Familienglück: Ein Sandburgzentralgraben mit Zugbrücke
Wer Sandburgen baut, trainiert Planungs- und Abstraktionsvermögen. Mark Spörrle zeigt seiner Tochter, wie man es richtig macht.
Ich bin froh, dass meine Tochter endlich alt genug ist zum Sandburgbauen. Eine Tätigkeit, die Körper und Geist fit hält und Planungs- und Abstraktionsvermögen trainiert. Bei der man sich an der frischen Luft aufhält und garantiert ein Erfolgserlebnis hat – Idealeres kann es nicht geben für ein Kind.
Schon als Luise von alldem noch nichts wusste, besorgte ich Eimer und Schaufeln und führte diese bei allen Ausflügen ans Meer mit; man weiß ja nie, wann ein kleines Mädchen plötzlich die Lust zum Burgenbauen überkommt. Um weitere Anreize zu schaffen begann ich, am Strand mit ostentativer Begeisterung einen Burghügel nach dem anderen anzulegen. Bis meine Liebste zu bedenken gab, das werde wenig nützen, solange unsere Tochter noch nicht geboren sei. Aber wenn es mir Spaß mache...
"Spaß?", erwiderte ich stets. "Ich tue das nur für unser Kind!"
Dann war es endlich soweit. Luise trug die langstielige Buddelschaufel über der Schulter, wie wir es zu Hause geübt hatten. Und kaum hatten wir den Strand erreicht, den Strandkorb bezogen und ich auf all die anderen Kinder hingewiesen, die längst bienenfleißig Burgen bauten, begannen die Augen meiner Tochter zu blitzen und sie rannte los. Ich hinterher.
"Lass sie es doch alleine versuchen!", rief meine Liebste.
Ich rief zurück, sie solle sich keine Sorgen machen: Ich wolle Luise nur zeigen, wie man den Burghügel anlegen müsse. Und vor allem: wo.
- Familienglück - die Kolumne
- Mama und Papa gehen arbeiten, die Kleine in den Kindergarten. Das perfekte Familienglück ist nur eine Frage der Organisation, oder? Mark Spörrle schreibt in seiner Kolumne "Familienglück" über die Tücken des Alltags.
© Mark Spörrle
Eine Sandburg, die etwas auf sich hält, liegt so dicht an der Wasserlinie, dass man den feuchten Sand von dort auch für anspruchsvollere Bauwerke verwenden kann und sich obendrein ein Kanal ziehen lässt, der Meerwasser in den Burggraben leitet. So etwas ist an Nordseestränden kaum machbar; wir fahren nicht ohne Grund seit Jahren an die Ostsee. An diesem Tag waren die Bedingungen ideal: Das Meer war ruhig wie eine Badewanne, und Luise und ich konnten den unteren Teil der Burg, eine Kette von vier turmbewehrten Hügeln, so nah ans Ufer setzen, dass selbst die älteren Leute, die unbeirrt und den Blick am Boden immer genau am Wasser entlanggingen, stehen bleiben und staunen mussten.
Und der Vater mit den zwei Jungs an der Burg nebenan erst neidische Blicke herüberwarf. Und dann seine Söhne antrieb.
Ihre Ausrüstung beschränkte sich allerdings auf Eimer, Kurzschaufel und Förmchen. Als das Nachbarteam erst das dritte Türmchen errichtete, hatte ich mit der großen Buddelschaufel schon den gewaltigen Hügel unserer Hauptburg aufgehäuft. Und während sie hektisch mit bloßen Händen an der zweiten Mauer arbeiteten, waren Luise und ich längst mit dem dritten Auffahrtsweg fertig.
Später hatte meine Tochter keine Lust mehr, im Akkord Wasser herbeizuschleppen und wollte lieber die Türme mit Steinen und Muscheln verzieren. Aber ein Burgzentralgraben mit Zugbrücke und vier kommunizierenden Tunneln lässt sich eh besser ohne eine zappelige Fünfjährige entwerfen. Dann jedoch kam Luise mit der absurden Idee, unser Werk durch einen spontanen zweiten Graben zum Meer zu gefährden.





nette Geschichte.
Großartig!!! Pädagogisch wertvolles Sandburgenbauen...war ja klar, dass das Scheitern würde. Sehr schön erzählt!
macht das Leben interessant....Auch das eigene...
Wie sagt der Kölner: man muss auch muss auch jönne könne.
Das wird dann die nächste Lernphase für die Vater-Tochter-Beziehung
Statikkenntnisse und Grobmotorik.
Diesen Fähigkeitserwerb sollten Sie Ihrer Tochter nicht (aus eitlem Bauherrenstolz) vorenthalten.
k.
vielen dank für diesen heiteren beitrag.
ich konnte mich 100%ig wiederfinden... und zwar in beiden rollen :)
...... der echte Burgenbauer schafft an der Nordsee und kämpft mit den Elementen und bringt nebenbei auch noch die Grundlagen des Deichbaus an die Frau (Schimmelreiter und so). Die Ostsee ist da mehr die Reagenzglasversion :-) oder mediterrane Alternative: ohne Schweiß zum Erfolg
HG
C. Rosenbaum
ist ja nie da, wenn man den endlich Wassergraben anlegen will... ;-)
ist ja nie da, wenn man den endlich Wassergraben anlegen will... ;-)
ist ja nie da, wenn man den endlich Wassergraben anlegen will... ;-)
... bevor jemand den Autoren als der Schrift Unmächtigen abstempelt: es sollte natürlich heißen: "wenn man endlich den Wassergraben anlegen will"...
.... Ostsee ist was für Anfänger ;-)
Und richtig schön wird es, wenn man sich von der schnöden Burg entfernt und in andere architektonisch und / oder optische Gefilde vordringt. Als da wären:
- die Gigamurmelbahn mit 3, 4 ineinander geschichteten Alternativrouten und sich mehrfach kreuzenden Tunneln
- die begehbare Sandwohnung mit Ruhezone, Picknickbereich etc.
- Sandskulpturen von der Nixe zum nutzbaren Cabriolet
.... schreibt in dem Fall die sich eingehackt habende Rolandine, denn merke: Das ist keine Männerdomäne!
... bevor jemand den Autoren als der Schrift Unmächtigen abstempelt: es sollte natürlich heißen: "wenn man endlich den Wassergraben anlegen will"...
.... Ostsee ist was für Anfänger ;-)
Und richtig schön wird es, wenn man sich von der schnöden Burg entfernt und in andere architektonisch und / oder optische Gefilde vordringt. Als da wären:
- die Gigamurmelbahn mit 3, 4 ineinander geschichteten Alternativrouten und sich mehrfach kreuzenden Tunneln
- die begehbare Sandwohnung mit Ruhezone, Picknickbereich etc.
- Sandskulpturen von der Nixe zum nutzbaren Cabriolet
.... schreibt in dem Fall die sich eingehackt habende Rolandine, denn merke: Das ist keine Männerdomäne!
... bevor jemand den Autoren als der Schrift Unmächtigen abstempelt: es sollte natürlich heißen: "wenn man endlich den Wassergraben anlegen will"...
Ich schlage, damit Sie nicht dem eigenen Fluch anheimfallen, im Singular die starke Beugung vor:
der Autor, des Autors, dem Autor, den Autor.
Gruß
Gunhild Simon
http://www.blog1.institut...
Ich schlage, damit Sie nicht dem eigenen Fluch anheimfallen, im Singular die starke Beugung vor:
der Autor, des Autors, dem Autor, den Autor.
Gruß
Gunhild Simon
http://www.blog1.institut...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren