FamilienglückPapi hat gepupst

Eine Flugreise mit Blähungen. Mark Spörrle leidet unter dem unverkrampften Verhältnis von kleinen Kindern zu ihren Ausscheidungen. von 

Mit einem kleinen Kind verschieben sich die Themen, über die man spricht. Körperausscheidungen etwa faszinierten unsere Tochter, seit sie merkte, dass sie ohne Windeln zurecht kam. Damals verbrachten wir einige Tage in einem Ferienclub und saßen abends mit vielen anderen Urlaubern im Restaurant. Als Luise von der Toilette zurückkam und mir durch den ganzen Raum stolz entgegen schrie: "Papi, ich hab ein großes A-a gemacht!"

Meine Antwort ging in allgemeinem Gelächter unter.

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Diese anale Phase ist offenbar ungemein wichtig für die kindliche Entwicklung und Experten raten davon ab, sie sofort mit Verboten zu überfrachten. Also haben Kinder auch danach bei gewissen Körperäußerungen noch nicht die Skrupel, die Erwachsene haben.

Neulich flogen wir mit Luise von Hamburg nach München . Warum, das wurde schnell zweitrangig, denn unsere Tochter hatte heftige Blähungen. Als wir die Reiseflughöhe erreicht hatten, es war gerade schön still im Flugzeug, gab unsere Tochter einen lauten, unmissverständlichen Ton von sich.

Die ältere Frau in der Sitzreihe vor uns zuckte zusammen und der Mann links von uns sah von seinem Laptop auf.

Meine Liebste und ich verständigten uns wortlos, das zu tun, was selbst die höflichsten Eltern in solchen Fällen erst einmal tun: so als sei nichts.

Kaum hatten sich die Frau wieder in ihr Klatschblatt vertieft und arbeitete der Laptopmann weiter, tönte es wieder von Luises Fensterplatz. Noch lauter als zuvor. Die Arme! Die Frau von vorn fuhr zusammen, als habe sie etwas gestochen und sah nach hinten. Für den Laptopmann hingegen war die Sache klar. Er sah mich kopfschüttelnd an.

Ich setzte ein väterlich entschuldigendes Lächeln auf und wollte verbindliche Worte folgen lassen: dass meine kleine Tochter ab und zu noch vergesse, dass das geräuschvolle Erleichtern des Darms allein oder in Anwesenheit eines verschwiegenen Elternteils in Ordnung sei. Aber in vollbesetzten Flugzeugen gar nicht gehe.

Familienglück - die Kolumne

© Mark Spörrle

Mama und Papa gehen arbeiten, die Kleine in den Kindergarten. Das perfekte Familienglück ist nur eine Frage der Organisation, oder? Mark Spörrle schreibt in seiner Kolumne "Familienglück" über die Tücken des Alltags.

Da zog mir Luises enorme Geruchswolke in die Nase. Ich versuchte verzweifelt, sie mit Hilfe der Belüftungsdüsen über meinem Kopf zu stoppen, zu zerstreuen oder wenigstens unter Kontrolle zu halten. Zusätzlich setzte ich zwei Bordzeitschriften ein – umsonst. Mister Laptop sog die Luft durch die Nase, verzog angewidert den Mund. Und sagte zu mir: "Können Sie sich nicht beherrschen?"

Wie gesagt: Er sagte es zu mir! Er dachte tatsächlich, dass ich, ein erwachsener Mann, ich trug obendrein Hemd und Sakko ....

"Es tut mir wirklich leid", sagte ich. "Unsere Tochter hat starke Bauchschmerzen. Sie ist noch klein, es war keine böse Absicht..."

Er beugte sich vor, offenbar hatte er Luise noch gar nicht gesehen. Sein Gesicht wurde freundlicher.

"Komm Luise", sagte meine Liebste, "wir gehen auf die Toilette!" Hinter uns erhob sich ein Mann im Anzug, murmelte etwas von "Schnell noch frische Luft schnappen" und lief hastig auf die WC-Kabine zu.

"Komm Luise", wiederholte meine Liebste.

"Nein!", krähte Luise. "Papi hat gepupst!". Laut und mit der glockenhellen Stimme eines unschuldigen Kindes.

Leserkommentare
  1. Typischer Artikel im Zeit-Family-Bereich:
    Doofe Alte (mit "Klatschblatt") und böse Laptopmänner, die kein Verständnis für das Bilderbuchglück der LOHAS-Familie aufbringen.

    9 Leserempfehlungen
    • yurina
    • 10. Oktober 2012 10:10 Uhr

    Lieber Erstkommentator, hoffentlich haben Sie heute nochmal einen Grund zum Lachen. Klischee hin, Klischee her - ich habe gelacht, und solche Sachen kommen mit Kindern ja auch tatsächlich vor (eigene erfahrungen vorhanden). Muss man da gleich wieder losblaffen ? Entspannen sie sich. Sie müssen so einen Artikel ja nicht lesen!

    35 Leserempfehlungen
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    Hi Yurina,
    ich habe ständig Grund zum Lachen und lese solche Artikel auch sehr gerne (das mit der Umkleideproblematik des Vaters beim Schwimmkurs der Tochter war z.B. spitze), aber das hier war einfach nichts.
    Und Ihre Diktion lässt vermuten, dass Sie einen ähnlichen Antagonismus pflegen, wie von mir kritisiert.

  2. schämen Sie sich nicht ... Kurzstrecke zu fliegen?
    Das Klimagas, das Ihrer Tochter (oder Ihnen oder der Parfümtante) entwich, ist da noch das kleinste Problem.

