Leserartikel

GeburtKaiserschnitt ist keine Schande

Leserin Anne Scharff brachte ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Es ärgert sie, dass viele auf den Eingriff betroffen reagierten, statt sich über die Geburt zu freuen. von Anne Scharff

Unser Kind kam per Kaiserschnitt zur Welt. Der Eingriff musste wegen Geburtsstillstands vorgenommen werden. Es hat viele überrascht, dass ich nicht mit mir hadere, weil die Geburt nicht ihren natürlichen Verlauf nahm: "Das hattest du dir doch sicher anders vorgestellt." Enttäuscht bin ich nicht, sondern dankbar, dass es die Möglichkeit gab, unser Kind auf anderem Weg zu befreien.

Der Ablauf einer Geburt ist nur zu einem kleinen Teil durch die Gebärdende beeinflussbar. Deshalb verstehe ich nicht, dass viele Mütter enttäuscht sind, wenn der eigene Körper nicht nach Plan funktioniert hat. Wenn sie es nicht geschafft haben, natürlich zu gebären.

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Kaiserschnitt nach Wunsch und Termin sollte nicht zum Standard werden. Es ist gut, dass insbesondere Hebammen werdende Mütter ermutigen, sich die natürliche Geburt angstfrei zuzutrauen. Davon sollte aber keine Schwangere ein Anspruchsdenken an den eigenen Körper ableiten. Eine Geburt ist nicht nur dann beglückend, wenn sie ihren natürlichen Lauf nimmt, am besten ohne Schmerzmittel.

Wird dieses Szenario als das einzig Wahre definiert, empfinden es viele Frauen als Versagen, wenn der Körper die Leistung verweigert. Dann sitzen sie einem Irrglauben auf, von dem sich emanzipierte Frauen losgesagt haben: dem Ideal einer Frau, die in allen Bereichen zu funktionieren hat.

Überhöhte Ideale setzen Frauen unter Druck

Bücher wie Kaiserschnitt: Wie Narben an Bauch und Seele heilen können suggerieren schon durch ihren Titel, dass die Entbindung per Schnitt naturgemäß einen Knacks hinterlassen muss. Sie befördern die Meinung, dass der Kaiserschnitt stets die schlechtere Alternative ist. Im schlimmsten Fall erzeugen Bücher wie diese einen Druck, der in die persönliche Krise Schwangerer führt, wenn die Geburt nicht plangemäß verläuft.

Die natürliche Geburt ist der wünschenswerte Weg hinein ins Leben. Sie sollte aber nicht zum einzig erfüllenden Ideal überhöht werden. Wo sie nicht möglich ist, sollten Ermutigung und Bestärkung im Vordergrund stehen und zwar möglichst schon in den Geburtsvorbereitungskursen.

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Auch ein überstandener Kaiserschnitt ist eine seelische und körperliche Leistung, die Anerkennung verdient. Nach einer Knie-OP erfahren Patienten Beistand und Zuspruch. Wenn eine Mutter per Kaiserschnitt entbindet, erntet sie oft Betroffenheit. Hier läuft etwas schief.

Der menschliche Körper ist keine getaktete Maschine. Jede schwangere Frau tut gut daran, sich dies gerade vor einer körperlichen Herausforderung wie der Geburt bewusst zu machen. Wenn es auf natürlichem Wege klappt: Wunderbar. Wenn nicht: Gut, dass es einen Weg gibt, die Geburt trotzdem gesund durchzustehen.

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Leserkommentare
  1. erst einmal: Herzlichen Glückwunsch Ihnen und dem Vater zur Geburt Ihres Kindes. Alles Gute in der Zukunft!

    Sie schrieben:

    "Wenn eine Mutter per Kaiserschnitt entbindet, erntet sie oft Betroffenheit. Hier läuft etwas schief."

    Ich weiß nicht, in welchem Personenkreis Sie verkehren, aber in meiner Umgebung wird keine Mutter schief angeschaut, wenn sie per Kaiserschnitt entbindet.
    Lassen Sie sich nicht von einem Buch und einer Einzelmeinung verrückt machen, sondern entscheiden für sich, was für SIE (als Gebärende) unter ärztlichem Rat risikoärmer erscheint. Und ich denke, daß Sie Menschen, die Sie aufgrund eines Kaiserschnittes verurteilen (!!), einfach nicht beachten sollten. Jeder darf zwar seine Meinung haben, aber jeder muß dann auch mit der Reaktion leben.

