Wir können uns glücklich schätzen, dass unsere Tochter Luise hochbegabte Freundinnen hat. Egal welche Mutter man zum Musikunterricht der Tochter befragt, ob die von Anna, Sophie oder Mia, durch die Bank beginnen sie verzückt zu säuseln: "Es ist fantastisch. Dieses Ton- und Taktgefühl! Die Musiklehrerin ist begeistert! Vielleicht hat sie das ja von uns; wir machen daheim ja ständig Musik ..."

Bei uns daheim dagegen kommt meine Liebste, sie ist berufstätig, nur selten zum Gitarre spielen. Und ich bereue seit gut 35 Jahren, dass meine Eltern mich den Klavierunterricht abbrechen ließen. 

Doch unsere Luise liebte Musik schon als Baby. Bevor sie laufen konnte, wippte sie fehlerfrei im Takt mit den Füßen dazu, und später sang sie selbst beim Zähneputzen vor sich hin. Dazu kam: Die neue Musikschule hatte erstaunlicherweise noch Plätze frei.

Mütterplausch beim Kinderchor

Wir meldeten Luise beim Kinderchor an. Beim ersten Mal ging ich mit. Im Musikraum waren ein halbes Dutzend Kinder unterschiedlichen Alters samt ihren an der Wand aufgereihten Müttern, die das im Müttercafé begonnene Gespräch zwanglos weiterführten, nur etwas lauter, denn eine von ihnen hatte ein brüllendes Baby dabei. Und dann war da ja noch die Musiklehrerin, die gleichzeitig versuchte, Klavier zu spielen, zu verhindern, dass ein offenbar allein gekommener Vierjähriger ständig mit den Fäusten auf die Tasten schlug, und die Kinder lächelnd-nickend zum Mitsingen zu animieren. Doch kaum eins wollte das.

Beim nächsten Mal kam die Musiklehrerin 15 Minuten später, was außer mir niemanden zu stören schien. Ich regte an, ob die Eltern diesmal nicht draußen bleiben sollten, damit die Kinder sich beim Singen weniger befangen fühlten. Eine der Mütter wies mich darauf hin, dass wir spät dran seien, dass die Stunde nun endlich beginnen müsse, und dass ich ja draußen bleiben könne.

Als meine Tochter nachher rauskam, fragte ich sie, ob sie mitgesungen habe. Sie hatte nicht.

Beim übernächsten Mal kam die Musiklehrerin gar nicht. Sie habe gedacht, es seien endlich Schulferien sagte sie, als der Rezeptionist der Musikschule sie anrief, aber sie mache sich jetzt auf den Weg, leider zu Fuß, ihr Rad sei kaputt. Die Mütter sagten, das sei in Ordnung.

Ich sagte der Liebsten, Chor sei nichts für unsere Tochter.