Gleichstellung : Verfassungsgericht urteilt über Adoptionsrecht für Homosexuelle

Bislang dürfen homosexuelle Partner zwar das leibliche Kind des anderen adoptieren, nicht jedoch ein Adoptivkind. Ein Urteil des Verfassungsgerichts könnte das ändern.

Das Bundesverfassungsgericht verkündet am heutigen Dienstag sein Urteil über das Adoptionsrecht in homosexuellen Lebenspartnerschaften. Dabei geht es um Fälle, in denen einer der beiden ein Kind bereits adoptiert hat und der Partner zusätzlich Adoptivmutter oder -vater werden möchte. In der Ehe ist eine solche Sukzessivadoption möglich – für schwule oder lesbische Lebenspartner nicht.

Unter anderen hatte eine Ärztin aus Münster Verfassungsbeschwerde eingelegt. Ihre Lebenspartnerin, mit der sie seit 20 Jahren zusammen ist, hatte 2004 ein Mädchen aus Bulgarien adoptiert. Doch den Wunsch der Ärztin, gleichfalls Adoptivmutter zu werden, lehnten die Gerichte ab. In der mündlichen Verhandlung im Dezember hatten Experten betont, dass die Kinder normalerweise ohnehin schon im gemeinsamen Haushalt lebten. Es diene dem Wohl des Kindes, wenn diese Beziehung rechtlich abgesichert werde.

Nicht zur Entscheidung steht am Dienstag die Frage der gemeinschaftlichen Adoption. Auch hier gibt es Ungleichbehandlung: Ehepaare können gemeinsam Kinder adoptieren, Lebenspartner nicht. Hierzu sind aber derzeit keine Verfahren in Karlsruhe anhängig.

EuGH urteilt über Adoptionsverbot in Österreich

Schon mehrmals hat das Bundesverfassungsgericht die Rechte homosexueller Paare gestärkt, etwa bei der Erbschaftssteuer und beim Familienzuschlag für Beamte. Auch zur Frage des Ehegattensplittings sind mehrere Verfassungsbeschwerden in Karlsruhe anhängig; hierüber wollen die Karlsruher Richter noch in diesem Jahr entscheiden.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte urteilt zeitgleich über das Adoptionsverbot für gleichgeschlechtliche Paare in Österreich. Dort dürfen Homosexuelle nicht das leibliche Kind des Partners oder der Partnerin adoptieren. Dagegen klagen zwei Frauen. In Deutschland ist die sogenannte Stiefkindadoption erlaubt.

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Kommentare

106 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Wenn sie mir erzählen wollen

das sich ein Kind bei zwei Vätern oder Müttern dauerhaft wohl fühlen wird, dann haben sie aber nicht mit den anderen Kindern gerechnet.

Es wird ohne Zweifel so sein, das dieses Kind deswegen permanent gehänselt wird und das verstehe ich nicht unter Wohlfühlen.

Bei solchen Entscheidungen muss man zwingend das gesamte Umfeld berücksichtigen und es Kindern nicht unnötig schwer machen.

Re: 5.53. Nein aber,

"Intakte Familie schön und gut, aber was ist wenn:

- mindestens ein Elternteil das Kind schlägt, ihm keine Liebe entgegenbringt usw.
- ein Elternteil stirbt, sich scheiden lässt..."

Und diese Fälle können bei gleichgeschlechtlichen Eltern nicht auftreten?

"Und warum scheint es dem werten Christenmenschen dann doch lieber zu sein, wenn ein Kind in einer sozial gestörten Familie, aber bei Mann und Frau aufwächst, als bei einem homosexuellen Paar?"

Sie pauschalisieren....

MfG
FT

Antwort

"Sie haben da etwas verwechselt. Ich fragte nur, ob es richtig ist, eine Meinung als "richtig" hinzustellen, weil man EINE Studie und EINEN Zeitungsartikel verlinkt. Das ist mir zuwenig Auswahl. Und diskutieren können wir trotzdem."

Sie sitzen offensichtlioch vor einem Rechner, also machen Sie sich gefälligst selber schlau. Wie ich geschrieben habe, ist auch eine EINZIGE greifbare Studie zumindest DISKUTIERBAR. Ob in die ein oder andere Richtung, dass "können wir trotzdem" diskutieren, sehr richtig.

