Ungewollt kinderlos : Medizinischer Marathon bis zur Schwangerschaft

Ihrem Kinderwunsch können Leserin Nicole G. und ihr Mann nur mithilfe moderner Medizin näherkommen. Auf dem Weg dorthin wechseln sich Enttäuschung und Hoffnung ab.

Mein Mann und ich hatten nie die Möglichkeit, ohne medizinische Unterstützung ein Kind zu zeugen. Seit dem 19. Lebensjahr habe ich Endometriose.
Mein Mann erlitt 1990 eine Querschnittlähmung ab der Halswirbelsäule. Dadurch verlor er die Fähigkeit, zu ejakulieren. Eine weitere Folge war die Lähmung der Blase. Chronische Infekte durch Resturin vermindern zudem die Qualität der Spermien.

Wir konsultierten viele Mediziner und nahmen monatelange Wartezeiten in Kauf. Eine Reihe von Versuchen, an frisches Sperma zu kommen, blieb erfolglos. Ein Urologe schockierte uns mit seinem rüden Umgangston. Zwischen all den Terminen ging es immer einen Schritt voran und zwei zurück. Wir vergossen viele Tränen. Unsere Gefühle von Wut, Angst und Verzweiflung wechselten sich immer wieder mit Hoffnung ab.

Dann endlich ein Lichtblick: Meinem Mann wurde das Hodengewebe punktiert (TESE). Nach der OP bin ich mit dem Material vom Krankenhaus der einen Stadt ins Kinderwunschzentrum der anderen gerast. Jetzt, nach zwei Jahren,  konnte der erste Versuch unternommen werden, meine Eizellen zu befruchten (ISCI).

Trotz hochdosierter Medikation standen nur zwei Eizellen zur Verfügung. Unsere bangen Fragen: Werden diese befruchtet? Teilen sie sich? Nach dem Transfer dann: Nistet sich eine ein, oder gar zwei? Die bittere Antwort: keine.

Beim zweiten Versuch wurde der Medikamentencocktail verändert. Doch diesmal reifte gar keine Eizelle. Also der dritte Anlauf, jetzt wieder mit dem ersten Medikamentencocktail. Wieder standen nur zwei Eizellen zur Verfügung, wieder beide befruchtet, beide eingesetzt.

Mein auf eigene Faust durchgeführter Schwangerschaftstest war positiv. Ungetrübte Freude habe ich nur nach diesem ersten Test empfunden, danach wieder Versagensängste und Unsicherheit, ob die Schwangerschaft bestehen bleibt.

Als dann nach 13 Wochen endlich die magische Grenze überschritten schien, setzte plötzlich eine starke Blutung ein: Notarzt, Krankenhaus, Warten, Hoffen. Es ist zum Glück gutgegangen. Mittlerweile bin ich in der 26. Schwangerschaftswoche. Wir fangen zaghaft an, uns zu freuen.

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