Leserartikel

Ungewollt KinderlosAus Angst nicht mehr schwanger

Kinderlosigkeit ist nicht nur ein Ergebnis von Unfruchtbarkeit. Diese Erfahrung musste Leserin Anke J. nach drei erfolglosen Schwangerschaften machen. von Anke J.

Ich wurde kurz nach Absetzen der Pille schwanger. Ein gewünschtes Kind. Klar waren wir vorsichtig und behielten es erst mal für uns, aber wir freuten uns. Als ich dann erfuhr, dass das Herz nicht mehr schlägt, war es ein Schock. Glücklicherweise wurden wir im Krankenhaus gut betreut. So gingen wir nach Hause in dem Gefühl, bald wieder guter Hoffnung sein zu können.

Ungewollt kinderlos

Wer Kinder will, hat kein Problem? Mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland haben keinen Nachwuchs, obwohl sie ihn sich wünschen. Doch darüber reden will fast niemand. Ungewollte Kinderlosigkeit ist ein so intimes Thema, das nur schwer öffentlich zu diskutieren ist.  

ZEIT ONLINE schildert in einer Themenwoche, wie Menschen mit Unfruchtbarkeit und ihren Folgen umgehen. Wie ist es zu erklären, dass das Problem größer wird? Welche medizinischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Und was müsste die Gesellschaft tun, um den Betroffenen zu helfen?

Die Themenwoche

Editorial: Schicksal ungewollt kinderlos

Infografik: Wenn das Wunschkind ausbleibt

FAQ: Was tun bei ungewollter Kinderlosigkeit?

Männer ohne Kinder: Schweißer, Autonarr, unfruchtbar

Kinderwunsch: Als wäre jemand gestorben

Künstliche Befruchtung: Zu arm zum Kinderkriegen

Ungewollt kinderlos: Für die Männer Vitamine, für die Frauen Yoga

Samenbank: Spender Nummer 4.077

Samenspende: "Ich bin froh, nicht mit diesem Mann verwandt zu sein"

Medizinethiker: "Kinder kann man nicht erzwingen"

Regenbogenfamilien: Vater, Vater, Mutter, Mutter, Kind, Kind

Ungewollt kinderlos: Ist halt so

Leserartikel

Haben Sie persönliche Erfahrungen mit dem Thema Kinderlosigkeit gemacht? Helfen Sie zum Beispiel als Arzt Paaren, ihren Kinderwunsch zu erfüllen? Dann würden wir uns freuen, wenn Sie davon in einem Leserartikel berichten, gerne auch anonym.

Bisher erschienene Leserartikel zur Themenwoche:

Ungewollt kinderlos: Aus Angst nicht mehr schwanger

Unfruchtbare Liebe: Traumfrau ohne Eierstöcke

Ungewollt kinderlos: Marathon bis zur Schwangerschaft

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Die Serie Ungewollt kinderlos gibt es auch als E-Book. Wenn der Wunsch nach dem eigenen Kind unerfüllt bleibt - erfahren Sie mehr in dieser für eReader hochwertig aufbereiteten Fassung.

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Die zweite Schwangerschaft war vorbei, noch bevor ich richtig wusste, dass ich schwanger war. Eine Untersuchung ergab eine leichte Erkrankung bei mir, die das vorzeitige Ende verursacht hatte. Ich wurde mit Tabletten behandelt und verließ die Arztpraxis mit den Worten meiner Ärztin im Kopf: "Wir haben das Problem gefunden." Alles schien geklärt. Ich fühlte mich erleichtert.

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Das Gefühl bei der dritten Schwangerschaft war eine Mischung aus Ängstlichkeit und Freude – dachte ich doch, das Problem sei gefunden und jetzt heiße es nur noch dick werden. Bei Anstrengung, Ernährung und Ähnlichem war ich vorsichtiger als vorher. Und obwohl wir verhalten positiv waren, ließ ich mir von niemandem gratulieren.

