Wer aufgrund seiner Homosexualität in seiner Heimat strafrechtlich verfolgt wird, kann bald auf Asyl in der EU hoffen. Für solch einen Schutz plädierte die Generalanwältin am Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg in ihren Schlussanträgen zu drei Fällen von Flüchtlingen aus afrikanischen Ländern. Da die Richter zumeist den Anträgen der Generalanwälte folgen, wird mit einem ähnlichen Urteil gerechnet, das aber erst in einigen Monaten erwartet wird.

Eleanor Sharpston sagte, die bloße Strafbarkeit von homosexuellen Praktiken im Herkunftsland sei zwar noch kein Asylgrund. Die zuständigen Behörden hätten beim Asylantrag vielmehr zu prüfen, ob es wahrscheinlich sei, dass der jeweilige Asylbewerber wegen seiner sexuellen Orientierung tatsächlich verfolgt wurde oder durch die Summe "unterschiedlicher Maßnahmen" in seinen Menschenrechten verletzt wurde.

Die Generalanwältin hob im Zusammenhang dabei hervor, dass von Homosexuellen nicht verlangt werden könne, ihre sexuelle Ausrichtung in der Heimat geheim zu halten, um einer Verfolgung zu entgehen. Damit widersprach Sharpston der Entscheidung niederländischer Behörden.

In den vorliegenden Fällen von drei homosexuellen Asylbewerbern aus Sierra Leone, Uganda und Senegal hatte das niederländische Ministerium für Einwanderung und Asyl die Auffassung vertreten, Ausländern sei es zuzumuten, sich "beim öffentlichen Ausleben ihrer Homosexualität" in den Herkunftsländern zurückzuhalten.