FamilienstreitWenn Eltern "Ich will" sagen

Lilly will ohne ihre Mutter nicht einschlafen. Aber die Mutter braucht am Abend Zeit für sich. Jetzt lernt sie, den Konflikt mit ihrer Tochter auszutragen. von 

Lilly* muss endlich alleine einschlafen. Denn schon beim Zähneputzen hat Andrea* Angst davor, was gleich kommt. Mindestens eine dreiviertel Stunde liegt sie Abend für Abend neben ihrer fünfjährigen Tochter im Bett. "Das macht mich ganz rappelig. Ich brauche dringend ein wenig Zeit für mich, ohne Kind." Das Rappelige wird manchmal zu Wut. "Neulich hab ich mit der Faust aufs Kissen geschlagen, so sauer war ich. Lilly hat geweint. Ich will so nicht sein", sagt Andrea.

Endlich richtig streiten - die Themenwoche

Wir müssen dringend wieder streiten – auch laut und heftig. Denn ohne solche Konflikte gehen gehen unsere Beziehungen kaputt, unsere Identität – und am Ende unsere Demokratie. ZEIT ONLINE will in einer Themenwoche zeigen, wie man sich konstruktiv und erfolgreich auseinandersetzen kann: in der Partnerschaft und der Familie, am Arbeitsplatz und in der Schule, unter Bürgern und im Bundestag, sogar im Internet und in der Religion.

Die Folgen der Serie

Streitkultur: Streitet euch! Ein Essay

Sexualität: Streiten öffnet das Herz und andere Teile der Anatomie

Familie: Wenn Eltern "Ich will" sagen

Schule: Ohne Streit kein Unterricht

Internet: Ist das Netz ein Streitbeschleuniger? Eine Leserdebatte

Arbeit: Lass uns streiten, Chef

Unternehmen: Die Wohlfühl-Lüge

Politik: Geistige Terroristen sind ausgestorben

Wutbürger: Wir lassen Euch nie mehr in Ruhe

Religion: Elefanten-Gott trifft Lamm

ALS E-BOOK

Die Serie Endlich richtig streiten gibt es unter dem Titel Streiten hilft auch als E-Book. Jetzt für Ihren eReader in einer hochwertig aufbereiteten Fassung. Unser E-Book steht Ihnen dabei als EPUB-Version für Ihren eReader, sowie als MOBI-Version für Ihr Kindle Lesegerät von Amazon zur Verfügung.

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Einigkeit kann zu einer Zeitbombe werden, schreibt der Familientherapeut Jesper Juul. Er hat familylab gegründet, eine Seminarreihe für Eltern. Heute geht es um Streitkultur und Familienkonflikte. Außer Andrea und ihrem Mann Gunter* sind noch drei andere Mütter in die Praxis der Elternberater Wolfgang Bergmann und Britta Kolbe in Bielefeld gekommen. Auch sie kennen diese verzweifelten Versuche, endlich vom Bett des Kindes wegzukommen: Schlaf jetzt! Oder noch besser: Wenn du nicht sofort einschläfst, dann passiert aber was!

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"Wer nicht mindestens 25 Konflikte am Tag hat, hat keine bedeutungsvollen Beziehungen." Dieses Zitat von Juul steht auf einer der Tafeln, die Bergmann für den Abend vorbereitet hat. Mit diesem Satz will er den Müttern und Vätern im Raum vermitteln, dass sie Eltern mit bedeutenden Beziehungen sind. Dabei waren sie doch hergekommen mit Sätzen im Kopf wie: Ich darf meine Kinder nicht anschreien. Oder: Ich darf nicht egoistisch sein.

Elternberater
Elternberater

Wolfgang Bergmann führt gemeinsam mit Britta Kolbe die Praxis LeichtSinn in Bielefeld. Als Coach und familylab-Trainer begleiten sie Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Paare, Familien und Organisationen. Ihr Motto ist es, Konflikte als Chancen zu erkennen.

Ich muss, ich darf nicht... Juul schlägt Eltern vor, einfach "Ich will" zu sagen. Und dafür auch die Verantwortung zu übernehmen. Mit Lilly könnte Andrea etwa so verhandeln: Ich verstehe, dass du gerne mit mir einschläfst, ich kuschele auch gerne mit dir. Aber ich will das jetzt ändern, weil ich Zeit für mich brauche.

