Familienpolitik : Ich will keine Kinder

Sie hat Job, Geld und Sicherheit, schreibt Leserin Anne Heidmann. Zeit, Kinder zu bekommen! Doch Perfektionsansprüche und die Männer halten sie davon ab.

Die Geburtenrate soll gesteigert werden, das ist ein großes Thema in der Politik. Ich gehöre zur Zielgruppe, habe aber einfach keine Lust auf Kinder. Ich bin Ende 20, habe eine feste Arbeit, einen unbefristeten Vertrag und verdiene gut. Geld und Sicherheit sind also kein Problem. Meine Unlust rührt anderswo her.

Zum einen habe ich angesichts der Debatten über Familienpolitik den Eindruck, es sei heutzutage unmöglich, ohne Hilfe ein Kind großzuziehen. Kinder müssen betreut werden und sind teuer. Eltern müssen beruflich zurückstecken. Aber dafür arbeite ich zu gerne, in meinem Job bekomme ich Anerkennung. Privat fühle ich mich als Single sehr wohl.

Ob ich mich auch mit einer Familie wohl fühlen würde, weiß ich nicht. Denn ich hätte Angst, als Mutter und Frau vieles falsch zu machen. Ich empfinde einen starken Erfolgsdruck, eine perfekte Familie zustande zu bringen. Das würde bedeuten, im Job und zu Hause erfolgreich sein zu müssen.

Zum anderen stört mich die Haltung potenzieller Väter. Ich habe noch keinen Mann getroffen, der sagt: "Ich würde mich um die Kinder kümmern!" Alle Männer, die bislang infrage gekommen wären, erwarteten, dass die Mutter zu Hause bleibt. Sie sagten: "Ich will Kinder. Wann würdest du aufhören zu arbeiten?" Nur wenn die Mutter mehr verdient, würden sie vielleicht zu Hause bleiben.

Das alles verunsichert mich. Und dann vermitteln Politiker und Medien mir, ich als Uterus-Besitzerin sollte Kinder zur Gesellschaft beisteuern, damit die verkorkste Rentenpolitik wieder funktioniert.

Da bezahle ich lieber mehr Steuern und unterstütze diejenigen, die sich mit Kindern einen Lebenstraum erfüllen.

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Kommentare

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Gezänk nein Danke

Hinter den "Weiten des Internets" stecken namhafte Ärzte, Psychologen, Pädagogen, die ihre Meinungen und Erfahrungen, basierend auf wissenschaftlichen Studien und Erkenntnissen kundtun. Wenn Ihnen das als Argument nicht ausreicht, dann ist Ihnen nicht zu helfen.

Ebenso beim Thema Familiengerechtigkeit - Sie posten Ansichten ohne einen einzigen Beleg. Wir führen so keine fruchtbare Diskussion und sollten die Mitdiskutanten jetzt vor unserem Gezänk verschonen. Streit gerne - aber Gezänk nein Danke!

Politische Rahmenbedingungen

Es geht doch um politische Rahmenbedingungen, die einem heute das Leben mit Kindern erschweren. Dass Sie z. B. Steuern zahlen, ist ja in der Regel nicht ihre persönliche Entscheidung. Sie halten sich damit an Gesetze, die momentan deutlich zu Lasten der Familien ausgelegt sind. Die jungen Menschen spüren dies und deshalb entscheiden sie sich eben oft gegen Kinder. Wir könnten das politisch gewollt ändern. Aber wo kein Kläger, da kein Richter.

Schauen Sie sich die Einkommensverhältnisse von Singles, Dinks und Familien an. Jedes 4. - 7. Kind lebt an der Grenze zur Armut in Deutschland. Das ist kein Naturgesetz, das ist definitiv falsche Politik. Irgendwo habe ich gelesen, dass sich der Anteil der Lohn-, Mehrwert- und Energiesteuern an Einnahmen des Staates seit 1960 verdoppelt hat, der Anteil der Steuern auf Unternehmensgewinne um drei Viertel in gleicher Zeit gesunken ist. Auch das ist politisch fixiert worden und könnte man ändern. Familien haben keine Lobby.

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