Seit 1958 wird das Einkommen von Ehepartnern zusammen gerechnet, halbiert und anschließend besteuert. Mit dieser Reform sollte die steuerliche Benachteiligung der Ehe aufgehoben werden. Bis dahin wurde die Gesamtsumme versteuert und Verheiratete zahlten deshalb mehr Steuern als ledige Paare, die individuell besteuert wurden. Allerdings wollte die Regierung Adenauer damit auch die Ehe als Institution stärken, weil sich die Ehepartner zum Beispiel im Falle von Arbeitslosigkeit oder Pflegebedürftigkeit gegenseitig finanziell unterstützen und den Staat damit entlasten sollten.

Im Verständnis der 1950er Jahre war die Einführung des Ehegattensplittings auch ein Dienst an der Familie. Zu dieser Zeit wurden über 90 Prozent der Kinder in Ehen geboren. Heute hat jedes dritte Neugeborene unverheiratete Eltern.

Indirekte Auswirkungen

Kritiker sagen: Da der Vorteil des Splittings umso größer ist, je größer die Differenz der Einkommen ist, schaffe es indirekte Anreize für die Ein-Verdiener-Ehe und sorge dafür, dass Mütter nicht mehr, sondern weniger arbeiten. Außerdem profitieren von dieser Regelung auch kinderlose Ehen, während Alleinerziehende und unverheiratete Eltern benachteiligt werden, die heute keine Einzelfälle mehr sind. Circa 20 Milliarden Euro jährlich verliert der Staat durch diesen Steuervorteil an Einnahmen.

Stattdessen ist ein Familiensplitting in der Diskussion: Je mehr Kinder eine Familie hat, desto weniger Steuern muss sie zahlen. Allerdings hat das für Geringverdiener kaum spürbare Effekte.