"In welcher Kirchengemeinde sind sie denn groß geworden?"

In keiner.

"In meiner kiche (in die ich recht selten gehe) treffen sich Homo- wie Hetereosexuelle Männer und Frauen."

Schön. Und jetzt? Leugnen, dass die katholische, islamische und in Teilen auch evangelische und jüdische Konfession latent homophob ist? Sorry, da ist mir Ihr Beispiel einfach "zuwenig Auswahl".

">Das wäre zu beweisen. Was haben Sie denn bewiesen?<"

Es wäre zu beweisen, dass das christiliche Weltbild sich in unserer Zeit besser behaupten kann, als das säkulare Menschenbild.

Wer diskriminiert wen??

Ich stelle nur Tatsachen fest in Bezug auf den vorherigen Kommentar. Da ging es um Wohlbefinden.

Im übrigen brauchen sie die Kinder gar nicht in diese Richtung zu erziehen, die stellen das vollkommen von alleine fest. Selbst wenn sie es als Elternteil erklären, das dies ganz normal ist, werden die meisten Kinder nicht darauf eingehen.

Im übrigen frage ich mich wie diese Ärztin es geschafft hat ein Kind zu adoptieren. Sollte zumindest in Deutschland als Alleinstehende nicht möglich sein.

Ach ja ein paar Infos zu einer Adoption und ein paar Zahlen. Macht sie vielleicht etwas nachdenklich.
http://www.adoption.de/in...

Was für ein Mumpitz

Sie machen genau das gleiche.

Sie argumentieren damit, das es in Heterosexuellen Beziehungen Schwierigkeiten geben kann, aber ignorieren das dieses Problem bei der Homosexuellen Beziehungen genauso bestehen kann.

Was soll das?? Woher kommen diese ganzen Vorurteile??

Wenn schon, dann müssen sie beides auf gleicher Augenhöhe betrachten, aber die einseitige Darstellung, das in einer homosexuellen Beziehung immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, halte ich schlicht und einfach für totalen Mumpitz.

Bezugspersonen werden nicht von oben bestimmt.

"muss die Mutter herhalten, da der Vater oftmals nicht zu Hause ist (Arbeit etc.)."

Das ist eine unsinnige Unterstellung, vor allem wenn man so vermeintlich gleichmacherisch modern auftreten möchte.

"Im übrigen gibt es auch weibliche homosexuelle Paare, die Sie vermutlich grad nicht auf dem Schirm hatten."

Ja, schön und die haben mitunter vielleicht einen Sohn.

"Und: die meisten Männer wurden von Frauen erzogen, sowohl in der Familie als auch in der Grundschule."

Den Ansprechpartner für gewisse Themen, vor allem für Kinder in der Pubertät, suchen sich Kinder immer noch selbst aus. Das ist nicht immer die Mutter oder der Vater, oft auch nicht zwangsläufig überhaupt einer von beiden. Das erwarten oder vorgeben zu wollen, ist maßlose Ignoranz. Ich stelle mir Leute, die so argumentieren wie Sie, als entweder kinderlos vor oder muss dabei immer an den Erklärbär-Vater von American Pie denken.

akademische Belege...

...und wieder lassen Sie die Perspektive des Kindes aussen vor! Niemand bezweifelt, dass homosexuelle Paare nicht Fürsorglich wären. Aber adoptierte Kinder haben ohnehin schon damit fertig zu werden ihre Identität zu finden. Ihnen die Möglichkeit zu verwehren ein heterosexuelles Elternhaus vorzufinden, erschwert die Adoptionsproblematik ungemein! Spätestens in der Pubertät werden diese Kinder dann nach ihren leiblichen Väter/ Muettern fragen um ihren Identifikationsprozess voranzutreiben....

Kinder brauchen liebende Eltern

was mir in dieser Diskussion aufällt: Ständig werden Fälle aufgeführt, in denen Eltern ihre Kinder nicht lieben, nicht wollen, in Scheidung leben, im Kinderheim, im Waisenhaus...

Gott sei Dank gibt es ein Adoptionsrecht um Kindern wieder liebevolle Eltern zu geben.

Aber das alles kann doch nicht der Maßstab sein, an dem wir über das Wohl des Kindes in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften urteilen.