Väterstudie : "Frauen müssen die Männer auch lassen"
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Nach den Partnermonaten eine Kulturveränderung

ZEIT ONLINE: Laut Ihrer Studie denken etwa 30 Prozent der Männer, sie dürften nur zwei Vätermonate nehmen. Sie wissen also gar nicht, was ihnen zusteht.

Baisch: Die Plakataktion, die für die Vätermonate warb, war falsch. Überall hingen Bilder, auf denen "12 + 2" angepriesen wurde. Das war verkürzt und ist auch so angekommen.

ZEIT ONLINE: Trotzdem waren die Vätermonate ein erster Erfolg. Was brauchen Väter noch von der Familienpolitik?

Baisch: Die Partnermonate sollten meiner Ansicht nach erweitert werden, so wie es in einigen Parteien zur Zeit diskutiert wird. Das Elternzeitgesetz muss flexibler werden. Beide Partner sollten zum Beispiel durchgehend, also 14 Monate lang, gemeinsam Teilzeit arbeiten können.

ZEIT ONLINE: Und was brauchen Männer in den Unternehmen? Viele der befragen Männer sagen, familienfreundliche Arbeitsmodelle seien vor allem auf Frauen zugeschnitten.

Baisch: Zwei Vätermonate sind inzwischen Standard; jetzt sollte eine echte Kulturveränderung folgen. Teilzeit und flexible Arbeitszeiten müssen Normalität werden, auch in Führungspositionen. Damit mehr Männer Mut aufbringen, brauchen sie Vorbilder.

Als ein Bereichsvorstand der Commerzbank in Elternzeit ging – und zwar nicht still, sondern öffentlich – hat das eine Kettenreaktion ausgelöst. Und auf höchster Ebene mussten mehrere Stellen nachbesetzt werden.

ZEIT ONLINE: Sind diese Vorbilder nicht oft eine Mogelpackung? Man denke an Männer wie Sigmar Gabriel , die medienwirksam ankündigen, sich ums Kind zu kümmern, dann aber ständig Interviews geben und Konzepte erarbeiten...

Baisch: Vorbilder wirken nur, wenn sie glaubwürdig und authentisch sind. Wir planen gerade ein spannendes Mentoring-Programm. Wir suchen in den Unternehmen erfahrene Führungskräfte, die verschiedene Modelle leben, zum Beispiel indem sie vier Tage in der Woche arbeiten. Wir bringen sie mit jungen Führungskräften zusammen, die gerade Väter geworden sind. Ein Jahr lang bleiben sie im Gespräch.

Frauen haben sich Netzwerke für die Karriere geschaffen, Männer brauchen jetzt Netzwerke, in denen sie sich über andere Lebensmodelle und ihre Familie austauschen können.

ZEIT ONLINE: Sie sagen, Flexibilität sei der nächste Schritt. Aber können flexible Arbeitszeiten mit Laptop und Smartphone nicht gerade auch für Männer zur Falle werden?

Baisch: Ja, Männer sind anfälliger dafür, rund um die Uhr zu arbeiten – und dann doch keine Zeit für den Haushalt zu haben. Frauen sind oft konsequenter. Aber auch hier sind die Unternehmen in der Pflicht. Der Mailserver von VW wird am Abend ausgeschaltet und morgens wieder ein. Bei Daimler wurde gerade der Vorschlag gemacht, Mitarbeiter dürften nach ihrem Urlaub alle E-Mails löschen. Das sind die richtigen Signale. Diese Diskussion müssen wir natürlich auch in der Familie führen: Wann müssen die Dinger ausgeschaltet werden?

Die Flexibilisierung hat aber viel Gutes. Ich kann meine Mails checken, wenn die Kinder im Bett sind. Am nächsten Tag um 16 Uhr habe ich dann Zeit, meine Tochter abzuholen.

ZEIT ONLINE: Wohin geht der Trend?

