Adoptionsrecht : Den Kindern von Homosexuellen geht es gut

Heute soll die "Ehe für alle" in Frankreich beschlossen werden. Ein Erfolg für homosexuelle Paare. Aber auch viele ihrer Kinder haben für die Eltern gekämpft.

"Es tut verdammt weh, wenn manche uns als Inzestkinder bezeichnen", sagt Raphaelle Munier. Die angehende Krankenschwester engagiert sich für die Kinder gleichgeschlechtlicher Eltern. Sie wurde selbst von zwei Müttern großgezogen. Nach elf Tagen hitziger Debatte wird am Dienstag das französische Parlament über die Ehe für alle abstimmen. Wird sie beschlossen, ist das nicht nur ein Erfolg für die homosexuellen Paare selbst. Auch viele ihrer Kinder haben für die Eltern gekämpft – und für sich selbst.

300.000 Franzosen sind zuvor gegen die Homo-Ehe und das Adoptionsrecht, das Lesben und Schwule damit auch erhalten, in Paris auf die Straße gegangen. "Für die Mama-Papa-Kind-Ehe", stand auf vielen Plakaten. Vom "ersten Schritt zur Menschenzucht" schrieben die Organisatoren auf ihrer Internetseite. Eine Parole der ultrarechten Katholiken lautete im Netz: "Heute die Homo-Ehe, morgen die Polygamie".  Obwohl sich laut einer aktuellen Befragung des Meinungsinstituts Ifop zwei Drittel der Franzosen für die Ehe für alle aussprechen, ist das Recht zur Adoption für homosexuelle Paare sehr umstritten.

Raphaelle Munier ärgert sich, sie glaubt: "Sie richten, ohne einen einzigen Fall zu kennen." Im vorigen Frühjahr hat die damals 19-Jährige gemeinsam mit dem Sexologen Alexandre Chevalier den Verein Kinder wie andere auch (DECLA) ins Leben gerufen. "Wir wollten zeigen, dass es uns gut damit geht", erklärt Munier.

"Beide Mütter hatten ihre Rolle"

Nach der Trennung ihrer Eltern, Munier war damals gerade zwei Jahre alt, zog die Mutter mit einer Frau zusammen. Ihren Vater sah sie zweimal im Monat. "Bei ihm habe ich mich nie zu Hause gefühlt", erzählt sie. "Es war eigentlich ganz normal für mich zwei Mütter zu haben." Erst als sie in die Schule kam, fiel ihr auf: "Bei den anderen ist das anders."

Aus Scham hat sie viele Jahre vermieden, außerhalb der Familie darüber zu reden. Dabei sei zu Hause alles ganz einfach gewesen: "Beide Mütter hatten ihre Rolle. Die eine gab mir, was  der anderen fehlte." Als sie 17 Jahre alt war, überredete eine Schulfreundin sie schließlich, offen darüber zu sprechen. "Es tat gut, endlich mit diesen Gerüchten aufzuhören", sagt Munier im Nachhinein.

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Kommentare

117 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Ihre Aussage finde ich etwas überspitzt...

Meine Eltern legten hohen Wert auf eine offene Erziehung - auch Mal mit den ausländischen Kindern Fußball spielen; Kontakt mit gleichaltrigen Kindern, die behindert waren; frühe Auklärung; so etwas wie Homosexualität komme auch vor, sei etwas ganz normales etc. - die ich hoch schätze.

Jedoch spüren die meisten Kinder schnell, wenn etwas von der "Norm" abweicht bzw. "anders" ist. Als schwächstes Glied in einer Gesellschaft, ist es schließlich wichtig sich schnell in ihr orientieren und sich anpassen zu können.

Und bei gröberen Auseinandersetzungen, den Hackordnungen etc. die nun Mal zum Aufwachsen gehören, werden sich eventuelle Schwachpunkte zu Nutze gemacht. Das ist nicht schön, aber mit Erziehung zum Hass hat das nichts zu tun, Kinder loten Grenzen und Möglichkeiten aus und es wird nicht immer ein Kindergärtner_in, Lehrer_in, Gender-Mainstreaming Beauftragte_r oder Elternteil zugegen sein.

