AdoptionsrechtDen Kindern von Homosexuellen geht es gut

Heute soll die "Ehe für alle" in Frankreich beschlossen werden. Ein Erfolg für homosexuelle Paare. Aber auch viele ihrer Kinder haben für die Eltern gekämpft. von Robert Schmidt

"Es tut verdammt weh, wenn manche uns als Inzestkinder bezeichnen", sagt Raphaelle Munier. Die angehende Krankenschwester engagiert sich für die Kinder gleichgeschlechtlicher Eltern. Sie wurde selbst von zwei Müttern großgezogen. Nach elf Tagen hitziger Debatte wird am Dienstag das französische Parlament über die Ehe für alle abstimmen. Wird sie beschlossen, ist das nicht nur ein Erfolg für die homosexuellen Paare selbst. Auch viele ihrer Kinder haben für die Eltern gekämpft – und für sich selbst.

300.000 Franzosen sind zuvor gegen die Homo-Ehe und das Adoptionsrecht, das Lesben und Schwule damit auch erhalten, in Paris auf die Straße gegangen. "Für die Mama-Papa-Kind-Ehe", stand auf vielen Plakaten. Vom "ersten Schritt zur Menschenzucht" schrieben die Organisatoren auf ihrer Internetseite. Eine Parole der ultrarechten Katholiken lautete im Netz: "Heute die Homo-Ehe, morgen die Polygamie".  Obwohl sich laut einer aktuellen Befragung des Meinungsinstituts Ifop zwei Drittel der Franzosen für die Ehe für alle aussprechen, ist das Recht zur Adoption für homosexuelle Paare sehr umstritten.

Raphaelle Munier ärgert sich, sie glaubt: "Sie richten, ohne einen einzigen Fall zu kennen." Im vorigen Frühjahr hat die damals 19-Jährige gemeinsam mit dem Sexologen Alexandre Chevalier den Verein Kinder wie andere auch (DECLA) ins Leben gerufen. "Wir wollten zeigen, dass es uns gut damit geht", erklärt Munier.

"Beide Mütter hatten ihre Rolle"

Nach der Trennung ihrer Eltern, Munier war damals gerade zwei Jahre alt, zog die Mutter mit einer Frau zusammen. Ihren Vater sah sie zweimal im Monat. "Bei ihm habe ich mich nie zu Hause gefühlt", erzählt sie. "Es war eigentlich ganz normal für mich zwei Mütter zu haben." Erst als sie in die Schule kam, fiel ihr auf: "Bei den anderen ist das anders."

Aus Scham hat sie viele Jahre vermieden, außerhalb der Familie darüber zu reden. Dabei sei zu Hause alles ganz einfach gewesen: "Beide Mütter hatten ihre Rolle. Die eine gab mir, was  der anderen fehlte." Als sie 17 Jahre alt war, überredete eine Schulfreundin sie schließlich, offen darüber zu sprechen. "Es tat gut, endlich mit diesen Gerüchten aufzuhören", sagt Munier im Nachhinein.

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  4. Ich lerne daraus, dass es sehr wohl Probleme gibt wenn gleichgeschlechtliche Paare Kinder groß ziehen. Das wird ja ansonsten in den Diskussionen hier einfach bestritten.

    Jetzt zu sagen, dass alle anderen an irgendeinem Umstand Schuld wären ist vermessen. Schuld sollte generell nie bei anderen gesucht werden und insbesondere hier nicht, weil es in diesem Fall gar nicht um Schuld geht. Es geht darum, dass Kinder die bei Homosexuellen groß werden kein schlechtes Leben haben. Ein Paar Hänseleien in der Schule spielen in dieser Frage sicherlich keine Rolle.

    Ich glaube die wenigsten Eltern erziehen ihre Kinder dazu andere Menschen oder Lebensweisen zu verachten. Kinder haben schon selbst ein ganz gutes Gespühr für Andersartikeit und generell für Dinge mit denen man andere verletzen kann.

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    • Pyr
    • 12. Februar 2013 17:01 Uhr

    Wenn die Eltern gegen die Ehe der homosexuellen Eltern sind - und ja, das ist nichts anderes als Verachtung! - so wird das Kind dadurch gleich mitverachtet. Das kriegen die Kinder mit.

    Wenn wir mal ne Weile lang alle das Experiment wagen würden, Homosexuelle zu behandeln wie alle anderen Menschen auch, DANN könnte man mal schauen, ob es den Homo-Kindern schlechter geht. Also auf auf und Ressentiments abbauen!

    sind Beziehungen von Menschen mit deutscher und nicht-deutscher Herkunft nicht "normal" und damit "andersartig" wie Sie es nennen. Ferner sind auch Beziehungen von Menschen mit "Behinderungen" nicht "normal" und damit "andersartig". Soll man diese Beziehungen auch verbieten, weil Kinder aus diesen Beziehungen dem Spott anderer Kinder ausgesetzt sind? Fänd ich persönlich schade!
    Kinder untereinander sind grausam und nur weil es immer irgendeinen Schwachpunkt bei anderen Kindern gibt, dem es sich "zu hänseln lohnt" (ich als übergewichtiges Kind weiß ein Lied davon zu singen), kann man dies doch nicht als Argument heranziehen...Den Kindern schwuler und lesbischer Paare geht es genauso gut oder schlecht wie anderen auch.

  5. Haben Sie darüber eine aussagefähige Studie?

    .......""sind die Kinder so mancher heterosexueller Paare (und deren Eltern), die ihre Kinder dazu erziehen, alternative Lebensentwürfe zu verachten und zu hassen."""""""""""

    Ansonsten ist diese Ansicht nur eine Pauschalisierung.

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    Die finden Sie hier:

    http://lsvd.de/fileadmin/...

    Bei bewusster Nutzung von "so manchem" dürfte es eigentlich schwer fallen, den Begriff Pauschalisierung zu benutzen, es sei denn man ist sich seiner Bedeutung über die Nutzung als "Kampfbegriff" hinaus nicht bewusst.

    • hladik
    • 12. Februar 2013 16:14 Uhr

    Aus 2 Beispielen?

    Ich bin ja offen fuer die Diskussion, ob man die Adoption zulassen sollte. Aber dazu sollte man dan schon eine breitere empirische Basis haben.

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    "Ich bin ja offen fuer die Diskussion, ob man die Adoption zulassen sollte. Aber dazu sollte man dan schon eine breitere empirische Basis haben."

    http://lsvd.de/fileadmin/...

    Na dann können wir ja auf dieser empirischen Basis weiterdiskutieren.

  6. Rechtlich gesehen stellt uns die Gleichstellung und das Adoptionsrecht für Homosexuelle vor neue Herausforderungen. Wie ist bei einer Scheidung zu verfahren, wer kann alles das Sorgerecht erhalten. Muss man dafür die Kriterien für das Kindeswohl erweitern? Anstatt, dass sich nun Mutter und Vater um das Sorgerecht stritten, können es jetzt bis zu vier Personen sein.

    Und dennoch bleibt es etwas anderes, wenn ein Kind von verschiedenen oder von gleichen Geschlechtern großgezogen wird. Dass die Kinder, wie im Artikel geschrieben steht, keinen Unterschied feststellen können, liegt wohl mitunter auch darin, dass sie keine Vergleichsmöglichkeiten haben und es nicht anders kennen.

    Bei aller Liebe für die Lebenspartnerschaft, die steuerrechtliche, erb- und fürsorgerechtliche Probleme aus der Welt schafft, sehe ich das Adoptionsrecht durchaus kritisch.

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    "Wie ist bei einer Scheidung zu verfahren, wer kann alles das Sorgerecht erhalten."

    Das ist nichts neues, das Kind bleibt bei dem Elternteil bei dem es ihm am besten geht.

    "Muss man dafür die Kriterien für das Kindeswohl erweitern?"

    Nein, muss man nicht. Kindeswohl ist Kindeswohl. Entweder geht's dem Kind schlecht oder es geht ihm gut.

    "Anstatt, dass sich nun Mutter und Vater um das Sorgerecht stritten, können es jetzt bis zu vier Personen sein."

    Das entspricht nicht der geltenden Rechtslage nachdem eine Adoption die "natürliche" Elternschaft "ersetzt" Wenn Heike und Uwe keinen Bock auf das Kind haben und Martin und Bert das Kind adoptieren, sind Heike und Uwe nicht mehr die rechtlichen "Eltern" des Kindes und haben in dieser Angelegenheit nichts mehr mitzureden.

    "Und dennoch bleibt es etwas anderes, wenn ein Kind von verschiedenen oder von gleichen Geschlechtern großgezogen wird."

    Gegen die Feststellung ist nichts einzuwenden, nur bei den meisten bedeutet "anders = schlecht" und das finde ich in dieser pauschalen Feststellung nicht gut.

    "Dass die Kinder, wie im Artikel geschrieben steht, keinen Unterschied feststellen können, liegt wohl mitunter auch darin, dass sie keine Vergleichsmöglichkeiten haben und es nicht anders kennen."

    Und welche Vergleichsmöglichkeit hat die bei heterosexuellen Eltern aufgewachsene Person, die sich jetzt hinstellt und sagt, es sei schlecht für Kinder bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufzuwachsen?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Adoption | Ehe | Homosexualität | Demonstration | Forum | Frankreich
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