Luise ist ein Einzelkind. Damit sie sich im Urlaub nicht so langweilte fuhren wir mit ihr in dieses wunderschöne, teure Familienhotel, in dem auch die Liebste und ich uns wohl fühlten. Unsere Tochter genoss mit uns das Schwimmbad. Sie schleifte uns ins Spielzimmer. Sie hielt es sogar circa zehn Minuten allein mit den freundlichen Kinderbetreuerinnen und den anderen Kindern aus, bevor sie davon lief und wild an unsere Zimmertür hämmerte, was in dem Moment etwas ungünstig war.

Nur, und dafür waren wir hier: Sie wollte nicht mit den andern Kindern spielen.

"Luise", sagte die Liebste, "ihr habt vorhin so schön gemalt und gebastelt. Und nachher geht ihr raus zum Zeltbauen, Käfersuchen und Wasserplantschen. Das machst du doch gerne..."

"Jaha", sagte Luise. "Aber meine Freundinnen sind nicht dabei! Könnt ihr mitkommen? Bitte!"
Wir gingen mit und lernten, wie man ein Zelt baut und welche Gräser und Kräuter essbar sind, gut zu wissen für den Fall, dass die Wirtschaftskrise sich weiter verschärft. Dann, Luise hatte schon ein paar vielversprechende Worte mit zwei anderen Mädchen gewechselt, verabschiedeten wir uns von unserer Tochter, tranken am Pool einen Espresso und schlenderten zu unserem Zimmer zurück.

Luise saß vor der Tür, in Tränen aufgelöst und mit vorwurfsvoll übereinander geschlagenen Armen. "Wo wart ihr?", schrie sie. "Das war fies und gemein! Ich gehe nicht mehr zur Kinderbetreuung! Ich gehe niemals mehr zur Kinderbetreuung!"

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Wir erinnerten sie an die zwei Mädchen, mit denen sie vorhin so schön gespielt hatte.

Die anderen Mädchen sind blöd

"Die sind blöd!", schniefte Luise. "Warum haben wir meine Freundinnen nicht mitgenommen?"
Ich versuchte, ihr zu erklären, dass wir dann den nächsten Urlaub aus Geldnot glatt ausfallen lassen müssten. "Dann können wir diesen Urlaub auch ausfallen lassen und sofort nach Hause fahren!", rief Luise. "Mir ist langweilig!"

Die Liebste und ich waren uns einig, dass unser Kind nur etwas Zeit brauchte, mehr Zeit als manch anderes Kind. Etwa das sympathische, ungefähr gleichaltrige Mädchen, das nach dem Abendessen vom Tisch ihrer Eltern aufstand, zu uns kam, sich vorstellte und Luise fragte: "Wie heißt du?"

Unsere Tochter schwieg. So lange, bis das Mädchen sagte: "Ich gehe jetzt ins Spielzimmer". Wir ermutigten Luise sehr, mitzugehen. Sie wollte nicht. Zumindest nicht alleine.

Nach Ewigkeiten kam die Liebste aus dem Spielzimmer zurück, gefolgt von Luise, und seufzte, alle anderen Kinder seien längst ins Bett gegangen, und das sollten wir nun auch tun.

"Aber!", rief Luise, "ihr geht nicht weg, wenn ich schlafe!"