"Naja, aber das macht er nur selten: Wenn ihr Opa mit Salatherzen jongliert, findet sie das sehr lustig. Aber ob das was bringt...?"

Ich jonglierte erstaunlich erfolgreich mit den Tomaten, auf die die Liebste lustige bunte Gesichter gemalt hatte. Und Luise lachte sogar schallend. Aber obwohl zum Verzehr nur ein einziges Exemplar übrigblieb, das auch noch mit diversen Stimmen darum flehte, gegessen zu werden: Sie nahm kein einziges Stückchen in den Mund.

"Naja, ich weiß auch nicht mehr weiter", sagte die Schwiegermutter am Telefon. "Bei uns ist sie nie so schwierig. Wenn wir Yengamikodo spielen, legt sie sogar ganz freiwillig die Karotten zur Seite, die sie später essen will..."

"Ihr macht – was?", rief die Liebste.

Ihre Mutter erzählte ihr, dass sie "nur ab und zu, wenn wir viel Zeit haben", vor dem Essen ein Spiel machten, eine Mischung aus Yenga und Mikado. "Luise muss immer alles essen, was sie nicht schafft, herauszuziehen, bevor der Turm einstürzt. Und das macht sie dann auch. Aber ob das mit dem Spiel zusammenhängt – ich weiß nicht..."

Am nächsten Sonntag, als wir viel Zeit hatten, dachten wir uns ein witziges Spiel mit gefrorenem Broccoli aus, das so ähnlich ging wie "Fang den Hut".

Unsere Tochter war begeistert. Und ließ nachher alle Broccoli-Stücke liegen.

"Das verstehe ich nicht", sagte ihre Oma. "Bei uns isst sie alles!"

Die Liebste hatte fast schon Tränen in den Augen.

"Wir sollten aufhören, uns Sorgen zu machen", sagte ich. "Hauptsache, Luise isst Gemüse, ganz egal wo. Wenn sie das unbedingt bei deinen Eltern tun will, weil die Zeit haben, mit jeder Erbse Schach zu spielen – warum nicht?"

Die Liebste nickte langsam. "Wenn ich an die Verzehrempfehlungen für Gemüse denke, sollten wir sie vielleicht einmal mehr in der Woche bei meinen Eltern essen lassen."

Und so brachten wir Luise am nächsten Abend extra zum Essen zu Oma und Opa.

Auf dem Tisch standen Frikadellen, Kartoffeln und kleine dünne Fischstäbchen.

"Kein Gemüse?", fragte ich.
Meine Schwiegermutter lachte und zeigte auf die Fischstäbchen. "Das sind Bohnen. In Semmelbröselpanade und Butter. So liebt Luise sie!"

Die Liebste und ich sahen uns an.

"Und anderes Gemüse", erkundigte sich die Liebste vorsichtig, "paniert ihr auch?"

"Nur wenn das geht. Sonst nehmen wir Sahnesauce, Ketchup und Majo. Und etwas Zucker."

"Zucker?", fragte die Liebste fassungslos.

"Ach Kind, das fällt gar nicht ins Gewicht", lächelte ihre Mutter.

"Zum Nachtisch kriegt Luise doch sowieso immer ein Stück Schokolade für jedes Stück Gemüse!"