Als meine Ärztin dann beim Ultraschall sagte "wir haben wieder keinen Herzschlag mehr", brach für mich eine Welt zusammen. Beim Krankenhausaufenthalt war ich dankbar für Beruhigungsmittel. Bis heute fällt es mir schwer, über dieses Thema zu reden.

Warum Leserartikel?

Text- und Bildbeiträge unserer Leser bereichern unsere Inhalte um zusätzliche Sichtweisen, Erfahrungsberichte und Meinungen. Sie sind von Menschen, die wissen, wovon sie sprechen, weil sie es selbst erlebt haben oder unmittelbar betroffen sind. Oder weil sie sich in einem bestimmten Thema sehr gut auskennen. Erzählen Sie unseren Lesern die Geschichten, die wir nicht erzählen können. Und zeigen Sie ihnen die Fotos und Videos, die sie sehen sollten. Zur Artikeleingabe

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Der ZEIT-ONLINE-Wald

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Die folgende Untersuchung ergab eine zufällige Genmutation. Die Wahrscheinlichkeit, dass es wieder passiert, tendiert gegen Null. Doch ich weiß nicht, ob ich noch einmal eine Schwangerschaft auf mich nehmen möchte. Ich habe schon zu oft gehört, es werde diesmal gut gehen, und habe dann wieder ein Kind verloren. Der Kinderwunsch ist noch da, die Angst ist größer.

Meinem Kinderwunsch stehen keine medizinischen Gründe im Weg, nur ich selbst. Die Tatsache, dass ich medizinisch betrachtet Kinder bekommen könnte, dass es jetzt nur an mir liegt, ist schwer zu verkraften. Und dennoch kann ich den Schalter nicht umlegen. Bin ich nun gewollt oder ungewollt kinderlos?

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Leserkommentare
  1. Wahrscheinlich eine Frage der Perspektive.
    Sie werden problemlos schwanger, dennoch kam es jedes Mal zu einem Abort. Auch wenn nicht alle drei die gleiche Ursache hatte, scheint es doch ein eher eine diffuse körperliche Problematik zu sein. Ein Kind aufgrund diverser Umständ nicht austragen zu können bedeutet letztlich genauso Kinderlosigkeit wie das Nicht-Schwanger-Werden.

    Ich wünsche Ihnen den Mut, es erneut zu versuchen, und das Glück, ein gesundes Kind austragen zu dürfen.

    13 Leserempfehlungen
  2. Viele Frauen haben so etwas hinter sich.
    Meine Mutter selbst hat 3 Kinder bekommen (sie wollte immer 3) - dafür nahm sie insgesamt über 5 Fehlgeburten in Kauf (andere Gründe als hier).

    Sicher ist eine Fehlgeburt etwas schreckliches, aber je öfter man es probiert, desto höher die Chance, dass es beim nächsten Mal gelingt.

    Eine Möglichkeit hier, da auch eine genetische Problematik wohl dahinter steckt, ist eine Präimplantationsdiagnostik, da jedoch die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, lohnt sie sich vermutlich nicht und wäre wohl nur in Spanien erlaubt - nicht in Deutschland bei unserer restriktiven Gesetzgebung.

    Es ist natürlich ein Problem, das einen psychisch blockiert. Dennoch wünsche ich Ihnen, dass Sie es verarbeiten können und am Ende die Chance sich nehmen, die immerhin bei über 99% liegt, weit höher als bei vielen anderen Paaren.

    Vielleicht wäre auch eine kurzzeitige Beratung bei einem guten (ich betone guten) Psychotherapeuten sinnvoll um die Angst abzulegen - denn rein rechnerisch ist die Chance für ein Kind enorm hoch.

