Leserartikel

RusslanddeutscheWie ich in Sibirien ein bisschen Heimat fand

Über ein halbes Jahr war Leserin Annette Kammerer in Russland. Dort, wo ihre Familie herkommt, fühlt sie sich zu Hause und gleichzeitig fremd. von Annette Kammerer

Meine Großmutter verbietet uns bis heute, Kartoffeln mit Schalen zu essen. Früher in Sibirien, sagt sie, musste sich ihre Familie davon ernähren. Manch einer starb damals aufgrund von Mangelernährung.

Solche Geschichten hörte ich als russisch-deutsche Jugendliche nur nach wiederholtem Nachfragen. Und so wusste ich bei meiner Ankunft in Russland weder viel über das Land, noch über die Vergangenheit meiner Familie.  

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Ich bereiste vor Kurzem das Land, dessen Sprache meine Eltern und Großeltern sprechen, und dessen Traditionen unsere Familie bis heute konserviert. Über ein halbes Jahr war ich in Sibirien.

Diese Gegend war nicht die Heimat meiner Familie, es hat sie aber geprägt. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten  meine Vorfahren mütterlicherseits in der Ukraine, die anderen in der Wolga-Republik. Nach dem Krieg mussten sie nach Sibirien umsiedeln.

Nicht mehr deutsch, noch nicht russisch

Unter der sibirischen Kommandantur lebten damals nicht nur Deutsche, sondern auch Minderheiten anderer Völker wie Letten oder Polen. Sie alle durften Sibirien bis 1957 nicht verlassen. Es muss ein hartes Leben gewesen sein.

Russen erzählten mir während meiner Reise von der "eigenartigen" deutschen Minderheit. Meine Familie hatte immer ihre Opferrolle betont, nun hörte ich die andere Seite. Ich hörte, die Russlanddeutschen hätten sich vor dem Zweiten Weltkrieg nicht  integriert, sie seien unter sich geblieben. Anpassen mussten sie sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Von da an war es nicht mehr gern gesehen, wenn Deutsch gesprochen wurde.

Seit meiner Reise verstehe ich besser, warum meine Großeltern sich in Russland nicht zu Hause gefühlt haben. Obwohl ihre Kinder nach dem Krieg Russisch als Muttersprache sprachen, wurden sie von den Russen als Deutsche bezeichnet. Und so behielten sie auch selbst diese Sichtweise.

Schritt für Schritt nach Westen

Bis heute definieren sich Russlanddeutsche in Russland als Deutsche, obwohl ihnen außer Verwandten in Deutschland nicht viel Deutsches geblieben ist. Entscheidend für sie ist nicht die deutsche Sprache, sondern das Gefühl, in Russland nie ganz angekommen zu sein. Deshalb wollte meine Familie nach Deutschland auswandern.

Um ihrem Ziel näher zu kommen, zogen meine Großeltern Ende der fünfziger Jahre innerhalb der UdSSR nach Kasachstan. Dort wurden meine Eltern geboren. Von Kasachstan ging es nach Moldawien. Wie andere Russlanddeutsche auch mussten sie sehr lange auf Ausreisepapiere warten. Mein Vater kam in den achtziger Jahren nach Deutschland, meine Mutter etwas später, 1988.

Auch in Deutschland bleiben viele Russlanddeutsche unter sich, integrieren sich kaum. Meinen Eltern merkt man ihre russische Herkunft fast gar nicht mehr an. Doch die wenigen Spuren haben mein Interesse an Sibirien geweckt.

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Nach meiner Ankunft in Russland fühlte ich mich dann auch schnell zu Hause, im Alltag konnte ich mich gut anpassen. Aber das Gefühl, dort eine Teilheimat gefunden zu haben, mischt sich mit dem Gefühl meiner Teilheimatlosigkeit.

Und obwohl manche Russen sagen, ich sei ja doch irgendwie ihr Mädchen, kann ich mir nicht vorstellen, für immer in Russland zu leben. Meine Familie ist eben doch deutsch, wenn auch nicht ganz.

