Familienglück"Das sind JUNGS!"
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Bin ich ein Macho?

Beim Googeln fand ich heraus, dass Kinder die geschlechterklischeehaften Verhaltensweisen ihrer Eltern unbewusst kopieren. Ich konnte mich zwar nicht erinnern, wann meine Liebste zuletzt im Feenkleid und Zaubersprüche murmelnd durch die Wohnung geschwebt war, aber eins stimmte: Ich hatte das noch nie getan. Sonst verhielt ich mich wenig stereotyp. Ich machte Frühstück. Ich kochte und räumte die Spülmaschine ein. Ich säuberte den Ofen und das Badezimmer. Und als wir abends essen gingen, achtete ich darauf, dass die Liebste bezahlte.

"Findest du, dass ich ein Macho bin?", fragte ich sie.

"Im Moment nicht", sagte sie.

"Führen wir eine zeitgemäße, gleichberechtigte Beziehung?", fragte ich.

"Wahrscheinlich. Wenn Du auch mal die Waschmaschine..."

"Wieso ist dann unsere Tochter so?"

Im Kindergarten fragte ich Martha, die Erzieherin, ob sie auch glaube, dass im Moment eine Generation heranwachse, die dabei war, sämtliche Errungenschaften weiblicher wie männlicher Gleichberechtigung brutal in die Tonne zu treten.

Sie schüttelte den Kopf. "Die Kinder wollen sich ihrer Identität als Mädchen und Jungen versichern", sagte sie. "Das ist wichtig für die Entwicklung. Und geht wieder vorbei."

Ich fragte, ob man seinem Kind helfen könne, sich von den überkommenen Rollenbildern zu lösen. "Würde es helfen, wenn ich meine Hemden nicht mehr in die Wäscherei gebe, sondern zu Hause bügle? Wissen Sie, ich bin sonst nicht sehr klischeehaft..."

Martha lachte, es klang, als lache sie mich aus. "Wetten, dass Sie sich schon sehr klischeehaft verhalten haben?"

"Niemals!", sagte ich.

"Doch. Als Ihre Tochter noch kleiner war: Sind Sie da nicht vorsichtig mit ihr umgegangen? Haben nicht ganz so wild mit ihr gespielt? Viel mit ihr gesprochen? Sie nichts Schweres tragen lassen?"

"Natürlich", rutschte mir heraus. "Sie ist doch ein Mädchen!..."

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Leserkommentare
  1. Ich bügele meine Hemden selbst, koche häufiger als meine Frau, insbesondere hinterlasse ich die Küche auch nicht wie ein Schlachtfeld. Jede Art von Hausarbeit mache ich zumindest gelegentlich, manches sogar ausschließlich und doch geht es mir wie dem Autor: "Wahrscheinlich. Wenn Du auch mal die Waschmaschine..."
    Mein bester Kumpel schafft Geld heim und das wars. Er muss sich das gleiche Gejammere anhören: "Wahrscheinlich. Wenn Du auch mal die Waschmaschine..."
    Nun will ich so leben, ein Zurück gibt es sowieso nicht. Nach dem Essen abzuspülen ist längst auch eine Entspannungsübung geworden, die ich nicht missen möchte, fast schon ein ganz persönlicher Moment.
    Aber für die Mann-Frau-Beziehung völlig wertlos, wenn Jammern dran ist, wird gejammert.

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    ist halt auch nur kopiertes Verhalten. Und in dem Maße, wie es sich insbesondere n der Geschlechterpolitik wiederfindet, wird es wohl auch weiterhin vorrangig von Mädchen kopiert bzw. gezielt eingesetzt werden.