    3 Leserempfehlungen
    • axama
    • 12. April 2013 14:56 Uhr

    Vielen Dank für diesen Artikel, Anke. Ich kann dich sehr gut verstehen, ich war im 5. Monat als die Ärztin bei der Untersuchung nur noch meinen eigenen Herzschlag hören konnte. Ich habe ebenfalls einen kleinen Gendefekt (kann mir gut vorstellen, dass es der gleiche ist wie bei dir, ist recht häufig) und stehe nun kurz davor es wieder zu versuchen. Jedoch ist die Angst sehr gross.. mir graut es vor dem Ultraschall... und ich habe schon von so vielen Frauen gelesen, die 4, 5 Fehlgeburten durchstehen mussten.. ich weiss ehrlich gesagt nicht ob ich das kann.
    Ich wünsche dir alles Gute und dass du mit Zuversicht in die Zukunft schauen kannst!

    7 Leserempfehlungen
  3. hatte zunaechst 3 Fehklgeburten, bevor sie dann 2 Kinder bekam, dann wieder eine Fehlgeburt und dann ein drittes Kind. Ich glaube, dass Fehlgeburten sehr haeufig sind, man sie heute aber viel staerker wahrnimmt, weil man viel frueher von seiner Schwangerschaft weiss und auch viel frueher zu planen und zu hoffen beginnt, und eine Bindung zum "Kind" aufbaut. Frueher hat man nicht nur bis zum Ende des dritten Monats abgewartet, bevor man anderen davon erzaehlt hat, sondern sich auch selbst vorher noch nicht so sehr mit der Schwangerschaft beschaeftigt.

    6 Leserempfehlungen
    • mugu1
    • 12. April 2013 15:42 Uhr

    Ihr Zitat: >Bin ich nun gewollt oder ungewollt kinderlos?<

    Um das evtl. sicher beantworten zu können, bedarf es wohl einen Psychiater. Eigentlich wünschen Sie sich ein Kind (oder mehrere Kinder), aber aufgrund der 3 Schicksalsschläge trauen Sie sich nicht mehr. Ich kann Sie absolut verstehen, dass Sie Angst haben, bei einer erneuten Schwangerschaft evtl. zum 4. Mal das Kind zu verlieren. Da meine Frau und ich glücklicherweise niemals in Ihrer Situation waren, können wir gar nicht 100% wissen, wie sich das anfühlen muss. Höchstens erahnen.

    Ich will Ihnen absolut keine Ratschläge geben, aber dennoch eines sagen. Bei meinem Schwager und seiner Lebensgefährtin war es ähnlich. Im 4. Versuch nun scheint es endlich zu klappen. Die Frau ist im 9. Monat, die Entbindung steht kurz bevor.

    Wenn Sie wirklich noch immer den dringenden Wunsch nach einem Baby haben, versuchen Sie es wieder. Auch wenn es - natürlich - eine gewaltige Überwindung kostet. Wir wünschen Ihnen alles Glück dafür.

    2 Leserempfehlungen
  4. Wir haben diese Tortour glücklicherweise nur ein Mal durchmachen müssen. Bis heute erinnere ich mich mit Schrecken an den Anruf meiner Frau.

    Wie oft habe ich mir anhören müssen, dass alles seinen Sinn hat und "wer weiss schon, wozu es nützt." Das war zu der Zeit, als mir unmisverständlich klar wurde, dass es Dinge gibt, die sind einfach nur Mist. Daran ist nichts Positives zu finden. Damit muss man leben lernen.

    Dennoch: Bei uns hat es beim zweiten Mal geklappt. Ich weiss nicht, wie wir gehandelt hätten, wenn auch das in einem Abbruch geendet hätte. Ich bewundere den Mut von Menschen, die die Hoffnung nicht verlieren und es weiter versuchen.

    Ich hatte bei der zweiten Schwangerschaft bis weit in den 6. Monat hinein immer wieder üble Angstattacken. Heute sind wir glückliche Eltern - das Bangen und Hoffen hat sich gelohnt - jede einzelne Minute.

