ist doch nicht immer eine verantwortungslose Entscheidung, sie kann auch eine sehr verantwortungsvolle Entscheidung sein. Zum einen aus Eigenverantwortung, weil das Leiden in einer Partnerschaft unerträglich ist und aber auch aus Verantwortung den Kindern gegenüber. Es ist ein äußerst fragwürdiges Leitbild eine Ehe nur der Kinder wegen noch aufrecht zu erhalten. Das lebt Kindern nur Lüge und mangelnde Eigenverantwortung vor. Die Auswirkungen sind natürlich unterscheidlich. Ich finde es nur erschreckend, das in meinem Umfeld die Scheidungskinder eben genau unter so einer Prägung leiden, wo die Eltern mit der Scheidung gewartet haben, bis die Kinder groß sind. In einem Fall habe ich auch mitbekommen, welch Horror in so einer Situation herrschen kann, wenn sich die Eltern nicht mehr verstehen und heuchelnd eine Familie erhalten wollen.

    Wenn Sie verheiratet sind, mit Kind und Alleinverdiener hilft Ihnen das Ehegattensplitting finanziell klar zu kommen. Bricht die Ehe auseinander, kommen auf Sie nicht nur höhere Kosten zu (2 Haushalte etc.) sondern zudem werden Sie steuerlich schlechter gestellt, DASS ist wirklich eine Art Bestrafung, die bestimmt nicht im Interesse der Kinder ist.

  2. "Kann man die Homo-Ehe der Ehe gleichstellen? Nein, sagen konservative Politiker, Homosexuelle bekommen keine Kinder."

    Dieses Argument von konservativen Kräften und religiösen in diesem Land ist ja schon mehr als merkwürdig oder haltlos.
    Oder sind diese Leute der Meinung Homosexuelle würden irgendwann munter anfangen Kinder zu bekommen, wenn ihnen die Möglichkeit verwehrt bleibt sich in eine gleichgeschlechtlichen Ehe zurück zu ziehen?

    Außerdem gibt es so viele Kinder aus Hetero-Ehen, die nicht gewollt sind und deshalb zur Adoption freigegeben werden. So gesehen können sich auch gleichgeschlechtliche Paare den Kindeswunsch erfüllen und tun dies auch schon.

    Demnach kann also auch eine gleichgeschlechtliche Ehe als Raum für ein Kind geeignet sein. Mindestens so geeignet oder ungeeignet wie eine Hetero-Ehe.

    Wir dürfen einfach nicht den reaktionären und konservativen Kräften das Feld überlassen.
    Es ist süß und niedlich wenn sie mit ihrer religiösen Weltsicht immer mal wieder "du du du" aus der Ecke rufen dürfen, aber dabei sollte es dann auch bleiben.
    Ab und zu kann man noch sagen "joa, 1/5 dessen was du [konservativer] gesagt hast könnte man als lockere moralische Grundlage verwenden. Nu geh aber wieder zurück in deine Ecke und spiel weiter mit deinen Perlen auf der Schnur"

    14 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Tragen Sie mit sachlichen und konstruktiven Beiträgen zum Thema bei. Die Redaktion/mak

    • snilax
    • 08. August 2012 18:04 Uhr

    Entfernt. Verzichten Sie auf homophobe und sexistische Äußerungen. Die Redaktion/mak

    • hefe60
    • 08. August 2012 18:51 Uhr

    laut Ihrem Beitrag folgt: religiöse Weltsicht = reaktionäre Weltsicht = Gegner von gleichgeschlechtlichen Paaren!

    Was ist mit libertären und antireaktionären Atheisten, die dennoch gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaft sind? Oder schließt sich das automatisch für Sie aus?

    Komische Gleichstellung...

    • gkh
    • 08. August 2012 20:40 Uhr

    Das demonstrieren Ihre verächtlichen Äußerungen. Religiöse Menschen mögen den homosexuellen Lebensstil kritisieren, sie zeigen aber dabei wenigstens den angemessenen Respekt, den sie anderen Menschen schuldig sind.

