Familienglück: "Das sind JUNGS!"
Luise will nicht mit Jungs spielen. Mark Spörrle wundert sich, dass kleine Kinder heute so altmodisch sind. Er glaubte, dass er seine Tochter frei von Klischees erzieht.
Wir haben einiges getan, um unsere Tochter nicht in Rollenklischees zu erziehen. Eines Tages merkten wir, dass wir gescheitert waren. Luise wollte nur noch mit Puppen spielen. Fußball machte ihr nur noch in rein weiblichen Mannschaften Spaß. Als ich aus Wicki und die starken Männer vorlas behauptete sie steif und fest, Wicki sei ein Mädchen, "denn Jungs haben keine guten Ideen."
Und dann brachte ich sie einmal so früh in den Kindergarten, dass noch keine ihrer Freundinnen da war. Dafür spielten drei nette kleine Jungen mit großen Schaumwürfeln Schiffsreise.
"Warum spielst du nicht einfach mit?", fragte ich die schmollende Luise.
"Was?" Sie sah mich an, als sei ich übergeschnappt. "Das sind JUNGS! Ich kann doch nicht mit JUNGS spielen!"
"Warum nicht?", fragte ich verwirrt.
"Mit Jungs kann man nicht spielen! Weißt du das nicht?"
Das überraschte mich tatsächlich; immerhin war ich auch mal ein Junge: "Als ich dich gestern abgeholt habe, habt ihr Mädchen doch auch mit den Jungs gespielt!"
"Nein!", sagte Luise empört. "Das war Jungsalarm!"
- Familienglück - die Kolumne
- Mama und Papa gehen arbeiten, die Kleine in den Kindergarten. Das perfekte Familienglück ist nur eine Frage der Organisation, oder? Mark Spörrle schreibt in seiner Kolumne "Familienglück" über die Tücken des Alltags.
© Mark Spörrle
Jungsalarm, bekam ich aus meiner Tochter heraus, bestand darin, dass eine Horde Jungs im Sandkasten eine flache Grube grub, je nach Jahreszeit Brennesseln, Steine oder Eiszapfen hineinwarf, und dann auf Mädchenjagd ging. Die gefangenen Mädchen hatten sich in die Grube zu kauern bis die Jungs sie gnadenhalber freiließen oder zum Essen mussten. Und konnten noch froh sein, bei diesem steinzeitlichen Ritual überhaupt mitwirken zu dürfen. Denn ansonsten wollten die Knirpse streng unter sich bleiben, wenn sie Bauarbeiter spielten. Oder Müllmann. "Oder Star Wurst," raunte meine Tochter bedeutsam.
"Star Wurst?"
"Das mit den Raumschiffen. Und dem Schießen!"
Ich hatte den Verdacht, dass Luise die Fronten zu krass darstellte und startete spontan einen Versuch, die Geschlechter zu versöhnen.
"Dürfen kluge große Mädchen bei euch mitspielen?", fragte ich die drei Schiffsreisenden.
Sie sahen mich an, als sei ich ein Alien. "Nein!", sagte dann einer. "Mädchen sind dafür nicht stark genug!"
Während ich mich noch bei meiner Tochter für mein hochpeinliches Eingreifen entschuldigte, kam zum Glück ihre Freundin Mia.
"Seltsam", sagte ich daheim zur Liebsten, "ich hatte bis jetzt nicht das Gefühl, dass unser Kindergarten so altmodisch ist..."
Sie lachte. "Nicht der Kindergarten, die Kinder!" Ob mir nicht aufgefallen sei, dass die Mädchen am Freitag, dem Spielzeugmitbring- und Verkleidungstag immer Feen- und Prinzessinnenkleidchen anlegten, die Jungs aber Ritter- und Cowboykluft?





..der auf lustige Weise vormacht, daß nicht bewußt agierende Erwachsene sondern deren Unterbewußtsein (sehr schön im Schluß des Beitrags auf den Punkt gebracht) und die Gesellschaft/Peer-Goups die Kinder erziehen.
Das man es anders plant & beabsichtigt ist schön & gut, daß aber so vielen Eltern auch reflexiv dazu keinen Zugang haben ("Wie erziehen unsere Kinder selber !" höre ich oft), ist sehr traurig. Oder zumindest unentspannt.
Danke für den Schmunzel-Einsichts-Artikel!
(P.S. bitte arbeitet an diesem Kommentar-Eingabefeld !)
es ist dunkel und still, alle Hausarbeiten sind erledigt, die Wäsche liegt im Schrank und selbst das Silber ist fein poliert.
Mark Spörrle ist noch wach. Er wartet. Wartet auf seine Tochter Luise, die sich seit Monaten nur noch "Lu" nennen lässt, denn sie ist seit zwei Stunden überfällig. Ist mit irgendeinem pickligem Jüngling unterwegs und hat ihr Handy ausgeschaltet.
