Eine Erzieherin liest mit zwei Kindern ein Buch in einer Kita in Hannover. © Julian Stratenschulte/dpa

Rechtsextreme Ideologie dringt inzwischen auch in Einrichtungen für die frühkindliche Erziehung vor, berichten Fachkräfte aus Kitas und der Familienhilfe. Viele junge Eltern mit rechtsextremer Einstellung hätten Kinder, die derzeit in die Kita gingen, sagte Heike Radvan von der Amadeu Antonio Stiftung. "Einige dieser Kinder versuchen, in der Kita offensiv die Ideologie zu verbreiten, die sie zu Hause lernen", berichtete Radvan. Dies kommt nach Erkenntnissen der Antirassismus-Organisation nicht allein in ostdeutschen Bundesländern vor, sondern auch in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg.

Rechtsextreme Eltern versuchten, besonders im ländlichen Raum möglichst in die gleichen Orte oder Ortsteile zu ziehen, sagte Radvan; in den dortigen Kitas gebe es dann viele Kinder aus solchen Familien. Diese Jungen und Mädchen wollten zum Beispiel nicht mit Dunkelhäutigen spielen: "Ein Zeichen kann aber auch sein, dass sie sehr zurückhaltend sind und wenig von zu Hause erzählen." Manchen merke man eine autoritäre Erziehung an: "Das sind Kinder, die besonders gut spuren und deshalb meist kaum auffallen."

Es sei diskutiert worden, ob man diese Jungen und Mädchen wegen Kindswohlgefährdung aus ihren Familien herausnehmen müsse: "Das kann aber keine Antwort sein", sagte Radvan. Eine Trennung könne Schaden anrichten, die deutlich bessere Lösung seien Ganztagsschulen und Tagesstätten, in denen die Kinder früh demokratischen Alltag kennenlernten.

"Kinder können nichts dafür"

Kindergärten könnten das Problem angehen, indem sie gezielt Kinder von Zuwanderern oder mit Behinderungen aufnähmen und so Vielfalt vorlebten, sagte Radvan, die die Fachstelle Gender und Rechtsextremismus bei der Amadeu Antonio Stiftung leitet.

Sie warnte davor, Kinder rechtsextremer Eltern auszugrenzen. Viele Eltern hätten beispielsweise Bedenken, ihren Nachwuchs zu Geburtstagsfeiern von rechtsextremen Familien zu schicken, aber: "Die Kinder können ja nichts dafür."

Am 25. November findet in Berlin eine Fachtagung zum Thema Rechtsextrem orientierte Eltern als Herausforderung in der Jugendhilfe und in Kitas statt.