Leserartikel

KinderbetreuungWir brauchen eine Elternquote

Eltern arbeiten zu viel und haben zu wenig Zeit für ihre Kinder. Der Staat sollte finanzieren, dass sich das ändert, schreibt Leser Christoph Scheytt. von Christoph Scheytt

Als Vater habe ich die Erfahrung gemacht, dass Kinder von ihren Eltern vor allem Zeit wollen. Diese Zuwendung macht Kinder stark und zuversichtlich. Die Zeit, die sich Kita-Angestellte, Lehrer oder Sportvereine für Kinder nehmen, kann die Eltern-Zeit ergänzen, aber nicht ersetzen.

Wir haben drei Kinder und empfinden es als Luxus, dass einer von uns zu Hause bleiben kann. Dafür haben meine Frau und ich uns bewusst entschieden. In unserem Fall gehe ich arbeiten, weil wir so ein höheres Familieneinkommen haben.

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Doch viele Familien können sich das Alleinverdienermodell nicht mehr leisten, was vor 20 Jahren noch anders war. Alleinerziehende müssen ohnehin arbeiten gehen.

Wir verzichten für das Mehr an Zeit auf Geld. Im Vergleich zu meinen Kollegen, deren Partner arbeiten, müssen wir sparsamer leben. Wie lange werden wir uns diesen Zeit-Luxus noch leisten können?

Mich beunruhigen zwei parteiübergreifende Tendenzen in der Familienpolitik: Der Eindruck, dass es eine Art Leitbild der modernen Familie mit doppelt berufstätigen Eltern gibt und die Ökonomisierung von familienpolitischen Fragen. Beide Tendenzen zielen darauf ab, Väter wie Mütter möglichst ganztags in die Berufstätigkeit zu bringen.

Ist Ökonomie wichtiger als Familie?

Bei Grünen und SPD wird zum Beispiel diskutiert, das Ehegattensplitting zu reduzieren oder für neu geschlossene Ehen ganz abzuschaffen, um dieses Geld in die Ganztagsbetreuung von Kindern zu investieren.

Das würde das Haushaltseinkommen von Familien mindern und mehr Eltern zwingen, berufstätig zu werden oder aus ihren halben Stellen Ganztagsstellen zu machen. Die Befürworter  argumentieren mit Gender-Aspekten, mit den Bedürfnissen von Familien sowie mit der Erwerbsgerechtigkeit von Frauen und Männern. Die Bedürfnisse von Kindern bleiben unberücksichtigt.

Wirtschaftslobbyisten argumentieren anders, wollen aber das Gleiche. Sie sprechen von der Alterung der Gesellschaft und vom Mangel an Arbeitnehmern, um Männer wie Frauen zum ganztags arbeiten zu bringen. Sie ökonomisieren damit Familienfragen.

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Dabei wollen Eltern und Kinder eigentlich etwas anderes. Ein Forschungsprojekt des Finanz- und des Familienministeriums hat kürzlich ergeben, dass Eltern das Kindergeld nutzen, um weniger zu arbeiten und mehr Zeit für ihre Kinder zu haben.

Treffen allerdings Eltern die Entscheidung, auf Geld zu verzichten und sich mehr ihren Kindern zu widmen, reden alle Parteien im Bundestag von fehlerhafter Anreizsetzung. Es wird Zeit für eine Elternquote im Parlament.

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Leserkommentare
  1. Dennoch zwei Fragen zum etwas brachial daherkommenden letzten Absatz:

    Wie soll eine Elternquote im Parlament verwirklicht werden, wobei man gleichzeitig die demokratischen Spielregeln einhält?

    Würde eine Elternquote für diese Institution wirklich automatisch zu mehr Sensibilität gegenüber Eltern führen - und nicht bloß dazu, dass man nun auch dort Eltern hat, die zuviel arbeiten?

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    der Artikel ist ein blendes Beispiel für das Anspruchsdenken der modernen LOHAS (lifestyle of health and sustainability).
    Er zeigt das etatistische Grundverständnis der neuen, bürgerlichen , bildungsaffinen Mittelschicht ( ,die sich selbst als Oberschicht versteht) und vornehmlich grün wählt.
    Der Staat hat "gefälligst" möglichst alles zu finanzieren und zu unterstützen.