Baisch: Wir Babyboomer haben vielleicht idealistisch gedacht: Ich will nicht so viel arbeiten wie mein Vater. Die Generation Y, also die 25- bis ca. 35-Jährigen, sind da viel konsequenter: Sie tun es auch. Wenn die Balance nicht stimmt, wechseln sie eben zu einem flexibleren Arbeitgeber. Auf diese Väter-Generation setze ich sehr.

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Kommentare

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Vorschlag, der Unterstützung benötigt

"Beide Partner sollten zum Beispiel durchgehend, also 14 Monate lang, gemeinsam Teilzeit arbeiten können."

Ich stehe noch vor der Familiengründung, aber was mich seit Jahren fasziniert, ist, dass dieser Vorschlag so wenig diskutiert wird. Es ist aus meiner Sicht das absolut Naheliegendste, wenn beide Eltern den Kontakt zum Job nicht abreißen lassen wollen und beide das Kind/die Kinder auch in allen Phasen aktiv begleiten wollen.

Die bisherigen Regelungen empfinde ich als Mann häufig als eine Unterstellung, dass ich nur durch starken Anreiz oder Druck dazu bereit wäre, Verantwortung für meine Kinder zu übernehmen. Das ist beschämend und gehört korrigiert!

Das sehe ich auch so

zumal es nicht nur um Beruf UND mehr Zeit für die Kinder geht, sondern auch um mehr Zeit der Partner füreinander. Auf der Website der Väter GmbH findet sich Material aus einem Vortrag von Volker Baisch, aus dem hervorgeht, wann die Kommunikation zwischen den Eltern abreißt und wann es zu auffällig mehr Streit kommt, nämlich mit dem zweiten Kind http://vaeter-ggmbh.de/wp... Seite 15+16.

Ich freue mich über die vielen jungen Väter, die das sichtlich gern sind und @Artikel über das betriebsberatende Angebot der Väter GmbH. Es wird sowas von Zeit, Familienarbeit aufzuwerten. Das klappte nicht, als primär Frauen sich dafür einsetzten, dafür ist Familienarbeit zu nahe an einer konservativen Frauenrolle.

Extrem begrüßenswert, wenn sich nun auch Männer für mehr Möglichkeiten zu aktiver Vaterschaft engagieren. Das wird allen gut tun: Unternehmen, Männern, Frauen, Beziehungen und natürlich den Kindern. Godspeed!

Verantwortungen neu aufteilen

Die äußeren Bedingungen (Arbeitszeiten, Gesetze) bieten beiden Elternteilen die gleichen Möglichkeiten. Jetzt müssen sie nur auch gelebt werden.
Frauen sollten, wie im Artikel richtigerweise gefordert wird, endlich ihre Deutungshoheit in Familienangelegenheiten abgeben und nicht automisch HIER schreien, wenn es um Erziehungs-, Haushalts- und andere Familiensachen geht.
Männer machen's zwar manchmal anders, aber genauso gut.

Und viele Frauen müssen lernen, die Erwerbsverantwortung auch mal ganz allein zu schultern. Das haben sie ja vor der Elternschaft auch meist gemacht.
Der Rückfall in alte Rollenmodelle sobald ein Kind kommt ist vermeidbar. Man muß eben darüber reden und bewußt die Bedingungen aushandeln. Und Väter müssen ihre Teilhabe dann auch einfordern.

k.

