Die Geburtenrate soll gesteigert werden, das ist ein großes Thema in der Politik. Ich gehöre zur Zielgruppe, habe aber einfach keine Lust auf Kinder. Ich bin Ende 20, habe eine feste Arbeit, einen unbefristeten Vertrag und verdiene gut. Geld und Sicherheit sind also kein Problem. Meine Unlust rührt anderswo her.

Zum einen habe ich angesichts der Debatten über Familienpolitik den Eindruck, es sei heutzutage unmöglich, ohne Hilfe ein Kind großzuziehen. Kinder müssen betreut werden und sind teuer. Eltern müssen beruflich zurückstecken. Aber dafür arbeite ich zu gerne, in meinem Job bekomme ich Anerkennung. Privat fühle ich mich als Single sehr wohl.

Ob ich mich auch mit einer Familie wohl fühlen würde, weiß ich nicht. Denn ich hätte Angst, als Mutter und Frau vieles falsch zu machen. Ich empfinde einen starken Erfolgsdruck, eine perfekte Familie zustande zu bringen. Das würde bedeuten, im Job und zu Hause erfolgreich sein zu müssen.

Zum anderen stört mich die Haltung potenzieller Väter. Ich habe noch keinen Mann getroffen, der sagt: "Ich würde mich um die Kinder kümmern!" Alle Männer, die bislang infrage gekommen wären, erwarteten, dass die Mutter zu Hause bleibt. Sie sagten: "Ich will Kinder. Wann würdest du aufhören zu arbeiten?" Nur wenn die Mutter mehr verdient, würden sie vielleicht zu Hause bleiben.

Das alles verunsichert mich. Und dann vermitteln Politiker und Medien mir, ich als Uterus-Besitzerin sollte Kinder zur Gesellschaft beisteuern, damit die verkorkste Rentenpolitik wieder funktioniert.

Da bezahle ich lieber mehr Steuern und unterstütze diejenigen, die sich mit Kindern einen Lebenstraum erfüllen.