Mann mit Bart © Bob Berg/Getty Images

"Das Geld reicht nicht. Ulrike tobt. Sie heult. Sie ist verzweifelt. Und ich stehe schweigend daneben, ich fühle mich so mies. Ich kann meine Familie nicht ernähren."

Das schreibt ein ehemaliger erfolgreicher Journalist in seinem Buch Möbelhaus, das derzeit für einige Aufmerksamkeit sorgt. Unter dem Pseudonym Robert Kisch beschreibt er seinen beruflichen Absturz vom preisgekrönten Journalisten zum Möbelverkäufer. Die Ehe mit der Frau, die im Buch Ulrike genannt wird, überlebte die Krise nicht. Es folgt eine männliche Scheidungskarriere: Sein Auszug aus der gemeinsamen Wohnung, Einzug in eine ranzige Dachwohnung, knappe und genau regulierte gemeinsame Zeiten mit dem Sohn, Unterhaltspflicht.

In den vergangenen Jahren hat sich in Geschlechterrollen- und Emanzipationsfragen viel bewegt. Inzwischen betrachtet man selbst in bürgerlich-konservativen Kreisen Betreuung für Kleinkinder nicht mehr als reines Teufelszeug, das Elterngeld hat dafür gesorgt, dass Väter sich mehr um ihren Nachwuchs kümmern, geschiedene Frauen müssen mehr für den eigenen Unterhalt sorgen und Politiker können es sich nicht mehr leisten, Familienthemen als "Gedöns" abzutun, wie es einst Gerhard Schröder tat. Und doch sind die gesellschaftlichen Normen darüber, was von Männern und Frauen erwartet wird, erstaunlich klassisch geblieben. Möbelhaus erzählt nicht nur von einem persönlichen Schicksal eines geschiedenen Ehemannes, es ist auch ein Buch über Männer und ihren Rollenkonflikt als Ernährer und Vater.

Es ist weiterhin gesellschaftlich akzeptiert, wenn eine Frau nur dazuverdient und die finanzielle Hauptverantwortung für die Familie bei den Vätern liegt – und die Schuldfrage, wenn es beruflich nicht mehr läuft, an die Väter gerichtet wird. Die Emanzipation hat die Spielräume für Frauen erweitert: Sie können Karriere machen, müssen aber nicht. Für Männer hingegen hat sich wenig geändert, sie müssen weiter in der harten Währung der Erwerbsarbeit liefern. Frauen, erst recht Müttern, stehen alternative Formen der Bestätigung und Selbstverwirklichung zur Verfügung, wenn sie im Beruf keine Karriere machen können oder wollen.

Glaubt man Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, dann müssen nur die Väter mehr Präsenz zu Hause zeigen und eine flächendeckende Betreuung für Kleinkinder aufgebaut werden, dann werden Frauen Beruf und Kinder miteinander gleichrangig "vereinbaren" können.

Doch eine Studie zeigt, dass die Rollenbilder auf beiden Seiten tiefer verankert sind. Die Tendenz der Frauen, sich nach der Geburt eines Kindes langfristig beruflich zurückzuziehen, liegt nicht allein an fehlenden Kita-Plätzen. Zuletzt sind die Betreuungsquoten bei Kleinkindern rasant gestiegen: Im vergangenen Jahr waren es schon 32,3 Prozent, während noch im Jahr 2006 nur 13,6 Prozent alle unter Dreijährigen in die Kita gingen. Gleichzeitig ist aber nach den Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) – einer Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit – die Zahl der teilzeitbeschäftigten Frauen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Waren es 1991 noch 30 Prozent, arbeiteten 2014 mittlerweile fast 58 Prozent in Teilzeit, während der Anteil der Vollzeit arbeitenden Frauen zurückgegangen ist.