Mutter ist nicht gleich Mutter

Es gibt nicht mal gleiche Rechte für Mütter. BGB 1615 l erlaubt nämlich, dass die ledige Mutter 3 Jahre zuhause bleibt, niemanden um Zustimmung zu fragen braucht und sich den dafür gewünschten Lebensunterhalt (ihr letztes Nettoeinkommen) vom Vater des Kindes einklagt, ein solcher Paragraph existiert für verheiratete Frauen nicht. Die eigentlich im Grundgesetz verankerte gleiche Teilhabe der verheirateten Frau am Familieneinkommen ist in dem Moment perdü, wenn ein Anspruch aus § 1615 l dazu kommt. Dann plötzlich wissen Gerichte nichts mehr von diesem verfassungsrechtlich geschützten Anspruch. Dann wird der verheirateten Frau sofort und ohne Umschweife der Familienunterhalt gekürzt oder ganz gestrichen (!), u. U. sogar IHR Gehalt in das Familieneinkommen so mit einbezogen, dass die Ansprüche aus § 1615 l BGB erst damit voll erfüllt werden, während die verheiratete Frau und Mutter nicht einmal mehr ihren Mindestbedarf decken kann. Gleiches passiert den Kindern aus beiden Beziehungen. Die des verheirateten Paares werden an allen Kosten und Ausgaben beteiligt, denn das Geld reicht hinten und vorne nicht mehr. Das andere Kind nicht. Für die Berechnung von dessen Unterhalt sind Kredite z. B. für die Familienwohnung des Vaters plötzlich Vermögensbildung und die stünde dem Vater auf Kosten des Kindes ja nicht zu....wie die Familie damit leben kann, interessiert nicht. Die verheiratete Frau hat ja keine Klagebefugnis. So geurteilt udn verkündet in Deutschland.

Schuld

"ZEIT ONLINE: Sind die Frauen Schuld, dass die alte Rollenverteilung weiterlebt?"

Schuld. Das impliziert, dass es falsch ist, eine "alte Rollenverteilung" weiterzuleben. Wieso sollte man Mann und Frau irgendetwas "modernes" aufzwingen (!), wenn sie denn beide nicht wollen?
Dass das immer so problematisiert wird. Wenn Frau nicht zu Hause bleiben will, soll sie sich einen Mann suchen, mit dem das möglich ist – und umgekehrt. Was interessierts den Staat?

Der Staat kann die Familie

nicht ersetzen, auch wenn Politiker und viele Buerger das naiverweise glauben und wollen. Wer die traditionelle Rollenverteilung umkehren will muss lediglich einen Partner suchen, der dazu bereit und auch in der Lage ist. Wenn dann auch noch vorher ein rechtskraeftiger Ehevertrag dazukommt, der die Interessen Aller inklusive der Kinder schuetzt, funktioniert dieses Modell. Was nicht funktioniert und wo auch kein Staat hilft ist der "Have your cake and eat it" Ansatz. Wer A sagt muss auch bereit sein B zu sagen und willens und faehig sein dies auch auf Dauer, wie im Ehevertrag definiert, durchzuhalten. Ich kenne Beispiele, wo dies hervorragend funktioniert. Wer aber nur probieren will und dann wenn es schwierig wird wieder tauschen will hat schlechte Karten. Denn auch die traditionellen Rollen in der Familie waren noch nie einfach und "schwierig" ist "normal". Jeder der in der Verantwortung steht oder stand, die mit diesen Rollen verbunden ist, weiss dies aus Erfahrung und sollte den Beitrag des Partners als nicht geringschaetzen.

Frauen schuld?

Zu 6. von hampelman:

Ich hab leider keine Statistik zur Hand, aber Frauen sind zum Teil schon Schuld. Ich habe meiner Ex (und dem zuständigen Gericht) angeboten, unseren Sohn hälftig zu betreuen. Meine Ex lehnte das ab und in der Folge auch das Gericht. Es schien mir zu unterstellen, dass ich nur den Unterhalt kürzen wolle. Die Tatsache, dass ich für 2 Jahre eine Teilzeitstelle annahm, hat das Gericht nicht überzeugt (übrigens trotz hervorragendem Gutachten einer Verfahrenspflegerin).

Fazit: die Frauen sind eine Sache, unser immer noch vaterfeindliches Rechtssystem die andere. Der Gesetzgeber sollte deshalb den Vätern schlicht ein bischen mehr Vertrauen entgegenbringen.