    Ich kann niemandem in dieser Situation den Rat geben, es wieder und wieder zu versuchen. Ich habe keinen tröstenden Worte, die alles besser machen. Ich kann nur sagen: Mut ist, eine Sache zu tun, obwohl man sich der Risiken bewusst ist. Ich kann allen Menschen in Ihrer und ähnlichen Situationen nur aus tiefstem Herzen allen erdenklichen Mut wünschen.

    9 Leserempfehlungen
  5. Liebe Anke,

    danke, dass sie ihre Erfahrung und die damit einhergehende Zerissenheit mit uns teilen. Es ist extrem schwer, weiter an sich selbst zu glauben, wenn man vom Leben mehrere negative "Rückmeldungen" serviert bekommt, das kenne ich.

    Verzweifeln Sie nicht an der Zukunft, in die KEINER schauen kann und lassen sie sich nichts einreden! Sie (und ihr Partner) sind die Helden dieser Geschichte und sie werden entscheiden weiterzugehn, wenn sie bereit sind. Bis dahin können sie an der Kreuzung einfach ein Picknick machen. Dann blättern sie um und da steht:

    Variante A: Sie zog die Kapuze tiefer ins Gesicht, drohte dem Schicksal mit der Faust und schrie in den Sturm: "Ich werde meinen Traum nicht aufgeben, mögen sich mir auch Sturm und dämliche Götter in den Weg stellen! Ich weiß, das ich es schaffen kann und ich habe die Kraft einen erneuten Anlauf zu nehmen. HA! Euch werd ich's zeigen!"

    Variante B: Sie stand an der Kreuzung und vergoss Tränen des Abschieds bevor sie schweren Herzens aufbrach. Zuerst schaute sie immer wieder zur Kreuzung zurück, aber tief in ihrem Herzen wußte sie, dass sie weiter musste. Plötzlich lichteten sich die Wolken, sie atmete tief durch und wußte: "Ich bin frei! Ich weiß noch nicht, wohin mich dieser Weg führen wird, aber ich weiß, dass neue Abenteuer auf mich warten, die ich meistern werde!"

    Keine Ahnung, was in ihrem Buch stehn wird, sie schreiben es ja gerade erst...
    Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute auf Ihrem Weg,
    Irina

    5 Leserempfehlungen
  6. Ich arbeite nach dem Abschluss meines Medizinstudiums derzeit auf einer Kinderstation, zu meinen Aufgaben gehört es, es jeden Tag die Neugeborenen zu untersuchen und nach Hause zu entlassen. Ob Sie es glauben oder nicht, was ich hier schreibe hat sich heute Morgen in einem nicht näher bezeichneten Krankenhaus genau so zugetragen:

    Normalerweise lese ich mich kurz in die "Kranken"geschichte der ehemaligen Schwangeren ein. In diesem Fall konnte ich der Krankengeschichte entnehmen, dass die Frau ihre 5. Schwangerschaft durchgemacht hatte, die vier davor endeten mit einer Fehlgeburt. Auch in dieser Schwangerschaft gabe es Probleme: Frühzeitigige Wehen, Wehenhemmung, Lungenreifung, das volle Program. Natürlich gehen einem in diesem Moment doch Fragen durch den Kopf wie: "Hut ab, dass das Paar nach so vielen "Fehlschlägen" noch einmal versucht schwanger zu werden."

    Als ich ins Zimmer der Patientin gehe liegt das vollkommen gesunde neugeborene Mädchen auf der Brust der Mama, der Vater sitzt in einem Stuhl daneben. Sie erschrecken als sie mich bemerken und wischen sich beide Tränen aus den Augen. Da ich Tränen von frischgebackenen Eltern nicht gewohnt bin, frage ich etwas unsicher, ob ich denn besser später noch einmal kommen soll und ob etwas nicht stimme. Die beiden lachen mich aber an und sagen, sie wären nur gerade zu dritt so glücklich gewesen, dass sie die Tränen nicht zurückhalten konnten.

    Ich wünsche Ihnen alles Gute bei Ihrer Entscheidung!

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