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachlich argumentierte Kommentare und verzichten auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/ls

    • Ron777
    • 08. August 2012 16:43 Uhr

    Das Ehegattensplitting kommt aus einer vergangenen Zeit. Heute ist kaum noch erklärbar, warum ich für die pure Tatsache, eine(n) schlechter verdienende(n) Frau (Mann) zu haben, staatliche Unterstützung bekomme. Als Alleinstehender muss ich auch mit dem auskommen, was ich selber erwirtschafte. Anders stellt es sich bei Familien mit Kindern dar. Aber auch hier ist die Alimentierung des einen Partners mittels Steuervorteilen letztendlich falsch. Freibeträge für Kinder sind dagegen völlig richtig. Doch auch hier sollte der Fokus der weitere Unterstützung mehr auf der bereitstellung von Leistungen wie verlässlichen Krippen usw. liegen, denn bei Geldgeschenken, die zu reinen Mitnahmeeffekten verleiten.

    16 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ist es so jammerschade, dass die CDU und die CSU mit Hilfe der FDP die Gleichstellung der Lebenspartnerschaft mit der Ehe ablehnen und verhindern. Denn deswegen wird derzeit (oder eben nicht) jedes einzelne Privileg der Ehe für die Lebenspartnerscahft erkämpft. Dadurch steht wieder jedes einzelen Privileg zur Debatte, so dass die ohnehin schwre Diskusison um die Rechte Homosexueller auch noch mit einer Nutzendebatte der Ehe-Privilegien vollgepackt wird.

    Jetzt müssena lso die Homos nicht nur für ihre Rechte kämpfen, sondern sich zugleich der Privilegiendebatte stellen. Das ist zu viel verlangt, bedenkt man, dass es hier um Gleichstellung geht. Es sollte hier einzig und allein um die Gleichberechtigung gehen. Die Ehe oder gleichwertige Institutionen an sich kann man nicht bei einer solchen Debatte auch nocht diskuttieren. DAs braucht eine eigene öffentliche Debatte.

    Hier geht es um Homosexuelle oder bisexuelle, die einnader mit den gleichen Rechten heiraten wollen. DAs sollte ihnen endlich möglich gemacht werden. Ich hoffe daher sehr bei der nächsten Wahl auf eine Koalition ohne Union und FDP! Nur dann haben wir eine Chance für Gerechtigkeit in diesem Themengebiet.

    PS: Mir würde im übrigen eine rechtliche Gleisstellung nicht reichen. Ich fordere die Öffnung der Ehe! Denn nur das zeigt deutlich, dass keine Unterscheidung durch den Gesetzgeber aufgrund der sexuellen Orientierung erfolgt und zudem spart es Unmengen unnötiger Kosten.

    "Heute ist kaum noch erklärbar, warum ich für die pure Tatsache, eine(n) schlechter verdienende(n) Frau (Mann) zu haben, staatliche Unterstützung bekomme. Als Alleinstehender muss ich auch mit dem auskommen, was ich selber erwirtschafte."

    Man bekommt beim Ehegattensplitting keine Unterstützung. Man zahlt lediglich weniger Steuern (und der weniger verdienende Partner zahlt dafür etwas mehr). Im Ergebnis soll das Ehepaar so viel bezahlen, als wäre das gemeinsame Einkommen von beiden Partnern je zur Hälfte erwirtschaftet worden.

    Der progressive Steuertarif bei der Einkommensteuer hat zur Folge, dass jemand mit einem Monatseinkommen von z.B. 4000€ nicht einfach doppelt so viel Steuern bezahlt wie jemand mit 2000€, sondern mehr als doppelt so viel. Was bei der Besteuerung Alleinstehender als gerecht erscheinen mag, würde aber bei der Besteuerung von Ehepaaren zu dem Ergebnis führen, dass Paare bei gleichem Einkommen unterschiedlich besteuert würden - je nachdem, ob z.B. 4000€ von einem alleine (4000+0), von beiden zu gleichen Teilen (2000+2000) oder von einem Haupt- und einem Nebenverdiener (3000+1000)verdient werden.

    Bitte informieren Sie sich einmal über Pflichten, die Eheleute untereinander haben. Da kann man nicht mal eben die Koffer packen, im Zeifel muss der schlechter verdienende Ehepartner nicht nur während der Ehe, sondern auch nach einer Scheidung finanziell unterstützt werden.