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Leserkommentare
  1. Ja, Sibirien ist wirklich kein leichtes Pflaster, mütterlicherseits stamme ich von Russlanddeutschen ab und kenne auch einige Geschichten.
    Vor 2 Jahren bin ich mitgereist nach Irkutsk, um noch dort lebende Verwandtschaft zu besuchen.
    Es ist wirklich wunderschön und ich habe mich sehr wohlgefühlt.
    Aber dort zu leben ist wirklich eine völlig andere Geschichte, denn in solchen Gegenden merkt man erst so richtig, wie das Leben wirklich ist.
    Man kann es sich angenehm gestalten, aber es ist hart und man bekommt rein gar nichts geschenkt.

    2 Leserempfehlungen
  2. 2. Heimat

    "Bis heute definieren sich Russlanddeutsche in Russland als Deutsche, obwohl ihnen außer Verwandten in Deutschland nicht viel Deutsches geblieben ist. Entscheidend für sie ist nicht die deutsche Sprache, sondern das Gefühl, in Russland nie ganz angekommen zu sein. Deshalb wollte meine Familie nach Deutschland auswandern."

    Im Gegensatz zu Deutschland definiert sich Russland seit je her als ein multiethnisches Land. Nicht umsonst gibt es auch zwei Bezeichnungen: russkij für ethnischen Russen und rossijanin für den Staatsbürger Russlands, also Russländer. Im zweiten Sinne dürften die Großeltern der Autorin sicherlich auch in Russland angekommen sein, im ersten selbstverständlich nicht, da dies eine komplette Assimilation (v.a. mit Namenswechsel) vorausgesetzt hätte. Wenn in Russland aber von "rossijane" die Rede ist, dann werden darunter alle Nationalitäten verstanden, die zu Russland gehören...und das sind auch Deutsche mit russischer Staatsbürgerschaft.

    Interessant ist aber, dass viele Russlanddeutsche, die nach Deutschland kommen, sich hier auch nicht heimisch fühlen. Meine Vermutung ist die, dass diese Menschen ein idealisiertes Bild von Deutschland hatten, das einem Idealbild einer ethnisch und kulturell homogenen Heimat entsprach...einer Heimat, die vielleicht irgendwann so war, aber heute selbst zu einem multiethnischen Staat inmitten von Europa geworden ist. Vielleicht macht das die emotionale Integration dieser meist älteren Menschen schwierig?

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    Ja, ich denke, für die Alten war "Deutschland" ein idealisiertes gelobtes Land.
    Infos kamen ja durch den eisernen Vorjang kaum durch und alles schien besser als die UdSSR.
    Was einen verletzt(e) ist, dass man drüben der Deutsche, der Faschist war und hier nun der Russe sein soll.
    Ne, ne Rußlanddeutscher ist schon korrekt. Ein Volk auf dem Weg.

    “Im Gegensatz zu Deutschland definiert sich Russland seit je her als ein multiethnisches Land.”

    Rußland DEFINIERTE sich nicht nur als multiethnisch, sondern es WAR vielmehr immer schon multiethnisch.

    Ich selbst spreche kein russisch, aber ein Freund von mir erzählte mir, daß es im Russischen ebenso die Unterscheidung zwischen "nemeckij” (=ethnisch Deutsch) und “germanskij” (=”deutschländisch”, aus dem deutschen Staat) gibt. Das beweist, daß hinter der Differenzierung nicht unbedingt eine russische Selbstwahrnehmung steckt, also nichts “Rußlandspezifisches”, sondern anscheinend eine der russischen Sprache allgemein inherenten Weltsicht.
    In der Türkei werden übrigens die ‘Deutschtürken’ als Almanci = “Deutschländer” bezeichnet, im Gegensatz zu Alman = (ethnischer) Deutscher.

