Vor einem Vierteljahrhundert kam ich auf die Welt, die Wunschtochter meiner Eltern. Alles wunderbar. Dass ich einen Gendefekt vererbt bekommen habe, war für sie eine Nebensache. Für mich nicht. Ich bin eine Frau ohne Gebärmutter und Eierstöcke. Das teilten meine Eltern mir mit, als ich mit 14 auf meine erste Periode wartete. Ihre Botschaft: Ach ja, Schwangerschaft ausgeschlossen. Aber bitte mit niemandem darüber sprechen.

Mit dem ersten Freund habe ich Schluss gemacht, bevor er merken konnte, dass bei mir nicht alles normal ist. Danach war das Thema Männer für einige Jahre nicht mehr so wichtig. Doch dann kam Matthias. Er sah unter der inzwischen schon sehr dicken Hülle seine Traumfrau.

Wir verliebten uns und waren vier Jahre zusammen. In dieser Zeit entwickelte ich mich, wurde sehr attraktiv und merkte, dass ganz schön viel in mir steckt, nur eben keine Fortpflanzungsorgane. Ich erzählte ihm nach ein paar Monaten davon. Er sagte, das sei für ihn in Ordnung. Mir blieb dennoch die latente Angst, dass mich das Problem, das keins sein sollte, unattraktiv oder abstoßend erscheinen lässt.

Schließlich sagte Matthias den gefürchteten Satz: "Ich liebe dich über alles, aber du bist nicht meine Traumfrau!" Seine Traumfrau könne nämlich Kinder bekommen. Es folgte eine Depression, bei ihm und bei mir. Meine Mutter sagte, er würde mich nicht lieben. Doch ich wusste, dass das nicht so ist.

Beim Thema Kinderwunsch kommt die Angst

Meine Mutter bläute mir ein, ich solle dem Nächsten nicht zu früh von meiner Unfruchtbarkeit erzählen. Außerdem sei es auch für sie sehr hart, keine leiblichen Enkelkinder von mir bekommen zu können. Ich fiel immer tiefer.

Irgendwann habe ich gelernt, mich anzunehmen und mich meinem Umfeld anzuvertrauen, wenn auch ein feiner Schleier von Wut und Traurigkeit bleibt. Der Wunsch nach einer eigenen Familie war und ist noch immer in mir verwurzelt.

Momentan genieße ich es, Single zu sein und von Männern umschwärmt zu werden. Das aber endet, wenn sie mir von ihrem Kinderwunsch erzählen. Und dieser Punkt ist schnell erreicht. Umgehend beschleicht mich die Angst.

Viele reagieren auf das Thema Unfruchtbarkeit lapidar. Mir bleibt ein bitterer Nachgeschmack, wenn ich merke, dass mein Gegenüber im Innersten sehr froh ist, nicht selbst mit diesem Problem umgehen zu müssen.

Für die Zukunft habe ich mir einen offenen und unbeschwerten Umgang mit dem Thema vorgenommen. Ich möchte, dass mich jemand will, weil er erkennt, dass ich eine tolle Frau bin.

* Name von der Redaktion geändert.