Vielleicht ließ ich schon durchblicken, dass die Umgangsformen meiner Tochter nicht immer die besten sind. Jetzt weiß ich auch, an wem es liegt: An Astrid Lindgren .

Die schrieb unter anderem ein Buch über ein vierjähriges Mädchen namens Lotta. Na gut, das Kind ist eigensinnig und mit dem Vater muss man Mitleid haben, denn er kann weder Ostereier noch Weihnachtsbäume auftreiben. Aber die Geschichte spielt in den fünfziger Jahren in einem idyllischen kleinen Örtchen mit netten Menschen, bunten Holzhäusern und kaum Autos. Und den Film zum Buch gibt es auch auf DVD, in Episoden von kindgerechter Länge.

Eine harmlose Sache, mit der man die Tochter, die unbedingt auch mal Fernsehen gucken will, ruhig ein paar Minuten alleine lassen kann.

Dachten wir.

Als die Fernsehzeit vorbei war, empfing uns Luise mit den Worten: "Ich will sofort weitergucken, zum Teufel!".

Erst versuchten wir, das zu überhören. Dann fragten wir, ob sie wisse, was "zum Teufel" bedeute. Ich sagte, ich fände solche Ausdrücke nicht so gut.

"Oberdoofer Papi!", schrie Luise. "Zum Teufel!" Sie stapfte mit gerunzelter Stirn in ihr Zimmer, knallte die Tür zu und legte eine Prinzessin-Lillifee-CD ein.

"War es ein Fehler, dass sie die DVD alleine sehen durfte?", fragte ich.

Die Liebste erwiderte, die Lotta -Verfilmung gehe in Kritiken als das Harmloseste seit Erfindung der Teletubbies durch.

"Na und?", sagte ich. "Wissen wir denn, wie allein schon diese Teletubbies herumfluchen? ..."

Beim nächsten Mal also guckten wir mit Lotta mit. Die Kameraeinstellungen waren so lang, dass ich nachsah, ob unser DVD-Recorder klemmte. Aber dann sprach Lotta, dieses scheinbar süße Mädchen. Was heißt sprach. Sie schrie.

"Zum Teufel", schrie sie. "Oberdoofe Mama!" Dann trotzte sie mit gerunzelter Stirn in ihrem Zimmer herum. Hätte es die damals schon gegeben, sie hätte eine Lillifee-CD gehört, hundertprozentig. So aber beschloss sie, noch mehr Ärger zu machen und zur Nachbarin zu ziehen, und die oberdoofe Mama konnte das nur deshalb so gelassen nehmen, weil sie nicht pünktlich ins Büro musste, sondern bloß zum Einkaufen.

Nichts gegen Astrid Lindgren , die sich immer für selbstbewusste und eigenständige Kinder stark machte. Auch nichts gegen ihre Bücher. Aber manchmal schien sich ihr Werk in Filmform eher negativ auszuwirken. "Wir sollten sie erst wieder gucken lassen, wenn sie die pädagogische Moral der Geschichte versteht", sagte ich später. "Astrid Lindgren wollte Kinder ja schließlich nicht gegen ihre Eltern aufhetzen – oder doch?"