Die Eltern des Pickligen gehen nicht ans Telefon - würde Spörrle nachts um 1.00 h sonst auch nicht machen, aber heute ist er wach....
Hat er etwa Männer in den letzten 16 Jahren zu interessant und attraktiv erscheinen lassen? War er ein zu wenig abschreckendes role model? Wäre es nicht besser gewesen, er hätte den üblen Macho gegeben, der sich weiterhin weigert, die Waschmaschine auszuräumen? Gut, vielleicht hätte seine Liebste dann aufgehört, Holz zu hacken, aber kein Preis erscheint ihm zu hoch um DAS jetzt nicht ertragen zu müssen.
Ein Geräusch lässt ihn zusammenzucken. Ein Schlüssel dreht sich in der Tür! "Lu" ist wieder daheim. Alles ist gut. Alles _wäre_ gut, würde sie nicht jetzt, tatsächlich jetzt um 1.15 h, diesen pickligen Jüngling in die schwach beleuchtete Küche zerren und sagen: "Papa, wir müssen reden!" Ihr Tonfall lässt ihn wach werden. Er schaut den Pickligen an, der im Schein der Küchenlampe gar nicht mehr so maskulin ausschaut. Eher....zart und weiblich.
"Jo", sagt "Lu", "Jo" ist jetzt meine Liebste, nur dass Du´s weisst. Kann sie heute hier übernachten?"
jedesmal köstlich über ihre Erfahrungen und Einsichten. Ich lache und kichere vor mich hin. Und in manchen Texten finde ich mich und eines der Kinder wieder.
Das Mädchen als die älteste von vier Kindern Hatte mit Puppen nicht viel am Hut, ich hatte noch Verständnis dafür.
Aber als der dritte, ein Junge sich zu Weihnachten sehnlichst ein richtiges Puppenhaus wünschte, das war uns dann doch etwas suspekt.Sein Berufswunsch hatte damit zu tun, schon mit fünf Jahren wollte er nur Architekt werden. Vor diesem Hintergrund war sein Wunsch dann wieder verständlich. Vater sträubte sich jedoch sehr dagegen, bis er sich dann in letzter Minute drangab und das Häuschen bastelte, immer begleitet mit Protest: was soll ein Junge mit einem Puppenhaus!
Aber seltsam, dieser Junge hatte in Kindergarten und Grundschulzeiten keine Freundinnen, sondern nur Freunde. Und die spielten teilweise auch mit dem Puppenhaus.
Und was die Unterschiede zwischen den Geschlechtern angeht, so muss man heute feststellen, dass an die Geschlechter verschiedene Maßstäbe angelegt werden.
Das zeugt nicht von Gleichberechtigung, sondern von Vorteilsnahme durch das eine Geschlecht und von Unterdrückung des anderen Geschlechts. Das ist die Gleichberechtigung dann doch falsch interpretiert.
Der Unterschied der beiden Geschlechter ist nicht von der Hand zu weisen, das muss nicht noch durch unterschiedliche Beurteilungen verstärkt werden.
Das Kind verhält sich genderpolitisch nicht korrekt. Schlimm, wirklich schlimm. Was machen wir da bloß? Für Beauvoir, Schwarzer und Butler ist die Kleine wohl noch zu klein. Dann erstmal in die genderpolitisch korrekte Kita, während Mami und Papi das Ganze einmal gründlich diskutieren. Später in die entsprechend korrekte Ganztagsschule...
Das Kind ist wahrscheinlich ein süßer, intelligenter, kleiner Fratz, der das macht, was Kinder so machen: Sich nicht immer so zu entwickeln, wie ihre Eltern das gerne hätten ein. Gott sei Dank!
....ich hab' vergessen, mich in der Erziehung an die Sache mit den Rollenklischees zu erinnern.....
Meine fast 7jährige kann es trotz ihrer kleinen, zierlichen Körpergröße mit restlos allen Jung's in Ihrer Klasse aufnehmen, sollten Sie aber mal die kleinen Männer's erleben, wenn das passiert......
Da durfte oftmals keiner ( erst recht nicht der beste Kumpel ! ) erfahren, das man sich mit meiner Tochter zum Spielen verabredet hat.....
Auf den Geburtstag kam man auch gern, lud aber selbst nicht ein, weil ein Mädchen ! Und ich habe Eltern erlebt, die das unterstützten.
Trotzdem hat Tochter einen guten Kumpel, der auch dazu steht, das er sie mag, es geht eben so und so.
Es liegt eben nicht nur daran, was die kleinen von Zuhause mitbekommen, das Umfeld prägt mit.
Alles, was ich meinen Töchtern beibringe ist : Wen Du magst, für den stehst Du ein. Alte Freundschaftswerte.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren