Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein beliebtes Feuilletonthema. "Geht alles gar nicht", haben mittlerweile sogar ein paar Väter festgestellt. Das Problem kenne ich auch. Um viel für meine beiden Kinder da sein zu können, musste ich meine beruflichen Ambitionen erheblich zurückfahren. Aber selbst wenn das mit Kind und Karriere gerade ganz gut funktioniert, fehlt mir immer noch einiges: Wann habe ich Zeit, mich mit Freunden zu treffen oder mal einen ganzen Vormittag mit meinem Laptop im Bett zu liegen und Serien zu schauen?

Und dann ist da noch eine Sache: Für viele Eltern sind immerhin Familien- und Liebesleben einigermaßen zu vereinbaren. Sie gehen nach einem langen und anstrengenden Tag mit Job und Kind einfach mit dem anderen Elternteil ins Bett. Für mich und viele Alleinerziehende kommt als logistische Herausforderung noch die Organisation des Liebeslebens hinzu.

"Darf ich heute in deinem Bett schlafen?", fragt mich Fritzi. Wenn ihre kleine Schwester Lynn bei uns ist, schläft die im Babybett, das als sogenannter Babybalkon direkt an mein Bett angrenzt. Das ist natürlich unfair für Fritzi. Ich erlaube ihr deshalb häufig, in meinem Bett zu schlafen. "Heute nicht", antworte ich ab und zu trotzdem. "Sarah kommt nachher noch vorbei. Morgen wieder, okay?"

Lynn ist gerade erst ein halbes Jahr alt. Ich bin noch damit beschäftigt, mich an diesen neuen Menschen in meinem Leben zu gewöhnen. Ob oder wie ich eine feste Beziehung führen kann und möchte, weiß ich im Moment nicht. Und ich gehe davon aus, dass sich das auch in den nächsten Monaten nicht ändern wird. "Schläft Sarah hier?", fragt mich Fritzi. "Ich weiß es noch nicht", antworte ich ihr wahrheitsgemäß. Ich weiß ja weder, ob sie über Nacht bleiben möchte noch ob ich möchte, dass sie bleibt.

Etwa 20 Prozent der Familien in Deutschland mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren sind Ein-Eltern-Familien. Die überwiegende Mehrzahl der Alleinerziehenden – vor allem mit kleineren Kindern – sind Frauen. Mütter in Ein-Eltern-Familien müssen nicht nur die schwierige Aufgabe bewältigen, das Liebesleben in den Alltag mit Job und Kind zu integrieren, sondern haben im Beziehungskarussell darüber hinaus mit erheblichen Vorurteilen zu kämpfen.

In Männerforen lese ich, dass eine alleinerziehende Mutter nie ohne Grund alleinerziehend sei. Männer raten anderen Männer davon ab, sich auf eine alleinerziehende Mutter einzulassen. Da habe ich noch Glück: Wenn ich in einer Bar oder bei Tinder von meiner Familie erzähle, fragen viele interessiert nach. Ein Vater wie ich, der sich so verantwortungsbewusst (wie ansonsten Hunderttausende alleinerziehende Mütter auch) um die eigenen Kinder kümmert, kann kein schlechter Mensch sein. Es ist völlig absurd, aber die ungleiche Beurteilung von Müttern und Vätern ist traurige gesellschaftliche Realität.

Wie erkläre ich Fritzi, was ich selbst nicht weiß?

Ich habe darüber hinaus den Luxus, jedes zweite Wochenende komplett ohne meine Kinder verbringen zu können. Bei unserem letzten Date an einem meiner freien Wochenenden staunte Sarah über all die Kindersachen in meiner Wohnung: Spielzeug im Wohnzimmer, Badetiere auf dem Rand der Badewanne, kleine Schuhe und Jacken im Flur. Sie freut sich, Fritzi nun auch kennenzulernen. Als sie da ist, putzt sich Fritzi schon ihre Zähne. Die beiden sehen sich nur kurz.

Wir trinken ein, zwei Bier und haben einen schönen Abend. Sarah schläft bei mir. Am Morgen kommt Fritzi schüchtern in mein Schlafzimmer. Nach dem Frühstück bringe ich sie in den Kindergarten und sie fragt mich aus: "Habt ihr euch geküsst? Bist du verliebt? Ist Sarah verliebt?" Ich habe meine Gefühle für mich selbst noch nicht sortiert – aber muss sie schon am frühen Morgen Fritzi erklären.