Was viele Eltern stattdessen gerne sagen, sind Sätze wie: Kinder in deinem Alter müssen alleine einschlafen können. Oder: Fernsehen schadet Kindern. Du weißt genau, dass jetzt aufgeräumt wird. Wenn du keine Jacke anziehst, erkältest du dich.

Mehr Streit aber weniger Machtkämpfe

Das klingt sachlich und höflich, ist aber viel zu unpersönlich, meint Juul. Wer sagt: Ich will es so!, steht zu seinen eigenen Bedürfnissen und Grenzen und eröffnet den Dialog. Die Kinder werden sich ein Beispiel nehmen und antworten: Ich will es aber anders. Es wird also viel mehr Streit geben als vorher. Aber dafür weniger Nörgeleien und Machtkämpfe.

Andrea wirkt eloquent und einfühlsam. Sie lacht über sich selbst und schaut den anderen im Raum in die Augen. Es fällt ihr auch nicht schwer, einzufordern, dass jetzt ihr Problem drankommen soll. Schwer vorzustellen, wie diese souveräne Frau zu Hause ins Kopfkissen boxt.

Doch im Alltag mit Kindern ist es nicht leicht, den passenden Weg für sich selbst zu finden. "Bilderbuchdialoge" nennt deshalb Meike, eine andere Teilnehmerin, Bergmanns Empfehlungen. Sie sagt: "Es klingt alles so richtig hier im Raum, aber zu Hause klappt es überhaupt nicht."

Andrea geht es genauso. Sie hat nämlich schon mit ihrer Tochter geredet und ihr ein neues Ritual vorgeschlagen: Lesen, kuscheln – und ich gehe. Lilly hat versprochen: "Wenn ich fünf bin, dann machen wir es so!" Seit zwei Wochen ist Lilly fünf. Doch jetzt hat sie Angst vor Monstern. Mama muss bei ihr bleiben. Ist das eine Masche oder hat das Mädchen wirklich Angst? Solange sie es nicht versteht, kann Andrea nicht nein sagen. 

Leserkommentare
  1. Wie haben es nur meine Großeltern nach dem Krieg, Flucht und Vertreibung geschafft, meine Mutter und meinen Vater zu erziehen. Und das ganz ohne irgend welche Regale voll Erziehungsratgeber und Horden an sonnlosen Beratern.

    Der Fehler den Eltern in meinem Umfeld immer wieder machen ist, mit kleinen Kindern alles ausdiskutieren zu wollen und diese als vollwertige Gesprächspartner zu betrachten. Zwischen Eltern und Kindern muß aber m.E. zwingend ein natürliches Über-/ Unterordnungsverhältnis bestehen. Eltern sagt, Kind macht. Natürlich kommt irgend wann das Alter, in dem man bestimmte Dinge auch ausführlicher erklärt. Aber da reden wir dann beim Alter vom zweistelligen Jahresbereich. Und auch da gilt dann noch: Das was die Eltern sagen gilt.

    Aber ich vergaß, wir machen ja heute alle einen auf Kuschelpädagogik. Das Ergebnis sieht mann dann ja allenthalben in der Praxis. Vollkommen verhätschelte und lebensuntüchtige junge Menschen, die mit Konfliken nicht umgehen können und in klaren Strukturen wie einem straff geführten Unternehmen scheitern. Danke, liebe Erziehungsberater...

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    "Aber ich vergaß, wir machen ja heute alle einen auf Kuschelpädagogik. Das Ergebnis sieht mann dann ja allenthalben in der Praxis. Vollkommen verhätschelte und lebensuntüchtige junge Menschen, die mit Konfliken nicht umgehen können und in klaren Strukturen wie einem straff geführten Unternehmen scheitern. Danke, liebe Erziehungsberater..."

