Familienglück Frag Oma nach Fußball
Herrlich, mit Mädchen muss man seine Sonntagvormittage nicht auf schlammigen Fußballplätzen verbringen, dachte Mark Spörrle. Es kam anders.
Als ich vor mehr als fünf Jahren erfuhr, dass wir ein Mädchen bekommen würden, war ich besorgt. Weil ich befürchtete, dass sie meine Nase bekommen könnte.
Aber ich war auch erleichtert. Denn ich bin kein besonders großer Fußballfan. Und mit einer Tochter würde ich nicht wie meine Freunde mit ihren Söhnen unzählige Samstag- und Sonntagvormittage auf schlammigen Fußballplätzen verbringen müssen. Oder lange Abende in gewöhnungsbedürftiger Kleidung in kalten Fußballstadien. Oder Stunden über Stunden vor dem Fernseher, Bundesliga guckend, und über Punktetabellen, Begeisterung vortäuschend.
Wie gesagt: Ich war erleichtert.
Bis Luise mir eines Morgens eröffnete: "Papi, ich bin Fußballfan!"
"Sicher Luise", sagte ich, gerade das Morgenmüsli anrührend, "komm frühstücken. Was hast da du für ein Heft?"
"Den Kicker!", erwiderte meine Tochter. Mir fiel die Müslischüssel aus der Hand.
"Kannst du mir helfen?", fragte Luise und streckte mir etwas entgegen. Eine Bundesliga-Stecktabelle aus Pappe.
"Luise", fragte ich entgeistert. "Wo hast du das her?"
"Von Oma", erwiderte meine Tochter und drückte mir ein längliches Pappstück die Hand. "Kannst du Dortmund einstecken? Das geht so schwer."
Tatsächlich, das Ding trug das Logo von Borussia Dortmund.
"Wo soll ich das denn einstecken, Luise?", fragte ich.
Meine Tochter verdrehte die Augen. "Oh Papi, ruf Oma an!" Meine Liebste bekam einen Lachanfall.
- Familienglück - die Kolumne
- Mama und Papa gehen arbeiten, die Kleine in den Kindergarten. Das perfekte Familienglück ist nur eine Frage der Organisation, oder? Mark Spörrle schreibt in seiner Kolumne "Familienglück" über die Tücken des Alltags.
© Mark Spörrle
Mir fielen auf Anhieb zwei Schulfreunde ein, Familienväter mitten im Leben stehend, deren männliches Selbstbild an dieser Stelle massiv ins Wanken geraten wäre.
Ich dagegen fragte völlig entspannt meine Liebste, was mit unserer Tochter los sei.
"Also", kicherte sie, "du hast doch, kaum konnte sie laufen, schon mit ihr Ball gespielt."
"Weil ihr das so Spaß machte", sagte ich. "Ich wusste doch nicht, dass das solche Folgen..."
"Und wer hat ihr, als wir während der EM beim Italiener essen waren und auf der Leinwand ein Spiel lief, ausführlichst erklärt, wie Fußball funktioniert?"
"Hör mal", sagte ich, "das war vermutlich die letzte Chance meines Lebens, unsere Tochter mit meinen Fußballkenntnissen zu beeindrucken... Aber du hast mit ihr neulich erst Frauenfußball geschaut!"
"Weil sie ganz wild darauf war", sagte meine Liebste. "Sie ist halt ein Mädchen!"
"Ja eben!", sagte ich.
Ich rief meine Schwiegereltern an, um sie zu bitten, Luises Fußballbegeisterung nicht unnötig zu schüren.
- Datum 24.09.2012 - 14:14 Uhr
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- Serie Familienglück
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 13
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warum nicht?
sehr nett geschrieben ;)
Sehr diskret.
Meine Tochter ist naemlich fussballverrueckt.....
Das ist blanke Ironie, dachte ich zuerst - dann erinnerte ich mich an vorherige Artikel von Herrn Spörrle.
Ich frage mich wirklich, ob hier evtl. ein Abkommen mit Alice Schwarzer besteht: Hr. Spörle schreibt (exemplarisch für andere Väter in Deutschland) Artikel, die klar belegen, wie tief ein Mann-Frau-Rollendenken von vor 100 Jahren in seinem Kopf sitzt und Frau Schwarzer kann damit ihre Daseinsberechtigung belegen. [Ich hoffe, die Ironie in meinen Worten ist erkennbar]
Aber ganz ohne Ironie: Ich bin entsetzt über ein derartiges Weltbild im Jahr 2012 ... dem auch noch in der *Zeit* Publikationsraum gegeben wird!
die Artikel zu ernst?