    (man verzeihe mir mögliche Schreibfehler in Fremdsprachen, die ich nicht selbst gelernt habe)

    Das ist zwar korrekt, dass man im Russischen die Unterscheidung zwischen "nemezkij" und "germanskij" macht, aber das hat eher historische Gründe (siehe "nemezkaja sloboda" = Vorort von Moskau, in dem sich ab dem 16. Jhd Ausländer, vor allem deutschsprachige ansiedelten. nemezkij <- nemoj = stumm...so wurden zunächst alle Ausländer bezeichnet, da sie ja gewissermaßen stumm waren.)
    Das Wort "rossijane" bzw. "Rossija" (also russisches Reich) wurde erst später, mit der fortschreitenden räumlichen Expansion gebräuchlich. "Rossijane" wurden alle Bewohner des russischen Reichs. Zuvor gab es die "Russkije", das waren die Bewohner der "Rus", also der russischen Erde(!).

    Ihre Beobachtung kann ich bestätigen. Nicht wenige Russlanddeutsche, die Russland in den vergangenen 25 Jahren in Richtung Deutschland verlassen haben, sind inzwischen desillusioniert nach Russland zurückgekehrt. Nichts ist für einen Menschen schlimmer, als das Gefühl, in seiner alten Heimat nicht willkommen zu sein und nicht gebraucht zu werden. Russland hingegen hat sich in diesen 25 Jahren stark verändert. Ich schaue gerade im ersten russischen Fernsehen die Live-Übertragung des Eurovision Song Contest an und stelle dabei fest, wie begeistert und lebendig die Moderatoren berichten. Ich zähle zu den "Neuen Russlanddeutschen" und werde meine deutsche Staatsbürgerschaft in dem Moment abgeben, wo die BR Deutschland mich zwingt, mich für eine "Identität" zu entscheiden. "Weite Menschen" wie mir, ist es im gezähmten, spießigen und von Zukunftsängsten geplagten langweiligen Deutschland zu eng.Und ich habe mich unfrei gefühlt. Meine Beobachtung ist, dass in Deutschland vieles schlechter und in Russland vieles besser wird. Wenn zu Beginn des Tages oder an Neujahr die russische Nationalhymne gespielt wird, bin ich berührt und lächele. In Russland mag es viele viele Probleme geben, aber Russland ist ein wunderbares und freies Land.

  3. "Ich hörte, die Russlanddeutschen hätten sich vor dem Zweiten Weltkrieg nicht integriert, sie seien unter sich geblieben. Anpassen mussten sie sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Von da an war es nicht mehr gern gesehen, wenn Deutsch gesprochen wurde."

    Deutschstämmige Einwohner sind i.d. R. als Kolonisten ins Russische Reich(!) gekommen. So z.B. die s.g. "Kaukasiendeutschen"
    http://de.wikipedia.org/w...

    Der Zar hatte ein Interesse, den erst eroberten Kaukasus dichter zu besiedeln und landwirtschaftliche Gebiete urbar zu machen. Im Gegenzug erhielten die Kolonisten einige Privilegien. Eine Integration, nach welchem Muster auch immer, erscheint mir in diesem geschichtlichen Kontext doch etwas deplaziert.
    Im Gegenteil, die oder eine (Auswahl) aus 5 Fußballmanschaften (siehe Wikiartikel ) nahm sogar an der russ. Meisterschaft teil.

    Es dauerte nicht lange, bis die Privilegien gekappt wurden, ein großer Einschnitt war sicherlich der 1. Weltkrieg.
    Nach der Oktoberrevolution 1917 nahm das russische Primat über alle anderen Völker der gegründeten multinationalen UdSSR drastisch zu, die Rußlanddeutschen eingeschlossen. Das war eine "Zwangsintegration", alle Völker der UdSSR hatten den Großen russischen Bruder zu akzeptieren.

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  4. Sie meinen es sicherlich nicht so, aber von einer erst nach dem 2.Weltkrieg einsetzenden Integration der Rußlanddeutschen zu sprechen, ist meiner Meinung nach schon beinahe euphemistisch.

