Deutscher StädtetagMehr als 100.000 Krippenplätze fehlen

Ab 1. August hat jedes Kind unter drei Jahren Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Laut Deutschem Städtetag gibt es aber immer noch nicht genügend Plätze.

Gut drei Wochen vor dem Start des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz fehlen nach Schätzung des Deutschen Städtetags bundesweit noch mehr als 100.000 Plätze für Kinder unter drei Jahren.

Hauptgeschäftsführer Stephan Articus rechnet dennoch nicht damit, dass viele Klagen eingehen werden. Der Ulmer Südwest Presse sagte er, dafür gebe es bis jetzt keine Anzeichen. Wenn in Einzelfällen geklagt werde, womit zu rechnen sei, werde man in den Jugendämtern "sicher versuchen, sich mit den Eltern zu verständigen und andere Angebote zu machen – etwa für ganz kleine Kinder die früher sehr beliebten Krabbelgruppen," sagte Articus.

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Articus verteidigte die Kommunen gegen den Vorwurf, zu lange mit den nötigen Investitionen gezögert zu haben. Im Westen hätten viele Städte und Regionen mit einem Versorgungsanteil von sechs Prozent begonnen. In manchen Groß- und insbesondere auch Universitätsstädten liege der Bedarf aber über 50 Prozent der Kinder. "Über 300.000 Plätze allein in den Städten waren ein unglaublicher finanzieller Aufwand", sagte Articus.

Er räumte ein, dass der Städtetag das Interesse an Tagespflege unterschätzt habe. "Mittlerweile nutzen viele Eltern diese Angebote ganz gerne, weil sie individueller und flexibler ausmachen können, wann sie ihr Kind bringen und holen", sagte er.

Nach Schätzungen des Familienministeriums vom Mai 2012 fehlten bundesweit 130.000 Betreuungsplätze in Kitas oder bei Tagesmüttern. Nach den Angaben von Familienministerin Kristina Schröder damals standen 600.000 Plätze zur Verfügung. Die aktuellen Zahlen zum Stand des Kita-Ausbaus will Schröder am kommenden Donnerstag vorstellen.

Kita-Platz-Garantie 

Eine große Hürde ist auch der Personalmangel an Erzieherinnen und Erziehern. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, fasste es kürzlich so zusammen: "Der Westen hat nicht genug Krippen-Plätze, im Osten muss hauptsächlich mehr in Qualität investiert werden." Die Stiftung hatte sich in einer umfassenden Studie mit der Situation in den Kindertageseinrichtungen der Bundesrepublik befasst.

Die Studie ergab auch, dass es das schlechteste Betreuungsverhältnis in den Krippen in Sachsen-Anhalt gibt, wo eine Erzieherin statistisch 6,5 Kinder betreut. In Bremen dagegen kommt eine Krippenerzieherin auf durchschnittlich 3,1 Ganztagskinder.    

Kaum noch ein Problem ist laut Studie hingegen die Zahl der Kita-Plätze für über Dreijährige, wobei eine Erzieherin in Ostdeutschland auch hier mehr Kinder betreut als im Westen. Weit voraus ist der Osten bei der Ganztagsbetreuung. Fast drei Viertel aller ostdeutschen Kinder besuchen mehr als 35 Stunden pro Woche eine Kindertageseinrichtung. Im Westen liegt dieser Anteil dagegen bei den unter Dreijährigen nur bei 43,6 Prozent. Bei den über Dreijährigen besucht sogar nur jedes dritte Kind im Westen ganztägig einen Kindergarten.

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Leserkommentare
    • persef
    • 09. Juli 2013 8:09 Uhr

    ..sind weiss und haben blonde Haare. Wo bleibt die Quote? Man könnte fast den Eindruck bekommen die Kitas werden nur für Eingeborenenkinder gebaut...

    Eine Leserempfehlung
    • mmt79
    • 09. Juli 2013 8:37 Uhr

    das ist ja wohl ein schlechter Scherz?????
    90 % der Eltern, die ihr kleines Kind betreuen lassen wollen, tun dies um zu arbeiten.... 2 h Krabbelgruppe ist da sicherlich hilfreich ....
    und wenn das dann auch noch von der Stadt mitfinanziert wird kriegt man nicht mal mehr das Betreuungs(taschen)geld :-D
    Wenn der sich denkt, die Eltern werden nicht klagen, dann irrt er sich gewaltig!
    Hier wollen alle klagen ...
    Gefühlt haben hier die meisten der gut ausgebildeten, nicht alleinerziehenden Eltern keinen Betreuungsplatz erhalten ....

    3 Leserempfehlungen
    • kaila
    • 09. Juli 2013 9:12 Uhr

    Also ich denke auch das viele Klagen werden. Wenn ich eine qualifizierte Betreuung will, gebe ich ein Kind doch nicht in die Krabbelgruppe. Und man gibt sein Kind ja nicht ab, weil man keinen Bock drauf hat, sondern weil man Arbeiten gehen muss. Und dann die Sprüche vom Amt, schauen sie sich doch die Einrichtungen an und suchen sich die Gewünschte raus. Man ist ja froh, wenn man überhaupt was bekommt. Und weil es keine zentrale Verwaltung gibt, weiß auch keiner wie hoch der tatsächliche Bedarf ist. Planungssicherheit ist nicht gegeben und bevorzug werden neben Alleinerziehenden (verständlich) vor allem sozial Schwache, die eigentlich zu Hause sind (gut fürs kind, aber nicht wirklich fair). Also wer mehr als 1 kind hat und berufstätig ist und dann schlimmsten Falls in diesem Jahr gerade umgezogen ist, kenn den Frust.

