Väterstudie"Frauen müssen die Männer auch lassen"

Viele Männer wollen nicht mehr nur Familienernährer sein. Dafür brauchen sie neue Netzwerke – und selbstkritische Frauen, sagt Volker Baisch, Initiator einer Väterstudie. von 


 

ZEIT ONLINE: Herr Baisch, ihre Väterstudie zeigt neue Männer. Viele junge Väter zwischen 25 und 45 sagen, sie wären bereit, für die Familie weniger zu verdienen, weniger zu arbeiten und vorübergehend auf Karriere zu verzichten. Mehr als die Hälfte von ihnen will nicht nur Spielkamerad für ihre Kinder sein, sondern auch Vertrauensperson, Erzieher, Familienmanager und Hausmann. Warum fallen trotzdem so viele Familien in die klassische Rollenverteilung zurück, sobald das erste Kind da ist?

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Volker Baisch: Das zentrale Ergebnis ist: Die Herausforderung, Arbeit, Familie und Freizeit zu vereinbaren, ist inzwischen auch für die Männer sehr groß. Es muss vieles ineinander greifen, damit sich etwas im Alltag ändert. Paare müssen aushandeln, wie sie leben wollen, die Politik muss familienfreundliche Gesetze machen, Unternehmen müssen väterfreundlicher werden.

Und die Frauen müssen die Männer auch lassen.

ZEIT ONLINE: Aber die Frauen wollen doch, dass die Männer mehr Verantwortung übernehmen.

Baisch: Ja, aber viele Mütter erwarten, dass die Männer die Ernährerrolle trotzdem spielen. Sie wollen selbst oft nicht Vollzeit arbeiten, aber auch nicht auf all das verzichten, was sie vorher hatten. Wenn der Mann ebenfalls auf eine 50-Prozent-Stelle reduzieren würde, ginge das nicht mehr. Dazu passt ein Ergebnis der Studie, das uns sehr überrascht hat: Viele Männer, die selbst in Elternzeit waren, etwa 63 Prozent, sagen, dass ihre Frauen darauf bestanden hätten, zwölf Monate Elternzeit zu nehmen.

ZEIT ONLINE: Sind die Frauen Schuld, dass die alte Rollenverteilung weiterlebt?

Volker Baisch
Volker Baisch

Volker Baisch ist Soziologe und leitet die Firma Väter gGmbH. Er berät Unternehmen dabei, aus Vätersicht familienfreundlicher zu werden. Als er selbst 2001 für ein Jahr in Elternzeit ging, gründete er den Verein Väter e.V., zunächst um sich mit anderen Männern auszutauschen und Informationen bereitzustellen. Aus dieser Erfahrung ist seine Firma entstanden.

Baisch: Mit Schuldzuweisungen kommt man nicht weit. Zum einen gibt es immer noch genug Männer, die das klassische Modell bevorzugen. Zum anderen geben sich viele Väter zu schnell mit der alten Rolle zufrieden. Wenn die Frau zum Beispiel ihren Erziehungsstil durchsetzen will, ziehen sich viele Männer zurück. Dabei sollten sie lieber in den Dialog gehen – auch als Vorbild für die Kinder. Denn wenn der Vater auf seine männliche Weise zum Ziel kommt, eröffnen sich für die Familie mehr Möglichkeiten.

ZEIT ONLINE: Es heißt in der Studie, Väter pickten sich nicht nur die Rosinen heraus. Als Beispiel nennen Sie, dass sie die Kinder auch füttern und ins Bett bringen. Das sind doch die Rosinen!

Baisch: Ja, natürlich stimmt auch das: Männer wollen spielen. Aber nicht nur. Wenn das Kind krank ist oder beruhigt werden muss, ergreifen die Mütter oft zu schnell die Initiative. An manchen Punkten lohnt es sich natürlich, die Aufgaben danach aufzuteilen, was wer besser kann und lieber macht.

Doch bei dem, was beide nicht gerne machen, müssen die Frauen auch konsequenter etwas einfordern. Und sie dürfen ihn nicht gleich verbessern, wenn er es anders macht, als sie es machen würden.

Leserkommentare
  1. Es gibt nicht mal gleiche Rechte für Mütter. BGB 1615 l erlaubt nämlich, dass die ledige Mutter 3 Jahre zuhause bleibt, niemanden um Zustimmung zu fragen braucht und sich den dafür gewünschten Lebensunterhalt (ihr letztes Nettoeinkommen) vom Vater des Kindes einklagt, ein solcher Paragraph existiert für verheiratete Frauen nicht. Die eigentlich im Grundgesetz verankerte gleiche Teilhabe der verheirateten Frau am Familieneinkommen ist in dem Moment perdü, wenn ein Anspruch aus § 1615 l dazu kommt. Dann plötzlich wissen Gerichte nichts mehr von diesem verfassungsrechtlich geschützten Anspruch. Dann wird der verheirateten Frau sofort und ohne Umschweife der Familienunterhalt gekürzt oder ganz gestrichen (!), u. U. sogar IHR Gehalt in das Familieneinkommen so mit einbezogen, dass die Ansprüche aus § 1615 l BGB erst damit voll erfüllt werden, während die verheiratete Frau und Mutter nicht einmal mehr ihren Mindestbedarf decken kann. Gleiches passiert den Kindern aus beiden Beziehungen. Die des verheirateten Paares werden an allen Kosten und Ausgaben beteiligt, denn das Geld reicht hinten und vorne nicht mehr. Das andere Kind nicht. Für die Berechnung von dessen Unterhalt sind Kredite z. B. für die Familienwohnung des Vaters plötzlich Vermögensbildung und die stünde dem Vater auf Kosten des Kindes ja nicht zu....wie die Familie damit leben kann, interessiert nicht. Die verheiratete Frau hat ja keine Klagebefugnis. So geurteilt udn verkündet in Deutschland.

    • Moba
    • 24. März 2013 21:12 Uhr

    Der Artikel lässt hoffen. Erst wenn Vereinbarkeit von Beruf und Familie kein reines Frauenthema mehr ist, wurde wirklich etwas erreicht. Gerade bei jüngeren sind sich Männer und Frauen oft einig. Leider ist es in der Realität oft so, dass die Vorgesetzten nicht viel Verständnis haben für Teilzeit und auch nicht für Vätermonate. Leider gibt es auch immer noch zu viele Betriebe die trotz gesetzlicher Regelungen den Mitarbeiter(innen) keine Elternteilzeit/ Teilzeit genehmigen.
    Ist man dann erst mal in der traditionellen Verteilung gelandet, ist es tatsächlich so wie beschrieben. Eine 14monatige Elternzeit in der beide Teilzeit arbeiten, würde den Rückfall in alte Rollenverteilung vermutlich verhindern und dahin führen, dass man wirklich eine Wahlfreiheit bzgl. der Rollenverteilung hat. Allerdings müssen viele Arbeitgeber noch
    flexibler werden und dann auch die Gesetze einhalten.

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  • Schlagworte Commerzbank | Sigmar Gabriel | Arbeitszeit | Daimler AG | Familie | Führungskraft
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