    Um beim Beispiel der Kaukasiendeutschen zu bleiben: 1941 kam, wer alt genug war, pauschal als Volksfeind in die "Trudarmee", der Rest größtenteils nach Kasachstan oder eben Sibirien.

    Und an wen oder was sollte man sich anpassen? Das russische Primat über die Völker der UDSSR war mit harter Hand auggezwungen.
    Eine Rehabililation fand bis heute nicht statt.
    Z.B. "Wolgadeutsche"
    http://www.welt.de/print-...

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  5. Wer nach zwangsweise Kasachstan kam, in das Dreieck zwischen Karaganda, Pawlodar und Semipalatinsk, für den ging das Leiden zunächst unbemerkt und unerkannt weiter.

    Auf dem Atomwaffentestgelände Semipalatinsk wurden zwischen 1949 und 1989 mehr als 500(!) oberirdische/unterrirdische Tests durchgeführt.

    Heute weiß man, das waren Langzeittest an der "eigenen" Bevölkerung, siehe
    "Großflächige Menschenversuche" auf
    http://www.heise.de/tp/ar...
    Auwahl des Standorts augrund der Windrose, Explosionen bevorzugt zur Erntezeit im Herbst, Krankenhäuser zum Dokumentieren der Versuche,nicht zur Heilung der Kranken.

    So wirklich eigene Bevölkerung war es dann ja doch nicht, da Kasachstan das auch Sammelbecken für alle nationalen Minderheiten war, denen der große Bruder nicht trauen (wollte)

    Eine Leserempfehlung
  6. "Auch in Deutschland bleiben viele Russlanddeutsche unter sich, integrieren sich kaum".

    Einen mangelnden Integrationswillen kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung so nicht bestätigen. Die "ältere" Generation bei uns war bald nach der Einreise Ende der '80 zumindest "arbeitsintegriert". Viele Familien sind im Vergleich zu den hiesigen .-) kinderreich und die Kinder bezahlen brav ihre Rentembeiträge.

    Aber es gibt doch überall solche und solche, nicht wahr!?

    Meine Familie kämpfte seit 1974 um die Ausreise aus der UdSSR.
    Ich schreibe deswegen kämpfte, weil man sich in eine exponierte und sehr angreiffbare Position begab, wenn man den Behörden mitteilte in ein kapitalistisches Land ausreisen zu wollen.

    Und wer das auf sich nimmt - meint es dann doch ernst!

    "Meinen Eltern merkt man ihre russische Herkunft fast gar nicht mehr an."

    Meinen Eltern sah man ihre russische Herkunft noch nie an, höchstens das "Fremde" in Ihnen und wer einen altschwäbischen Dialekt für russisch hält, na ja .-)

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  7. Ja, ich denke, für die Alten war "Deutschland" ein idealisiertes gelobtes Land.
    Infos kamen ja durch den eisernen Vorjang kaum durch und alles schien besser als die UdSSR.
    Was einen verletzt(e) ist, dass man drüben der Deutsche, der Faschist war und hier nun der Russe sein soll.
    Ne, ne Rußlanddeutscher ist schon korrekt. Ein Volk auf dem Weg.

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    Antwort auf "Heimat"
    • PaulWe
    • 08. Mai 2013 1:33 Uhr

    Ich als Russlanddeutscher kann sagen, dass sich die Russlanddeutschen in ihrem Zugehörigkeitsgefühl zu der einen oder anderen Kultur sehr stark unterscheiden. Es gibt diejenigen die mit der russischen Kultur tatsächlich nichts mehr zu tun haben wolllen. Sehr viele sehen sich aber auch in der russischen Kultur verwurzelt und leben diese Kultur. Viele haben neben deutschen, auch russische Vorfahren (So wie ich z.B. ), damit ist man automatisch mit beiden Kulturen "verwoben".

    Das man dort als Deutscher automatisch der Faschist ist kann ich nicht bestätigen (Das war vielleicht mal nach dem 2. Weltkrieg so). Mir ist das trotz meines deutschen Nachnamens nie begegnet. Nach meiner letzten Russlandreise kann ich auch berichten, dass man in Russland als Deutscher durchaus willkommen ist.