    MfG
    FT

    22 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Liebe Frau Scharff,

    ich zolle jeder Mutter Respekt, die mit Kaiserschnitt entbunden hat! Ich hatte auch 2 Kaiserschnitte und da gibts nix zu verachten - im Gegenteil! Man hat viel länger mit der Genesung zu tun, immerhin hat man einen beachtlichen Bauchschnitt, auch nach den neusten Methoden. Noch bis heute merke ich jeden Wetterumschwung - von den Verwachsungen ganz zu schweigen.

    Sind Sie glücklich mit Ihrem Kind, lassen Sie sich nichts einreden und seien Sie stolz auf sich selbst. Ihr Kind ist nicht in Gefahr geraten, das ist sicher ein Thema bei zögerlichen Eltern in unklaren Geburtssituationen.

    Alles andere klappt auch mit Kaiserschnitt, vom Stillen bis zum Babywickeln :-) und die Kinder haben keinen "Schaden" genommen, auch wenn sie sich nicht durch den engen Geburtskanal quetschen mussten!

    Herzliche Grüße und Alles Gute für Sie und Ihr Kind wünscht
    echte-Mainzerin

    ...gilt ein Kaiserschnitt als Schande ? Ein notwendiger Eingriff, der Mutter und Kind vor unnötigen Risiken schützt !
    Das prophylaktische Ziehen von Weisheitzähnen wäre demnach auch eine Schande, da man ja schliesslich auch abwarten könnte, ob sie sich entzünden oder das Zahnbild verunstalten könnten !

    Merkwürdig !

    • msknow
    • 18. April 2013 19:17 Uhr

    Kaiserschnitt find ich stark - er hat vielen Müttern und Kindern das Leben gerettet. Aber wo ist die journalisitische Auseinandersetzung mit dem Thema? Wo ist das Für und Wieder?
    Ich bin enttäuscht, habe ich doch einen richtigen Artikel mit Realbezug erwartet. Das ist kein Artikel, sondern eine selbstgerechte Beweihräucherung selbst ohne rechtfertigende Begründung. Sich ungerecht behandelt fühlen, kann ich versteh'n, aber eine reine Gefühlslage publik zu machen, [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Provokation. Danke, die Redaktion/sam

    • quax74
    • 06. April 2013 16:43 Uhr

    Bei unseren Zwillingen lag das untere quer, von daher war ein Kaiserschnitt notwendig. Meine Frau hat das doch ziemlich hart getroffen, wird doch Kaiserschnitt von vielen mit "Prenzlauer Berg, Spätgebärend, Wunschtermin" gleich gesetzt. Mag ja sein, dass es so ganz selbstbewusste Menschen gibt, die über so was stehen, aber dieser Artikel zeigt doch, dass da ein Problem ist.

    Von den 5 Geburten in meiner weiteren Familie, waren 4 Kaiserschnitte. Meist, weil das Kind quer lag. Es kommt ja nicht von irgendwo her, dass früher die Sterberate so hoch war.

    Prinzipiell fand ich es schon heftig, unter welchem Druck Frauen bei Schwangerschaft und erstem Jahr (Kaiserschnitt, Stillen, dahei bleiben .....) stehen. Allerdings oft durch andere Frauen.

    14 Leserempfehlungen
  2. Liebe Frau Scharff,

    ich zolle jeder Mutter Respekt, die mit Kaiserschnitt entbunden hat! Ich hatte auch 2 Kaiserschnitte und da gibts nix zu verachten - im Gegenteil! Man hat viel länger mit der Genesung zu tun, immerhin hat man einen beachtlichen Bauchschnitt, auch nach den neusten Methoden. Noch bis heute merke ich jeden Wetterumschwung - von den Verwachsungen ganz zu schweigen.

    Sind Sie glücklich mit Ihrem Kind, lassen Sie sich nichts einreden und seien Sie stolz auf sich selbst. Ihr Kind ist nicht in Gefahr geraten, das ist sicher ein Thema bei zögerlichen Eltern in unklaren Geburtssituationen.

