Leserartikel

Unfruchtbare LiebeTraumfrau ohne Eierstöcke

Von Geburt an hat Leserin Ivonne Zimmermann weder Gebärmutter noch Eierstöcke. Dass sie nicht Mutter werden kann, erschwert ihre Suche nach einem Mann fürs Leben. von Ivonne Zimmermann*

Vor einem Vierteljahrhundert kam ich auf die Welt, die Wunschtochter meiner Eltern. Alles wunderbar. Dass ich einen Gendefekt vererbt bekommen habe, war für sie eine Nebensache. Für mich nicht. Ich bin eine Frau ohne Gebärmutter und Eierstöcke. Das teilten meine Eltern mir mit, als ich mit 14 auf meine erste Periode wartete. Ihre Botschaft: Ach ja, Schwangerschaft ausgeschlossen. Aber bitte mit niemandem darüber sprechen.

Ungewollt kinderlos

Wer Kinder will, hat kein Problem? Mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland haben keinen Nachwuchs, obwohl sie ihn sich wünschen. Doch darüber reden will fast niemand. Ungewollte Kinderlosigkeit ist ein so intimes Thema, das nur schwer öffentlich zu diskutieren ist.  

ZEIT ONLINE schildert in einer Themenwoche, wie Menschen mit Unfruchtbarkeit und ihren Folgen umgehen. Wie ist es zu erklären, dass das Problem größer wird? Welche medizinischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Und was müsste die Gesellschaft tun, um den Betroffenen zu helfen?

Die Themenwoche

Editorial: Schicksal ungewollt kinderlos

Infografik: Wenn das Wunschkind ausbleibt

FAQ: Was tun bei ungewollter Kinderlosigkeit?

Männer ohne Kinder: Schweißer, Autonarr, unfruchtbar

Kinderwunsch: Als wäre jemand gestorben

Künstliche Befruchtung: Zu arm zum Kinderkriegen

Ungewollt kinderlos: Für die Männer Vitamine, für die Frauen Yoga

Samenbank: Spender Nummer 4.077

Samenspende: "Ich bin froh, nicht mit diesem Mann verwandt zu sein"

Medizinethiker: "Kinder kann man nicht erzwingen"

Regenbogenfamilien: Vater, Vater, Mutter, Mutter, Kind, Kind

Ungewollt kinderlos: Ist halt so

Leserartikel

Haben Sie persönliche Erfahrungen mit dem Thema Kinderlosigkeit gemacht? Helfen Sie zum Beispiel als Arzt Paaren, ihren Kinderwunsch zu erfüllen? Dann würden wir uns freuen, wenn Sie davon in einem Leserartikel berichten, gerne auch anonym.

Bisher erschienene Leserartikel zur Themenwoche:

Ungewollt kinderlos: Aus Angst nicht mehr schwanger

Unfruchtbare Liebe: Traumfrau ohne Eierstöcke

Ungewollt kinderlos: Marathon bis zur Schwangerschaft

Ihren fertigen Text können Sie hier einreichen. Beispiele für aktuelle Leserartikel, an denen Sie sich orientieren können, finden Sie hier. In unseren FAQ können Sie nachlesen, was Sie beim Verfassen Ihres Beitrags beachten sollten. Falls Sie Fragen haben, erreichen Sie uns per Mail an leserartikel@zeit.de.

ALS E-BOOK

Die Serie Ungewollt kinderlos gibt es auch als E-Book. Wenn der Wunsch nach dem eigenen Kind unerfüllt bleibt - erfahren Sie mehr in dieser für eReader hochwertig aufbereiteten Fassung.

Unser E-Book steht Ihnen dabei als EPUB-Version für Ihren eReader, sowie als MOBI-Version für Ihr Kindle Lesegerät von Amazon zur Verfügung.

Entdecken Sie auch weitere E-Books von ZEIT ONLINE unter www.zeit.de/ebooks.

Mit dem ersten Freund habe ich Schluss gemacht, bevor er merken konnte, dass bei mir nicht alles normal ist. Danach war das Thema Männer für einige Jahre nicht mehr so wichtig. Doch dann kam Matthias. Er sah unter der inzwischen schon sehr dicken Hülle seine Traumfrau.

Anzeige

Wir verliebten uns und waren vier Jahre zusammen. In dieser Zeit entwickelte ich mich, wurde sehr attraktiv und merkte, dass ganz schön viel in mir steckt, nur eben keine Fortpflanzungsorgane. Ich erzählte ihm nach ein paar Monaten davon. Er sagte, das sei für ihn in Ordnung. Mir blieb dennoch die latente Angst, dass mich das Problem, das keins sein sollte, unattraktiv oder abstoßend erscheinen lässt.

Schließlich sagte Matthias den gefürchteten Satz: "Ich liebe dich über alles, aber du bist nicht meine Traumfrau!" Seine Traumfrau könne nämlich Kinder bekommen. Es folgte eine Depression, bei ihm und bei mir. Meine Mutter sagte, er würde mich nicht lieben. Doch ich wusste, dass das nicht so ist.

Beim Thema Kinderwunsch kommt die Angst

Meine Mutter bläute mir ein, ich solle dem Nächsten nicht zu früh von meiner Unfruchtbarkeit erzählen. Außerdem sei es auch für sie sehr hart, keine leiblichen Enkelkinder von mir bekommen zu können. Ich fiel immer tiefer.

Irgendwann habe ich gelernt, mich anzunehmen und mich meinem Umfeld anzuvertrauen, wenn auch ein feiner Schleier von Wut und Traurigkeit bleibt. Der Wunsch nach einer eigenen Familie war und ist noch immer in mir verwurzelt.

Momentan genieße ich es, Single zu sein und von Männern umschwärmt zu werden. Das aber endet, wenn sie mir von ihrem Kinderwunsch erzählen. Und dieser Punkt ist schnell erreicht. Umgehend beschleicht mich die Angst.

Warum Leserartikel?

Text- und Bildbeiträge unserer Leser bereichern unsere Inhalte um zusätzliche Sichtweisen, Erfahrungsberichte und Meinungen. Sie sind von Menschen, die wissen, wovon sie sprechen, weil sie es selbst erlebt haben oder unmittelbar betroffen sind. Oder weil sie sich in einem bestimmten Thema sehr gut auskennen. Erzählen Sie unseren Lesern die Geschichten, die wir nicht erzählen können. Und zeigen Sie ihnen die Fotos und Videos, die sie sehen sollten. Zur Artikeleingabe

Leserartikel schreiben

Grundsätzlich ist jedes Thema für einen Leserartikel geeignet, solange Sie aus Ihrer eigenen Erfahrung und einem persönlichen Blickwinkel darüber berichten und keine Rechte Dritter verletzen. In unseren Leserartikel-FAQ finden Sie Hinweise für das Verfassen Ihres Artikels für ZEIT ONLINE. Bitte senden Sie uns Ihren Artikel bzw. Links zu Fotos und Videos über unser Leserartikel-Formular.

Der ZEIT-ONLINE-Wald

© BeneA / photocase.com

Als Dankeschön schenken wir Ihnen für jeden veröffentlichten Leserartikel einen Baum. Seit 2011 haben wir in Zusammenarbeit mit iplantatree.org knapp 1500 Bäume gepflanzt und geben diese nach und nach an unsere Leserartikelautoren ab. So wächst in Berlin Friedrichshagen ein ZEIT ONLINE-Wald heran, genährt von unseren schreibenden Lesern. Aktuell rangiert das "Team ZEIT ONLINE" auf Platz 19 der aktivsten Baumpflanzer des Projektes. Dafür danken wir Ihnen.

Viele reagieren auf das Thema Unfruchtbarkeit lapidar. Mir bleibt ein bitterer Nachgeschmack, wenn ich merke, dass mein Gegenüber im Innersten sehr froh ist, nicht selbst mit diesem Problem umgehen zu müssen.

Für die Zukunft habe ich mir einen offenen und unbeschwerten Umgang mit dem Thema vorgenommen. Ich möchte, dass mich jemand will, weil er erkennt, dass ich eine tolle Frau bin.

* Name von der Redaktion geändert.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • illyst
    • 13. April 2013 14:50 Uhr

    Keine Sorge, irgendwann wirst du einen finden, es gibt sie nämlich: uns Männer, die keine Kinder haben wollen oder für die das eher nebensächlich ist.

    20 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Liebe Frau Zimmermann,

    es gibt viele Männer, die nicht auf den Kinderwunsch fixiert sind. Die den Wunsch selbst nicht hegen und sogar erleichtert sind, wenn die Partnerin diesen nicht an sie heranträgt. Geben Sie die Hoffnung nicht auf.

    Leben Sie Ihr Leben, wie in Ihrem letzten Satz geschrieben: "Ich möchte, dass mich jemand will, weil er erkennt, dass ich eine tolle Frau bin."

    Viel Glück!