    Wer als Single in seiner eigenen Wohnung lebt muß nicht finanziell bluten, wenn seine Freundin arbeitslos wird.
    Im Gegenzug zu diesen Unterhaltverpflichtungen sind Steuererleichterungen für Verheiratete und eingetragene
    Lebenspartnerschafte nur fair. Allerdings bevorzugt das Steuersplitting Paare mit einer erheblichen Diskrepanz im Einkommen. Verdienen beide Partner gleich viel profitieren sie nicht vom Spliting. Das muß tatsächlich reformiert werden.
    Ausserdem sollte man den Zustand beenden, der mit der Abschaffung der Arbeitslosenhilfe im Zuge der Hartz-Reformen entstand, daß auch unverheiratet zusammenlebende füreinander unterhaltspflichtig sind. Dadurch wurde Hartz4 zum Förderprogramm für die Vereinzelung und Ver-single-ung der
    Gesellschaft.

    aber man sollte bedenken, dass dieser Staat total verschuldet ist und dann könnte man noch, wenn man es aushält, den Bundeshaushalt 2013 ansehen und was sich da noch so geleistet wird (Westerwelle will ernsthaft neues Tafelsilber für die deutschen Botschaften anschaffe... / dann isses auch echt egal! Der König tanzt in seinen neuen Kleidern weiter seinen Affentanz!

  3. In Zeiten, in denen die Ehe kaum mehr eine lebenslange Bindung - geschweige denn eine Art Garantie für Kinder - darstellt, ist es kaum nachvollziehbar, warum diese steuerlich gefördert werden soll.
    Warum nicht auch die Partnerschaften, die bewußt auf die Ehe verzichten. Wieso die Ausgrenzung der Singels, die keine sein möchten?
    Bei dem Steuervorteil des Ehegattensplittings sollten Familien mit "one-income-and kids" gefördert werden, sonst niemand und das war auch richtig so.
    Zeiten ändern sich, die Idee bleibt.
    Um auf Ihre Aussage zurückzukommen "Bestraft doch gleich die Kinderlosen", sage ich: "Vielleicht nicht bestrafen, doch wofür belohnen? Die ganze Gesellschaft profitiert von Kindern, doch nur ein paar (bekanntermaßen zu wenige) bekommen auch welche und die zahlen auch noch den Großteil für unsere gemeinsame Zukunft!"

    34 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 08. August 2012 17:42 Uhr

    ....Welt zusätzliche Kinder, verzichten solche Erwachsene auf das größte Glück, das die anderen selbstsüchtig sich nehmen.

    Daher wäre es konsequent Eltern bei der Rente zu entlasten, da diese ja maßgeblich von ihren Kindern für alle - auch kinderlose Menschen - zu finanzieren ist.

    Ist dies gerecht gegenüber Menschen die Kinder wollen und keine bekommen? Dazu könnte man analog fragen, ob es gerecht ist, dass Menschen die arbeiten wollen und keinen Job finden weniger erhalten...

    "In Zeiten, in denen die Ehe kaum mehr eine lebenslange Bindung - geschweige denn eine Art Garantie für Kinder - darstellt, ist es kaum nachvollziehbar, warum diese steuerlich gefördert werden soll."

    Man sollte also weder Ehen noch eingetragene Partnerschaften fördern sondern ausschließlich Eltern mit Kindern.

    • eagle37
    • 09. August 2012 14:35 Uhr

    Wer die Ehe eingeht, muss für seinen Partner finanziell sorgen, falls dieser es einmal nicht mehr selbst kann. Dies gilt sogar dann, wenn die Ehe nicht hält (Unterhalt).

    Das Ehegattensplitting ist keine Belohnung für Verheiratete, sondern es sorgt dafür, dass alle Ehepaare gemäß ihres gemeinsamen Gesamteinkommens gleich besteuert werden.

  4. Kraft aus Argumenten, wer so reißerisch tituliert

    ““ Bestraft doch gleich die Kinderlosen““

    verliert an Gehör und wird offenbar der öffentlichen Unterrichtungsaufgabe kaum gerecht.

    Das Ehegattensplitting ist keine Förderung, es entspricht der verfassungsgemäßen Ordnung. Ob und inwieweit dieses Splitting verfassungsrechtlich eingeschränkt werden kann ist strittig.

    Faktisch wird das Ehegattensplittung für eingetragene Lebenspartnerschaften schon vielfach angewandt und dabei offensichtlich das BVerfG – Urteil vorweggenommen:
    Verschiedene Landes-Finanzgerichte haben inzwischen entschieden, dass eingetragene Lebenspartnerschaften bis zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts bei der Lohn- und Einkommensteuer vorläufig wie Ehegatten zu behandeln sind.

    Das Niedersächsische Finanzgericht hat entschieden, dass der Ausschluss von Partnern einer eingetragenen Lebenspartnerschaft von der Anwendung der Regelungen über das Ehegattensplitting verfassungswidrig ist.

