Das Bundesverfassungsgericht hat die Beschränkungen beim Adoptionsrecht für homosexuelle Lebenspartner für verfassungswidrig erklärt. Das Verbot der sogenannten Zweitadoption verstoße gegen das Recht auf Gleichbehandlung, urteilten die Richter.

Zwei Fälle wurden vom Bundesverfassungsgericht verhandelt. Ein lesbisches und ein schwules Paar hatten geklagt. Beide Paare leben seit Langem mit jeweils einem Kind zusammen. Das eine Kind ist inzwischen zwölf, das andere 13 Jahre alt. Ein Partner hatte es adoptiert, aber der zweite durfte es nicht als Stiefkind annehmen. Für verheiratete heterosexuelle Paare ist das erlaubt. Im Alltag heißt das zum Beispiel, dass nur ein Elternteil mit dem Kind zum Arzt gehen oder entscheiden darf, in welche Schule es geht.

2005 waren die beiden Väter zu der Rechtsanwältin für Familienrecht Ingke Ketels gegangen, nachdem ihr Adoptionsantrag vom Amtsgericht Hamburg zurückgewiesen worden war. Ketels sagt, sie habe das Urteil des Amtsgerichts nicht nachvollziehen können, denn im selben Jahr sei in Deutschland die Stiefkindadoption für eingetragene Lebenspartner erlaubt worden. Leibliche Kinder, die mit in die Familie gebracht werden, können seither vom anderen Partner angenommen werden. Warum sollte zwischen einem leiblichen und einem adoptierten Kind unterschieden werden? Ketels versprach, den Fall durch alle Instanzen prüfen zu lassen.

Der Fall landete als nächstes beim Oberlandesgericht Hamburg, das die Bedenken Ketels teilte und die Klage der zwei Väter 2010 zur Prüfung an das Bundesverfassungsgericht weiterleitete. Dort lag bereits ein ähnlicher Fall: die Verfassungsbeschwerde der beiden Mütter, deren Zweitadoption vom Oberlandesgericht Hamm abgelehnt wurde.

Bedenken des Deutschen Familienverbandes

Schon während der Verhandlungseröffnung in Karlsruhe im Dezember schienen sich Kläger, Richter und Sachverständige einig zu sein, dass das Verbot der Zweitadoption durch den Lebenspartner nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

Der Deutsche Familienverband tritt als entschiedener Gegner des Adoptionsrecht für homosexuelle Paare auf. Er argumentiert, dass es sich bei der gleichgeschlechtlichen eingetragenen Partnerschaft um etwas grundlegend anderes handele als bei der verfassungsrechtlich geschützten Institution der Ehe – deshalb sei auch die ungleiche Behandlung im Adoptionsrecht kein Verstoß gegen den allgemeinen Gleichheitssatz im Grundgesetz. "Das Adoptionsrecht muss dem Wohle des Kindes dienen", schreibt Klaus Zeh, Präsident des Familienverbands, in seiner Stellungnahme, "dabei stehen nicht die Interessen der potenziellen Eltern im Vordergrund."