    Alles andere klappt auch mit Kaiserschnitt, vom Stillen bis zum Babywickeln :-) und die Kinder haben keinen "Schaden" genommen, auch wenn sie sich nicht durch den engen Geburtskanal quetschen mussten!

    Herzliche Grüße und Alles Gute für Sie und Ihr Kind wünscht
    echte-Mainzerin

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Frau Scharff,"
    • mugu1
    • 06. April 2013 16:55 Uhr

    ...ist schon manchmal erstaunlich. Hier lag doch nun wirklich eine Notsituation vor. Wie kann dann so darauf reagieren? Darüber vermag ich nur noch mit dem Kopf zu schütteln.

    Doch egal wie...Letztlich ist es die Entscheidung der werdenden Eltern und im Endeffekt die alleinige Entscheidung der werdenden Mutter, auf welche Art und Weise sie ihr Kind gebären will/wollen. Denn es ist die werdende Mutter, welche die Schmerzen aushalten muss (trotz der Möglichkeit der Rückenmarksspritze). Und manche wollen halt nicht derartiges erleiden und wählen den einfacheren Weg.

    Meine Frau hat unsere 5 Kinder in einer Klinik geboren, die Wert auf eine sog. natürliche Geburt legt (rk-Krankenhaus), aber es bestand und besteht kein Zwang dazu. Alle unsere Kinder wurden auf diese natürliche Art und Weise geboren, und auch das 6. - ich verrate jetzt ein Geheimnis, nämlich, dass es kommen wird - soll so auf die Welt kommen. Allerdings hatte meine Frau bisher auch immer Glück. Vom Einsetzen der Wehen bis zur Geburt hat es nie länger als 3,5 Std. gedauert.

    zurück zum Thema. I c h für meine Person zeige absolutes Unverständnis für jeden, der den Vorgang einer Kaiserschnitt-Geburt unverständlich findet. Und abstoßend finde ich sogar, wenn man gar dann noch Unverständnis zeigt, wenn ein Notfall vorlag/vorliegt.

    Zum Schluss: Meine Glückwünsche zur Geburt des Babys.

    11 Leserempfehlungen
  3. Danke fuer den Artikel Mein Sohn kam auch per (Not-)Kaiserschnitt zur Welt. Wir haben nie darunter gelitten.
    Allerdings habe ich in meiner Familie viel Zuspruch erfahren. Es gab in der vorherigen Generation (also vor langer Zeit) eine Totgeburt, die sehr traumatisch war und mit einem Kaiserschnitt haette verhindert werden koennen. Das sind dann seelische Narben, die wirklich sehr schwer heilen.

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  4. ein kaiserschnitt eine gute lösung sein. fuer das kind mag die gewöhnliche geburt vorteilhaft sein, der ganze prozess ist nicht ohne sinn in der natur. schade wenn muetter sich aufgrund bleibender bauchfalten dagegen entscheiden.

    EIN nachteil des kaiserschnittes war bei uns (herzkomplikation aufgrund äusserst starker wehen), das kind wurde der betäubten mutter entnommen, und ihr erst zwei stunden später, eine zeit nach ihrem erwachen, zurueckgegeben. die trennung des kindes von der mutter, und das die mutter nach ihrem erwachen auf die kleine warten musste, ist ein eklatantes versagen der heutigen krankenhausabläufe. leider haben auch gewisse klinken den ruf, muetter hin zum kaiserschnitt zu beeinflussen

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    noch weich nach dem kaiserschnitt. meine frau hatte grosse beschwerden beim gehen. anscheinend hatte das 'geburtsprogramm' noch nicht erfasst, dass das kind nicht mehr im mutterlaib war und nicht mehr geboren werden musste.

    fuer frauen die der geburt entgegensehen, und dann kaiserschnitt bekommen, kann eine phase der entäuschung eintreten.

    soviel zum thema, dann machen wir einfach einen kaiserschnitt

    • Zora01
    • 06. April 2013 17:13 Uhr

    Wenn jemand in eine Notlage gerät und operiert werden muss, warum sollte Betroffenheit dann fehl am Platz sein?
    Das schließt doch nicht aus, sich nach einem Kaiserschnitt gleichzeitig über das Baby zu freuen?
    Ein Kind zu gebären ist ein großartiges Erlebnis, und es ist nur natürlich, wenn eine Frau unglücklich darüber ist, wenn sie stattdessen eine Operation erleiden musste. (Auch wenn sie glücklich über ihr Kind ist).