    Schöner Nebeneffekt: im überalimentierten Staatsdienst werden zigfach neue Stellen geschaffen, So wäscht eine Hand die andere..

    das sind keine PAuschalisierungen ,sondern einfach Feststellungen aus der Beobachtugn der meisten studentenstädte im Süden.

    tragisch, dass diese FEhlentwicklung nicht offensiver von den Medien kommuniziert wird

    Wir produzieren allgemein zuviel, zu schlecht, zu unnötig und häufig am realen Bedarf vorbei.

    Würde man dies insgesamt änderen wäre auch den Eltern geholfen. Ein Hindernis hierbei ist erstmal der Bedarf der Finanzeliten an ständigen Einnahmen, aber dies kann man ja ändern.

    Das von Herrn Scheytt völlig zurecht angesprochene Problem der Zeit für Kinder ist durchaus vorhanden. Völlig richtig auch die Erkenntnis, die politischen Lager mögen sich in der Begründung unterscheiden, nicht aber in der Sache der Benachteiligung der Kinder. Dies kommt bei beiden heraus.

    Ich finde jedoch, anstatt an einzelnen Stellschrauben herum zu drehen welche häufig nur kosmetische Korrekturen erlauben, kann man ruhig einmal langsam das grundlegende Problem angehen.

    Den Ruf nach einer Elternquote habe ich als kleine "spitzbübische" Provokation aufgefasst. Deshalb kann ich dem Herr Scheytt diesbezüglich auch nur zustimmen. Im Bundestag sitzen einfach zu viele Leute, die im Bezug auf KInder (im Zusammenhang mit "Familie") wie die Blinden von der Farbe reden.

    Besonders ausgeprägt scheint mir das bei den Grünen, die ja mehr und mehr einen familienfeindlichen Standpunkt einnehmen. Ohne, dass die sagen oder wissen, wo es längs gehen soll, sind die besonders auf ein Ziel ausgerichtet: Kaputt machen, was auch irgendwie nach Tradition riecht.

  2. "Es wird Zeit für eine Elternquote im Parlament."
    Im der aktuellen Bundestag gaben 53,5 % der Abgeordneten an, sie seien verheiratet und hätten Kinder.
    http://www.bundestag.de/d...

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    421 der 619 Abgeordneten sind Eltern laut Abgeordnetenwatch

  3. 421 der 619 Abgeordneten sind Eltern laut Abgeordnetenwatch

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    • karoo
    • 20. Juni 2013 16:35 Uhr

    Interessant wäre es, zu erfahren wieviele Abgeordete nicht-erwachsene Kinder haben, mit denen sie zusammenleben und deren Mutter auch vollzeit berufstätig ist.
    Ein Abgeordneter dürfte auch auf Kindergeld nicht angewiesen sein. Ein Vortrag pro Jahr dürfte das mehr als ausgleichen.

  4. der Artikel ist ein blendes Beispiel für das Anspruchsdenken der modernen LOHAS (lifestyle of health and sustainability).
    Er zeigt das etatistische Grundverständnis der neuen, bürgerlichen , bildungsaffinen Mittelschicht ( ,die sich selbst als Oberschicht versteht) und vornehmlich grün wählt.
    Der Staat hat "gefälligst" möglichst alles zu finanzieren und zu unterstützen.

    Schöner Nebeneffekt: im überalimentierten Staatsdienst werden zigfach neue Stellen geschaffen, So wäscht eine Hand die andere..

    das sind keine PAuschalisierungen ,sondern einfach Feststellungen aus der Beobachtugn der meisten studentenstädte im Süden.

    tragisch, dass diese FEhlentwicklung nicht offensiver von den Medien kommuniziert wird

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    Die Stellen im ÖD wurden in der Vergangenheit kräftig runtergefahren.

    Und Familien sind nun mal die Grundpfeiler eines jeden Staates, auch wenn das die GrünInnen anders sehen. Deshalb hätte ich gegen eine bessere (BESSERE!) Familienförderung nichts einzuwenden. Nein, ich hätte persönlich nichts davon, meine Kinder sind erwachsen.