    Es wird oft berichtet Russlanddeutsche würden sich gekränkt fühlen wenn sie als "Russen" bezeichnet werden. Ich denke das liegt weniger an der Bezeichnung sondern viel mehr an dem abwertenden Unterton, der dabei oft "mitschwingt".

    Ansonsten kann ich allen Russlanddeutschen nur raten sich nicht hinter dem Deckmantel des Deutschtums zu verstecken. Wir sind eben ein bisschen anders als die Anderen und sollten dazu stehen.

    P.S: Ich empfinde beide Kulturen als bereichernd und sehe deshalb keinen Grund eine der beiden aufzugeben, beide sind Teil meiner Identität

    8 Leserempfehlungen
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    "Das man dort als Deutscher automatisch der Faschist ist kann ich nicht bestätigen (Das war vielleicht mal nach dem 2. Weltkrieg so). [...]"

    Ich meinte auch die Generation meiner und deren Eltern .-)

    Für die ist es teilweise der blanke Hohn als Russe bezeichnet zu werden, eben wegen der Repressalien durch "die Russen" (dass den gar nicht gibt siehe Antw_3 auf #8 ).
    Noch Jahre nach dem Krieg war es eine Bürde, einen deutschen Vor- und Zunamen zu haben und im Pass unter Nationalität "Deutscher" stehen zu haben.
    Eine Bürde, die Sie auf sich nahmen um ihre Identität, ihre Kultur, trotz Repressalien zu bewahren, die Ausreise in die "Heimat" stets vor Augen. "Sonst wollen uns die Deutschen in der Heimat nicht vielleicht nicht mehr"
    Komm #2 bringt wie ich finde schön auf den Punkt, dass man in der UdSSR strikt zwischen "Staatsangehörigkeit" und "Nationalität" unterschied.
    Deswegen ist es für mich auch völlig legitim, dass man sich zum Deutschtum bekannte - Ich weiß, für hiesige Ohren hört sich das gleich "völkisch" an, aber gleiche Worte haben nun mal unterschiedliche Bedeutungen, je nach Kontext. Dafür können die Worte nix.
    Ich kann es der älteren Generation nicht verdenken, dass die sich nach den Repressalien ins Deutschtum flüchteten. Es ist schon fast tragikomisch, dass einerseits gerade die Repressalien den Zusammenhalt unter den Rußlanddeutschen stärkten.

    Es ist die Umgebung die den Menschen formt. Und die Umgebung hier formt genauso - Wer andauernd als Russe angeschielt wird - hat vielleicht bald keine Lust mehr sich in irgendwas zu integrieren. Alles nur menschlich, im ganz direkten Sinne.Die Welt ist voller Mißverständnisse.

    "Ansonsten kann ich allen Russlanddeutschen nur raten sich nicht hinter dem Deckmantel des Deutschtums zu verstecken. Wir sind eben ein bisschen anders als die Anderen und sollten dazu stehen.
    P.S: Ich empfinde beide Kulturen als bereichernd und sehe deshalb keinen Grund eine der beiden aufzugeben, beide sind Teil meiner "

    Es wäre schön, wenn man die Betroffenen zumindest fragen würde. für wen die sich eigentlich halten .-)

    Ich hege auch keinen Groll gegen "den Russen" - den gibt es genauso wenig wie "den Deutschen" oder "den Franzosen" oder den "Griechen". Die Zugehörigkeit zu einer Nation kann sowieso bereits eine gewaltige Persönlichkeitseinschränkung sein, die sucht man sich schließlich nicht aus.

    Aber es gibt überall "die Herrschenden" und scheinbar war es für diese eine zeit lang opportun, den Begriff der Nation zu propagieren, da kann man schön große Heere aufstellen .-)

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Reise | Russland | Alltag | Eltern | Familie | Heimat
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