    Ja, tatsächlich. Das sieht man ja wirklich überall! Mercedes musste schon die Produktion einstellen, weil die ganzen verhätschelten Kuschelkinder am Band keine Schraube diskriminieren wollten und versucht haben alles gleichzeitig festzuschrauben. Ganz schrecklich!

    natürlich hatten unsere Großeltern wirklich andere Sorgen als das Abwägen von Erziehungsmodellen, schließlich hat sich das gesamte Umfeld geändert und das Erstrebeswerte von damals gilt heute als überholt.

    Keine Oma hat sich über das Thema Nachhaltigkeit oder Co2-Emissionen Gedanken machen müssen, sie musste weder mit Supernannys noch mit PC-Spielen konkurrieren, es gab keine elektronischen Miterzieher, keine ständige Erreichbarkeit und Kommunikationsmöglichkeit....
    Da ist doch sonnenklar, dass Erziehungsmodelle heute anders sein müssen und es ist gut, wenn man konstruktiv darüber reden kann!Ob man bei der Erziehung erfolgreich war, kann man ohnehin nur durch die Augen anderer sehen.

    • hladik
    • 20. November 2012 12:20 Uhr

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    • Statist
    • 20. November 2012 13:26 Uhr

    1. Gewöhnung
    man war andere Arbeitszeiten gewöhnt, vor dem Krieg bisweilen 10-12 h täglich. Deshalb war, wenn man ein Kind bekam, die Hürde kleiner.

    2. Zeit
    Heute sind wir an X Stellen vom Leben abgelenkt, elektronische Medien, Nachrichten, Fernsehen, Veranstaltungen. Davon gab es früher nur einen Bruchteil. Man hatte also quasi mehr Zeit für Kinder.

    3. Familie
    Jeder, der selbst Kinder hat, kann einschätzen, wie hilfreich Oma und Opa sein können, wenn man selbst mal Zeit für sich braucht. Früher waren diese in den allermeisten Fällen im selben Haus oder in der näheren Nachbarschaft zu finden. Heute findet man sie nicht selten mehr als 100km entfernt. Es fehlen also Personen, denen man sein Kind anvertraut, und somit verbringt man zwangsweise mehr Zeit mit dem Kind. Resultat: man wird bisweilen dünnhäutig.

    4. Arbeitsorganisation
    In Zeiten, in denen die Landwirtschaft den Hauptbeschäftigungszweig ausmacht, und "Betriebe" die Größe von 10-15 Leuten nicht überschreiten, lassen sich viele Dinge einfach viel flexibler gestalten, als das heute möglich wäre. Jeder kennt jeden, und man entwickelt selbst zu denen, die nicht aus der eigenen Familie kommen, Vertrauensverhältnisse. In unserer heutigen anonymen Gesellschaft sind Kinder leider mehr eine Last geworden, als sich das Menschen damals vorstellen konnten.

    Trotzdem: ohne Kinder gehts nicht. Deshalb braucht man hin und wieder auch ein paar gute Tipps von Außenstehenden

    Die Generation der Großväter und Urgroßväter die mit der "was Papa sagt, wird gemacht" Einstellung zumindest zwei sehr kriegstüchtige Generationen herangezogen hat. Und heute? Seit 62 Jahren kein ordentlicher Krieg mehr, ne, ne, ne. Nüscht mehr los mit der Jugend. Den Zynismus dürfen Sie behalten.

    Im Artikeltext steht:
    "Wer nicht mindestens 25 Konflikte am Tag hat, hat keine bedeutungsvollen Beziehungen."
    Einer davon wird bei uns in den Kommentaren ausgefochten, also haben wir alle bedeutungsvolle Beziehungen. Schön zu wissen.

    Die beruhigende Nachricht vorneweg: Auch heute werden Kinder groß gezogen...
    "Wie haben es nur meine Großeltern nach dem Krieg, Flucht und Vertreibung geschafft..."

    Ein sinnloser Vergleich, da andere Lebensumstände andere Maßnahmen erfordern. Oder wollen Sie damit andeuten, dass uns ein kleiner Weltkrieg erziehungsmethodisch nach vorne bringt?

