Ledige Väter sollen künftig auf Antrag das Sorgerecht erhalten. Das besagt ein Gesetzesentwurf des Bundeskabinetts, der Anfang vergangenen Monats veröffentlicht wurde. Dieser Kabinettsbeschluss ist zweifelsohne ein Schritt in die richtige Richtung, aber ich habe Zweifel, ob es etwas an der Situation der Väter in Deutschland verbessert.

Zum einen ist bezeichnend, dass ein Gericht auf europäischer Ebene den Anstoß dazu lieferte. Ebenso bezeichnend ist es, dass ein unverheirateter Vater überhaupt das Sorgerecht beantragen muss, statt es von Geburt des Kindes an zu haben.

Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen: Wenn ein Vater gerichtliche Hilfe sucht, weil die Kindesmutter ihn als Elternteil entsorgen möchte, spielt er mit dem Feuer. Daran kann auch ein neues Gesetz nichts ändern.

Als verheirateter Vater hatte ich zunächst das Sorgerecht für meinen Sohn. In einem Gerichtsverfahren habe ich dieses Recht verloren.

Während meiner Ehe betreute überwiegend ich unseren Sohn, die Kindesmutter machte Karriere. Die Rollenverteilung entsprach keineswegs den klassischen Geschlechterrollen. Nach der Trennung verweigerte die Kindesmutter mir jeden Kontakt zu meinem Kind. Ich hatte keine andere Wahl, als bei Gericht Anträge zu stellen. Ich wollte nicht das alleinige Sorgerecht, sondern einfach nur das Umgangsrecht wahrnehmen. Außerdem wollte ich die Frage des Aufenthaltsbestimmungsrechts klären, also wo mein Sohn leben sollte.

Am Ende entschieden die Richter, dass mein Kind bei der Mutter bleiben soll. Sie argumentierten, die Eltern hätten mangelnde Einigungsfähigkeit gezeigt. Das wiederum begründeten sie damit, dass ich als Vater die Anträge überhaupt gestellt und weiterverfolgt hatte. Es hieß, für das Kindeswohl sei es besser, wenn mein Sohn bei seiner Mutter bleibe. Obendrein entzog mir das Gericht sogar das Sorgerecht.

Die Richter hätten zumindest in Betracht ziehen müssen, dass ich diese Verfahren einleitete, weil die Kindsmutter sich permanent negativ über mich als Vater äußerte. Das schadet nämlich dem Wohl des Kindes. Doch das Amtsgericht und das OLG sprachen mir das Recht ab, um das Wohl meines Sohnes zu kämpfen.

Sobald eine Ehe scheitert, halten die Gerichte am veralteten, traditionellen Rollenverständnis fest: die Mutter als Erzieherin, der Vater Geldverdiener. Dadurch wird verhindert, was Frauenrechtlerinnen und Politiker heutzutage berechtigterweise fordern: dass Männer sich in die Kindererziehung einzubringen. Was ich erlebte, ist kein ein Einzelfall. Es findet so oder ähnlich immer wieder statt, wie es beispielsweise der Film Der entsorgte Vater von Douglas Wolfsberger zeigt. 

Bei Trennungen werden die Beteiligten häufig zu unerbittlichen Rächern von Schandtaten, die ihre ehemaligen Partner angeblich begangen haben. Wenn Kinder im Spiel sind, werden sie als Waffe gegen den Partner missbraucht. In diesem Kontext spricht die Wissenschaft mittlerweile vom sogenannten PAS (Parental Alienation Syndrom).

Anscheinend versuchen besonders häufig Mütter, ihre Kinder vom Vater zu entfremden. Das wird verstärkt, weil die Kinder bei der Trennung oft bei der Mutter bleiben – oder per Gericht ihr zugesprochen werden.

Zurück zum Gesetzesentwurf: Ein getrennter, lediger Vater wird ebenso wenig wie ein geschiedener Vater in ähnlicher Situation ein gutes Verhältnis zur Kindesmutter haben. Ansonsten wäre ja kein Gerichtsverfahren notwendig.

Der neue Gesetzesentwurf für ledige Väter bringt also nichts, solange Rollenvorstellungen und Rachefeldzüge über dem Kindeswohl stehen.

Der Artikel wurde unter Pseudonym verfasst. Der Name des Autoren ist der Redaktion bekannt.