    "Feststellungen aus der Beobachtung der meisten Studentenstädte im Süden" - Ich frage mich, wie man noch mehr pauschalisieren könnte.

    Haben Sie das empirisch erforscht? Wann genau haben Sie denn beobachtet? Und wen? Und über welchen Zeitraum? Und wo? Was ist denn eine Studentenstadt? Und wo fängt bei Ihnen der Süden an und wo hört er auf?

    Wenn Sie das übrigens tatsächlich mal untersuchen wollen würden, werden Sie Studenten, Professoren, Unis, all das brauchen. Und das sind übrigens auch die, die sich darüber Gedanken machen, was ein Bürger von einem Staat erwarten können sollte, was legitime Funktionen des Staates sind oder sein sollten, usw. Denn schließlich und endlich ist "der Staat" nicht etwas, das ganz und gar außerhalb von uns stünde, sondern etwas, das wir für UNS geschaffen haben, und zwar damit er bestimmte Funktionen erfüllt. Welche das sein sollen, darüber muss nachgedacht und diskutiert und geforscht werden.

    Spontane Beobachtungen und vorschnell gezogene Schlüsse eines Einzelnen helfen da aber wirklich nicht weiter, sorry.

    In Städten mit Unis gibt es viele Studenten und öffentliche Angestellte. Unglaublich!

    Hallo FDP: sofort privatisieren!

    Übrigens: Auf dem Land gibt es überdurchschnittlich viele Landwirte, an der Küste viele Seeleute und Wolfsburg viele Menschen die was vom Autos bauen verstehen, wer hätte das gedacht?

    • Occam
    • 19. Juni 2013 18:22 Uhr

    http://www.bundestag.de/b...
    und
    https://www.destatis.de/D...
    weisen für mich eher darauf hin, dass Eltern im Parlament eher überrepräsentiert sind.
    Und auch sonst recht widersprüchlich. Ist das Ehegattensplitting zu befürworten, weil der Staat damit finanziert, dass ein Elternteil weniger Zeit mit seinen Kindern verbringt? Dieser Elternteil zieht dann die Ökonomie der Familie vor. Sind die staatlichen Instrumente zu loben, die dies ökonomisch begünstigen? Eine schlüssigere Forderung wäre doch, mehr Kindergeld, dass dann genutzt werden könnte, um weniger zu arbeiten und mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Durch ihre Arbeitsteilung trägt ein Elternteil das komplette Armutsrisiko der Elternschaft. Das bei einer sich annähernden Rollenverteilung zwischen beiden Elternteilen im Hinblick auf Erwerbsarbeit und Kindererziehung am Ende weniger Zeit für die Kinder herauskommt, stimmt so direkt nicht. Zunächst kommt wohl eine in der Summe finanziell schlechtere Lage dabei heraus, wobei aber die Risiken ähnlicher verteilt sind.

  5. habe gerade gegoogelt..schon bezeichnend, dass auch das Vorurteil bestätigt werde, wie ich in Kommentar 4 schreibe :D..
    tja.die Beamten..Es lebt sich vortrefflich vom Staate, da kann man natürlich noch mehr QUoten etc. fordern..der Steuerzahler finanzierts ja gerne..

    blanker Hohn und bezeichnend, dass diese Schicht vornehmlich grün wählt.
    Den Charme bildungsmäßiger Überlegenheit und natürlich den der moralischen ,nimmt man natürlich gerne mit

    4 Leserempfehlungen
  6. Wir brauchen keine Quoten, egal welcher Art, auch nicht für Eltern. Wir haben auch mehrere Kinder und ich meine dann wählen wir eben mehr Leute, die entweder auch die Interessen von Famlien deutlich verteten oder zur Not halt bevorzugt Politiker mit Kindern. Und damit meine ich nicht primär das Ziel mehr finanzieller Förderung. Allerdings sollte man mit einem qualifizierten Vollzeitjob schon eine kleine Familie finanzieren können, so dass nicht beide Elternteile unbedingt "gezwungen" sind, Vollzeit arbeiten müssen.