    "Der Fehler den Eltern in meinem Umfeld immer wieder machen ist,... "

    Der Fehler beim Kritisieren liegt oftmals darin, dass man seine eigene Meinung überschätzt und dadurch unkonstruktiv wird.
    Sie geben eine Anleitung, wie man Menschen möglichst stressfrei großzieht, aber ob sie damit glücklich werden, interessiert sicher nur am Rande.
    9-jährige Kinder verstehen übrigens alles, was man Ihnen erklärt, also sollte man es ihnen auch erklären

    "Aber ich vergaß, wir machen ja heute alle einen auf Kuschelpädagogik.... ...lebensuntüchtige junge Menschen, die mit Konfliken nicht umgehen können und in klaren Strukturen wie einem straff geführten Unternehmen scheitern."

    Uhhh, welch schlimme, mit Vorurteilen gespickte Polemik. Und wenn Sie schon straff organisierte Unternehmen ansprechen (die übrigens immer mehr von dem straffen abkommen, weil das weniger leistungsfähig ist, als das partnerschaftliche, gruppendynamische Führungsmodell), so würde ich mich freuen, wenn meine beiden Kleinen sich gegen eine Tätigkeit in einemebendiesen entschieden.
    DANN hätte ich in meinen Augen viel richtig gemacht, beim Erziehen.

    • DagMa
    • 21. November 2012 8:09 Uhr

    Eben auf Ihre Art. Mein Großvater väterlicherseits hatte Erziehungsmethoden die heute als Kindesmisshandlung anzusehen sind. Sie wissen schon Schläge, Schläge und nochmals Schläge. Die selbe Erziehung wollte er bei seinen eigenen Kindern durchführen (bis auf wenige Ausnahmen schaffte es meine Mutter dies aber zu verhindern), den schliesslich haben die Schläge ihn angeblich zu einem besseren Menschen gemacht.
    Den Erfolg solcher Erziehungsmethoden kann ich bei jeden familiären Besuch erkennen, mein Großvater war ein depressiver, cholerischer Mann und mein Vater ist es auch. Aber hauptsache lebenstüchtige Menschen, die in einem straff geführten Unternehmen arbeiten können.

    Haben Sie sich mal überlegt, dass die Großeltrn ebenso versagt haben könnten und grade den Grundstein gelegt haben? Natürlich nicht bewusst! Und ich möchte auch gar nicht Wissen, was für schwerste Traumata in den Kriegs- und Nachkriegsjahre bei den Menschen ausgelöst haben! Glauben sie nicht, dass das alles an deren Kinder weitergegeben wurden?
    Also ich bin mir sicher! In den Haushalten meiner Großeltern wurde nicht viel thematisiert...vieles wurde abgebügelt und totgeschwiegen. Meine Eltern haben dieses Kriegstrauma definitiv mit in unser Haus gebracht.
    Wenn man nicht redet über Probleme, verschwinden sie aber nicht. Und wenn man nie gelernt hat in Dialog zu gehen, Weite zu geben...ja wie soll man das bitte seinen eigenen Kindern mitgeben!?
    Ich bin froh(!), dass wir langsam merken, dass irgendetwas "falsch" läuft und uns unserer Kinder wegen redlich Mühe geben, es besser zu machen!

    • Simt
    • 22. November 2012 16:41 Uhr

    Ja viele in der Großelterngeneration wurden unempathisch erzogen - und haben oft später Jahrelang nicht mit den Eltern geredet bis sie nach jahrelanger Therapie verzeihen konnten. Nein, dahin sollte es nicht zurück gehen. Und straff geführte Unternehmen scheitern auch immer häufiger, weil die Welt einfach zu komplex geworden ist. Wir brauchen Unternehmen in denen viel mehr lösungsorientiert kommuniziert wird- leider haben das die meisten Chefs nicht gelernt und haben sehr viel Angst davor.
    Wenn Männer ihre autoritäre Erziehung als funktional erleben konnten, dann meistens deshalb, weil daneben eine empathische Frau sich um den emotionalen Rückhalt des Kindes gekümmert hat. Wir brauchen neue Wege, und das kinder früh lernen, das ihre Eltern nicht nur Vater und Mutter, sondern auch eigene Menschen mit eigenen Bedürfnissen sind, scheint mir erstrebenswert. - auch für die Empathiefähigkeit des Kindes.

