Verfassungsgerichtsurteil : Die Zweitadoption ist nun auch für Homosexuelle erlaubt

Das Bundesverfassungsgericht hat das Adoptionsrecht für Homosexuelle ausgeweitet. Jetzt darf ein Partner in einer Homo-Ehe auch das adoptierte Kind des anderen annehmen.
Auch wenn das adoptierte Kind zu beiden Papa sagt – rechtlich hatte bisher nur ein Vater das Sorgerecht. © Mario Lalich/getty

Das Bundesverfassungsgericht hat die Beschränkungen beim Adoptionsrecht für homosexuelle Lebenspartner für verfassungswidrig erklärt. Das Verbot der sogenannten Zweitadoption verstoße gegen das Recht auf Gleichbehandlung, urteilten die Richter.

Zwei Fälle wurden vom Bundesverfassungsgericht verhandelt. Ein lesbisches und ein schwules Paar hatten geklagt. Beide Paare leben seit Langem mit jeweils einem Kind zusammen. Das eine Kind ist inzwischen zwölf, das andere 13 Jahre alt. Ein Partner hatte es adoptiert, aber der zweite durfte es nicht als Stiefkind annehmen. Für verheiratete heterosexuelle Paare ist das erlaubt. Im Alltag heißt das zum Beispiel, dass nur ein Elternteil mit dem Kind zum Arzt gehen oder entscheiden darf, in welche Schule es geht.

2005 waren die beiden Väter zu der Rechtsanwältin für Familienrecht Ingke Ketels gegangen, nachdem ihr Adoptionsantrag vom Amtsgericht Hamburg zurückgewiesen worden war. Ketels sagt, sie habe das Urteil des Amtsgerichts nicht nachvollziehen können, denn im selben Jahr sei in Deutschland die Stiefkindadoption für eingetragene Lebenspartner erlaubt worden. Leibliche Kinder, die mit in die Familie gebracht werden, können seither vom anderen Partner angenommen werden. Warum sollte zwischen einem leiblichen und einem adoptierten Kind unterschieden werden? Ketels versprach, den Fall durch alle Instanzen prüfen zu lassen.

Der Fall landete als nächstes beim Oberlandesgericht Hamburg, das die Bedenken Ketels teilte und die Klage der zwei Väter 2010 zur Prüfung an das Bundesverfassungsgericht weiterleitete. Dort lag bereits ein ähnlicher Fall: die Verfassungsbeschwerde der beiden Mütter, deren Zweitadoption vom Oberlandesgericht Hamm abgelehnt wurde.

Bedenken des Deutschen Familienverbandes

Schon während der Verhandlungseröffnung in Karlsruhe im Dezember schienen sich Kläger, Richter und Sachverständige einig zu sein, dass das Verbot der Zweitadoption durch den Lebenspartner nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

Der Deutsche Familienverband tritt als entschiedener Gegner des Adoptionsrecht für homosexuelle Paare auf. Er argumentiert, dass es sich bei der gleichgeschlechtlichen eingetragenen Partnerschaft um etwas grundlegend anderes handele als bei der verfassungsrechtlich geschützten Institution der Ehe – deshalb sei auch die ungleiche Behandlung im Adoptionsrecht kein Verstoß gegen den allgemeinen Gleichheitssatz im Grundgesetz. "Das Adoptionsrecht muss dem Wohle des Kindes dienen", schreibt Klaus Zeh, Präsident des Familienverbands, in seiner Stellungnahme, "dabei stehen nicht die Interessen der potenziellen Eltern im Vordergrund."

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Kommentare

372 Kommentare Seite 1 von 22 Kommentieren

Ethisch wirklich korrekt?

Also vor weg ich findes es gut!

Aber es handelt sich um die Adoption in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, keiner Ehe! Diese partenschaft wird nur umgangssprachlich so genannt....

Diese Partenrschaft ist die Absichtserklärung für Krankhiet und Tod dem partenr beizustehen und zu beerben, aber sie ist formaljuristisch keine Ehe!

Folglich: Wenn eine Art Absichtserklärung (ein Vertrag ist nichts anderes) ausreicht ein Kind zu adoptieren und großzuziehen, dann muss ich mich fragen sind die Rechte des Kindes ausreichend gewürdigt worden und warum brauch ich eine Absichterklärung, mann kann doch dann auch als Alleinerziehender Mann ein Kind großziehen...
Wo ist der Unterschied, wenn ein Partner gestorben ist, oder nicht von dem Kind weiß oder wissen will...
Frauen können Kinder alleine erziehen (naturgemäß), Männer müssen irgendwie eine Vertrag unterschreiben und diesen dann lösen! Wo ist hier die Gleichberechtigung liebes Gericht und Leser?

Eigentlich hätte die gleichgeschlechtliche Partnerschaft per Gerichtsbeschluß einer Ehe gleichgestellt werden müssen, mit entsprecheder Aufforderung an die Regeierung dies zu regeln, um dann die Adoption zu erlauben!

Aber so, habe ich bedenken!