Fremdsprachenerwerb statt Versteckspiel, Frühförderung statt Höhle bauen, langes Stillsitzen in der Schule statt Welterkundung mit Händen und Füßen. Anstatt Kindern Raum und Anlass für Bewegung zu geben, wird in erster Linie auf die intellektuelle Ausbildung gesetzt. 

Die Deutsche Lebensrettungsgemeinschaft (DLRG) warnt: Jeder dritte Elfjährige in Deutschland kann nicht schwimmen. Tendenz abnehmend: Konnten Ende der 1980er Jahre noch mehr als 90 Prozent der Viertklässler in Westdeutschland schwimmen, seien es nun bundesweit nur noch 70 Prozent.


Ein Grund dafür ist, dass viele Schwimmbäder schließen mussten. "Wir haben in den letzten zehn Jahren 1.100 Bäder verloren für die Ausbildung", sagt DLRG-Präsident Klaus Wilkens. In mehr als 20 von 100 Grundschulen kann nun kein Schwimmunterricht mehr stattfinden, weil das nächste Bad zu weit entfernt ist. Die Lebensretter befürchten, dass die Zahl der Badeunfälle steigen wird. Im vergangenen Jahr sind über 400 Menschen in Deutschland ertrunken.

Konzentrationsschwäche und Übergewicht

Parallel dazu zeigen viele andere Studien, dass Kinder deutliche Defizite in ihren Bewegungsmöglichkeiten aufweisen. Aufschlussreich ist zum Beispiel der Blick auf den sogenannten MOT 4-6, ein standardisiertes Verfahren, das den motorischen Entwicklungsstand vier- bis sechsjähriger Kinder misst. Mit diesem Test werden die Koordinationsfähigkeit, feinmotorische Geschicklichkeit, Gleichgewichtsvermögen, Reaktionsfähigkeit, Sprungkraft, Bewegungsgeschwindigkeit und Bewegungssteuerung geprüft. Der Test wird seit 1984 durchgeführt. Heute werden "deutlich schlechtere motorische Grundfertigkeiten" festgestellt als Mitte der achtziger Jahre, heißt es im Bericht. 

Daniel Bott, Gesundheitsexperte der SBK, sagt: "Abnehmende körperliche und motorische Leistungsfähigkeit, Konzentrationsschwächen sowie Übergewicht sind nur einige der unmittelbaren Folgen, ganz zu schweigen von den gravierenden Spätfolgen wie Herz- und Kreislaufschwächen, Rückenleiden, Diabetes oder Arthrose im Erwachsenenalter."