Als ich mit Luise ins Taxi stieg, war mir schlecht. Dann bekam ich noch einen Niesanfall. Und schließlich musste ich die Scheibe herunterlassen, um Luft zu bekommen.

"Was haben Sie?", fragte der Taxifahrer beunruhigt.

"Nichts", keuchte ich, "aber meine Tochter hat Punkte im Hals und Fieber...."

"Sie fahren zur Kinderärztin?" Der Taxifahrer seufzte mitleidig. "Sie Armer!...."

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Unsere Kinderärztin ist wunderbar. Sie kann etwas, sie kann gut mit Kindern, und sie verliert nicht die Nerven, wenn die Praxis überfüllt ist. Das ist wichtig, denn Kinderarztpraxen sind immer überfüllt und kranke Kinder sind Keimschleudern erster Güte. Ich war in der schrecklichen Lage, trotzdem diesen Ort aufsuchen zu müssen. Denn ich benötigte ein Attest, dass meine Tochter tatsächlich krank war. Nach unserer Rückkehr vom Kinderarzt würde sie es vermutlich erst recht sein. Und ich dazu.

Aber ich bin grenzenloser Optimist. Ein Mann, der kämpft. Ich hatte eine hohe Dosis Vitamin C und eine Ibuprofen genommen, mein Desinfektionsspray für Zugreisen einstecken und Einmalhandschuhe dabei. Die ich vorerst nicht brauchte; die Tür der Praxis ließ sich auch mit dem Fuß aufdrücken.

Kind mit Ausschlag, Mutter mit hoffnungslosem Blick

Der Lärm war höllisch. Eine Frau, offenbar eine Mutter, schleppte ein brüllendes Kind, offenbar ihres, durch den Flur in Richtung Toilette, einen Plastikbecher zwischen den Zähnen. Ein Kleinkind im Schlafanzug krabbelte hustend aus der Tür des Wartezimmers auf ein zweites Kleinkind zu, das streuselartigen Ausschlag um den Mund hatte. Vor uns stand eine Mutter mit hoffnungslosem Blick, Kinderwagen und Kleinstkind; all drei schnieften so sehr, dass die Frau es offenbar für sinnlos hielt, Taschentücher zu verwenden.

Ich zog Luise in schnellen Schlangenlinien zur Anmeldung. Die Sprechstundenhilfe, sie trug unfassbarerweise keinen Mundschutz, erledigte mit einer Kollegin routiniert den Abstrich. Dann, ich hatte es befürchtet, reichte sie mir einen Plastikbecher und bat um Testurin von Luise.

Den Weg zur Toilette versperrte das Kind mit dem Ausschlag, beide Arme ausgebreitet wie ein hungriger Minivampir. Ich nahm meine Tochter auf den Arm, täuschte die rechte Flurseite an, und als der Kleine kichernd in unsere Richtung steuerte, wich ich mit zwei, drei Sprüngen auf die andere aus, erreichte die Toilettentür und wollte sie mit dem Ellenbogen öffnen.

Sie war verschlossen. Von innen ertönte Gebrüll. Luise kicherte und zeigte auf den kleinen Streusel, der uns mit teuflischem Lächeln folgte.

Bisher hatte ich noch immer die leise Hoffnung, morgen doch arbeiten zu können und nicht mit Pocken-Hand-Mund-Fuß oder akuter Mundfäule daniederliegen zu müssen. Die schrumpfte nun rapide, da es den Eltern des kleinen Teufels anscheinend völlig wurscht war, ob ihr Sproß die wenigen verbliebenen Gesunden hier ansteckte – oder waren die Eltern nicht mehr in der Lage dazu?

Ich überlegte, ob es lächerlich wirken könnte, um Hilfe zu rufen – ja! – und ob es zu brutal wirken könnte, wenn ich versuchte, den Jungen mit ausgestrecktem Fuß auf Abstand zu halten.