    Ich erlebe viel häufiger, dass Risiken und Folgen einer Sectio heruntergespielt oder ignoriert werden.

    Es gibt Kaiserschnitt-Mütter, die das gegenteilige Problem haben, dass nämlich keiner ihren Schmerz und ihre Trauer nachvollziehen kann, weil niemand Verständnis dafür hat, wenn eine Mutter eines gesunden Kindes irgendetwas anderes außer Glück verspürt.

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    Es gibt auch den umgekehrten Fall.

    Trotz Steißlage und großem Kind war die Entscheidung des Chefarztes: "Wir versuchen es auf natürlichem Weg!" Die Oberärztin reagierte erschrocken und flüsterte: "Aber das Kind erstickt uns doch!" Chefarzt blieb vorerst dabei.

    Die werdende Mutter hatte die Bemerkung der Oberäztin gehört und, nicht unbedingt üblich, um ein Gespräch mit dem Chefarzt gebeten. "Wenn Sie es denn wünschen.... wir sind nur Berater!"

    Beim Kaiserschnitt stellte sich heraus, dass die Nabelschnur um den Hals des Kindes lag. Die natürliche Geburt wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Desaster geworden. Chefarzt selber: "Wir hätten da sehr schnell laufen müssen!"

    • Oyamat
    • 06. April 2013 17:19 Uhr

    Zitat: "Hier lag doch nun wirklich eine Notsituation vor. Wie kann dann so darauf reagieren?"

    Die Antwort steht schon da: "Meine Frau hat das doch ziemlich hart getroffen, wird doch Kaiserschnitt von vielen mit "Prenzlauer Berg, Spätgebärend, Wunschtermin" gleich gesetzt."

    Eine medizinische Technik wird mißbraucht, um sich das Leben bequemer einrichten zu können - oder jedenfalls glauben manche Leute das wohl. Das Kind soll eben in den Terminkalender passen, schon mit seiner Geburt.
    Und weil es die Vermutung gibt, daß der Kaiserschnitt sehr häufig eingesetzt wird, auch wenn er medizinisch nicht erforderlich wäre, geraten jetzt auch die medizinisch notwendigen Kaiserschnitt-Operationen mit unter Pauschalverdacht.
    M.E. ist das mit der plastischen Chirurgie nicht viel anders. Es gibt durchaus medizinische Gründe für AUssehensveränderungen. Aber es wird inzwischen zu häufig mißbraucht. Da wird dann einfach mal ALLEN unterstellt, sie hätten ohne guten Grund und ohne Notwendigkeit gehandelt.

    Aber da will's am Ende wieder keiner gewesen sein, jeder schiebt die Schuld für solche Vorfälle anderen zu: derjenige, der eine notwendige OP für eine unnötige hält, schiebt die Schuld denen zu, die Kaiserschnitte aus Bequemlichkeit vorziehen. Die wiederum haben bestimmt auch wen, den sie für "schuld an der Lage" halten... wie es so zugeht unter Menschen. Und am Ende stehen Leute betroffen und ausgegrenzt da, für die die Medizin ursprünglich mal sorgen wollte.

    MGv Oyamat

    17 Leserempfehlungen
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    Ich frage mich bei Kommentaren wie dem Ihren, warum Leute meinen, ihre Missbilligung über Entscheidungen anderer Menschen, die deren Körper betreffen vehement kundtun zu müssen.
    Die Entscheidung einer Schwangeren für einen Kaiserschnitt, oder eine natürliche Geburt mit oder ohne Anästhesie, oder einen Kaiserschnitt zum Wunschtermin ist deren ureigenste Angelegenheit. Sie wird ihre Gründe für die Entscheidung haben.
    Warum maßen Sie sich an, von "Missbrauch der Medizintechnik aus Bequemlichkeit" zu sprechen? Geht es Sie irgendetwas an, wie andere Menschen vom medizinischen Fortschritt Gebrauch machen?

