FamilienglückFamilienparadies Schuhladen - nur für Väter nicht

Kind auf der Rutsche verschwunden, keine Verkäuferin in Sicht: Mark Spörrle will Kinderschuhe kaufen. Aber dann wird die Liebste abtrünnig. von 

Schuhkaufende Frauen sind ein Rätsel. Schuhkaufende Mütter erst recht. Allerdings bleibt Müttern manchmal gar nichts anderes übrig, als Schuhe nur für sich selber zu kaufen.

Wir waren bei Schuh-Fritz, einem Schuhladen für die ganze Familie: Damenschuhe im Erdgeschoss, Sportschuhe im Obergeschoss, Kinderschuhe im zweiten Obergeschoss,  Herrenschuhe im dunklen Keller (das machte mir nichts, als Mann brauche ich nur sehr selten Schuhe). Und, um das gleich zu sagen, die Kinderabteilung von Schuh-Fritz war eine Wucht: Es gab Kuscheltiere. Bobbycars. Monitore mit mehreren Computerspielen. Eine gigantische splitterfreie Holzrutsche. Es war, als käme man in einen riesigen Kindergarten.

Anzeige

Schuhe gab es natürlich auch. Aber keines der circa 20 Kinder, die hier herumflippten, achtete auf sie. Oder auf die Eltern. Die standen zwischen den Schuhregalen, in denen sich lauter rechte Schuhe befanden, riefen nach Benno oder Alma. Und wenn ein Elternteil, meist der Vater, völlig entnervt war, rannte es los, riss Alma oder Benno von der Rutsche und schleppte das wie ein gefangener Frischling quiekende Kind zur Zwangsanprobe. Wenn die vorbei war, machten sich die nass geschwitzten Eltern, rechte Schuhe wie Trophäen schwenkend, auf die Suche nach den dazugehörigen linken. Also nach einem Verkäufer.

Andere Eltern kamen nicht mal so weit. Denn sie – wir gehörten auch dazu –  hatten gehört, dass es wichtig ist, Kinderfüße vor der Schuhanprobe von fachkundigem Personal vermessen zu lassen. Sonst könnten die kindlichen Füße für alle Zeiten grausamst verformt werden; man kennt das aus China.

Aber auch das war wie im Kindergarten: Es gab kein Personal.

"Das kann nicht sein", schimpfte die Liebste, als wir das gesamte Stockwerk durchkämmt hatten. "Nicht eine Verkäuferin!"

Eine Mutter, die auf einer Fußbank saß und an einer Zimtschnecke kaute, warf ein: Vor einer Stunde sei eine Verkäuferin hier gewesen und mit drei rechten Schuhen verschwunden, um drei linke zu holen. "Aber wenn sie zurück kommt – ich war vor Ihnen!"

Mark Spörrle: »Kommt Oma auf den Kompost, wenn sie tot ist«

Die besten Familienglück-Geschichten gibt es jetzt als Buch. Mark Spörrle: "Kommt Oma auf den Kompost, wenn sie tot ist", Piper Verlag, 8,99 EUR  |  © Piper Verlag

Die Liebste stürmte die Treppe hinunter und kam postwendend zurück, hinter sich eine Verkäuferin mit roter Brille und rotem Gesicht, die behauptete, sie sei auf dem Weg hierher gewesen. Die Liebste korrigierte: Die Rotbrille habe sich im ersten Stock hinter den Laufschuhen versteckt.

"Wo sind unsere drei linken Schuhe?", fragte die zimtschneckenkauende Mutter dazwischen.

"Nein, unsere!", rief ein stämmiger Vater. "Wir warten ewig, verdammt nochmal!"

"Ich sehe schnell nach!", erwiderte die Verkäuferin und wollte hastig verschwinden. Ich bat sie sehr entschieden, vorher Luises Füße zu messen. Sie seufzte und zog ein Fußmessgerät aus einem Versteck. Uns blieb nur wenig Zeit. Von allen Seiten steuerten Eltern mit unerbittlichem Blick und Schuhen in den Händen auf uns zu.

Leserkommentare
  1. dass es für die Frau eine große Auswahl an passenden und gutaussehenden Schuhen gibt, für Kinder aber mal wieder nichts dabei ist. Was genau umgekehrt zum Bedarf steht.

  2. Redaktion

    Das liegt natürlich an den Verdienstspannen. Die sind bei Damenschuhen beachtlich....!

    3 Leserempfehlungen
  3. ... da ist dann ein sommerlicher Schuh und ein Winterstiefel dabei.
    Dann brauchen Sie evtl. noch zwei-, dreimal im Leben Gummistiefel und Sportschuhe.

  4. .. nee ehrlich, in so einen Laden würde ich auch nur einmal gehen, einmal und nie wieder. Schade um die Zeit.

    Im Internet ist die Auswahl auch groß und wir können zu Hause gemütlich anprobieren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    ... ist auch nicht ohne: Schuhe, die man sich nach Hause schicken lässt, sehen oft viel weniger attraktiv aus, bzw. fühlen sich viel weniger attraktiv an, als man von den Fotos her vermuten würde. Und dann muss man alles wieder einpacken, zur Postfiliale ächzen – die natürlich heute früher Schluss gemacht hat...

  5. Redaktion

    ... ist auch nicht ohne: Schuhe, die man sich nach Hause schicken lässt, sehen oft viel weniger attraktiv aus, bzw. fühlen sich viel weniger attraktiv an, als man von den Fotos her vermuten würde. Und dann muss man alles wieder einpacken, zur Postfiliale ächzen – die natürlich heute früher Schluss gemacht hat...

    2 Leserempfehlungen
    • fudge
    • 07. Juni 2013 14:34 Uhr

    Eine herrliche Geschichte, nach deren Lektüre ich interessehalber in einem führenden Buchshop nach dem Buch von Herrn Spörrle gesucht habe.

    Sehr amüsant fand ich, was besagter Buchshop als gesponsorte Links vorschlägt:
    "Sternsieb mit Windsichter: Aufbereitung von Erden bis hin zur Gewinnung von Mutterboden" und "Problem Komposthaufen: Deutsche Anwaltshotline, sofort telefonische Rechtsberatung. 7-1h".

    Macht Sinn, ist in dem Zusammenhang aber dennoch erheiternd.

  6. der alles sagt:
    :-)

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Familienglück
  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Eltern | Kindergarten
Service