Als Vater habe ich die Erfahrung gemacht, dass Kinder von ihren Eltern vor allem Zeit wollen. Diese Zuwendung macht Kinder stark und zuversichtlich. Die Zeit, die sich Kita-Angestellte, Lehrer oder Sportvereine für Kinder nehmen, kann die Eltern-Zeit ergänzen, aber nicht ersetzen.

Wir haben drei Kinder und empfinden es als Luxus, dass einer von uns zu Hause bleiben kann. Dafür haben meine Frau und ich uns bewusst entschieden. In unserem Fall gehe ich arbeiten, weil wir so ein höheres Familieneinkommen haben.

Doch viele Familien können sich das Alleinverdienermodell nicht mehr leisten, was vor 20 Jahren noch anders war. Alleinerziehende müssen ohnehin arbeiten gehen.

Wir verzichten für das Mehr an Zeit auf Geld. Im Vergleich zu meinen Kollegen, deren Partner arbeiten, müssen wir sparsamer leben. Wie lange werden wir uns diesen Zeit-Luxus noch leisten können?

Mich beunruhigen zwei parteiübergreifende Tendenzen in der Familienpolitik: Der Eindruck, dass es eine Art Leitbild der modernen Familie mit doppelt berufstätigen Eltern gibt und die Ökonomisierung von familienpolitischen Fragen. Beide Tendenzen zielen darauf ab, Väter wie Mütter möglichst ganztags in die Berufstätigkeit zu bringen.

Ist Ökonomie wichtiger als Familie?

Bei Grünen und SPD wird zum Beispiel diskutiert, das Ehegattensplitting zu reduzieren oder für neu geschlossene Ehen ganz abzuschaffen, um dieses Geld in die Ganztagsbetreuung von Kindern zu investieren.

Das würde das Haushaltseinkommen von Familien mindern und mehr Eltern zwingen, berufstätig zu werden oder aus ihren halben Stellen Ganztagsstellen zu machen. Die Befürworter  argumentieren mit Gender-Aspekten, mit den Bedürfnissen von Familien sowie mit der Erwerbsgerechtigkeit von Frauen und Männern. Die Bedürfnisse von Kindern bleiben unberücksichtigt.

Wirtschaftslobbyisten argumentieren anders, wollen aber das Gleiche. Sie sprechen von der Alterung der Gesellschaft und vom Mangel an Arbeitnehmern, um Männer wie Frauen zum ganztags arbeiten zu bringen. Sie ökonomisieren damit Familienfragen.

Dabei wollen Eltern und Kinder eigentlich etwas anderes. Ein Forschungsprojekt des Finanz- und des Familienministeriums hat kürzlich ergeben, dass Eltern das Kindergeld nutzen, um weniger zu arbeiten und mehr Zeit für ihre Kinder zu haben.

Treffen allerdings Eltern die Entscheidung, auf Geld zu verzichten und sich mehr ihren Kindern zu widmen, reden alle Parteien im Bundestag von fehlerhafter Anreizsetzung. Es wird Zeit für eine Elternquote im Parlament.