Ahmad Aziz* will Mitte Juli heiraten. Vor zwei Monaten war er das erste Mal auf dem Standesamt im Berliner Rathaus Schöneberg, Abteilung Eheregister, Anmeldung Zimmer 118. Dann kam er ein zweites, ein drittes und ein viertes Mal und jedes Mal fehlte ein anderes Dokument.

Aziz ist arabischer Israeli, die Frau, die seine zukünftige Frau werden möchte, ist Deutsche. Beide leben in Berlin, er arbeitet in Projekten mit muslimischen Jugendlichen, sie in der freien Wirtschaft. Feiern wollen sie zweimal, in Berlin und in Israel. Vor dem Fest kommt allerdings die Bürokratie, und die hat es in sich – vor allem wenn ein Partner keinen deutschen Pass hat und auch kein EU-Bürger ist.

Hiltrud Stöcker-Zafari kennt das. Für den Verband binationaler Familien und Partnerschaften berät sie Paare, von denen einer keine deutsche Staatsangehörigkeit hat. Als Erstes klärt sie, ob genug Zeit bleibt, die Heirat vorzubereiten. Manchmal dauert es nämlich anderthalb Jahre, bis alle Dokumente vorliegen. Neben der Geburtsurkunde und dem Reisepass verlangt das Familienrecht vor allem ein Ehefähigkeitszeugnis des Herkunftslandes. Es soll belegen, dass aus Sicht der dortigen Behörden nichts gegen eine Eheschließung spricht, das heißt, dass der Heiratswillige ledig ist oder rechtmäßig geschieden wurde.  

Viele Staaten stellen allerdings kein Ehefähigkeitszeugnis aus – auch Israel nicht. Dann beantragt das Standesamt beim Oberlandesgericht eine Befreiung und eine Ledigkeitsbescheinigung. Zum zweiten Termin legte Ahmad Aziz deshalb seine Geburtsurkunde und einen Auszug aus dem israelischen Zivilregister vor, übersetzt, von den israelischen Behörden beglaubigt und von der deutschen Auslandsvertretung bestätigt. Aber auch das reichte noch nicht.

Wenn die Urkunden nicht ausreichen

Dabei hat Aziz sogar noch Glück. Für Israel gilt ein internationales Übereinkommen, das die Anerkennung der Dokumente vereinfacht. Für andere Länder, etwa für Nigeria, Kongo, Indien und Pakistan, reichen Urkunden allein nicht aus. "Wenn die deutschen Behörden dem Urkundenwesen im Ausland nicht trauen, muss alles zusätzlich nachgewiesen werden", erklärt Stöcker-Zafari: wo und wann der ausländische Partner geboren wurde, wo er zur Schule gegangen ist, wo er die letzten zehn Jahre gewohnt hat.

In manchen Fällen schaltet die deutsche Auslandsvertretung einen Vertrauensanwalt ein, der alle Angaben vor Ort überprüft und Referenzen von Familienmitgliedern, Bekannten und Lehrern sammelt. Vor allem in ländlichen Gegenden ist es oft schwierig, die erforderlichen Nachweise zu bringen. "Manche müssen eine Wegskizze anfertigen, etwa, wo die Schule gelegen hat", berichtet Stöcker-Zafari. "Wenn der Anwalt den Weg nicht findet, hat das Paar vielleicht Pech gehabt."

Der Verein fordert, die Verfahren zu vereinfachen. So könnten fehlende Dokumente durch eidesstattliche Versicherungen ersetzt werden. Theoretisch sieht das Gesetz diese Möglichkeit schon vor. "Aber damit geben sich die deutschen Behörden meistens nicht zufrieden", sagt Stöcker-Zafari.