Wenn ich gefragt werde: "Soll ich mich nun trennen oder nicht?", was heutzutage erstaunlich oft vorkommt, dann antworte ich: "Auf gar keinen Fall." "Warum?" Eigentlich müsste ich antworten: "Wegen der Wechselsachen", aber ich weiche meistens aus. "Wieso denn die Wechselsachen?", wäre die nächste Frage, und dann müsste ich den ganzen Abend lang erklären, was eigentlich nicht erklärt werden kann, käme vom Hundertsten ins Tausendste und wahrscheinlich nie auf den Punkt. Denn Wechselsachen sind eigentlich unwichtig, beherrschen aber das ganze Leben. Sie sind der eigentliche Grund, sich nicht zu trennen.


Wechselsachen sind einfach nur die Sachen, welche die Kinder mitnehmen, wenn sie vom Vater zur Mutter wechseln oder umgekehrt. Das ist die Theorie. In der Praxis sieht das so aus: Zwei- bis dreimal pro Woche, denn so oft wechseln unsere Kinder, müssen mehrere Rucksäcke mit Schulsachen, Noten und persönlichen Dingen gepackt werden. Da mein Ex-Mann kein Auto besitzt, befördere ich die Sachen zwischen den Wohnungen hin und her.

Morgen muss ich das Referat halten…

Doch damit ist es meistens nicht getan: "Mama, morgen brauche ich meinen Zirkel!", ruft meine Tochter schluchzend ins Telefon, oder ich bekomme eine SMS von meinem Sohn: "Muss morgen das Referat halten, habe meinen USB-Stick bei Dir vergessen." In diesen Fällen steige ich noch einmal ins Auto und transportiere das Gewünschte in die Wohnung des Ex.

Die Wechselsachen kosten mich pro Woche mindestens fünf Stunden. Oft habe ich in den vielen Jahren des Hin- und Herschleppens die jeweiligen Freundinnen in der Wohnung meines Ex angetroffen. Sie waren nicht erfreut, mich so regelmäßig zu sehen, bepackt wie ein Esel. Obwohl ich natürlich versucht habe,  herauszufinden, wann sie anwesend sind, um die Begegnung zu vermeiden, damit sie sich nicht bedrängt fühlen.