Ich gebe dahingehend Recht, dass es natürlich nicht die Homosexuellen Paare sind, die nicht reif für eine Adoption wären, aber die Gesellschaft ist es für diese noch nicht. Schade, aber man sollte es evtl. akzeptieren.

Bitte noch einmal lesen!

"Mir ging es um eine Studie, die nachweist, dass
Eltern bewußt ihre Kinder gegen Schwule/Lesben erziehen."

1) Bitte Ursprungspost noch einmal nachlesen und durch Textverständnis ermitteln, ob ich von allen Eltern oder nur einigen gesprochen habe.

2) Dann bitte noch einmal kommentieren und mich wissen lassen ob für diese Aussage eine Studie erforderlich ist oder für die Aussage, dass dies gar nicht geschieht.

Danke

Leider kann ich auf die Studie nicht zugreifen.

Aber ich zitiere mal von anderer Seite: "Participants were asked, “From when you were born until age 18 (or until you left home to be on your own), did either of your parents ever have a romantic relationship with someone of the same sex?” Respondents who answered “yes” were classified as children of "Lesbian Mothers" or "Gay Fathers" (based on who they recalled as having a same-sex relationship) and compared to respondents from “Intact Biological Families,” as well as to respondents from adopted, divorced, single-parent, and step-family environments. [...] the article’s single biggest weakness is this definition of same-sex parents." (Quelle: http://www.psychologytoda...)

Wenn das stimmt, ist die Studie ja komplett nicht ernst zu nehmen, denn: "almost none of the respondents were actually raised in a same-sex parent household."

Da sagt mir die erste Studie doch deutlich mehr zu, besonders, wenn man diese noch einmal woanders nachschaut; nämlich hier: http://www.bmj.de/SharedD...

Social Science Studie

Zu der zitierten Studie aus "Social Science Research":

@primabell: Genau richtig, die Einschlusskriterien für "lesbische Mütter/ schwule Väter" sind in der Studie so wie Sie es beschreiben - das ist meines Erachtens kein besonders valides Kriterium.

@BlackPower: Denke ich auch: In der Studie wurden hauptsächlich "intakte" Familien (Eltern mind bis 18. Lbj. des Kindes verheiratet) mit schwul-lesbischen Familien verglichen, "regardless of any other household transitions"; außerdem gibt es noch einen Vergleich mit Eltern, die nach dem 18. Lebensjahres ihres Kindes geschieden wurden - aus meiner Sicht keine fairen Vergleiche.

Aus meiner Sicht kann man diese Studie nur sehr eingeschränkt als empirische Grundlage für die Entscheidung zum Adoptionsrecht heranziehen.

Luxus der eigenen Meinung

Gebrauchen Sie den eigenen Verstand und schauen sie, ob die anderen Studien wirklich besser sind. Wenn Sie Methodik, Probandenzahl und Wissenschaftlichkeit vergleichen werden Sie feststellen, dass einige der Kritiker selbst nie ähnlich hochwertiges auf die Beine gestellt haben. Teilweise sogar Metastudien zitiert haben, die unter Zehn Probanden insgesamt hatten.
Natürlich ist es Leicht im Internet irgend welche Leute zu finden, die diese Studie kritisieren - aber Unvoreingenommenheit und der eigene Verstand statt Google ist schon ein ganz guter Anfang.

Polemik!

"auch mal die künstliche befruchtung verbieten und am besten HrzIV kürzen... in der Natur verhungern leute die nichts leisten ;)
achso, und naja alleinerziehende mütter sollten dann auch gaaanz schnell ihre kinder abgeben, ne? genau."

Aber noch billiger geht die Polemik nicht?

Ich habe lediglich dargelegt, dass es biologisch von der Natur aus nicht vorgesehen ist, dass gleichgeschlechtliche Paare Kinder bekommen. Bei der künstlichen Befruchtung sind zum einen beide Geschlechter beteiligt und zum anderen ist auch die "künstliche Befruchtung" keine natürliche Sache, wenngleich man glücklich sein kann, diese Technik heute zu haben.

Über sozialschwache Personen habe ich mich gar nicht ausgelassen und ich werde dies an dieser Stelle sicher nicht tun.

Und auf die (blöde) Idee, einer alleinerziehenden Mutter ihr Kind wegzunehmen, kommt man auch nicht so leicht. Wie kann man bei diesem sensiblen Thema nur darauf kommen bzw. jemanden unterstellen, er würde es befürworten, dass der Mutter ihre Kinder weggenommen werden?

Nicht so einfach.

"Das ist nichts neues, das Kind bleibt bei dem Elternteil bei dem es ihm am besten geht.

Nein, muss man nicht. Kindeswohl ist Kindeswohl. Entweder geht's dem Kind schlecht oder es geht ihm gut.

Das entspricht nicht der geltenden Rechtslage nachdem eine Adoption die "natürliche" Elternschaft "ersetzt" Wenn Heike und Uwe keinen Bock auf das Kind haben und Martin und Bert das Kind adoptieren, sind Heike und Uwe nicht mehr die rechtlichen "Eltern" des Kindes und haben in dieser Angelegenheit nichts mehr mitzureden.

...

Und welche Vergleichsmöglichkeit hat die bei heterosexuellen Eltern aufgewachsene Person, die sich jetzt hinstellt und sagt, es sei schlecht für Kinder bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufzuwachsen?"

Falsch, musste ich vorher darüber entscheiden, ob es entweder "nur" zur Mutter oder zum Vater kommt, bestehen mehrere Möglichkeiten für das Kind. Insbesondere, wenn Erzeuger oder leibliche Mutter Ansprüche geltend machen. Mutter des Kindes ist nach geltendem Recht, jene Frau, die das Kind zur Welt gebracht hat. Eine Volladoption durch ein schwules Pärchen würde dieser Definition zuwider laufen.

Kindeswohl ist ein unbestimmter Rechtsbegriff, der durch die Rechtssprechung weiterentwickelt wird. Dementsprechend wird sich der Begriff bei der Öffnung des Adoptionsrecht weiterentwickeln.

Abgesehen davon benötigt der Regelfall keine Vergleichsmöglichkeiten zur Ausnahme.

Sie haben keine Ahnung von Recht, soviel steht fest!

"Mutter des Kindes ist nach geltendem Recht, jene Frau, die das Kind zur Welt gebracht hat."

Wenn Sie sich schon zur Rechtslage äußern, sollten Sie unbedingt einen Blick in das Gesetz werfen. Unter Juristen sagt man gerne "Ein Blick in's Gesetzt erleichtert die Rechtsfindung".

§ 1755 BGB
(1) Mit der Annahme erlöschen das Verwandtschaftsverhältnis des
Kindes und seiner Abkömmlinge zu den bisherigen Verwandten und
die sich aus ihm ergebenden Rechte und Pflichten.

"Kindeswohl ist ein unbestimmter Rechtsbegriff, der durch die Rechtssprechung weiterentwickelt wird. Dementsprechend wird sich der Begriff bei der Öffnung des Adoptionsrecht weiterentwickeln.

"

Wenn Sie aber mal in einen Kommentar gucken, dann würden Sie herausfinden, dass der Begriff mittlerweile durch die Rechtsprechung sehr genau definiert ist und sich die entwickelten Kriterien auf alle möglichen Fälle anwenden lassen (und unproblematisch auch auf gleichgeschlechtliche eltern).

"Abgesehen davon benötigt der Regelfall keine Vergleichsmöglichkeiten zur Ausnahme."

Was soll das bedeuten? #am Kopf kratz#