    Ihr realmccoy

    • SodOmi
    • 14. April 2013 1:11 Uhr

    Ich weiß nicht, ob die Autorin das im innersten überhaupt will.

    Wie sie ja selbst beschreibt, wünscht sie sich eigentlich doch eine Familie und Kinder. Hier liegt wohl eher das hauptproblem.

  1. Was mich schockiert, sind die Eltern, die von dem Gendefekt wussten. Es gibt Paare, die wollen um jeden Preis eigene Kinder, auch wenn Gendefekte vererbt werden, die mit großer Wahrscheinlichkeit das Leben des Kindes beeinträchtigen. Sie sagen sich: besser leben als gar nicht, oder? Natürlich, wenn das Wesen erstmal gezeugt ist und lebt, dann ja. Aber vor der Zeugung kann man auch eine Runde nachdenken und sich fragen: bloss weil etwas medizinisch möglich ist, muss es nicht auch gemacht werden.
    Als Frau mit intensivem Kinderwunsch kann ich Frau Zimmermann, ich weiß nicht, darf man bemitleiden? Unfruchtbarkeit ist ein Verlust, der große Trauer in sich bergen kann (nicht für jeden muss). Mein Freund selber hat übrigens keinen Kinderwunsch; er meint auch, Pflege- oder Adoptivkinder, falls ich unfruchtbar sein sollte, wären kein Problem für ihn, er muss seine Gene nicht weitertragen. Er ist ein wunderbarer Mensch und ich bin mir sicher, Sie werden auch einen Mann finden, für den es kein Problem darstellt, nicht eigene Kinder oder überhaupt gar keine Kinder zu bekommen.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ist dauerhafte Unfruchtbarkeit ja wohl noch eher harmlos. Für manche eher sogar ein Segen. Sie kriegt ja auch keine Tage.

    Scheinbar haben Sie von Genetik keine Ahnung.
    Ja, idR werden Gendefekte vererbt. Aber die Eltern wussten sicher nicht, dass sie die Veranlagung in sich tragen, denn (jetzt kommt die Genetik):
    Wir bekommen je eine Hälfte der Gene von der Mutter und die andere Hälfte der Gene vom Vater. Im vorliegenden Fall wirkt sich der Gendefekt offensichtlich nicht auf den Vater aus, dieser hat ja weder Eierstöcke noch Gebärmutter. Also kann er nicht wissen, dass er ein defektes Gen in sich trägt.
    Sehen wir uns die Mutter an. Sie kann offensichtlich Kinder bekommen, hat also Eierstöcke und Gebärmutter. Wieso soll Sie annehmen, dass Sie diesen Gendefekt in sich trägt?
    Noch mehr Genetik: Der Gendefekt muss also eine rezzesive Ausprägung haben, sonst wäre die Mutter ja auch unfruchtbar (bei dominater Ausprägung reicht es, wenn eins der Elternteile den Defekt vererbt). Damit sich der Gendefekt also auswirkt, muss er von Mutter und Vater kommen. Die Chance dafür liegt bei 25%.
    So viel zur Genetik.

    Laut Ihrer Logik ist es also nötig, eine vollstände Genomanalyse der Eltern machen zu lassen und nur, wenn diese keine Gendefekte vererben können, dürfen sie Kinder zeugen. Das nennt man Eugenik.

    • Jove
    • 14. April 2013 19:53 Uhr

    Ergänzend zu Yulivees schönem Kommentar wäre vielleicht noch anzumerken, dass die meisten Erbanlagen leider noch nicht mal mit der 25%-Regel vererbt werden, sondern viele andere Faktoren eine Rolle spielen.

    Zudem können solche Gendefekte auch ganz spontan auftreten ohne dass Vater und Mutter die Veranlagung dazu haben.

    • E.Wald
    • 20. April 2013 0:29 Uhr

    "Es gibt Paare, die wollen um jeden Preis eigene Kinder, auch wenn Gendefekte vererbt werden, die mit großer Wahrscheinlichkeit das Leben des Kindes beeinträchtigen."

    Wenn ich Sie recht verstehe: Sie sind der Meinung, dieses Paar müsse auf Kinder verzichten, weil sie sonst ein Kind bekommen, das - Achtung! - keine Kinder bekommen kann?
    Die Kinderlosigkeit soll also im Endeffekt um eine Generation verschoben werden. Was genau ist daran jetzt besser?

    (Abgesehen davon, stimme ich den beiden vorhergehenden Antworten zu.)

  2. vielleicht das Miljeu wechseln?