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten. Danke, die Redaktion/ls

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    ständig Krieg gegeneinander zu führen? Schrecklich

  3. "Aber ich vergaß, wir machen ja heute alle einen auf Kuschelpädagogik. Das Ergebnis sieht mann dann ja allenthalben in der Praxis. Vollkommen verhätschelte und lebensuntüchtige junge Menschen, die mit Konfliken nicht umgehen können und in klaren Strukturen wie einem straff geführten Unternehmen scheitern. Danke, liebe Erziehungsberater..."

    Ja, tatsächlich. Das sieht man ja wirklich überall! Mercedes musste schon die Produktion einstellen, weil die ganzen verhätschelten Kuschelkinder am Band keine Schraube diskriminieren wollten und versucht haben alles gleichzeitig festzuschrauben. Ganz schrecklich!

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    vergeht im Alltag.
    Natürlich ist es deutlich zu merken, dass bestimmte Tugenden heute anders betrachtet werden.
    Da kommen etliche junge Leute aus einr rosa Wattewelt in der Realität an und kein Meister oder Gruppenleiter diskutiert noch irgendwelche Anforderungen mit ihnen.
    Man setzt voraus, dass sie was gelernt haben (haben sie aber oft nicht, sondern sich unter viel Verständnis weggewunden) und dass sie machen, was ihnen gesagt wird.
    Das wird für viele dann doppelt hart.

    Die Empfehlung, einem kleinen Kind zu sagen "Ich will nicht, ich brauche mehr Zeit für mich", die kann verdammt nach hinten los gehen.

  4. ständig Krieg gegeneinander zu führen? Schrecklich

    Antwort auf "[...]"
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    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

  5. ich stimme euch in sofern zu, dass man sich heute kaum noch auf seinen "instinkt" verlässt, wie man mit den kids umgehen sollte. die unzähligen ratgeber und supernannys machen diese verdrossenheit noch schlimmer.

    allerdings möchte ich etwas gegen das "unsere großeltern haben es trotz krieg auch geschafft" - argument sagen. wenn man der jungen generation vorwerfen muss, dass sie lebensuntüchtig und verhätschelt ist, müssen sich im gegenzug die kinder dieser kriegsgroßeltern gefallen lassen, dass man ihnen rückständigkeit, soziale inkompetenz, mangel an empathie und vor allem ein irrationales verhältnis zu äußeren zwängen nachsagt. das alles ist auch teil dieser erziehung, auf die man sich in so einem kontext gern beruft, nur eben im anderen extrem. wenn ich erlebe, wie sich 40-50 jährige menschen in die eigene psychose treiben, weil ihnen ihre eltern beigebracht haben, dass der äußere schein alles ist, das man auf keinen fall jobs oder ehen aufgeben darf, wenn man nicht gerade etwas richtig schlimmes darin auszustehen hat usw usw. "burnout" und dieser ganze mist sind nach meiner meinung nicht nur ergebnis einer bescheurten leistungs-gesellschaft sondern eben auch der erziehung dieser kriegsgeneration, für die soziale absicherung (logischerweise) alles war und persönliche belangen ganz weit hinten anstanden.

  6. ich denke, wie immer liegt die wahrheit irgendwo in der mitte. im konkreten fall ist eine ewige "kuschelpädagogik" weder vor tochter noch für ihre mutter zielführend. aber umgekehrt das kind zusammen zu rüffeln und vielleicht in seinem zimmer einzuschließen (meine großmutter ;) ) kann auch nicht die lösung für kindliche ängste sein.
    just my 2 cents.

  7. Ich verstehe das Problem nicht. Wie lange wird die 5jährige noch mit ihrer Mutter einschlafen wollen? Das sollte sich die Mutter doch mal klar machen. Irgendwann ist diese Zeit unwiderruflich vorbei.

    Gerade Mädels sind doch relativ schnell "autark".

    Ist das so schlimm, wenn man sich als Mutter an die Bedürfnisse der eigenen Kinder anpasst und auch mal zurücksteckt? Die Tochter wird halt ein Defizit spüren und braucht deshalb die Nähe der Mutter besonders stark. Ist das so schlimm, mit der eigenen Tochter zu schmusen und ihr 45 Minuten des Tages komplett zu widmen?