  2. Mag ja sein, dass die "Kita-Geschlechterfronten" sich noch weiter verhärtet haben im Vergleich zu den 90er Jahren, als meine Kinder die Kita besuchten. Meine Töchter hatten jedenfalls keine Probleme, auch Jungs in ihr Spiel einzubeziehen, sie hatten sogar jede einen richtigen Kindergartenfreund. Mein Sohn, als jüngstes Kind, pflegte sich aber von Anfang an sehr abzugrenzen gegenüber den Mädchen in seiner Gruppe. Seine Kindergeburtstage waren immer reine Jungengeburtstage. Dies änderte sich bei ihm erst in der Pubertät.
    Ist vielleicht einfach eine Typsache.

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  3. Ein wenig überspitzt ist das schon, oder?

    Mein Kind spielte im Kindergarten sehr oft mit Angehörigen des anderen Geschlechts, es wurde regelrecht umschwärmt - doch es spielte auch gerne mit Kindern seines eigenen Geschlechts. Auch jetzt noch, im Grundschulalter, hat es, auch wenn es etwas lieber mit gleichgeschlechtlichen Kindern spielt, kein großes Problem mit den "anderen".
    Auch während meiner eigenen Kindheit schüsselte ich als Mädchen mit den Jungs auf Rollern oder Fahrrad durch die Gegend und spielte A-Team und Indianer und machte mich im Matsch ordentlich dreckig, während sich der ein- oder andere Knabe auch zu Vater-Mutter-Kind überreden ließ. Nur bei Püppchen war der Ofen endgültig aus. ;-)

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  4. warten Sie mal, bis Ihre Tochter Prinzessin Lillifee entdeckt ;-).

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    Redaktion

    .. hat sie längst. Wir versuchen, es nicht überborden zu lassen, aber was soll man tun: Sie ist selbst auf Fahrradhelmen drauf...

  5. Redaktion

    .. hat sie längst. Wir versuchen, es nicht überborden zu lassen, aber was soll man tun: Sie ist selbst auf Fahrradhelmen drauf...

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    Wenn sie Lillifee mag, dann mag sie es. Na und?

    Ich denke, daß man als Eltern eigentlich nur eines wirklich falsch machen kann, und das ist: Im Weg stehen.

    Auf mich wirkt es, als würden Sie ihr im Moment im Weg stehen.

    Außerdem haben Sie ein falsches Bild von Gleichberechtigung. Das bedeutet, daß alle die gleichen Rechte haben. Es bedeutet nicht, daß alle die Pflicht haben, alle das gleiche zu tun.

    Es ist z.B. falsch, erfolgreiche Gleichberechtigung an der Anzahl der Frauen im Ingenieursstudium zu bewerten. Weil sich das aufgrund der Neigungen nie angleichen wird. Es ist aber wichtig, daß Frauen Ingenieur werden dürfen wenn sie das wollen. Und auch, daß sie dürfen, es nicht zu werden, wenn sie es nicht wollen.
    Es ist auch falsch, die Anzahl der Frauen in Führungspositionen zu zählen. Ich habe Chefinnen in mehreren Stufen über mir, und aus eigener Erfahrung habe ich gelernt, daß der Typ Mensch der gleiche ist. Es ist egal ob man eine Frau oder einen Mann zum Chef hat. Nur gibt es den Menschentyp unter Männern häufiger. Deshalb werden aus Frauen übrigens auch keine besseren Chefs werden.
    Und so weiter.

    Sie leben hingegen eine Gleichbepflichtigung vor, keine Gleichberechtigung. Und das geht an unserer menschlichen Natur vorbei.

    • pascalz
    • 08. Januar 2013 19:50 Uhr

    Nach meiner Einschätzung verhalten Kinder sich tatsächlich so, weil sie es bei Vorbildern kopieren - aber nicht unbedingt bei den Eltern sondern aus dem Fernsehn. Das Kinderprogramm der Privatsender ist diesbezüglich teilweise wirklich gruselig.

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  6. Meine Mutter könnte Ihnen ein Liedchen davon singen, was es heißt, wenn die Tochter Mädchenkram hasst.

