In den vergangenen Jahren wurden viele neue Plätze in Kindertagesstätten geschaffen, Eltern haben ein Recht auf einen Kita-Platz auch für die ganz Kleinen. Nun werden die Rufe nach besserer Qualität und damit einhergehend nach besserer Bezahlung der Pädagogen immer lauter. Die Erzieher streiken dafür und sowohl Politiker als auch Eltern haben Verständnis. Es tut sich trotzdem nicht viel, denn bisher ist ungeklärt, wer die höheren Gehälter bezahlen kann und wie soziale Berufe in Zukunft gesellschaftlich eingeordnet werden sollen.

Aktuell stehen die Kommunen, vertreten durch die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), und die Gewerkschaften Ver.di und GEW vor der dritten Verhandlungsrunde. Eine schnelle Einigung ist aber nicht in Sicht.

Laut VKA-Fahrplan soll am 9. April vor allem über die Gehälter der Erzieher und Kinderpfleger verhandelt werden. Mit zahlreichen Warnstreiks vor und nach Ostern machen die Gewerkschaften Druck. Ihre Forderung: Die Beschäftigten in den Sozial- und Erziehungsberufen sollen höher eingruppiert werden und dadurch im Schnitt zehn Prozent mehr Gehalt bekommen. Zu ihnen gehören unter anderem Erzieher, Sozialpädagogen, Heilpraktiker und Beschäftigte in der Behindertenhilfe. Nach Ver.di-Berechnungen könnte dies wie folgt aussehen: Eine Kinderpflegerin, die derzeit 2.433,58 Euro verdient, soll heraufgestuft werden und 2.756,93 Euro brutto bekommen. Eine Erzieherin, die eine Gruppe leitet, soll statt 2.768,08 Euro künftig 2.991,07 Euro erhalten.

Erzieher seien vom Ausbildungs- und Anforderungsprofil mit Meistern oder Technikern im öffentlichen Dienst zu vergleichen, sagt Ver.di-Sprecher Christoph Schmitz. Ein Meister verdient bis zu 3.920 Euro brutto. Erzieher erhielten in der höchsten Stufe, also nach etwa 16 Jahren Berufserfahrung, 3.289,06 Euro.

Sprachförderung, Integration von Migrantenkindern, Prävention

"Es hat einen enormen pädagogischen Qualitätsschub gegeben, der sich jetzt auch in der Bezahlung niederschlagen muss.", begründet Ver.di-Chef Frank Bsirske die Forderungen. Er habe kürzlich mit einer Erzieherin gesprochen, die nach 29 Jahren im Job stellvertretende Kita-Leiterin geworden sei und das gleiche Monatsgehalt bekommt wie ihr Neffe, der nach der Ausbildung als Chemielaborant seine erste Stelle antritt. "Da stimmt etwas nicht, und zwar nicht beim Gehalt des Chemielaboranten. Die Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe hat es bis hinein in den Koalitionsvertrag geschafft. Nun muss man den Worten auch Taten folgen lassen, und genau das machen wir jetzt", sagt Bsirske.

Tatsächlich haben Erzieher viele neue Aufgaben bekommen. Sie sind für die Sprachförderung zuständig und sollen generell helfen, Migrantenkinder und deren Eltern besser zu integrieren. Sie lernen, häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch frühzeitig zu erkennen. Sie müssen die Entwicklung jedes Kindes genau dokumentieren – um nur einige Bereiche zu nennen. Erzieher haben außerdem einen sehr stressigen Job. Sie müssen häufig 20 Kinder allein betreuen, weil Kollegen fehlen oder krank sind. 

Martina Meyer, die im Referat für Bildung und Sport der Stadt München arbeitet, sagt: "Die Arbeit mit und am Menschen muss aufgewertet werden." Andernfalls würde der Fachkräftemangel noch schlimmer. Ähnlich argumentiert auch Ursula Fuldmer von der Lebenshilfe Ingolstadt. Sie arbeitet mit behinderten Menschen und sagt, viele ihrer Mitarbeiter hätten zwei oder drei Ausbildungen, weil die Anforderungen gestiegen seien. Trotzdem hätten viele einen Zweit-Job, weil sie sonst die Mieten in Ingolstadt nicht bezahlen können.