Schwul-lesbische Eltern : Vater, Vater, Mutter, Mutter, Kind, Kind

Kinder sind für schwul-lesbische Paare nie zufällig. Ihr Nachwuchs ist immer unbedingt gewollt. Das kann von Vorteil sein.
Familie Kreuzer* im März 2013 bei der Eröffnung des Regenbogenfamilienzentrums. Der ersten deutschen Beratungsstelle für lesbische, schwule, bisexuelle und transidente Menschen mit Kindern. © Sean Gallup/Getty Images

Ein Anruf machte aus den Kreuzers* Eltern. Es ist ein Mittwochnachmittag, als die Frau am Telefon sie um ein Treffen am nächsten Tag bittet. Am Freitag sprechen die Kreuzers mit dem Arzt, am Wochenende organisieren sie das Nötigste: Fläschchen, Windeln, Strampler, Wiege, Wickeltisch, Kinderwagen. Schon am Dienstag holen die jungen Eltern die sechs Wochen alte Sarah aus der Klinik.

"In der ersten Nacht habe ich jeden Atemzug von ihr gehört", sagt Matthias Kreuzer. Fünf Jahre ist das her. Während Papi erzählt, saust Sarah heran: "Ich hab alles runterwerft". Nebenan krakeelt ihr Bruder Pascal, zwanzig Monate, Pausbäckchen. "Kinder, der Quell ewiger Freude", sagt Kreuzer, schaut seinen Mann an und grinst. Papa Carsten verdreht die Augen und folgt seiner Tochter ins Kinderzimmer.

Ein stinknormales Familienleben mitten in Berlin, denkt man. Doch es ist viel mehr als das. Dem Nachwuchs in Regenbogenfamilien wie den Kreuzers geht es nicht nur gut. Es geht ihm sogar besser als in vielen anderen Familien in Deutschland. Nicht, weil schwul-lesbische Paare fähigere Eltern wären als heterosexuelle. Sondern weil ihnen Kinder nicht einfach passieren.

Wer schwul, lesbisch, bisexuell oder transident ist und trotzdem seinen Kinderwunsch erfüllen will, der muss mehr tun als einmal einem angenehmen Gefühl nachzugeben. Nicht-heterosexuelle Eltern werden vom Gesetz benachteiligt, von Schubladen-Denkerinnen wie der CDU-Politikerin Katherina Reiche werden ihnen Adoptions- und Eheansprüche abgesprochen, und für weite Teile der Bevölkerung sind sie, vorsichtig ausgedrückt, gewöhnungsbedürftig. Dabei setzen sie sich so intensiv mit ihrem Kinderwunsch auseinander wie sonst kaum jemand, weil sie sich immer wieder gegen veraltete Gesellschaftsnormen behaupten müssen. Ihre Wege zum Kind sind nie zufällig, ihr Nachwuchs ist immer unbedingt gewollt.

© ZEIT ONLINE

Der Wunsch, Kinder zu haben, reifte in Matthias und Carsten Kreuzer jahrelang. "Wir wollten aber keine Besuchsväter sein", sagt Matthias Kreuzer. Deshalb war es für die beiden Männer ausgeschlossen, wie andere schwule Paare ihr Glück gemeinsam mit einem lesbischen Paar zu suchen. Meist wachsen die Kinder dann bei den Müttern auf. Die Kreuzers wollten immer selbst Eltern sein, gemeinsam, als Papa und Papi.

Vorbereitungen, Seminare, Termine beim Jugendamt

Eine Adoption fiel als Möglichkeit ebenfalls aus. In Deutschland dürfen schwul-lesbische Paare nicht zusammen adoptieren. Homosexuelle Alleinerziehende sind auch praktisch ohne Chance, ein Kind vermittelt zu bekommen. Zu viele heterosexuelle Paare warten schon. Ein Kind aus dem Ausland aufzunehmen, wäre am Geld gescheitert.

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Also entschieden die Kreuzers: Wir werden Pflegeeltern. Nach monatelangen Vorbereitungen, Seminaren und Terminen beim Jugendamt war es 2008 soweit: Sarah kam zu ihnen. Seit April 2012 gehört auch Pascal zur Familie.

Was die Kreuzers nie wollten, ist das ideale Lebenskonzept der Hitzfelds. Rasch zieht Jana Hitzfeld ihre Beine an den Körper, gerade stürmen ihre Söhne auf sie zu und drehen den roten Loungesessel, in dem sie sitzt. Die Frau juchzt, die Kinder Stefan und Philip auch. "Ist halt ein wenig stressiger mit vier Mal Familie", sagt Tine Hitzfeld. 

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Kommentare

176 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

@ 77. Was denn nun? Statistik oder Lebenserfahrung?

"...Wie Sie sehen, kann man solche Statistiken wunderbar instrumentalisieren. Da verlasse ich mich lieber auf die eigene Lebenserfahrung: Ich kenne mehr gescheiterte hetero- als homosexuelle Beziehungen. ;)..."
Dieser umwerfenden Logik kann man sich nicht entziehen. :-)
Wenn auf 1000 Hetero-Paare drei bis max. zehn gleichgeschlechtliche Paare kommen, liegt es wohl in der Natur der Sache, dass es so kommt, was Sie als Ihre Lebenserfahrung deuten.
http://www.ifb.bayern.de/...

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