abgesehen davon ... ich könnt auch drauf verzichten, dass meine Tochter Fußballfan wird. aus praktikablen Gründen. Übrigens legt er das hier auch relativ deutlich offen hin. er sagt nicht, dass er nicht wünscht, dass seine Tochter Fußballbegeistert ist, weil sie ein Mädchen ist, sondern vielmehr drückt er aus, dass er dies hofft, damit er nicht die Wochenenden auf irgendwelchen Fußballplätzen verbringen muss. Eine Vorstellung, mit der ich auch nicht unbedingt liebäugele.
aber: wir werden's erleben
die Artikel zu ernst?
abgesehen davon ... ich könnt auch drauf verzichten, dass meine Tochter Fußballfan wird. aus praktikablen Gründen. Übrigens legt er das hier auch relativ deutlich offen hin. er sagt nicht, dass er nicht wünscht, dass seine Tochter Fußballbegeistert ist, weil sie ein Mädchen ist, sondern vielmehr drückt er aus, dass er dies hofft, damit er nicht die Wochenenden auf irgendwelchen Fußballplätzen verbringen muss. Eine Vorstellung, mit der ich auch nicht unbedingt liebäugele.
aber: wir werden's erleben
wunderbar :-)
Ich glaube, der Artikel spricht vielen Vätern aus der Seele.
Was früher als männlich galt (sich mit Fußball zu beschäftigen, überhaupt mit Sport, Autos usw.) sind heute auch zu Interessen von Frauen geworden.
So kann es zu solchen Szenen kommen, die im Artikel beschrieben wurden.
Ich finde das gut, dass sich die Interessen mischen. Sie haben unsere Welt dadurch auch ein bisschen durcheinander gewirbelt. ;-)
Der Artikel bringt auf amüsante Weise zum Ausdruck wie die Grenzen zwischen den Geschlechtern und ihren Interessen verschwimmen.
... bei der jährlichen Ballettaufführung ist auch nicht ganz ohne:-)
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Dann kommt Putzzeug, Stiefel und Reithelm, später je nach Umfeld Stachelhalsband, Piercing. Tatoo......
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Zwischendurch immer wieder in loser Folge noch "Alle ANDREN dürfen aber....., bloß ich nicht!", "Ihr seit so altmodische Eltern!" ...... "In Jeans wilst DU zum Abiball, willst du mich vor der ganzen Klasse blamieren!".......
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Spätestens mit 30 wächst sich das raus!:-))
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Vieol Spass als Begleiter auf dem Lebensweg eines kleinen Mosters.
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wüscht
Sikasuu
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Ps. Alles ganz normal. Mann/Frau wundern sich nur beim 1.Kind.:-)
die Artikel zu ernst?
abgesehen davon ... ich könnt auch drauf verzichten, dass meine Tochter Fußballfan wird. aus praktikablen Gründen. Übrigens legt er das hier auch relativ deutlich offen hin. er sagt nicht, dass er nicht wünscht, dass seine Tochter Fußballbegeistert ist, weil sie ein Mädchen ist, sondern vielmehr drückt er aus, dass er dies hofft, damit er nicht die Wochenenden auf irgendwelchen Fußballplätzen verbringen muss. Eine Vorstellung, mit der ich auch nicht unbedingt liebäugele.
aber: wir werden's erleben
Danke für den Denkanstoß - ich werd ZeitOnline mal aus dem Blickwinkel lesen, aus dem ich bisher Eulenspiegel, Titanic u.ä. Satire-Zeitschrift gelesen habe; bislang ging ich die Publikationen hier ausschließlich als ernst zu nehmende Lektüre an.
Danke für den Denkanstoß - ich werd ZeitOnline mal aus dem Blickwinkel lesen, aus dem ich bisher Eulenspiegel, Titanic u.ä. Satire-Zeitschrift gelesen habe; bislang ging ich die Publikationen hier ausschließlich als ernst zu nehmende Lektüre an.
Handball. Na und? Ich unterstütze es nach Kräften. Nicht genug Ehrgeiz, um Vollprofi zu werden, aber genug, um fit zu werden/sein und zu lernen, sich in eine Mannschaft zu integrieren und ein Ziel zu haben, Durchsetzungsvermögen zu trainieren und auch ein bisschen Härte. Und Regeln anzuerkennen und und und. Kann nur von Vorteil sein.
Besser als Ballett, finde ich, da kommt das Individuum zu kurz.
(Daß ich Frauenfußball im Fernsehen eh mindestens so gut finde wie Männerfußball, weil es fast nie so aggressiv ist, und es mehr Tore gibt - das paßt ;))
Ich meine natürlich, dass wir Spielsachen oder Heftchen in den KiGa mitnehmen durften ;-)
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