    Ich habe viele Männer getroffen, die keine Kinder haben wollen.

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wahrscheinlich findet die Autorin wohl aber gerade die Männer attraktiv, die eher der familiäre Typ sind. Ausgemachte Singles und Männer, die nicht auf "Familie stehen", sind halt auch ganz anders gestrickt.

    Da bleibt vielleicht nur die Adoption oder sind einen Mann zu angeln, der bereits Kinder hat.

  3. Mein Freund will keine Kinder haben.
    Egal, ob Eierstöcke oder nicht, werde ich auch
    kinderlos alt werden.

    Die Traumfrau zahlt sicher - wie ich - brav
    ihren Aufschlag auf die Pflegeversicherung ...

    Ein schönes Wochenende wünscht Julia

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    gehört wie "Nichtraucher" auch der Vergangenheit an.

  4. Liebe Frau Zimmermann,

    es gibt viele Männer, die nicht auf den Kinderwunsch fixiert sind. Die den Wunsch selbst nicht hegen und sogar erleichtert sind, wenn die Partnerin diesen nicht an sie heranträgt. Geben Sie die Hoffnung nicht auf.

    Leben Sie Ihr Leben, wie in Ihrem letzten Satz geschrieben: "Ich möchte, dass mich jemand will, weil er erkennt, dass ich eine tolle Frau bin."

    Viel Glück!

    Ihr realmccoy

    8 Leserempfehlungen
  5. ich hätte diesen Gendefekt. Das würde mir jeden Monat eine Menge Schmerzen ersparen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich denke, die Nachteile überwiegen auf lange Sicht doch, wenn man sich eine Familie wünscht.
    Für die Frau im Artikel wird es kein Trost sein, dass sie keine Periode bekommt.

    Sie sollten übrigens mal zum Frauenarzt gehen. Mit der richtigen Pille sind Sie die Schmerzen los. Diese können Sie auch durchgängig nehmen, dann haben Sie auch keine Periode mehr.

    • kascho
    • 07. Mai 2013 11:34 Uhr

    Unfruchtbarkeit verursacht Stress in einem Ausmaß, das dem einer Krebsdiagnose gleich kommt. Es wäre schön gewesen, wenn Sie sich um eine bisschen Einfühlung bemüht hätten. Zudem interessieren mich ihre Menstruationsbeschwerden nicht die Spur.

  6. 7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf respektlose Beiträge. Danke, die Redaktion/jz

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    zuerst eine kleine Info: Die Zeit hat in dieser Woche die Themenwoche "Kinderlosigkeit" Da ist dieser Artikel sehr passend und gibt dem Thema auch mal ein Gesicht, kein 0815 sonder ein besonderes Gesicht.
    Hinzu kommt, dass die Leserartikel, die ich gerne lese, zu jedem bestimmten aktuellen Thema auch mal uns Normalsterbliche zu Wort kommen lassen. Wir haben überall Experten, die für uns das Denken übernommen haben, allerdings werden wir nicht gefragt. Somit sind diese Artikel auch ein Blick in unsere Welt
    Wenn Sie daran kein Interesse haben, dann lassen Sie es doch einfach sein

    Entfernt. Bitte beachten Sie, dass der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, mittlerweile entfernt wurde. Danke, die Redaktion/jz

  7. dass Sie darunter leiden. Es gibt aber auch Männer, die bereit sind sich auf "solche" (absolut nicht negativ gemeint) einzulassen. Es gibt auch die wunderbare Option der Adoption. Ein adoptiertes Kind kann genau wie das eigene Kind geliebt werden, fragen Sie dazu einfach mal Homosexuelle Paare.

    Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht menschen um sich. Diejenigen, die jetzt ganz locker behaupten sie benötigen keine Kinder, sollten doch einfach mal zu ihren alten Nachbarn gehen, bei denen von 7-22 Uhr der Fernseher läuft, weil sie niemanden mehr haben.

    Also gucken Sie nach vorne und machen Sie das Beste daraus. Es gibt immer einen Weg

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... aber genau so gut hätte man sagen können:

    "Diejenigen, die jetzt ganz locker behaupten sie benötigen Kinder, sollten doch einfach mal zu ihren alten Nachbarn gehen ... ach so, Verzeihung, die alten Nachbarn sind nicht mehr da, weil die Kinder die liebe Eltern in ein Altenheim gebracht haben."

    Man sollte Kinder in die Welt setzen aus Kinderliebe und nicht um den eigenen Alter abzusichern!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service