    Unabhängig vom Thema Kaiserschnitt und Ihrem Kommentar bin ich immer wieder negativ überrascht von der Unverfrorenheit mancher Menschen ihre Nase in fremde Angelegenheiten zu stecken und am Ende noch die Moralkeule zu schwingen. Solches Verhalten halte ich schlicht und einfach für respektlos anderen Menschen gegenüber.

    Also vorab einmal vielen Dank an Frau Scharff für diesen Artikel und meine allerbesten Wünsche zur Geburt Ihres Kindes.
    Ich würde gerne auch meine Meinung loswerden bezüglich der vermeintlichen Bequemlichkeit der Kaiserschnitt-Entbindenden.
    Ich entschied mich bei meinem ersten Kind aufgrund einer Schmerzblockade und dem Anraten der zuständigen Hebamme nach 24 Stunden Wehen dafür und meine Tochter wurde gesund entbunden. Es war für Alle Beteiligten stressfreier und sicherer.
    Bequemlichkeit spielte hier allerdings keine Rolle, denn eine ungeplanter Kaiserschnitt findet in der Regel mit PDA, also lediglich mit örtlicher Betäubung statt. Man ist bei vollem Bewusstsein, bekommt alles mit und der Körper verhält sich eben so, wie ein Körper es eben tut, wenn er bei lebendigem Leibe aufgerissen wird. Weder die Atemnot wegen der PDA, noch die Kreislaufprobleme oder das Zittern, die einen solchen Eingriff begleiten, haben etwas auch nur ansatzweise Bequemes. Man kann anschließend wochenlang nicht auf dem Bauch oder der Seite liegen, man kommt nicht ohne Hilfe aus dem Bett, der Milcheinschuss und das Stillen bereiten Problem und von Toilettengängen möchte ich hier gar nicht erst anfangen. Alles doch eher unbequem.
    Es gibt übrigens inzwischen auch für das Kind schonendere Verfahren, bei denen erst eine Zeitlang Wehentätigkeit abgewartet wird bevor man den geplanten Kaiserschnitt vornimmt. Aber bequemer wird es dadurch nicht.

    Eine Geburt und die Phase danach ist nahezu immer ein körperlicher Ausnahmezustand am Rand des Erträglichen - und schlimmer.
    Eine Convenience-Geburt gibt es schlichtweg nicht, unabhängig davon, ob die Geburt mit oder ohne Kaiserschnitt, PDA, Anästhesie, Wehentropf u.a. abgelaufen ist.

    "Eine medizinische Technik wird missbraucht" ... Ja, soll vorkommen, zum Beispiel bei Bandscheibenoperationen, Prostata-OP, Muttermalentfernung, Weisheitszahnentfernung und und und

    Das und viele mehr sind medizinische Techniken, die längst nicht immer, eher sogar selten wohl tatsächlich auch wirklich wirklich nötig sind, um das Leben zu retten, oder wenigstens, um es besser lebbar zu machen. Aber nur so lange, bis dann eben durchbrechende Weisheitszähne, die Prostatavergrößerung oder das wuchernde Muttermal doch etwas ernster werden ...

    Eine Geburt ist kein Witz, auch wenn es die einzige Möglichkeit ist, Kinder zu kriegen. Es ist seit Anfang immer ein Scheideweg gewesen: Überlebt sie´s und das Kind oder nicht. Und es haben noch zur Jahrhundertwende 18/19xx gut ein Drittel nicht überlebt (Kindbettfieber u.Ä.), und Semmelweis ist noch ausgelacht worden, weil er Händewaschen (!) für das probate Hilfsmittel hielt. Jetzt ist es halt der Kaiserschnitt, der vielen hilft zu überleben, und manche Aussagen klingen wohl etwas überheblich, gerade WEIL man heute eben so viele retten kann, das wird dann selbstverständlich.

    Heute werden durch die veränderten Lebensgewohnheiten die Kinder oft viel größer als früher. Es wäre für Millionen von Frauen und Kinder ein Todesurteil und ist es in vielen Ländern ja auch noch, keinen Kaiserschnitt haben zu können. Dass es "was Natürliches" ist, heißt nicht, dass es ein Spaziergang ist!

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Geburt | Kaiserschnitt | Körper | Schmerzmittel | Seele | Buch
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