ZEIT ONLINE: Herr Leest, Ihre Studie kommt zu dem Ergebnis, dass fast jeder fünfte Jugendliche schon im Internet gemobbt wurde. Konnten Sie in der Studie vereinzelte Hänseleien von echtem Mobbing abgrenzen – also wenn ein Jugendlicher dauerhaft gequält und ausgegrenzt wird?

Uwe Leest: Die Jugendlichen haben unterschiedliches erlebt und unterschiedlich verletzt darauf reagiert. Etwa 50 Prozent sagen, dass sie beschimpft und beleidigt wurden, 30 Prozent haben erlebt, dass man sich über sie lustig gemacht hat und immerhin 20 Prozent fühlten sich unter Druck gesetzt, bedroht oder erpresst. 15 Prozent geben an, dass peinliche oder diffamierende Fotos und Filme von ihnen hochgeladen wurden. Es geht aber meiner Ansicht nicht darum, wie lange ein Mensch gequält wurde, sondern wie es auf ihn wirkt.

ZEIT ONLINE: Wie konnten Sie das feststellen?

Leest: Wir haben gefragt, wie die Betroffenen sich gefühlt haben und wie sie damit umgegangen sind. Die meisten waren zunächst wütend (40 Prozent), aber ein gutes Drittel war verängstigt und 22 Prozent sagen, sie fühlten sich bis heute davon belastet.

Zum Glück haben sich immerhin knapp die Hälfte der Betroffenen Hilfe bei Freunden oder Familienangehörigen gesucht. Aber 15 Prozent haben angegeben, dass sie mithilfe von Alkohol, Tabletten oder Essen versucht haben, zu vergessen, was geschehen ist.

ZEIT ONLINE: In welchem Alter sind Jugendliche besonders betroffen?

Leest: In der Zeit der Pubertät. Zwischen 13 und 15 lösen sie sich von den Eltern, beginnen erwachsen zu werden und werben sehr um Sympathie und Anerkennung. Die Studie zeigt, dass die sozialen Netzwerke ihnen gute Möglichkeiten bieten, sich auszuprobieren. Aber sie sind in der Zeit auch besonders verletzlich.

ZEIT ONLINE: Wen trifft es häufiger, Mädchen oder Jungen?

Leest: Tendenziell werden Mädchen häufiger gemobbt. Aber zu Tätern werden Jungen und Mädchen fast gleichberechtigt.