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    • jboese2
    • 10. Oktober 2012 14:09 Uhr

    Hamburg-München ist eine der wenigen Strecken, wo sich Fliegen noch lohnt. Haben Sie mal 7 Stunden in der Bahn mit
    Kindern gesessen? Dann evtl. noch mit Gepäck? Da kommt aber Freude auf.

    Abgesehen davon, lt. Energuiebilanz der Bahn schlagen 100 km
    mit etwa 2,5 - 2,9 l auf 100km zu buche, im Luftverkehr sind es etwa 4 l.

    Bahnfahren ist sinnvoll bis etwa 400 km. Danach ist es nur etwas für Bahnfahr-Liebhaber oder Masochisten.

    "Das Klimagas, das Ihrer Tochter (oder Ihnen oder der Parfümtante) entwich, ist da noch das kleinste Problem."
    ---------------
    Und welches ist das größere?

  3. Hi Yurina,
    ich habe ständig Grund zum Lachen und lese solche Artikel auch sehr gerne (das mit der Umkleideproblematik des Vaters beim Schwimmkurs der Tochter war z.B. spitze), aber das hier war einfach nichts.
    Und Ihre Diktion lässt vermuten, dass Sie einen ähnlichen Antagonismus pflegen, wie von mir kritisiert.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "tiefer hängen!"
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    "Und Ihre Diktion lässt vermuten"
    Was für eine hohle Phrase. Kommen Sie mal runter von ihrer feindseligen Schiene. Dankebittegerne.

    Zum Artikel: im Kleinkindalter ist das Lügen noch geprägt von einer enormen und oft überbordenden Phantasie einerseits und Neugier an Situationsbeeinflussungen andererseits. Das Kind findet es toll, dass die Mutter sich den Schokoladenfleck auf dem Teppich gar nicht erklären kann und direkt ganz hektisch wird, da ja gleich die Gäste kommen. :D

    Im Schulalter werden dann Notlügen, Strafvermeidungslügen usw. wichtiger. Bis dahin bleibt es erstmal nur unterhaltsam und weniger problematisch.

    Sehr geehrter Norman Rae, hör auf die Artikel zu lesen und mach an Deiner Laptop-Excel-Sonstwas-Arbeit weiter! Und bloß nicht ablenken lassen.

    Es ist immer wieder schön zu sehen, wie manche Kommentatoren sich persönlich angegriffen fühlen und dann verbal um sich schlagen, weil sie keine Kritik vertragen. Herrlich!

  4. 6. laptop

    Sehr geehrter Norman Rae, hör auf die Artikel zu lesen und mach an Deiner Laptop-Excel-Sonstwas-Arbeit weiter! Und bloß nicht ablenken lassen.

    Es ist immer wieder schön zu sehen, wie manche Kommentatoren sich persönlich angegriffen fühlen und dann verbal um sich schlagen, weil sie keine Kritik vertragen. Herrlich!

    3 Leserempfehlungen
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    o.k., Leute, ich nehme meine in der Tat übertrieben missgelaunten Beiträge zurück und freue mich einfach auf den nächsten Spörrle-Artikel.

  5. 7. Friede

    o.k., Leute, ich nehme meine in der Tat übertrieben missgelaunten Beiträge zurück und freue mich einfach auf den nächsten Spörrle-Artikel.

    16 Leserempfehlungen
    Antwort auf "laptop"
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    Ich lese viel und schreibe wenig in online-Foren. Habe mich hier nur registriert, um Ihnen meinen Respekt zu zollen. Es ist äußerst selten, dass jemand online zugibt sich im Tonfall vergriffen zu haben. Bravo!

    • ntrues
    • 10. Oktober 2012 13:47 Uhr

    und ich wollte Ihnen gerade Recht geben.

    Find ich auch sehr nett, dass und wie Sie zurückrudern.

    Es ist nämlich nicht klischeehaft, es ist wahr. Sicher in einer überzeichneten Form, aber gerade beim Fliegen mit kleinen Kindern erlebt man so manches, was vielleicht im Umgang mit Kindern sonst normal erscheint, in der speziellen Umgebung mit Enge, Erwachsenen, Langeweile und bestimmten Verhaltencodices aber schon "anders" ist. Manchmal im ersten Moment nicht lustig - aber das liegt dann fast immer an den anderen Erwachsenen ...

    Meine kleine Tochter hatte mal nach einem Griechenland-Aufenthalt unzählige Mückenstiche im Gesicht. Wir wurden verdächtigt, eine Masernparty im Flugzeug veranstalten zu wollen, und wir waren umso auffälliger, als wir vom Taxifahrer erst in allerletzter Minute am Flughafen abgegeben wurden (wofür wir nichts konnten) und als Letzte in den Flieger stiegen. Die hatten also erst alle auf uns warten müssen, und dann steigt noch das kleine Stich-Gesicht ein ...

    Wegen solcher Mitkommentatoren, die auch mal in der Lage sind, ein Statement zurückzunehmen und damit eine ggf. ausufernde, fruchtlose Diskussion zu beenden, überwinde ich heute mal wieder meine Schreibfaulheit und zolle Ihnen ebenso Respekt, werter NormanRae!

    • bms166
    • 10. Oktober 2012 12:45 Uhr

    Wer weiß, vielleicht wären Sie jetzt schon Präsident der Vereinigten Staaten.

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    • cocoa
    • 11. Oktober 2012 9:19 Uhr

    ...war gut!

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  • Schlagworte Erwachsene | Flugzeug | Restaurant | Hamburg | München
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