Etwa 16 Milliarden Euro gibt Deutschland für die Betreuung von Kindern aus. Auf den ersten Blick viel Geld, aber weniger als das Ehegattensplitting den Staat kostet. Kitaplätze sind in Deutschland sehr unterschiedlich verteilt. Inzwischen besuchen zwar die meisten Vorschulkinder einen Kindergarten. Aber während es in der DDR normal war, Kinder früh in die Krippe zu schicken, dachten viele westdeutschen Familien noch lange, dass kleine Kinder zu Hause bleiben sollten. Obwohl sich der Bedarf rasant ändert, finden viele Eltern, vor allem in Westdeutschland, noch keinen Krippenplatz. 2010 wurden knapp 28 Prozent der unter Dreijährigen betreut, 2006 waren es noch weniger als 14 Prozent. Ab August 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch darauf. Aber etwa 200.000 Plätze und bis zu 20.000 Erzieher fehlen noch, um dem gerecht zu werden.

Kinderbetreuung hat viele Ziele. Sie soll vor allem den Eltern ermöglichen, arbeiten zu gehen. Familienpolitiker hoffen auch, dass Paare sich eher für Kinder entscheiden, wenn sie wissen, dass es eine gute Betreuung in ihrer Nähe gibt. Und schließlich ist Kinderbetreuung auch ein Argument der Bildungsexperten. Gerade Kinder, deren Eltern selbst ungebildet oder überfordert sind, oder die kein Deutsch sprechen, können vor Schulbeginn extrem davon profitieren, wenn sie einen Kindergarten besuchen. Allerdings weiß man noch zu wenig, welche Sprachprogramme wirklich wirken und welche Qualifikation Erzieher bräuchten, um diesem Anspruch gerecht zu werden.

Ganztagesbetreuung in der Schule

Ein weiteres großes Thema, das sowohl für arbeitende Eltern als auch für die Bildungspolitik relevant ist, sind die Ganztagsschulen. Sie sichern eine Betreuung am Nachmittag für Schulkinder und sollen durch Hausaufgabenhilfe und sinnvolle Freizeitangebote nicht privilegierten Kindern zu mehr Chancen verhelfen. Ob die Kinder wirklich davon profitieren, ist noch nicht entschieden. Denn die Modelle für Ganztagsschulen reichen von möglichst billiger Betreuung am Nachmittag bis zu einem neu getakteten Unterricht mit vielen attraktiven Angeboten, die Talente fördern und Defizite bekämpfen.

Sicher ist laut der Ministeriumstudie, dass sich sowohl Kitaplätze als auch Ganztagsschulen für den Staat rentieren. Mütter, deren Kinder einen Kitaplatz haben, verdienen im Schnitt 700 Euro mehr als Mütter ohne Betreuungsplatz – und zahlen entsprechend mehr Steuern. Der Aufwand für die Ganztagsschulen soll sich auf diese Weise sogar zu 66 bis 99 Prozent selbst finanzieren. Zu mehr Kindern haben sie Deutschland aber bisher nicht verholfen. Und wahrscheinlich muss viel mehr investiert werden, um die Qualität von Kitas und Ganztagsschulen zu erhöhen.