    Na ja, Familiensplitting, Quoten, Gender und Co. Was meinen Sie, weshalb die SPD derzeit so bescheidene Umfragewerte hat, eben weil sie sich auf für Durchschnittsbürger- und Familien sekundären Felder verkämpft, manchmal fast verbiestert. Ich meine jeder Einzelne und jede Familie sollte selbst über Ihr Leben bestimmen. Was da an Diffamierung z.B im Bezug auf das Betreuungsgeld (Herdprämie!) ablief, war grenzwertig. Kinder bedeuten fast immer einen "finanziellen" Verzicht. Das ist eben so und sollte m.E. auch nicht durch den Staat kompensiert werden. Es ist eine persönliche Entscheidung und Werteeinstellung.

    Ich sehe die Famileien und Kinderdebatte und Entwicklung übrigens locker. Viele Familien, ob CDU, FDP, Grün- oder SPD-Wähler, leben konservativer, bzw. "tradioneller", als es uns Politik und Medien weismachen wollen, zumindets mit kleinen oder mehreren Kindern. In ein paar Jahren ist vielleicht auch Kita und Co wieder ziemlich out.

    15 Leserempfehlungen
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    natürlich brauchen wir keine Quoten..
    darum geht es doch zu Zeit..nicht dier Moralapostelei der Grünen..sondern vielmehr.: wie viel Staat braucht man?
    braucht man den etatistscihen Funktiojnärsstaat ,in dem die BEamten die Elite sind, wie es die Grünen wollen? oder hat man einen freien Verbund von Menschen, wie ihn zBsp die FDP propagiert?

    Quoten sind immer das Anfang vom Ende

    In ein paar Jahren ist vielleicht auch Kita und Co wieder ziemlich out.

    Da kann man von ausgehen,da es nicht ausreichend Erziehernachwuchs gibt

    • Kauri
    • 22. Juni 2013 6:54 Uhr

    Ich stimme Ihnen als älterer Mitbürger, der seine "Pflicht" getan hat, zu.
    Ich bin zwar als Flüchtlingskind nach dem Krieg auf so einem bildungsfernen ( noch im wahrsten Sinne des Wortes) Dorf aufgewachsen und habe das halbe Dorf als Erzieher und Ansprechpartner gehabt. Trotz materieller Armut war das eine "geile Zeit" würde man heute sagen. Dagegen sind Kitas und Kindergärten mit ihrem bezahlten Personal so etwas, wie fast food. Irgendwann kommen alle zurück zum natürlichen Leben. Wir sind jetzt erst in der Phase, dass wir uns wieder besser ernähren. Partnerschaft ist schon wieder en Vogue , do-it-Yourself auch. Der nächste Schritt ist, dass bewusste Eltern die Erziehung ihrer Brut nicht sog. Profis überlassen. Der Trend zu Privatschulen ist ja nur der Beweis, dass etwas mit dem staatlichen Angebot nicht stimmt.

  7. natürlich brauchen wir keine Quoten..
    darum geht es doch zu Zeit..nicht dier Moralapostelei der Grünen..sondern vielmehr.: wie viel Staat braucht man?
    braucht man den etatistscihen Funktiojnärsstaat ,in dem die BEamten die Elite sind, wie es die Grünen wollen? oder hat man einen freien Verbund von Menschen, wie ihn zBsp die FDP propagiert?

    Quoten sind immer das Anfang vom Ende

    Eine Leserempfehlung
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    ziehen Sie hier vom Leder gegen ein diffuses Feindbild aus Grünen, Beamten, Staat und sich selbst überschätzenden Mittelschichtlern. Zur Debatte trägt das nichts bei außer Lärm.

    Wenn Sie denn wöllten, könnten Sie beispielsweise auf vermeintliche Gründe eingehen, warum Sie glauben, dass Quoten immer der Anfang vom Ende sind. Mir ist das nämlich nicht klar.

    Eine persönliche Bitte: Ein bisschen weniger laut, ein bisschen mehr argumentativ.

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Grüne | SPD | Arbeitnehmer | Bundestag | Ehe | Ehegattensplitting
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