    Mit 4 war meine Lieblingsbeschäftigung der Besuch in Nachbars Schweinestall, oder schlimmer: Mit meinem Dreirad die Güllegrube zu erkunden. Meine Mutter war verzweifelt, weil 3x am Tag ein kleines stinkendes Etwas vor ihrer Tür stand und Einlaß begehrte.

    In der Grundschule fand ich Mädchen ätzend. Die kicherten immer so bescheuert, tuschelten dummes Zeug und konnten nur mit Puppen spielen. Mit Jungs hingegen konnte man herrlich Cowboys und Indianer, Räuber und Gendarm oder Star Trek spielen (ich war immer Mr. Spock). Meine Mutter war verzweifelt, weil jeden Abend ein schlammbespritztes kleines Etwas Einlaß begehrte.

    Meine Mutter steckte mich zwangsweise in rosarote Kleidchen und Ballerinas und verordnete mir zeiweise gesittetes Benehmen, es half nichts. Ich kam grundsätzlich schlammig, dreckig, zerrissen und meistens viel zu spät vom Abenteuerspielplatz nach Hause. Da half kein Hausarrest.

    Ich wollte mal Pilotin werden, mal Lokomotivführerin, dann wieder Abenteurerin. Ich liebte heiß und innig Dino, das Brontosauruskelett im British Natural Museum in London und sammelte leidenschaftlich verschiedenste Quarzsorten. Die größte Erfindung war für mich aber die Leggings, weil man damit endlich Bäume erklettern konnte, ohne ständig mit der Hose in irgendwelchem Geäst hängenzubleiben und runterzufallen.

    Tja... ;)

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    aber da meine Mutter als Kind genauso war, gab es keine grossen Probleme und auch keine "Umerziehungsversuche", soll heissen, keine rosa Kleidchen und der ganze Kram. Dreckige Sachen, fast immer aufgeschlagene Knie und im Kindergarten nur Jungs als Freunde. Autos, Eisenbahn, Traktoren, etc.
    Ich trage auch heute noch kaum Kleider, obwohl mir das immer mal nahegelegt wird, da ich die einfach mal unpraktisch finde. Schminken und den granzen Kram beschränke ich auch auf ein Minimum, eigentlich nur zum Ausgehen.
    Stellt sich für mich die Frage, ist das in meiner DNS? So erzogen? Oder zu wenig Fernsehen?

    • liborum
    • 09. Januar 2013 20:10 Uhr

    Stimmt, nur bei mir ist das deutlich länger her und war daher viel schlimmer.
    Kleidchen, Zöpfchen, weiße Kniestrümpfe und Lackschühchen .. .brrrr. Hielten aber nur einmal Baum'rauf oder Pfützenspringen aus. Gespielt natürlich mit Jungs- auch Fußball! Jeans für Mädels gab es erst später. Und als Beruf nur Verkäuferin,Friseurin,Tippse oder Arzthelferin -graus.

    Wir haben mit den Jungs am liebsten Winnetou & Old Shatterhand nachgespielt. Bei uns auf der örtlichen Stadtmauer oder an anderen "abenteuerlichen" Schauplätzen (möglichst viel Gras, Hügel oder anderes schwieriges Gelände). Ich wollte nie die Farmerstochter sein, nein, Ntscho-Tschi mußte es sein (bot sich bei meinen brünetten, damals langen Haaren auch an). Pfeileschießen-Üben war natürlich Ehrensache, mit dem Nachbars-Old-Shatterhand von Mauern und über Hügel springen natürlich auch. Vor den Bösewichten verstecken und nicht gefunden werden, ebenso. Daß man nicht mädchenhaft herumplapperte, sondern indianerhaft schwieg und das Gelände erkundete (Spurensuche!) sowie Heldentaten bestand, war ein Riesenspaß. Und die Jungs gehörten immer dazu...von Anfang an (Kindergarten, Schule)

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