    ““ Allerdings ist es möglich, dass am Ende doch alles ganz anders gelöst wird. Beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe liegen Verfassungsbeschwerden von eingetragenen homosexuellen Lebenspartnern, die bei ihrer Steuererklärung verlangt haben, entsprechend des Steuersplittings gemeinsam veranlagt zu werden. Wann die Verhandlungen dazu beginnen, ist allerdings noch unklar. ““
    http://www.spiegel.de/pol...

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Sehr geehrte(r) Idl-bilder,

    Es stimmt, das Ehegattensplitting gilt auch für Homo-Ehen, jedenfalls wenn man dem Urteil des Finanzgerichts Köln vom Dezember 2011 folgt und bis das Bundesverfassungsgericht in einem anhängigen Verfahren eine Entscheidung gefällt hat (http://www.zeit.de/karrie...).

    Welche merkwürdigen Effekte das Ehegattensplitting dennoch entfalten kann, hat die ZEIT-Kollegin Elisabeth Niejahr jüngst sehr anschaulich beschrieben: http://www.zeit.de/2012/0...

    Viele Grüße
    K. Polke-Majewski

    dennoch entfalten kann, hat die ZEIT-Kollegin Elisabeth Niejahr ....““
    schreibt Herr K. Polke-Majewski , Nr. 13 , 08. 08. 2012 – 17: 11, der seinen Ausführungen weitere Merkwürdigkeiten hinzufügt.

    Das Ehegattensplitting ist keine Begünstigung oder Förderung, sondern Ausdruck der Rechtsordnung, die sich unsere Gesellschaft gegeben hat: Das Einkommen wird zu gleichen Teilen auf beide Ehepartner verteilt. Maßgebend ist nicht der einzelne Verdienst, die Ehe wird als Wirtschaftsgemeinschaft gesehen. Diese Sichtweise der steuerlichen Leistungsgemeinschaft entspricht der verfassungsgemäßen Ordnung. Ob und eventuell wieweit dieses Splitting verfassungsrechtlich eingeschränkt werden kann ist strittig. Tendenz: eher kleine Spielräume.

    Der Artikel, auf den Herr verweist, ist kein gutes Beispiel:
    ein Meinungsbeitrag, der offenbar die Publizistik zur Botschaft der eigenen Haltung zweckentfremdet,

    Die normative Kraft der verfassungsgemäßen Ordnung, die wir, deutsche Zivilgesellschaft, gewählt haben, ist zu akzeptieren. Das Recht schafft als allgemeinverbindliches Ordnungsschema erst den Rahmen, der ein gedeihliches Miteinander ermöglicht und fördert.

    ““ Ja, das Grundgesetz schützt die Ehe. Allerdings geht es in Artikel 6 vor allem darum, einen Schutzraum zu beschreiben, in dem Kinder sicher aufwachsen können.““

    Diese Festlegung entspricht nicht der Realität:
    jede Ehe hat vor der Rechtsprechung den gleichen Rang (BverfGE 55, 128;68,268).

  5. Ich frage mich, inwieweit es überhaupt erforderlich ist, dass zwei in der Regel gesunde und erwachsene Menschen füreinander Verantwortung übernehmen?
    Auf mich muss z.B. derzeit niemand aufpassen, noch nicht einmal meine Frau, denn das kann ich selbst!

    Etwas ganz anderes ist es, wenn hilfsbedürftige Personen versorgt werden müssen.

    Der Prototyp einer hilfsbedürftigen Person ist natürlich ein Kind. Da muss jemand Verantwortung übernehmen!

    Neuerdings gibt es eine sich verstärkende Debatten über weitere hilfsbedürftige Personen, nämlich demente oder schlicht pflegebedürftige Eltern, für die ebenfalls jemand die Verantwortung übernehmen muss.

    Hier können homosexuelle Paare vom (Ehegatten-)Splitting genauso profitieren, indem sie sich die Hilfe für die Eltern und die Erwerbsarbeit untereinander geeignet aufteilen.
    M.e. ist das der Grund, weshalb das Splitting für gleichgeschlechtliche Paare jetzt vorgeschlagen wird.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Gesetzgeber hat für die entlastung pflegender Angehöriger bereits umfangreiche Vorkehrungen getroffen. So enthält § 33b EStG Entlasung- und Freibeträge die natürlich auch für Homosexuelle gelten.

