Eltern wollen das Beste für ihr Kind. Das gilt natürlich auch für Eltern mit Migrationshintergrund. Die meisten von ihnen schätzen dabei Bildung besonders hoch. Sie sind auch bereit, viel für ihre Kinder zu tun, damit sie einen besseren Abschluss erreichen als sie selbst. Zu dem Ergebnis kommt die Elternbefragung "Große Vielfalt, weniger Chancen", die der Bildungsforscher Heiner Barz von der Universität Düsseldorf durchgeführt hat. Viele brauchen und wollen allerdings spezifische Hilfe und mehr Anerkennung.

Ganz oben auf der Liste der Wünsche (mit 92 Prozent) steht quer durch alle Milieus die interkulturelle Kompetenz der Lehrer und Erzieher. Gleich danach folgt der Wunsch, dass die jeweilige Kultur auch gesehen und wertgeschätzt wird.

An den Schulen und Kindergärten ihrer Kinder erleben die Eltern, dass im Essensplan der Mensen oder auf Festen die Vielfalt der Schüler sichtbar wird. Die Regel ist es aber noch nicht. Auch in vielen Schulbüchern werden Migranten noch immer oft als Fremde oder sogar diskriminierend dargestellt. 

Außerdem wünscht sich eine große Mehrheit der Eltern mit Migrationshintergrund einen speziellen Deutschunterricht für Migrantenkinder und mehr Beratung über die Möglichkeiten, das eigene Kind zu fördern.

Das Neue an der aktuellen Studie ist, dass sie die Bedürfnisse der Eltern in Bildungsfragen nicht "den Migranten" insgesamt zuordnet, sondern Einwanderer in acht verschiedene Milieus einteilt, die sehr anschaulich machen, wie vielfältig die Lebenswelten und damit das Potenzial und die Nöte der Migranten sind. Dadurch, dass die Vielfalt sichtbar wird, rücken sich viele Vorurteile zurecht, denn nur in einem einzigen Milieu wird Bildung eher abgelehnt, was im Klischee oft allen Migranten unterstellt wird. Die acht Milieus werden wiederum in vier Gruppen sortiert:

Gruppe 1) Die bürgerlichen Migrantenmilieus: Das "adaptiv-bürgerliche Milieu" versucht sich zu integrieren und strebt nach Sicherheit. Das "statusorientierte Milieu" ist ein klassisches Aufsteigermilieu und sucht nach Wohlstand und Anerkennung.

Gruppe 2) Die ambitionierten Migrantenmilieus: Das "multikulturelle Performermilieu" ist jung, leistungsorientiert und lebt mit zwei Kulturen. Ins "intellektuell kosmopolitische Milieu" gehören aufgeklärte, global denkende Menschen mit multikultureller Grundhaltung.

Gruppe 3) Die traditionsbewussten Migrantenmilieus: Hier ist das "religiös-verwurzelte Milieu" angesiedelt, dass sich sozial und kulturell isoliert und in patriarchalischen und religiösen Traditionen der Herkunftsländer verharrt. Das "traditionelle Arbeitermilieu" besteht oft aus Spätaussiedlern und Arbeitsmigranten.

Gruppe 4) Die prekären Migrantenmilieus: Das "entwurzelte Milieu" hätte gern mehr Geld, Ansehen und Konsum, sucht aber auch nach Identität und Heimat. Das "hedonistisch-subkulturelle" Milieu ist ein Jugendmilieu ohne Perspektive, dass sich den Ansprüchen der Gesellschaft verweigert.