    Ich kann als Mutter nicht verstehen, wieso man das nicht einfach genießen kann, sondern "Zeit für sich" braucht.

    @ Mutter im Text: Sie haben noch mehr "Zeit für sich" in Ihrem Leben, als Ihnen lieb ist! Aber bitte dann nicht herumjammern, wenn das erwachsene Kind auch "Zeit für sich" braucht und alle heiligen Zeiten mal physisch anwesend ist.

    Die Wurzel allen Übels ist in meinen Augen das Ignorieren der Bedürfnisse unserer Kinder!

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    ...für die kinder? hört sich für beide seiten nicht besonders erstrebenswert an. die beschreibung der mutter im artikel macht nicht den eindruck auf mich, als ob sie sich auch sonst sich keine zeit für die tochter nimmt. wer sein ganzes leben nur nach den kindern richtet, wird einerseits irgendwann feststelln, dass auch kinder nicht für immer an ihnen kleben werden, andererseits die kinder durch eine zu starke mutterfixierung ernsthafte probleme bekommen können.

    • bernd64
    • 20. November 2012 13:04 Uhr

    liegen in Erziehung und nicht in Verziehung.

    Ich kenne manche Hausfrau und Mutter, die ständig ihre erwachsenen Kinder mit dem immer wiederkehrenden Lamento "Ich habe doch alles für Dich getan" versucht zu erpressen.
    Das macht aber auch nicht beliebt.

    Ich bin selbst Mutter und ich sehe es nicht als "Aufgabe des eigenen Lebens" an, wenn ich mich bestmöglich um mein Kind kümmere und für mich dessen Bedürfnisse eine zeitlang Vorrang haben. Oder gehört mein Kind nicht zu meinem eigenen Leben?
    Ich habe es mir doch ausgesucht, Mutter zu sein.

    Das Leben verläuft in Phasen. Wieso muss ich in jeder Phase alles haben wollen?

    Ich kann mich doch freuen, wenn mein Kind immer selbständiger wird und ich dadurch immer mehr Freiräume zurückgewinne.

    Muss ich schon eine 5jährige zwingen, sich abzunabeln?

    Woher kommt nur diese Ungeduld? Die Abnabelung kommt früh genug.

    • Anghi
    • 21. November 2012 11:45 Uhr

    ... ist das Ignorieren der EIGENEN Bedürfnisse! Auch Eltern sind nur Menschen und auch Eltern haben ihre Grenzen. Und eine "gute" Mutter definiert sich nicht per se durch ihre Leidensfähigkeit.

    @Verfassungspatriotin: Sie stellen mit Ihrem Kommentar die Bedürfnisse des Kindes über die der Mutter. Das ist respektlos der Mutter gegenüber und fatal für die Beziehung zwischen den beiden. Jede Mutter "tickt" anders. Wenn SIE das Kuscheln mit Ihrem Kind noch lange genießen wollen, bleibt Ihnen das natürlich ungenommen. Aber bitte akzeptieren Sie auch, dass es nicht jedem so geht und dass auch Eltern ihre Freiräume brauchen. Wenn ich merke, dass ich bei der abendlichen Einschlafbegleitung immer unruhiger und sogar wütend werde und mir dieses Ritual ganz offensichtlich nicht gut tut, dann sollte ich das ernst nehmen und entsprechende Konsequenzen ziehen. Mein Kind hat absolut nichts davon, wenn ich mich quäle und nur widerwillig bei ihr bleibe und unsere Beziehung damit belaste.

    Eltern sind überdies auch Vorbilder und es ist enorm wichtig für die Entwicklung unserer Kinder, dass wir Ihnen zeigen und vorleben, wie man die eigenen Bedürfnisse und Grenzen wahrnimmt und auch anderen gegenüber vertritt. Anfangen sollten wir damit bei uns selbst, indem wir ohne schlechtes Gewissen zu unserem Kind sagen: "Ich will das nicht (mehr)! Ich will das ändern! Hier ist meine Grenze, liebes Kind. Bitte respektiere meine Grenzen so wie ich deine respektiere."

  8. 8. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

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  • Schlagworte Eltern | Konflikt | Mädchen | Schlaf | Tafel | Bielefeld
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