Beim Googeln fand ich heraus, dass Kinder die geschlechterklischeehaften Verhaltensweisen ihrer Eltern unbewusst kopieren. Ich konnte mich zwar nicht erinnern, wann meine Liebste zuletzt im Feenkleid und Zaubersprüche murmelnd durch die Wohnung geschwebt war, aber eins stimmte: Ich hatte das noch nie getan. Sonst verhielt ich mich wenig stereotyp. Ich machte Frühstück. Ich kochte und räumte die Spülmaschine ein. Ich säuberte den Ofen und das Badezimmer. Und als wir abends essen gingen, achtete ich darauf, dass die Liebste bezahlte.

"Findest du, dass ich ein Macho bin?", fragte ich sie.

"Im Moment nicht", sagte sie.

"Führen wir eine zeitgemäße, gleichberechtigte Beziehung?", fragte ich.

"Wahrscheinlich. Wenn Du auch mal die Waschmaschine..."

"Wieso ist dann unsere Tochter so?"

Im Kindergarten fragte ich Martha, die Erzieherin, ob sie auch glaube, dass im Moment eine Generation heranwachse, die dabei war, sämtliche Errungenschaften weiblicher wie männlicher Gleichberechtigung brutal in die Tonne zu treten.

Sie schüttelte den Kopf. "Die Kinder wollen sich ihrer Identität als Mädchen und Jungen versichern", sagte sie. "Das ist wichtig für die Entwicklung. Und geht wieder vorbei."

Ich fragte, ob man seinem Kind helfen könne, sich von den überkommenen Rollenbildern zu lösen. "Würde es helfen, wenn ich meine Hemden nicht mehr in die Wäscherei gebe, sondern zu Hause bügle? Wissen Sie, ich bin sonst nicht sehr klischeehaft..."

Martha lachte, es klang, als lache sie mich aus. "Wetten, dass Sie sich schon sehr klischeehaft verhalten haben?"

"Niemals!", sagte ich.

"Doch. Als Ihre Tochter noch kleiner war: Sind Sie da nicht vorsichtig mit ihr umgegangen? Haben nicht ganz so wild mit ihr gespielt? Viel mit ihr gesprochen? Sie nichts Schweres tragen lassen?"

"Natürlich", rutschte mir heraus. "Sie ist doch ein Mädchen!..."