    3 Leserempfehlungen
  1. Artikel: "Hauptgeschäftsführer Stephan Articus rechnet dennoch nicht damit, dass viele Klagen eingehen werden. Der Ulmer Südwest Presse sagte er, dafür gebe es bis jetzt keine Anzeichen."

    Klarer Fall von demonstrativem Zweckoptimismus, man will die Eltern ja nicht noch auf Ideen bringen. Ich rechne im Gegenteil damit, dass Eltern reihenweise versuchen werden, sich einen Betreuungsplatz einzuklagen. Der Frust über fehlende Betreuungsplätze und die damit verbundenen langen Wartezeiten dürfte jedenfalls groß genug sein. Warten wir es ab, besonders gespannt bin ich auf die verwaltungsgerichtlichen Urteile.

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  2. Ich liege dem Arbeitsamt schon seit Jahren damit in den Ohren mir eine Ausbildung zum Erzieher zu finanzieren, da in meinem erlernten Beruf als Bürokaufmann einfach nichts mehr zu finden ist und ich gut mit Kindern umgehen kann.

    Leider sieht das in Deutschland nunmal so aus, dass das Arbeitsamt mir die Leistungen komplett streichen würde, täte ich es wagen mit 31 Jahren eine Ausbildung zum Erzieher zu beginnen.

    Umschulungen als Erzieher werden hier in Niedersachsen leider nicht angeboten.

    Zumindestens konnte ich eine zweimonatige Fortbildung zum Integrationshelfer machen und kann nur hoffen nach den Ferien in einer Schule arbeiten zu können. Dort würde ich dann ein Kind mit Einschränkungen betreuen.

    Bezahlung? Tjo, 700 Euro brutto monatlich...

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    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... dann würden auch wieder mehr diesen Beruf wählen. Und bildet Erzieher so aus, daß sich das mehr Auszubildende leisten können! Denkt einmal darüber nach, welche Verantwortung Erzieher für die Zukunft des Landes tragen!

  3. ... dann würden auch wieder mehr diesen Beruf wählen. Und bildet Erzieher so aus, daß sich das mehr Auszubildende leisten können! Denkt einmal darüber nach, welche Verantwortung Erzieher für die Zukunft des Landes tragen!

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  4. Ein gutes Betreuungsgeld wäre evtl. eine Alterantive. Es würde nicht nur die Leistung der Mütter als Arbeit anerkannt, wenn die alberne Beschränkung des Geburtsjahres und von Harz IV entfernt würde, dann könnte man tatsächlich gerade in strukturschwachen Gegenden Leute finden, die lieber zu Hause mit dem Kind arbeiten (also erziehen).

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  5. "Weit voraus ist der Osten bei der Ganztagsbetreuung. Fast drei Viertel aller ostdeutschen Kinder besuchen mehr als 35 Stunden pro Woche eine Kindertageseinrichtung. Im Westen liegt dieser Anteil dagegen bei den unter Dreijährigen nur bei 43,6 Prozent. Bei den über Dreijährigen besucht sogar nur jedes dritte Kind im Westen ganztägig einen Kindergarten."
    Wieso voraus? Wieso nicht hinterher? Wieso immer dieser Hang, Kinder möglichst lange auswärts zu betreuen? Kinder, die mehr als 35 Stunden pro Woche in einer Betreuung sind - also eine längere "Arbeitszeit" haben als mancher Erwachsene?
    Die ersten Lebensjahre sind die wichtigsten. Sämtliche Fähigkeiten müssen hier gebildet und trainiert werden. Eine Mutter mit 3 Kindern wird da schon sagen, dass sie dem nicht gerecht werden kann. Wie soll das ein Betreuer oder eine Betreuerin schaffen?
    Wenn man heute 40 bis 50 Jahre arbeiten geht - was ist so schlimm daran, mal 5-6 Jahre kürzer zu treten und sich seinem Nachwuchs zu widmen? Ihm das bestmögliche an Liebe, Fürsorge und Beschäftigung zu geben, damit es nachher ein sozialer, ausgeglichener, glücklicher Mensch werden kann?
    Mir ist klar, dass zuhause bleiben nicht gleich gute Betreuung für das Kind gedeutet (wenn es nur vor dem TV geparkt wird...). Es wird immer schwerer für junge Frauen, sich einfach für ihr Kind zu entscheiden und Mutter zu sein. Welche Unterstützung da benötigt wird, fragt keiner.
    Aber anspruchsvolle Kindererziehung ist halt anstrengender als Arbeit...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, afp, dk
  • Schlagworte Kristina Schröder | Bertelsmann Stiftung | Eltern | Jörg Dräger | Kindergarten | Kindertagesstätte
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