  6. Nach dem die verfassung- wie auch die finanzgerichtliche Rechtssprechnung gleichgeschlechtliche Lebenspartner bereits im Erbschaftssteuer- und Grunderwerbssteuerrecht gleichgestellt hat, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit bis dies auch für die Einkommensteuer erfolgt.

    Tatsächliche stellt sich für mich jedoch unabhängig von der gewählten Partnerschaftwahl die Frage, ob der Splittingtarif als solches noch zeitgemäß ist.

    Genau genommen begünstigt § 32a Abs. 5 EStG NUR Ehepartner welche höchst unterschiedlichen Einkommenshöhen vorweisen können. Ehepartner die über das gleiche Einkommen verfügen gehen leer aus.

    Meiner Meinung nach sollte die Politik nicht weiterhin die so genannten "Professorenehen" subventionieren, sondern viel mehr junge Mütter (und Väter) möglichst bald wieder einen Berufseinstieg ermöglichen.

    Der bisherige Splittingtarif regt einen der Ehegatten eher dazu an nach der Geburt des Kindes aus steuerlichen Aspekten ein geringes bis garkein Einkommen zu erzielen. Dies ist ökonomisch unvernünftig, als Finanzbeamter kann ich die Aufrechterhaltung der o. g. Rechtsnorm nicht verstehen.

    8 Leserempfehlungen
    • Chris_7
    • 08. August 2012 16:59 Uhr

    Fiskalisch sollte nicht der Trauschen belohnt werden. Das macht in der heutigen Zeit wo Ehe nicht gleichbedeutend ist mit Familie mit 1 - n Kindern und damit Generationensicherung nicht mehr der Maßstab sein. Lieber das Splitting abschaffen und dafür "in Kinder" investieren.

    Also z.B. in Ganzatgesbetreuung. Und zwar Kostenlos. Von 1-18 Jahren. Ohne Ferien, die Eltern von Betreuungsprobleme bringen und dazu führen, dass die Ehepartner ihren Jahresurlaub zeitlich versetzt dazu nehmen müssen, jeweils einzeln auf die Kinder aufzupassen. Und auch mit flexiblen Zeiten, nicht nur 8-16 Uhr. Sondern bei Bedarf auch früher oder später. Und natürlich mit anspruchsvollem Programm. Sport, musische Erziehung, Bildung, Nachhilfe,... Damit das allen Kindern offen steht, auch wenn ihre Eltern nicht dafür bezahlen können.

    Und natürlich ggf. ein höheres Kindergeld. Und zwar nicht als Freibetrag ausbezahlt. Sondern für jeden die gleiche Summe. Egal ob Hilfarbeiter, Facharbeiter oder Manager. Nicht so viel, dass man deshalb nicht mehr arbeiten gehen müßte. Aber so viel, dass Kinder einigermaßen chancengleich aufwachsen können.

    19 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • snilax
    • 08. August 2012 18:10 Uhr

    sollen Erwchsene, die tun und lassen können was sie wollen, für das was sie tun, belohnt werden sollen? Seid wann ist Sex eine öffentlich Dienstleistung die man steuerlich geltend machen kann?

    • hefe60
    • 08. August 2012 18:59 Uhr

    ...einer der ersten hochschnellenden Effekte dürfte die Steigerung der Scheidungsrate sein. Aber, es ist ja alle nur zum Wohle der Kinder!

    Zitat: "...also z.B. in Ganzatgesbetreuung. Und zwar Kostenlos. Von 1-18 Jahren. Ohne Ferien, die Eltern von Betreuungsprobleme bringen..."

    • i_Peter
    • 10. August 2012 15:33 Uhr

    @snilax
    Ich vermute, Sie haben haben da etwas falsch verstanden. Chris_7 will nicht, dass man Sex steuerlich geltend machen kann. Vielmehr will er - und ich stimme ihm da zu - dass der Staat mehr in Kinder investiert. Aber vermutlich liegt das nicht in Ihrem Sinne.
    Als gutverdienender Single oder Dinki will man natürlich seinen Verdienst in Saus und Braus verleben und nicht etwa Steuern und Abgaben für anderer Leute Kinder entrichten. Im Alter lässt es sich dann ganz hervorragend von den bis dahin eingesparten Steuern leben.
    Irgendwann werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann. (Weissagung der Cree Indianer)

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte CDU | Beziehung | Debatte | Ehe | Gerda Hasselfeldt | Grundgesetz
Service