Familienglück"Ich gehe nie wieder in die Kinderbetreuung"

Luise ist ein Einzelkind. Sie soll sich nicht langweilen im Urlaub. Mark Spörrle versucht es mit einem teuren Kinderhotel. von 

Luise ist ein Einzelkind. Damit sie sich im Urlaub nicht so langweilte fuhren wir mit ihr in dieses wunderschöne, teure Familienhotel, in dem auch die Liebste und ich uns wohl fühlten. Unsere Tochter genoss mit uns das Schwimmbad. Sie schleifte uns ins Spielzimmer. Sie hielt es sogar circa zehn Minuten allein mit den freundlichen Kinderbetreuerinnen und den anderen Kindern aus, bevor sie davon lief und wild an unsere Zimmertür hämmerte, was in dem Moment etwas ungünstig war.

Nur, und dafür waren wir hier: Sie wollte nicht mit den andern Kindern spielen.

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"Luise", sagte die Liebste, "ihr habt vorhin so schön gemalt und gebastelt. Und nachher geht ihr raus zum Zeltbauen, Käfersuchen und Wasserplantschen. Das machst du doch gerne..."

"Jaha", sagte Luise. "Aber meine Freundinnen sind nicht dabei! Könnt ihr mitkommen? Bitte!"
Wir gingen mit und lernten, wie man ein Zelt baut und welche Gräser und Kräuter essbar sind, gut zu wissen für den Fall, dass die Wirtschaftskrise sich weiter verschärft. Dann, Luise hatte schon ein paar vielversprechende Worte mit zwei anderen Mädchen gewechselt, verabschiedeten wir uns von unserer Tochter, tranken am Pool einen Espresso und schlenderten zu unserem Zimmer zurück.

Luise saß vor der Tür, in Tränen aufgelöst und mit vorwurfsvoll übereinander geschlagenen Armen. "Wo wart ihr?", schrie sie. "Das war fies und gemein! Ich gehe nicht mehr zur Kinderbetreuung! Ich gehe niemals mehr zur Kinderbetreuung!"

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Wir erinnerten sie an die zwei Mädchen, mit denen sie vorhin so schön gespielt hatte.

Die anderen Mädchen sind blöd

"Die sind blöd!", schniefte Luise. "Warum haben wir meine Freundinnen nicht mitgenommen?"
Ich versuchte, ihr zu erklären, dass wir dann den nächsten Urlaub aus Geldnot glatt ausfallen lassen müssten. "Dann können wir diesen Urlaub auch ausfallen lassen und sofort nach Hause fahren!", rief Luise. "Mir ist langweilig!"

Die Liebste und ich waren uns einig, dass unser Kind nur etwas Zeit brauchte, mehr Zeit als manch anderes Kind. Etwa das sympathische, ungefähr gleichaltrige Mädchen, das nach dem Abendessen vom Tisch ihrer Eltern aufstand, zu uns kam, sich vorstellte und Luise fragte: "Wie heißt du?"

Unsere Tochter schwieg. So lange, bis das Mädchen sagte: "Ich gehe jetzt ins Spielzimmer". Wir ermutigten Luise sehr, mitzugehen. Sie wollte nicht. Zumindest nicht alleine.

Nach Ewigkeiten kam die Liebste aus dem Spielzimmer zurück, gefolgt von Luise, und seufzte, alle anderen Kinder seien längst ins Bett gegangen, und das sollten wir nun auch tun.

"Aber!", rief Luise, "ihr geht nicht weg, wenn ich schlafe!"

Leserkommentare
  1. Ferien auf dem Bauernhof inklusive früh aufstehen und harter körperlicher Arbeit wären deutlich billiger und pädagogisch, mit Abstand, wertvoller gewesen.

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    Redaktion

    haben wir auch schon gemacht, haben Sie es nicht gelesen? ;-). Allerdings ohne das frühe Aufstehen. Und das harte Arbeiten. Es kann eben nicht jeder so sein wie Sie!

    Früh aufstehen und harte körperliche Arbeit sind aber nun mal kein Urlaub :D

  2. Ich fahre gerne und oft in Urlaub aber wozu braucht man eine Kinderbetreuung? Kommt für meine drei Kinder nicht in Frage. Mit Zelt am Atlantik entlang, Sardinen grillen am Strand. Wer braucht da eine Kinderbetreuung. Ach so, Leute die All Inclusive Urlaube machen wie in ihrem vorherigem DINK Leben. Tja, Leute habt ihr was nicht verstanden.
    Familienurlaub ist MIT Familie.

    15 Leserempfehlungen
  3. Ja ja das Aufopfern für seine eigenen Kinder ist der Eigensucht gewichen.
    Kinder merken sich das..... und im hohen Alter sind dann die Eltern irgendwo im Altersheim und beklagen sich über ihre lieblosen Kinder.
    Ursache und Wirkung. Werde ich jetzt beschimpft?

    8 Leserempfehlungen
  4. Beim Durchschnittsdeutschen der leider nicht zuviel Geld hat, kommt eine derartige Problematik nicht vor. Was will mir der Artikel sagen? Zuviel Geld führt zu unerträglichen, verwohnten Gören?
    Erziehen solche Leute ihre Kinder oder werden solche Leute von ihren Kindern erzogen?

    16 Leserempfehlungen
  5. Man nehme aus dem weiteren Bekanntenkreis ein bekanntes Kind gleichen Alters mit.....
    .
    und RUH ist.
    .
    Je nach Umgebung sieht man die Kinder nur zum Essen oder wenn sie ein Pflaster brauchen.
    .
    Kostenfrage: Kann man Jahr für Jahr umlegen oder direkt abrechnen:-)
    .
    Merke: 1 Kind NERVT, 2 muss man/Frau meist suchen!
    .
    Weiß
    Sikasuu
    .
    (Nachteil: Man muss am Abend 2 Stück Kind waschen. Wobei bis zu einem bestimmten Alter waschen nicht zu den bevorzugten Tätigkeiten von Kindern gehört! :-))

    13 Leserempfehlungen
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    Ha, man nehme nicht nur einfach ein Kind aus dem Bekanntenkreis, am besten die beste und oder längste Freund(in) des eigenen Kindes mit, nein, man spreche sich womöglich sogar nicht mit den Eltern dahingehend ab, das man das eigene Kind im Anschluss des eigenen Urlaubs direkt noch mit den Bekannten mit in den Urlaub gibt.
    Damit kann man wunderbar die betreuungsfreie Zeiten in den Ferien (wir müssen diesen Sommer sage und schreibe insgesamt 7 Wochen überbrücken) einigermassen sinnvoll überbücken. Und nicht nur das man im eigenen Urlaub wesentlich entspannter ist, nein auch danach hat man noch einige Tage bis Wochen zu Hause quasi Urlaub (auch wenn man Arbeiten geht).

  6. Redaktion

    haben wir auch schon gemacht, haben Sie es nicht gelesen? ;-). Allerdings ohne das frühe Aufstehen. Und das harte Arbeiten. Es kann eben nicht jeder so sein wie Sie!

    9 Leserempfehlungen
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    ... Herr Spörrle, ich glaube an Sie:-)

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  • Schlagworte Dialekt | Mädchen | Trauma | Urlaub | Eltern | Familie
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