Das klingt doch mal gut: Jüngere Väter nehmen sich viel Zeit für ihre Kinder. Mehr als ein Viertel (26 Prozent) der 20- bis 39-jährigen Väter verbringt – nach Selbsteinschätzung – zwei bis drei Stunden an einem durchschnittlichen Wochentag mit den eigenen Kindern. Von den älteren Vätern sind es nur 10 Prozent. Da in der Forsa-Studie auch nach dem Alter der Kinder unterschieden wird, fällt das Gegenargument weg, dass die älteren Väter ältere Kinder hätten, die weniger betreuungsintensiv seien.

Sympathischerweise empfindet fast die Hälfte der jüngeren Väter die gemeinsam mit ihrem Kind oder ihren Kindern verbrachte Zeit als "nicht ausreichend". Nur 12 Prozent finden, dass sie genug Zeit für ihren Nachwuchs haben. Noch eine Generation zuvor war es für die Nachkriegsväter selbstverständlich, dass Wiederaufbau und berufliches Fortkommen oberste Priorität besaßen. Auch bei vielen 68ern standen Selbstverwirklichung und Karriere höher im Kurs als Vater- und Hausmannspflichten. Kinder waren, unabhängig von der politischen Gesinnung, meistens einfach Frauensache.

So optimistisch klingen nun die Zahlen der neuen repräsentativen Forsa-Befragung zum Thema Väter in Deutschland. Sie will zeigen, wie die Väter ihre eigene Vaterrolle sehen, wie sich ihre Lebenssituation seit der Geburt des Kindes geändert hat und wie sich Beruf und Familie miteinander vereinbaren lassen.

Mit Babytrage shoppen

Aber die Euphorie für die in den Medien spätestens seit Sigmar Gabriel allseits hochgelobten neuen Väter erschöpft sich beim Weiterlesen. Zwar wird Kindererziehung stärker als früher als Eltern- und nicht nur als Mütterprojekt wahrgenommen und viele Väter haben Spaß an ihren Kindern. Sie  gehen heute in Geburtsvorbereitungskurse, in den Kreißsaal und anschließend mit Babytrage shoppen. Aber die Begeisterung oder das Verantwortungsgefühl reicht nicht so weit, dass sich substanziell etwas an der Lastenverteilung zwischen Müttern und Vätern geändert hätte, an der Umverteilung von Arbeit und Kinderbetreuung.

Nur ein Viertel der engagierten neuen Väter hat sich bis zu zwei Monaten Elternzeit genommen. Vier bis sechs Monate Elternzeit nahm genau 1 Prozent der Väter – soviel Elternzeit nimmt beinahe jede Mutter. Und das, obwohl fast die Hälfte aller Väter glaubt, dass sich die Elternzeit nicht negativ auf die Karrierechancen der Männer auswirkt.  Unlängst hat das Statistische Bundesamt neue Zahlen vom Mikrozensus für Teilzeitarbeit veröffentlicht. Während 69 Prozent aller erwerbstätigen Mütter Teilzeit arbeiten, sind es genau 5 Prozent aller Väter.