Für Hilfen zur Erziehung gibt der Staat jährlich 6,3 Milliarden Euro aus. Darunter fallen Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe für Familien mit Kindern. Sie untergliedern sich in ambulante und stationäre Hilfen und reichen von Erziehungsberatung und sozialpädagogischer Familienhilfe bis hin zur Heimerziehung und Unterbringung in einer Pflegefamilie.

Die Hilfen sind zahlreich und unterscheiden sich von Fall zu Fall. Gleiches gilt für die Zahl der Hilfeempfänger, deren Gesamtzahl im Jahr 2011 bei über 500.000 lag.

Wer diese Hilfen beantragen darf und welche Leistungen darunter fallen, wird im Kinder- und Jugendhilfegesetz geregelt, das im Januar 1991 in Kraft getreten ist. Darin heißt es, dass Hilfe von einem Sorgeberechtigten des Kindes – das können die Eltern, ein Vormund oder auch ein Pfleger sein, beantragt werden kann, "wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist".

Über Bewilligung und die Art der jeweiligen Hilfeform entscheidet von Fall zu Fall das Jugendamt in Rücksprache mit dem Sorgeberechtigten und dem Kind oder Jugendlichen.

Probleme in der Praxis

In der Praxis gibt es dabei mehrere Probleme: Zum einen sind Kinder und Jugendliche abhängig von ihrem Sorgeberechtigten und haben oftmals keine Möglichkeit, für sich selbst Hilfeleistungen anzufordern, obwohl sie die primären Hilfeempfänger sind.

Zum anderen sind die Begrifflichkeiten unvollständig definiert: Was "notwendig" und "geeignet" ist, hängt häufig von der finanziellen Situation der jeweiligen Kommune ab. Auch werden einzelne Hilfeleistungen nicht in jeder Kommune angeboten. Das kann dazu führen, dass sich Jugendamt und Familien in langwierige Verhandlungen verstricken und dem Kind oder Jugendlichen letztlich nicht die notwendige oder adäquate Hilfestellung gegeben wird.